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Der Israelit · 1928-03-15 · Heft 11 (15.3.1928) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 11 (15.3.1928)
Date
1928-03-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 11 antisemitische -Reden gehalten, in denen die Zuhörer aufgefordert wurden, an den Juden Rache zu nehmen. Die Studenten überfielen auf dem M.ariackiplatz und in den umliegenden Straßen die jüdischen Passanten und schlugen auf ße ein.' In. dem von Juden besuchten Kaffeehaus „De lapäix" wurden die Scherben eingeschlagen. Eine starke Abteilung Polizei trieb/ die.. Demonstranten, auseinander, die sich aber vor der Redaktion der polnischjüdischen Tageszeitung „Chwila" wieder sammelten, das Gebäude mit Steinen bombardierten und jüdische Passanten verprügelten. Militär, rückte hcrran, zerstreute die! demonstrierenden Studenten, und sperrte, die Straßenab/ Sieben Studenten wurden verhaftet.' WWÜrßd Ein llnterstaatsfekretär Präsident des russischem »Ort". Riga, 1. Marz. Zum . Präsidenten der russischen Gesellschaft „Ort" wurde der Unterstaatssekretär für Handel,' Herr Schleifer, gewählt. Die übrigen Mitglieder des Präsidiums sind Tschemeriski, Joffe, Magidsohn, Model, und der Vertreter des Verbandes „Ort", Zegelnicki. England. Am die FLüstage-OochL Löndon/^/März. . Di^ hiesige B'nei B'rith-Löge hatte auf leWsi Sonn-, . tag ^eine- L^rsämmlung "einöerüfen, in der von^Persönlichkölteü, die im"wirtschaMcheii Leben führende..Gillungen' einnehchenj' über die' wirtsHiMcheT Aussich'ten ded?FBlftage^^^''berMet^etbÄ'^oy^,^DU'.H!i.rettot^einer Fabrik in Braintree, Mr/C r i'.^ta'l.,^x/hvei-. taü^nb'.Arbeitiir''b«fch8fWt)''berichMe'H^r/die^lM'1W' «iügeführte Arbeitswoche'' von fünf Lägen"mit '45 'Ar-. belksstüNVen. Die FüüftaWWöHe Hüfte'/ die' Prvduk-/ tiönskosten vermindert, so'daß RentahMät gegeben fcl'T Mrs. Weinb e r g aus Nottingham, Direktorin der Spitzen-Fabrik Simon Mai u. Co., referierte über die Beobachtung des Sabbats in ihrer Fabrik, die vor 80 Jahren von Jacob Weinberg gegründet worden ist und seitdem dieBeobachtung, des Sabbats und der Festtage gewAen^^^dürHgeMrt-.'hat.. Man könne nicht davon sprecht' haß^die Beschränkung der Arbeit auf fünf Tage bezw. im Winter auf Tage ein wirtschaftlicher Vorteil sei, im Gegenteil seien damit unausweichlich Verluste verknüpft^, solang« nicht die ganze Konkurrenz in gleicher Weise oorgehe. Trotzdem bestehe die Tatsache, daß man, mit einer solchen Beschränkung der Arbeitszeit bestehen, und sich fortentwickeln könne. Die' Bevölkerung in Nottingham zeige stets eine besonders sympathische Haltung, gegenüber denen, die den Sabbat beobachten. Mr. Selby sprach sich gegen die Fünftage-Woche aus. Auch wenn die Produktion ziffernmäßig nicht sinke, sei ein wirtschaftliches Gedeihen bei einer solchen Einschränkung nicht möglich. Es folgte eine ausgedehnte Diskussion, die natürlich nicht zu einem festen Ergebnis führen konnte. Schweiz. Der Bericht der Völkerbundkommission über die Kalenderreform.. Genf, 7. März. Der Völkerbund, und besonders dessen technische Kommission für Verkehr und Transit, hat sich bekanntlich mit der Frage einer Kalenderreform