Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1928)
- Date
- 1928-03-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nr. 11 Der Israelit 15. März 1928 Das SPEZIALBAD für Galle - Leber - Magen - Darm - Zucker - Fetisucbl- Eröffnung des Hotels Kurhaus am Pessachfest Erstes Hotel am Platze, neuzeitlich eingerichtet mit vornehm-behaglichen Wohn- und Gesellschaftsräumen. Im Kurpark in unmittelbarer Nähe der Quellen und Badehäuser gelegen. Diätkuren unter ärztlicher Aufsicht. Leitender Arzt Dr, H. Haug. Verlangen Sie Prospekt 1928 von der Kurverwaltung. endet werden soll. In dieser neuen Bewußtheit, in dieser Rückkehr zu alten Bewußtseinsinhalten, in dieser Rückkehr zur jüdischen Wertung aller Werte, hat die Union eine große Rolle gespielt. 3. Man hat wirklich mühsam gearbeitet in der Union. Man war opferfreudig, ehrlich hinsichtlich der Prinzipien und frisch in der Methode der Arbeit. Trotzdem haben wir keinen Grund zu jubelndem Triumph. Wir haben nichts Dauerndes oder Monumentales vollbracht. Wir stellen weder die Gelehrsamkeit noch die große Masse des amerikanischen Israel dar und haben noch keine großen Armeen auf die Beine bringen können. Die schmerzliche Gleichgültigkeit der orthodoxen Judenheit gegenüber den Heiligtümern ihres Familienlebens ist noch nicht überwunden. . . . Wir haben für die akademische Jugend .gearbeitet, ihre -inneren Kämpfe gewürdigt und ihnen unsere Hilfe geliehen. Wir haben ihre ehrlichen Zweifel geehrt und suchen, sie zu zerstreuen. Aber wir haben sie noch nicht in dem Maß erreicht, wie es sein müßte. Wir haben sie noch nicht die Aristokratie der Jüdischkeit oder die Geistigkeit des guten Juden gelehrt, und es ist uns noch nicht gelungen, ihrer Treue eine jüdische Färbung zu geben. Roch wissen Tausende von ihnen nicht, daß wir einen Glauben und eine Lebensmethode besitzen, die ihren höchsten Träumen und ihren edelsten Bestrebungen entgegenkommen. Unsere jungen Mädchen verstehen noch nicht, bis zu welcher wunderbaren «Höhe das jüdische Gesetz ihren heiligsten Wünschen Erfüllung bringt, unsere jüdischen Arbeiter sind sich noch nicht der Fortgeschrittenheit der jüdischen Arbeitergesetzgebung bewußt. Unsere Massen, die sich so leicht durch jede bezaubernde Phrase fangen lassen, haben noch nicht die leiseste Ahnung, welche Glückseligkeit die Plattform des Judentums ihnen bietet. Unsere „Christian Science"-Juden gehorchen blind heidnischen Formeln, und man hat sie niemals belehrt über den gesundheitsfördernden, gesunderhaltenden Charakter des jüdischen Lebens. Wir müssen uns ausdehnen und die Sphäre unserer Arbeit verbreitern, das große Ziel vor Augen halten, wir müssen mit Ungeduld überblicken, was wir bisübrigblieben und so beide, der Wolf und der Löwe, fast leer ausgingen. So ist es auch mit Euren Gerichtshöfen: Um ja genau zu fein und allen Formalitäten zu entsprechen, kommt es schließlich so weit, daß die aufgelaufenen Kosten die Streitsumme fast verschlingen und so beiden Parteien nur die Knochen bleiben." (Aufruf der „Jsop".) Die Leitung der Jüdischen Sonderschau der Pressa 1928, Köln, „Jsop", erläßt folgenden Aufruf: „In der internationalen Presseausstellung „Pressa", die von Mai bis Oktober d. I. in Köln ftattfindet und die ganze Entwicklung und gegenwärtige Gestaltung der gesamten Weltpresse zeigen wird, darf das Judentum seiner weltgeschichtlichen Bedeutung nach nicht fehlen. Die Jüdische Sonderschau der Pressa 1928, Köln, „Jsop", E. V. hat es sich zur. Aufgabe gemacht, innerhalb des Rahmens der Pressa in einem besonderen Pavillon die jüdische Publizistik, d. h. vor allem die