Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1928)
- Date
- 1928-03-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. >1 hätte bringen müssen. Für all dieses fehlte leidtzr der Rahmen und die Basis, fehlte die solchen inneren Stürmen gewachsene ' Organisation. Es kann bei den nächsten Wahlen schon anders und besser werden, aber nur dann, wenn die letzten Konsequenzen und alle Lehren aus der Niederlage dieser Wahl gezogen werden und der Ausbau der Organisation auf den sich ergebenden natürlichen Grundmauern jetzt schon beginnt. Wochenrundschau. Ein interessanter Wahlkampf. Wie an anderer Stelle berichtet, hat Ende Februar in der großen Budapest er neologen Kultus g e m e i n d e die Neuwahl von 140 Repräsentanten stattgefunden. Unter Führung des in den Kreisen der ungarischen Judenheit außerordentlich angesehenen und beliebten Parlamentsabgeordneten Paul S a n d o r hatte sich eine neue Partei gebildet, die unter der charakteristischen Bezeichnung „T r a d i t i o n s - treue Kultusparter in den Kampf zog und einen geradezu sensationellen Sieg davongetragen hat. Nach einem wochenlangen Wahlkampf, bei dem die Versammlungen der PaMi einen für die dortigen Verhältnisse unerhörten Massenbesuch aufwiesen, hat sich auch die Wahl selbst in eigenartigen Formen vollzogen. Um ein Uhr mittags ließ man eine Pause im Wahlakt eintreten, um die vorhandenen Stimmzettel zu zählen. Nachdem konstatiert war, daß von den abgegebenen 4517 Stimmzetteln auf die neue Partei nicht weniger als 4230 entfallen waren, zogen sich die Führer des alten Regimes zu einer Beratung zurück, um dann bekannt zu geben, daß sie den Kampf aufgeben und ihre Liste zurückziehen. Trotzdem wurde der Wahlakt fortgesetzt mit dem Ergebnis, daß von 7007 abgegebenen Stimmen 6669 auf die Sandor- Partei entfielen. In einer Ansprache, die einer der Führer der siegreichen Partei nach Abschluß des Wahlaktes hielt, heißt es: „Es gibt in diesem Kampf Sieger und Besiegte. Besiegt wurde der Geist, der 40 Jahre lang es zu verhindern wußte, daß die Vudapester Judenschaft sich gemäß ihren religiösen Empfindungen und ihrer Vaterlandsliebe selbstbewußt auswirken konnte; gesiegt hat ein dreifaches Vand. Von 3. Vachmann in Altona. Dreierlei Grundfunktionen vollbringt der menschliche Organismus, bewußt und unbewußt, angeregt und selbsttätig. Sie entsprechen dem Nerven-, dem Atmungs¬ und dem Verdauungssystem und äußern sich im Denken. Fühlen und Verdauen. Diese Tätigkeiten gehen von Organen aus, die ihren Sitz in. Kopf, Brust und Leib haben und als Zentralstellen mit Gehirn, Herz und Magen bezeichnet werden. In je höherer Lage im menschlichen Körper diese Organe sich befinden, desto höher sind Aeußerungen ihrer Tätigkeit. Die Verdauung bildet den niedrigsten Grad, das Gefühlsoermögen ist eine viel geläuterter« Stufe, und das Denkvermögen kann als Gipfelpunkt gelten. Diesem Unterschiede entsprechend ist auch das stärkende und belebende Element der drei Organe von ganz abweichender Art. Die Nahrung, die dem Magen zugeführt wird, entstammt dem niedrigen Erdreiche, seren es nun Vegetabilien oder animalische Kost, die doch im Grunde genommen auch aus vegetabilischen Erzeugnissen ausgebaut ist. Das Herz wird durch eine regere Zirkulation des Blutes in seiner Tätigkeit beeinflußt, das Blut selbst wird , durch Vermittlung der Lungen von der D e r Israelit_" , ";■ der Geist, der in religiöser B e z i e h u n g eine Rückkehr zur Tradition, in wirtschaftlicher Hinsicht Fortschritt ünd M nMes System will." Wir geben - uns nun selbstverständlich nicht der geringsten Täuschung darüber hin, Daß der Begriff zur religiösen „Rückkehr zur Tradition", wie ihn die Pester neologe Gemeinde auf ihre Fahnen schreibt, mit der alten jüdischen Teschuwoh nur eine sehr entfernte Aehnlichkeit hat. Aber es kommt immerhin