beschäftigt. Diese Kommission hat die nähere Prüfung des Problems einem Spezial-Komitee übertragen, bestehend aus sechs Autoritäten auf verschiedenen Gebieten unter dem Präsidium des Jonkheer van Eyfinga, Professor an der Universität Leyden. Dieses Komitee hat einen sehr ausführlichen Bericht über seine Tätigkeit erstattet. In der Einleitung wird erwähnt, daß die Kommission für Verkehr und Transit der Ansicht war, Verbesserungen am Gregorianischen Kalender könnten die Volkswirtschaft und die internationalen Derkehrsverhältnisse wesentlich beeinflussen. Der Generalsekretär des Völkerbundes hatte schon vor der ersten Sitzung des Komitees an 27 Regierungen und an 18 kirchliche Behörden ein Zirkular mit einem Fragebogen versandt. Auch wurde gewissen religiösen Gruppen Gelegenheit gegeben, ihre Ansichten und Wünsche mündlich vorzutragen. Als Vertreter der Juden von Frankreich, Großbritannien, Oesterreich, der Schweiz und der Vereinigten Staaten von Nordamerika äußerten sich vier Groß-Rabbiner und ein Delegierter. I De r Israelit Die Mehrzahl 'der Regierungen ist-einer Reform, besonders der Form eines ewigen Kalenders, -Lünstig. gestimmt.-Die deutsche Regierung spricht sich nicht bestimmt ausist.aber eher gegen eine Aenderung,/ besonders gegen. die Einschiebung von b l a.n k e n Tag e n (ohne Wochentagscharakter). . Der Heilige Stuhl-spricht seine Befriedigung darüber aus, daß der Völkerbund anerkennt/. die Kalenderreform sei eine eminent religiöse Frage. Der Vatikan hat keinen Grund, zu ändern, was durch. eine alte Tradition speziell mit Bezug auf die Festsetzung der Ostern durch die Konzile gutgeheißen worden ist, und er würde, wenn das öffentliche Wohl eine Aenderung verlangt, die Frage nicht prüfen, ohne vorher ein ökumenisches Konzil befragt zu haben. Die Vertreter der Juden lehnen einstimmig liüd'bestimmt jeden Kalender mit-ÄnMHöbeuen blänkesi.Tagen ab, da ihr.Gesetz/die.,Feierndes Sabbats alsdes siebenten Tages der Woche/vorschreibtund die Wochen sich ohne Unterbruch -folgen müssen, wie dies seit mehr als dreitausend■ Jahren der Fall war, Die. internationalen Verbände'sprechest sich^zugunsten der Reform, speziell des ewigen Kalenders aus. . . An diese GutachM knüpft das -Kchnitee' eine v Betrachtung/Aber dif^Nächteiledes gegänwtzrtigesi Gregorianischest.; HaHnders und.erläutert /die. emzelsten, Re-., formvorfchlgge». vyn destenein•: Teil .abgelehnt, andere-, als Grrcndßrge-für^eiMr Reformempfoblen. werdest. In der Schlußst^xast)Kng!./ sprlcht dstst KoryiHe aüs,/daßkeine Reforstt /mögljchi sei Mne die ZusHmmuM-der Ge-!. sätntheIoder-/.fast,.der Gefamthettuder aufgeklärten. lei-' tenden- : religiösest. administrativen,' wiNnschÄftsichen. wirtschafMch^ ^Kreise.^ D^KHiitee ^erklHct^eisie - Auft gäbe als ätzendes/, uH'Äh^rlößt /der/ .technfWn//Kom- / msisio^Wtzi'PerWr^wrij'Lränstt.