Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1928)
- Date
- 1928-03-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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I IS. . . _- . Imicfßlt 'dSr^ Wrband" eme fegVunh -fiM<inWk"MiE) iMsbielteM-MDKik) 'Er'?unÄrstüHt. OU..UMWWM' lunfähige,. süWM'HKfiibedüMge': Hauen und 'Kinder; gelivährt' MöLMve Äarlehest züm)Äufbau neuer,. ExUen- I,-n als Handwerker, Klemkaufleüteüjw,; erteilt unent-! weltliche juristische und ärztliche Hilse.ünterstützt.Siüdierende, erzieht die Heranwachsende Generation in Fortkbildungskursen aller Art und versucht schließlich, wenn iraend durchführbar, den Flüchtlingendie A u S r e i s e aus Dents ch land, sei es weiter' westwärts) sei es rurüch nach) Rußland, zu erleichtern. Jedoch erlauben die geringen Mittel des Verbandes nur einen verschwindend kleine Teil der immer wachsenden Not zu lindern. Das soziale Merk, unseres Verbandes war bis jetzt — abge- ■ eben von einzelnen) Zuschüssen, die unser Vorsitzender Staatsrat, Teitel von unseren Brüdern im Auslande erhielt —- ein Merk der Selbsthilfe d e.r Flüchtli n ge. Zum ersten Male wendet sich jetzt der Verband an die gesamte Judenheit Deutschlands mit der Bitte um Unterstützung. Er konnte nicht früher an seine deutschen Glaubensgenossen herantreten, solange diese selbst unter Len schweren Verhältnissen der Nachkriegszeit zu leiden hatten.' Heute aber werden die deutschen Juden nicht länger untätig dem sicheren Untergang wertvoller Bestandteile des jüdischen Volkes zusehen wollen. Das russische Judentum hatte immer ein offenes Herz für die Leiden seiner Brüder im Ausland und streckte ihnen in schweren Stunden seine hilfreiche Hand entgegen. Mit diesem Aufruf zur SamMung, die vom Polizeipräsidium der Stadt Berlin amtlich genehmigt ist, wenden' sich die jüdischen Flüchtlinge aus Rußland in schwerster Stunde an ihre deutschen, Brüder. Die Hilfe der deutschen Glaubensgenossen kann das Elend hunderter unglücklicher russischer Flüchtlingsfamilien eindämmen. Wir haben .dem nur noch den Wunsch hinzuzufügen, daH die Worte gehört und Eingang in die Herzen aller..finden, denen das 771'? nan«i und iin .n» ananxi kein leerer Schall ist; daß der Notschrei von Brüdern an Brüder nicht verhalle. Die Zentrale des Verbandes befindet sich Berlin W. 35, Lützowstraße 16 (Postscheckkonto Berlin 6131), und dorthin sind auch alle materiellen und moralischen'Hilfsmittel zu leiten. Die Stellung des orthodoxen Gemeindeverbandes in der amerikanischen Zudenheit. Von Rabbi Dr. Leo Jung in Werv-York. Die bedeutsame Rede, die der bekannte amerikanische Führer auf der letzten Convention der Union of orthodox congregations gehalten hat, gibt ein anschauliches Bild von dem gegenwärtigen Stand der orthodoxen Bewegung in Amerika; .wir - glauben daher, daß der nachstehende Auszug aus dieser Rede allgemeines Interesse finden wird. Die Augen der Judenheit der ganzen Welt sind seit mehr als einem Jahrzehnt nach den Vereinigten Staaten gerichtet) freudig oder ver- D e r Israelit .... zMifW sehnsuchtsvoll oder dankbar) JnHr letzten Zeit jedoch Hat sich an dem JNhaM dieser Erwartung ein deutlicher Wechsel vollzogest. Bis dMin war die amerikanische Judenheit als der magische Aynähmer der dahiNsieDstöen und unterdrückten Millionen unseres Volkes erschienen. Von Amerika erwartete man materielle Unterstützung, politische Hilfe, Erleichterung der angehäuften Lasten einer., bigotten Tyrannei. Heute aber wird das amerikanische Israel allmählich, aber in deutlich steigendein Grade als Än Kräftereservoir für die Weltjudenheit anerkannt, ein Reservoir von Kräften nicht für Nahrung und Kleidung, sondern für religiöse und intellektuelle Führerschaft. Die treu gebliebenen Massen unseres Volkes begleiten mit aufmerksamer Erwartung jede Anstrengung zu Gunsten unserer Thora, jede Bewegung, die auf ein Wiederaufleben echten Judentums in unserem Lande hindeuten könnte. Die Kunde von der neuen Jeschiwoh, von der Vereinigung „Jung Israel" und last not least von unserem Verbände, all d-as hat ein sympathisches Echo gefunden und neue Hoffnungen geweckt. Für die angsterfüllten Millionen in Europa sind wir der aufsteigende Stern im amerikanischen Judentum, und wir müssen der großen Verantwortung bewußt werden und