Presse, die vom jüdischen Standpunkt aus jüdische Interessen vertritt und die gegenmärtig in 48 Ländern und in 35 Sprachen erscheint, vorzuführen. Man wird hier diese jüdische Presse in ihrer historischen Entwicklung und ihrer literarischen und soziologischen Gestaltung zeigen. Sie wird als das erscheinen, was sie ist: als das Spiegelbild jüdischer Kultur und jüdischen Lebens der Vergangenheit und Gegenwart. Damit diese Sonderschau die Form annimmt, die der jüdischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft würdig ist, bedarf sie der Unterstützung aller Juden, gleichviel welchen Ländern und welchen Richtungen sie angehörcn. Jeder, der Interesse an diesem Unternehmen hat, wird eindringlich gebeten, die Ziele der „Jsop" zu unterstützen und seinen Beitritt zu dem Verein zu erklären." her eroberten. Auf der einen Seite mehr Ehrgeiz: „Weite den Raum Deiner Zelte", auf der anderen/ Seite mehr Demut, indem wir appellieren an die Hilfe derer, die unserer Arbeit noch fernstehen. Was sind die Ursachen unseres bisher noch unvollkommenen Erfolges? Es' ist uns nicht gelungen, die aktiven, schöpferischen Elemente unseres Volkes zu interessieren. Wer immer sich mit unseren Anstrengungen vereinen will, laßt ihn zu uns kommen, laßt ihn wissen, daß wir auf ihn zählen. Es ist Unrecht, unsere Aktivität und unsere Anstrengungen auf diejenigen zu beschränken, die nur die englische Sprache sprechen. Es ist wahr, wir leben in einem englisch sprechenden Lande, aber unsere Thora ist über die Sprache erhaben und über die Scheidegrenze von Raum und Zeit. Wir haben kein Recht, irgend einen Teil unserer Brüder zu vernachlässigen. Wenn wir uns auf diejenigen beschränken, die so sprechen wie wir, dann hat die Union ihre allgemeine Bedeutung und ihren allgemeinen Nutzen selbst in Frage gestellt. Wir dürfen nicht vergessen, daß im Beshamidrasch in Downtown, in den Ieschiw o t h und Talmud Thorasdesganzen Landesdas große Reservoir der Jüdischkeit und der jüdischen Wissenschaft liegt. Wir dürfen die Tatsache nicht aus dem Auge verlieren, daß die moderne Erziehung bei all ihrem Segen uns durch ihre Anforderungen uns einen guten Teil Unwissenheit der Laien und Rabbis gebracht hat. Wir können unsere Tradition nicht bewahren auf Grundlage kalter Jüdischkeit oder auf Grundlage unwissender Führerschaft. (Schluß folgt.) llomsponaenren « Nachrichten. Deutsches Reich. Generalversammlung des Hilfsvereins. Berlin, 6. März. In der Generalversammlung des Hilfsvereins, die am Sonntag: den 4. März, im Brüdervereinshaus zu Berlin stattfand, erstattete der Generalsekretär des Hilfsvereins, Herr Dr. Mark W i s ch n i tz e r , den Tätigkeitsbericht. Er schilderte eingehend die Fortschritte der jüdischen Kolonisation in der Sowjetunion und kam zu dem folgenden Schlüsse: Es handelt sich um eine unauf, schiebbare Aufgabe, die im Bereiche der Tätigkeit des Hilfsvereins liegt. Mit verhältnismäßig unbeträchtlichen Mitteln kann der Hilfsverein Großes leisten. Wir wollen unsere kulturell-sanitäre Arbeit in den Kolonien ehebaldigst aufnehmen. Der Anfang wird schon gemacht: der Grundstein zum Schulgebäude, das den Namen Dr. Paul Nathans tragen wird, wird am 25. April, dem Geburtstag Paul Nathans, gelegt werden.