-.undr/lkN Leitern des, Völkerbundes^ zu entscheiden, ob siedas WörkherKalenderresorm weiter - oerHlgerc und/stststrstüMn wollen. Damit schließt derVerichbdes Komitees. EeoE Jüdische landwirtschaftliche Kolonisatton in' AMoW A l g i e r, 22. Februar. Unter der.Juden.heit Marokkos macht sich eine starke Bewegung für- Ansiedlung auf dem Lande bemerkbar. In C a s ab f a n c ä wurdetn diesen Tagen die Gesteralversammlüng der Organisation für berufstechnische Ausbildung der Juden in Marokko abgehalten, in deren Verlauf der Generalsekretär, Herr E h i c, die Mitteilung machte, daß' in Marokko, eine jüdische Handwerkerschule begründet ,wurde und daß Vorbereitungen zur Eröffnung einer jüdischen Landwirtschaftsschule getrofffen worden seien. Die jüdische Jugend Marokkos, sagt er, wolle in die Fabrik und aufs Land. Durch Vermittlung der Alliance Jsraelite hat die Protektoratsregierung für die beiden Schulen Beträge bewilligt. Die Frage der Berufsumschichtüng unter den marokkanischen Juden wurde auch auf einer Konferenz früherer Zöglinge der Alliance-Schulen behandelt, wobei der jüdische Kolonist Nahon über die landwirtschaftliche Siedlung referierte und sagte, die jüdischen Handwerker von Matrakesch, die. jüdischen Lastträger von Tanger und Mogador, die jüdischen Maultiertreiber und Bootsführer hätten zur Genüge bewiesen, daß der Jude auch die schwerste körperlich« Arbeit nicht scheut. Palästina. Die Sabbatruhe.. Tel Aviv, 20. Februar. Das Urteil des Gerichts in Jaffa (stehe Israelit Nr. 8), durch welches das Sabbathgesetz annulliert worden ist, hat «ine tiefe Erregung bei allen Juden Palästinas — soweit sie nicht die Fäden zur Religion ihrer Väter gewaltsam zerrissen haben oder sich ihrer nie bewußt wären —, heroorgerufen. Aber auch alle religiös denkenden Juden der Welt geht die Sache an. In Haifa gibt es bereits eine Anzahl Juden, die am Sabbat ihre Betriebe geöffnet haben, in Jerusalem mit seiner gleichfalls gemischt konfessionellen Bevölkerung besteht die große Gefahr, daß gleichfalls Juden eine Bresche in den Sabbat legen, ohne daß gegen sie gesetzlich eingeschritten werden kann. Das jüdische Tel Aviv war ein Eckstein für die gesetzlich geschützte Sabbatruhe, und die unverständliche Handlungsweise eines jüdischen Advokaten hat nun diesen Grundstein im Aufbau von Erez Jisroel gelockert. . - - - ,_ 15. März 1SS8 Man .braucht sich eigentlich nicht zu - wundern, daß Derartiges: möglich' ist, nachdem die führenden Kreis« des neuen, Jischuw -ln > ihrem Privatleben meist den Sabbat, nicht-ikennenMNd daher auf das ideell-jüdische- Gepräge,der Masse-nur destruktiv einwirken. DarüMkann es jeder wagen, den Lebensinteressen des jüdischen Ausbauwerkes : entgegenzuhandeln! Ohne den Kitt'-.einer öff-tznttichen Meinung, di« aus den Traditionen des jüdischen- Volkes.: resultiert, ohne innere geschlossene -Festigkeit,:kann. sich die Judenheit in Erez Jisroel nicht durchsetzen, mögen ihre Führer auch noch so geschickte Staatsmänner sein!,. Wann, endlich einmal werden die führenden Kreise.Fühlung zur jüdischen Seele finden, m der doch dast -Feuer .des Sinaigesetzes lodert? Wahrlich^ — auf diese-.nationale Tat^wartet/noch di-^ Stünde! Diegegenwärtige- Srtuatjonistreichlich verworren. Jn>Pälästina, dem-den ^drei monothelstischen Religionen heiligen- Hände,, war es,. selbstverständlich,dätz auch ohne gesetzlichen ZyMG?der,.WohammeVanev den lFreitäH der Judeden Samstag, und! der.;Christ den - Sonntag -heiligt. Die,.englische Mandatarmacht respektierte diesen /Züstättd und! gewährte den/Beamten - gemäß ihrer MligiöM den wöchentlichen Ruhetag-^ DochüPcAästina^isiftaüsAseiäetn Dornröschenschlaf erwacht unh, dem. Weltgetriebe nähergekommen..