in dieser, vor zwanzig Jahren noch für unmöglich gehaltenen Entwicklung zum mindesten das Gefühl der Enttäusch u n g über die E r g e b n is l o s i g k e i t de r n e o l o g e n Reformbestrebu n ge n und das u n b e st i mm teSehnenn ach p o ft t i> o er I ü d i f ch k e i t zum Ausdruck. Weshalb wir auf diese Tatsache, die doch alle nt h a l den in Europa in der eisten oder anderen Form zum Ausdruck gelängt, besonders Hinweisen? Weil als Argument gegen den «Bedankender Selbständigkei 1 der Orthodoxie nicht selten die Behauptung aufgestellt wird, daß durch die sogenannte konfessionelle Trennung in Ungarn ein größer Teil jüdischer Brüder, die ganz der Neologie angehören, vom Gesamtkörper des Judentums abgestoßen und gewissermaßen mit Gewalt einer neuen Konfession in die Arme getrieben worden seien. Man erkennt vielfach an, daß die Orthodoxie im Kampf um ihre Selbsterhaltung zur Trennung gezwungen war. Aber man bücht gleichzeitig zu Lasten des Selbständigkeitsgedankens die angebliche Tatsache, daß durch diese Selbsterhaltung der Orthodoxie doch andererseits wiederum die Entfremdung weiter Kreise zu einem Deftnitivum erklärt worden sei. Die Entwicklung in Ungarn zeigt, wie anfechtbar diese ganze Argumentation, i st. Die historische Tatsache der selbständigen Konstituierung der ungarischen Orthodoxie hat für Hunderttausende von jüdischen Seelen, hat für Generationen jüdischer Menschen Tauroh und Jiroh gerettet; das steht fest. Aber diese Rettung hat auch weit über den eigenen Kreis hinaus das Fünkchen religiösen Gefühls in den Herzen der dafür schon fast Abgestorbenen lebendig erhalten, und es bedurfte nur des äußeren Feindes, des äußeren Druckes, um es trotz der angeblich so unheilvollen Trennung wieder aufflammen zu lassen! Und noch mehr, j Es f)at Jahrzehnte hindurch in Ungarn zwar eine j kleine Zahl von Status quo-Gemeinden neben j den orthodoxen und neologen gegeben, aber eine G eine in de orthodoxie im deutschen eingeatmeten Luft verbessert, und diese Luft befindet sich im Weltenraume in der Sphäre über dem Erdreiche. Hingegen schöpft der Geist seine Nahrung aus den himmlischen Regioenn, erhält seine Anregung zur Weiterentwicklung und angestrebten Vervollkommnung aus den göttlichen Ideen ipbx pbn- Mit diesen drei Stufen der menschlichen Funktionen lassen sich die Grundsäulen des Bestandes der Welt nach talmudischer Auffassung vergleichen: ep-tt t>y •a’ion i>vi minvn minn .b? ivis a^yn Der irdischste und daher niedrigste Grad der Aufgaben des Juden ist c^'ion n^as, di« Humanität, wozu in erster Linie die Befriedigung der leiblichen Bedürfnisse gezählt werden muß. Eine höhere Stufe bildet das Verhältnis des Juden, zu feinem Schöpfer, die Gottesverehrung, miny» das Untertänigmachen und Beherrschen der Herzensregungen. Das ist die Lebenslust, di« seinem Sinn erst die rechte Bewegung und Richtung zu verleihen vermag. Den Höhepunkt erreicht der dritte Grad, die geistige Ausbildung und Unterstellung des ganzen Gedankenkreises unter die Vorschriften der n in, das ist der Kristallisationspunkt irdischer Vollendung aVo Tuamirmabn , Mit diesen drei Faktoren läßt sich auch in Einklang bringen, daß die D^ana als übliche Opfergaben ynrn napm ovn^m erhalten sollten, den Bug, die Kinnbacken samt der Zunge und den Magen. Es sollte durch diese drei Dinge gewissermaßen symbolisch hingewiesen sein, daß die Priester entsprechende Dienstleistungen, zu verrichten hatten, ynrn stellt die Tatkraft dar, die Betätigung der gewonnenen Kenntnisse, die Ausübung der Gesetzesvorschriften, welche das sichtbare Bindeglied im Verhältnis des Juden, zu seinem Ausdruck im. Gebete, der nru? im engeren Sinne des Wortes, findet, st schreibt der Zunge als r 15. März 192 < Sinne von nennenswerter Bedeutunggab es in 5er Budapester neologen MMinde^ bH^.in die jüngste Zeit "nicht. 