^ Ein besonderes Kapitel widmete der Referent det Frage der Auswanderung und der Tätigkeit des Hilfsvereins auf dem Gebiete der Wanderfürsorge. Der Hilfsoerein der deutschen Juden hat es sich von seiner Begründung an zur Ausgabe gemacht, für ihres Glaubens wegen verfolgte Juden einzutreten; auch im Berichtsjahre hat er da.hiy: gewirkt, eine tendenziöse Anwendung von Einryandssrungsbestimmungen gegenüber Juden zu verhindern. Im Jahre 1927 trat der Hilfsverein der „Internationalen Konferenz privater Bereinigungen für Auswandererschutz" in Genf und dem Flüchtlingskomitee des Internationalen Arbeitsamts in Genf bei. Am 11. November 1927 folgte der Hilfsverein einer Einladung des Reichsministeriums des Innern zu einer. Aussprache über Auswandererschutz. Die praktische Auswandererfürsorge des Hilfsvereins wird-wahrgenommen durch das Büro der Zentrale in Berlin, feine Schutzkomitees in Hamburg und Bremen, Vertrauensleute im Reiche und an den deutschen Grenzen, ferner durch Bahnhofsdienste in Berlin, Stentsch, Osnabrück. Unter Fürsorge des Hilfsvereins passiierten im Berichtsjahre den Auswanderersaal des Hilfsvereins am Schlesischen Bahnhof in Berlin 38105 Aus- und Rückwanderer. Ueber Stentfch nahmen ihren Weg 13 822,- über Osnabrück 5085 Personen. Die Zahl der Auswanderer über Hamburg betrug 3382, über Bremen 1260. Im Zentralbüro des Hilfsvereins Berlin wurden beraten und fanden Hilfe 982 Personen. Die besondere Fürsorge des Hilfsvereins gilt den Gestrandeten, in den Hafenstädten verbliebenen russisch-jüdischen Auswanderern, die infolge der Einwanderungsbeschränkungen nicht mehr nach den Vereinigten Staaten kommen konnten. Die JCA hat das Emigrationswerk des Hilfsvereins durch Zuwendung eines Beitrags von 50.000 MkSgefördert. Eine besondere Fürsorge wendet der Hilssverein den Pogrom-Waisen zu. Das Hilfswerk für ostjüdische Studierende an deutschen Hochschulen ist von großer Bedeutung. Im Berichtsjahre konnten dank den Zuwendungen an den Studentenverband 70. Hochschüler ihr Studium abschließen. Im Winter 1927/28 wurden 82 jüdische Hörer unterstützt, von denen 60 im kommendem Semester ihr Studium beendigen sollen. Hilfsverein für jüdische Nerven- und Gemütskranke E. V. Köln, 1. März. Der Hilssverein für Nerven- und Gemütskranke hielt am 26. Februar in Köln feine Generalversammlung ab. in der Sanitätsrat Dr. Lichtenstein-Bonn in eingehender Darstellung über das bisher Erreichte und noch zu Erstrebende referierte, Der Vorsitzende, Herr Max Speier- Köln erklärte, infolge der Inflation sei leider ein großer Teil der Mitglieder abgesprungen, so daß der -Verein die Hälfte des Hauses in Sayn, dessen Eigentümer der Verein war, aufgeben und das Gemeinschaftsverhältnis mit den Besitzern der Anstalt lösen muhte. Zehn vom Verein eingekaufte Patienten werden unentgeltlich in Sayn bis zu ihrem Lebensende unterhalten. Bei dem Tode eines dieser Patienten kann der Verein die' Zahl wieder auffüllen. Außerdem stehen dem Verein dreißig Betten im Sommer zu 4 Mk., im Winter zu 4,25 Mk. zur Verfügung. Angesichts des großen Umfäügs der Geisteskrankheiten und der Unmöglichkeit, jüdische Geisteskranke in nichtjüdischen Anstalten in zweckmäßiger Weise zu versorgen, sei - ein starkes Interesse für den Verein in allen jüdischen Kreisen dringend erwünscht. An Stelle des Herrn Julius Bloch-Frankfurt a. M. wurde Herr Rabbiner Dr. Jacob Horowitz-Frankfurt a. M. in den Vorstand gewählt, dem außerdem angehören die Herren Max Speier-Köln, Georg Kahn-Köln, Sanitätsrat Dr. Lichtenstein-Bonn, Rabbiner Dr. Kober- Köln, Emil H. Lehmann-Frankfurt a. M., Dr. Fröhlich- Koblenz, Henry Lisiauer-Köln und Frau Geheimrat Auerbach-Köln. Wochenkalender. v. 17. — 24. März 1kL8. I v. 23 Ädar bis 3. Nissan 8888. Nausch Cbaudeskb Benschen Samstag 17 n« 25 Mauled Mittwrch nachm. 2 Ubr 39 Minuten« Sonntag 18 2b Vinn VV1S Montag . s? 19 27 ' - Dienstag 8 20 28 Mittwoch 21 29 Pi? 11S2 V1' Donnerstag 22 sv'i 1 vln twn Freitag. 23 2 Samstag 24 3 tnp’i