- Als sichim/ Eisenbahnwesen durch die Respektierung der Religionen der Beamten UnzükAnnilichkeiten zeigten, löste die Verwaltung kurz das Problem .in der Weife, daß z. B.,.in,der großen/Betriebswerkstätte in Haifa der Sonntag als Ruhe,tag /für alle Beamten dekretiert wurde. In'dM^'Dwinänk hätten die Kreise, die sonsbÄls -die 'VetMter der palästinensischen JudeMeit austr«ten--wie ein MaNn si^^rhOWMüsDü / Wö''ipar da^diMKpaM desl -so^WMMHvEHiirleDdek' OrHnisÄiW dttHüm^en GeMeirchen zutttun,.' däWihr keMMert D^ dest ^Hutz desEahbcü'ösiO?'- MohWsoM^ inHdiH^i DP'. der^Waad^ Le«miädie/Cn'ttgie--nehNen,MachdM^r hev:.zu-,den Sabbüth-EntMlhüngM'-im jubischem Le^en geschwiegen' hatte? - Mochten /die - jüdifDn 'Kinäbd^r in Haifa am Sabbat chre ' n;ochte^d4e große. ZExntfäbrik ^„Neschek^- in Haisä wlle Tlst^/im JaM?arheittznpMöchtiM'did/jüdischK^SDN^E^E^ .über:-den , Sabbat hmrv^gsHen^?— der ^W^ä^ LerWi schwieg, und da hätte/er'feMchedÄ solltzN? . Die Stadt Tel-Aviv wird, wie BürgernieistU Bloch auf einer imponierenden Versästmlüng ^n der dößen Synagoge erklärte, energische Schritte ergreifen, in Wahrung ihrer nationalen Autonomie, das Sabbatgesetz aufrechtzuerhalten.. Doch .das Problem ist .mit< -dem Sabbatgesetz von Tel-Aviv für die palästinenfifche Judenheit noch nicht gelost./ Es kann nur dann gelöst werden, wenn der. Geist des Sabbat.auch dem neuen Jifchürv wieder zum Bewußtsein kommt. Regierungsboden für frühere jüdifche Soldaken. Jerusalem, 4. März. Sir Alfred Mond hat der Palästinaregierung ein Memorandum überreicht, in welchem er an die Regierung die ernste Mahnung richtet, den früheren jüdischen Soldaten, die während des Krieges in und für Palästina gekämpft haben, Siedlungsland zür Verfügung zu stellen, damit siein dem Lande, für das sie Leben und Gesundheit einsetzten, als Bauern seßhaft werden können.— Seit mehreren Jahren bemühen sich die früheren jüdischen Legionäre in Palästina, von der Regierung Siedlungsland zu.bekommen. Sie richteten an den 15. . Zionistenkongreß in Bafel ein Memorandum, in welchem sie den Kongreß ersuchten, sein moralisches Gewicht zugunsten, der Ex-Legionäre einzusetzen, daß ihnen Boden in Palästina zur Bearbeitung gegeben wird. In dem Memorandum wurde gesagt, daß die meisten der . früheren Legionäre gegenwärtig dazu verürteitt sind, von Ort zu . Ort, von Arbeitgeber zu Arbeitgeber zu wandern. Wir fordern, hieß es in dem Memorandum, daß man uns dazu .verhilft, in unserem Lande Wurzel zu fassen, in dem Lande, das wir mit ünferern Blute verteidigt haben. (ITA.) Lord- Plumer hebt einen Auswe!sungsbefeht auf. '' Jerusalem, 2. Marz. Der Magistrat von Haifa hat vor kurzem den jüdischen Schneider Blum, der feit sechs Jahren in Haifä wohnt, wegen Beleidigung einer Frau zu einer Geldstrafe und zur Landesverweisung verurteilt. Gegen das Ausweifungsurteil machte..-sich unter, den Juden Palästinas eine scharfe Protestbewegung bemerkbar. Ran (

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