11 MH^eI^n o^ch^i-Ö c n | s i ch — die Ergebnisse wie m DeiAMaM. Mr My Mrurteilssreien -Br'odctchtK^HesHHtlHek...MnH»ick.- lungen sind die BorgänKeijnH^dDes^AW^von aufschlußreicher Bedeutung. Man 'Harj^Aindestens den einen Schluß daraus ztHen. dah zur Erhaltung religiöser KeirNe ,in. Mrohgemeindenund ihren Massen die MtMltung der Orthodoxie in zwei sich auf Leben. Und Tod befehdende Gruppen keine notwendige.Vorbedingung war, daß . vielmehr durch dierestlose Durchführung des Austritts der religiöse Aufstieg der Großgemeinden dürchaus nicht verbaut ist. EmißräntH. . Me. wir por ' kurzem? Mitteilen könUtesi, Wen sich die R ab bin e r heure Not der in BerücklebeUAMifHrK Wnigranten aus Rußland auch ihrerseits veranlaßt, in einer Konferenz auf Mittel Mb WeMM ^sinnen, wie diesen Opfern Rer großen RckrwMÄng des letzten Jahrzehntes geholfen werden kbÜNte. Von der permanenten Kommission dieser Rabbinerkonferenz werden wir -gebeten, auch in unseren Spalten dem Hilfswerke ein empfehlendes Wort zu widmen. Wir tun es, indem wir anhand des uns vorliegenden Materials das große Elend, das hier zum Himmel^ und zum jüdischen Herzen schreit, kurz zeichnen. Was wir dazu tun können und sollen, das wird uns dMHrüWrgefühl selbst besser und eindringlicher sagen; als es lange.Artikel vermögen. In einem 'Aufrufe,' best der vor einigen Jahren gegründete Verb a n d r u f f t f ch e r I u - den in D e utfch l an d an die Oeffentlichkeit erläßt, heißt es u. a.: Seit den letzten zehn Jahren ist über das rüWche Judentum eirie Katastrophe hereingebrochen, die ihresgleichen nicht kennt. Viele hunderttausende russischer Juden, darunter die prominentesten jüdischenKaufleüte, Industrielle, Rechtsanwälte, Aerzte, Schriftsteller Änd Gelehrte, waren genötigt, Haus und Hof zu. verlassen uüd sind heimatlose Flüchtling« geworden. Deutschland als das Nächstliegende große Nachbarland, das von jeher mit Rußland durch enge wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen verbunden war, wurde nun das natürliche Sammelbecken des sich westwärts ergießenden Flüästlings-Stromes. Die. erschwerten Cinwanderungsbedingungen der anderen Länder brachten die Bewegung ins Stocken: viele Tausende, denen sowohl jeder Ausweg als auch der Rückweg in die Heimat versperrt ist, sind gegen ihren Willen in Deutschland geblieben. Im Jahre 1920 erfolgte die Gründung des „Verbandes russischer Juden in Deutschland".; welcher sich zur Aufgabe gestellt hat, wenigstens die, größte Not unter den Flüchtlingen zu lindern. Seitdem ent- Sprachorgan die höchste Bedeutung zu und erklärt sie als Vermittlerin der göttlichen Ideen als einflußreichstes Wirkungselement. Anderseits soll der Magen, na’prv deml^ eine ernste Mahnung erteilen, seine ^sinnlichen Triebe zu zähmen, sein Genußstreben auf das richtige Maß zu beschränken, was natürlich auch für jeden Juden gilt, da wir doch ein b’ana naVaa, ein Reich von Priestern sein sollen. Aber diese drei Grundbedingungen machen nur in harmonischer Verbindung das Wesen des echten Juden aus. - anon die werktätige Menschenliebe, die' für viele das A und O zu sein scheint, erfreut sich in jüdischen Kreisen wohl der gebührenden Wertschätzung, wird aber nur als unterste Stufe des empfohlenen Wirkens bewertet. . Höher steht die «rnay» die Läuterung der Gefühle, der Herzensregungen, die sich,beim Gottesdienste in ihrer vollen Stärke zeigt und ihren Einfluß auf die ganze Lebenstätigkeit geltend, machensoll. Jedoch erst die geistige Annäherung an den Ausfluß der göttlichen Weisheit und Güte, an die bildet den Schlußpunkt menschlichen Vollbringens. Weder" alleiniges Wohliunsbestreben, noch einseitiges Ausbilden der. Gefühls- oder Gedankenwelt, - sondern nur eine innige Verschmelzung aller entwickelten Anlagen schwebt dem denkenden Juden als Höhenziel von »i" •pjir mnaa sV