bewußt bleiben, die auf uns ruht. Es hat in Amerika eine große Zunahme von Synagogen und sozialen Zentren gegeben, aber Gebäude an sich bedeuten noch keine Stärkung echter Jüdischkeit. Eine Strömung von Sympathie für das Judentum hat zwar unsere Jeschiwah zu einem gewissen Range - emporgetragen, aber derartige Wogen der Popularität haben die Eigenschaft, leicht abzuebben, wenn ihre Energien nicht erfaßt und gelenkt werden. Jeder treue Jude in unserem Lande ist ein Kind der großen Hoffnung der Weltjudenheit, jeder treue Jude in unserem Lande ist ein Ring in der großen Kette jüdischen Wirkens, die von der gegenwärtigen Generation geschmiedet werden muß. Was ist die größte Bedingung für den Erfolg? Die Antwort ist: „Demut". Der thoratteue Jude hat zu lange fein Selbstgefühl und seinen Stolz genährt, nicht durch aufbauende Arbeit, sondern durch bloße Negation, dadurch, daß wir, eine unwissende Generation in Israel, die Warnung des Propheten in den Wind schlugen, indem wir ausriefen: „Wir sind das auserwählte Volk, uns kann nichts passieren". Das nährte bei den orthodoxen Juden die Selbstzufriedenheit, indem sie die Ausschreitungen der Reformer bekämpften und die Rückgratlosigkeit der Kompromißleute geißelten. All dies trug nicht zur Nr. 1l TeWL MmM bei unh trW ünser Werk, nicht vorwärts. Die Union ist da zur A r b e i t. Um wirksam und geduldig zu arbeiten, müssen wir unsere gegenwärtige Läge erkennen, um hochzusteigen müssen wir sehen; wie niedrig wir zurzeit noch stehen, um zur Vollendung zu streben, müssen wir unserer gegenwärtigen Armut ins Auge sehen. Deshalb wollen wir fragen: „Was hat die Union vollbracht, worin ist sie gescheitert, warum ist sie gescheitert?" So werden wir wissen, was wir zu tun und was wir zu meiden haben. 2. Was hat die Union vollbracht? In dem allgemeinen Nebel der amerikansich-jüdischen Angelegenheiten, wo jeder seinen eigenen Schulchan Aruch schreibt und jeder jedes Jahr eine neue Orientierung vorfindet, hat unsere Union strikt und unzweideutig die Basis unserer g.e offenbarten Religion festgehalten. In diesen Tagen, da jeder Verräter als Genius und jeder Dissident als tiefer Denker gepriesen wird, da die älteste Reformliteratur als Symptome großen Geistes wiedergekäut wird, hat unsere Union durch ihre Proklamation der Treue und des Beharrens auf Autorität und Ehrfurcht endgültige Ergebnisse erzielt. Die Stimme des Herrn wird wieder vernommen. Es leuchtet wieder ein Licht für Israel in der Götterdämmerung der Halbheit und der wohl dosierten Gesetzestreue. Zu einer Zeit, da die geheiligten Institutionen des jüdischen Hauses allgemeiner Verachtung verfallen waren, hat die Union, indem sie deren weisen Charakter und deren unendlichen Segen verkündete, dem Prozeß des Verfalls und der Zersetzung Halt geboten. Der thoratreue Jude hat angefangen zu erwachen. Er bittet in dem Konzert des amerikanischen Israel nicht mehr stammelnd um Entschuldigung wegen seiner Existenz. Er beugt sich nicht mehr ergeben jeder großen Phrase des Freidenkers, noch betrachtet er die Probleme des öffentlichen Lebens vom Standpunkt der Frage, was die anderen sagen werden. Der thoratreue Jude hat gelernt, auf sich selbst als einen Faktor von Bedeutung im Fortschritt der Menschheit zu blicken. Der Jude sieht den Gehorsam gegen die Thora wiederum als unerläßliche Vorbedingung für die Zukunft Israels an. Er hat wieder erkannt, daß Judentum die einzige Lösung der Judenfrage ist. Er hat wieder entdeckt, daß der Tenor unseres ö.f f e n tl i ch e n Lebens nicht in geringerem Maße als die individuelle Redlichkeit die Grundlage unserer Jüdischkeit ist. Er hat wieder gelernt, auf das Golus als auf ein Kapitel seiner Geschichte zu blicken, -das durch den Besitz eines neuen und doch alten Erez Jisroel abgeschlossen und voll- Kleines Feuilleton. Rabbimsche Geschichte«. Aus dem Sammelduche meines Vaters Von AaiioöLupokianski in Karlsruhe. Rabbi Jtzchak Wolofchmer war einmal aus -einer Rundreise unterwegs/uln Geld für vi'2v p'-is zu sammeln; auf rrvn ■'•iy'&Tny kehrte er zu diesem Zwecke in ein Städtchen ein. Alles, von Klein bis Groß, machte sich aus, um den gefeierten Rabbi zu sehen und zu hören, und so entstand, um ihn ein großes Gedränge. Da sprach R. Chajim zur versammelten Gemeinde: „Unsere dieswöchige rmo beginnt: -«1»' ewn r« rrsm »a eam rrrr r^i '-d* (Wenn Du die Kinder Israel Zählst, so gebe jeder, ein, Lösegeld für seine Seele dem Ewigen, daß kein Stechen unter ihnen sei usw.). Es erscheint eigentlich unverständlich, dieses Gebot des Schekelgebens, denn, wenn Israel vor einem «jas bewahren wollte, so bedurfte er doch dazu nichtdes Mittels des Schekels, in seiner Hand ist doch Leben iwtb Tod.v , r'/\ / " „Doch", so fuhr er fort, n"apn wußte wohl, hätte er -einfach geboten, Israel zu zählen, so hätte sich das Volk zu gleicher Zeit zu Moses gedrängt, um gezählt zu werden: denn jeder von ihnen, hätte unter den Ersten sein wollen, die Moses gezählt' hat und) so wären viele im Gedränge umgekommen und es wäre ein «naä entstanden: Was tat aber rrapn. um dieses zu verhüten? Cr ge? bot, daß jeder Jude einen' Schekdl gebe und man so die Zahl der Kinder Israel feststelle: denn, das wußte er, zum Schekelzahlen wird sich niemand drängen, sondern jeder -eher der letzte sein wollen, von dem Moses den Schekel fordert, deshalb: rrrp xVv „Ich bin auch gekommen", sagte er weiter, „um Geld von Euch zu erbitten, Ihr braucht Ceuch also nicht so zu drängen und drücken, ich werde schon zu jedem kommen!." Zu Rabbi Chajim Woloschiner kam einmal vor Peßach ein Jude und frug ihn, ob man die Vorschrift der rro-D sunt? am Sederabend auch mit Milch erfüllen könne. Rabbi Ch. Woloschiner nahm daraus 3 Rubel aus seiner Tasche und gab sie dem Fragesteller. - Die Schüler, die, das sahen, wunderten sich darüber und frügen R. Chajim: „Meister, warum gabt Ihr dem Fragesteller keinen Bescheid; und wentt Ihr ihm Geld geben wolltet für Wein zu nioia sma» so hätte doch ein Rubel reichlich genügt? „Versteht Ihr nicht", antwortete er ihnen, „dieser Jude hat nicht nur keinen Wein auf Jomtow, sondern auch kein Fleisch: denn sonst würde er mich nicht g-efrägt haben, ob er zu niow sa-is Milch trinken dürfe, nachdem er doch vor den letzten wo-12 Fleisch gegessen hat. Also habe ich ihm auch gleich Geld für Fleisch gegeben." Ein Nichtjude sagte zu Rabbi Heschel von Apt: „Wie peinlich geyau und gerecht sind/ doch nichtjüdische Gerichte im Gegensatz zu den eürey, Wenn bei uns sich zwei Leute um etwas streiten, so sendet' der eine dem anderen eine Klageschrift zü, es wird ein TermiU angiesetzt, an dem beide Parteien) zu erscheinen haben, jeder von ihnen kann sich einen Anwalt nehmen ^ur hesseren Vertretung und nach länger und genauer Prüfüng der Sache vom Gericht wird dann das Urteil gefällt. Und dieses kann dann wieder bei einer höheren Instanz angefochten werden, dem schließlich noch ein höherer Gerichtshof übergeordnet ist. Bei Euch ist dies alles nicht der Fall. Ihr geht bei einem Streitfälle zum Rabbiner; da -existiert keine Klageschrift, kein Rechtsanwalt und auch keine Berufungsinstanz. In kurzer Zeit, ohne viel Termine, ist das Urteil gefällt." „Ich will Dir ein Gleichnis erzählen", erwiderte ihm der Gaon von Apt: „Ein Wolf ging aus, Raub zu suchen. Er gewahrte eine Herde Schafe und jagte ihnen nach. Sie stoben alle dävon, doch gelang es ihm, eines in das Dickicht eines Waldes zu jagen, wo er es zu packen hoffte. Da kam ein Löwe vorbei, sah das Schaf und nahm es sich. Der Wolf aber sprach zum Löwen: „Ich habe doch dieses Schaf in das Dickicht gejagt, .also gehört es mir. „Rein", widersprach ihm der Löwe, „Dü hast das Schaf doch nicht gekäuft; da ich es zuerst faßte, ist es mein." Um den Streit zu schlichten, beschlossen beide, den Fuchs als Richter anzurufen, Dieser wurde herbergerufen und beide führten ihm ihre Gründe auf. Der Fuchs entschied, daß beide gleiches Recht an dem Schafe haben und daher jedem von ihnen ein halbes zustande. Er zerteilte dann das Schaf in zwei Teile und, um jedem genau die Hälfte zu geben, nahm er, in Ermangelung einer Wage, jeden Teil in eine Pfote, um so beide Teile gleichmäßig auszuwiegen.. Ein Teil war aber schwerer. Da biß er von diesem Teile ein Stück ab und probierte nun. Es . überwog der andere. Teil: Er Nahm nun von diesem ein Stück weg und versuchte nun das Gleichgewicht herzustellen. Es stimmte wieder nicht ganz, denn nun wog der. erste Teil wieder.Mehr. So biß er immer fort Stückfür Stück von 'beiden Teilen ab, um beide gleichmäßig zu machen, bis zuletzt nur noch die Knochen