Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1928)
- Date
- 1928-03-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 10_ allüberall im Lande. — Auch das Verhältnis zur Volkspartei wurde besprochen, wobei Herr Loeb feststellte, daß bei aller Zusammenarbeit mit dieser man daran festhalten müsse, daß die Volkspartei nicht im Prinzip aus dem Boden der Tradition stehe. — Mit der Bildung eines Arbeitausschusses schloß die Versammlung. — Abends fand eine öffentliche Versammlung statt. — Nach der Eröffnung durch den Leiter, der die Notwendigkeit der Konservativen Vereinigung für diejenigen Gemeinden heroorhob, die nun einmal dem großen Landesverbands angeschlossen seien, betonte Herr Dr. Carlebach die Bitterkeit des Kampfes bei jedem Aufbauwerk. Es sprachen noch die Herren Rabbiner Dr. P o s n e r aus Kiel, Moritz A. Loeb und Rabbiner Dr. Aber, Bremen. In der zum Teil stürmischen Diskussion, welche von. temperamentvollen Jugendlichen zum Teil vom Thema weggeführt wurde, kamen noch mannigfache Gesichtspunkte zum Ausdruck. Arbeitsgemeinschaft der Landesverbände und Reichsverband. Nürnherg, 5. März. Die von Vertretern der Landesverbände Nord- und Süddeutschlands fast vollzählig besuchte Tagung führte zunächst auf Grund Antrages des Oberlandesgerichtsrates Dr. Neumeyer-München zur einstimmigen Gründung einer Arbeitsgemeinschaft der Landesverbände, die sich mit den wichtigsten Aufgaben des künftigen Reichsverbandes beschäftigen soll. Was den Reichsverband selbst betrifft, so hat man sich von preußischer Seite nunmehr mit dem süddeutschen Standpunkt abgefunden, daß eine straffe Zentralorganisatiom n i ch t in Frage kommt, sondern lediglich ein mehr odevmsinder lockerer Zusammenschluß der Verbände. Di« Zionisten wehren sich noch dagegen, daß der lockere Charakter des Zusammenschlusses auch im Namen zum Ausdruck kommen soll. Dagegen einigte man sich dahin, daß der künftige Reichsverband die deutschen Juden gegenüber den Juden des Auslandes und deren Organisationen auf dem Gebiete „religiöser und sozialer Arbeit" vertreten sollen. Man scheint darüber klar zu sein, daß die gemeinsame Vertretung religiöser Dinge nach außen ein Widersinn ist angesichts der abgrundtiefen Gegensätze gerade auf religiösem Gebiet. Deshalb sollen zwei „religiöse Ausschüsse", ein liberaler und ein konservativer, geschaffen werden. Im Rat soll jeder Landesverband von mindestens dreitausend Seelen einen Vertreter haben; Preußen eine Stimme weniger als die Hälfte. Die weitere Beratung ist für April und Mai in Aussicht genommen. Der Slaakszuschuß für die bayerischen israelitischen Gemeinden. München, 1. März. Die Vollversammlung des bayerischen Landtags hat in diesen Tagen die Beratung des Kultusetats abgeschlossen. Bei der Abstimmung über das Kapitel „Kirchliche Zwecke" wurde auch ein Zuschuß an den Verband der Bayerischen Israelitischen Gemeinden in Höhe von 60 000 Mark genehmigt. Viel belacht wurde im Hause die Tatsache, daß der bekannte Antisemit Streicher für diese Position stimmte, nachdem er am Abend vorher eine zweistündige Brandrede gegen die Juden hielt. Zionistisch-liberale Auseinandersetzungen in der Breslauer Gemeinde. . Breslau, 29. Februar. In der ersten Sitzung der Gemeindevertretung im laufenden Jahr wurde Herr Justizrat P e i f e r wieder zum Vorsitzenden gewählt. Stürmische Debatten entwickelten sich im Anschluß an die beantragten Subventionen der Gemeinde für den Zentralverein einerseits, den Keren H a j e s s o d andererseits. Von zionistischer Seite wurde die Mitwirkung deutscher Politiker im Pro- Palästina-Komitee als Beleg für die politische Ungefährlrchkeit des Palästina-Werkes ins Feld geführt, während die Liberalen sich auf den Standpunkt stellten, jene deutschen Politiker seien nicht genügend informiert und den Zionisten nur auf den Leim gegangen. Eine Rolle spielte in der Debatte auch das Buch von Dr. Wiener, dessen Verfasser immerhin den bemerkenswerten Mut hatte, der zionistischen Geistesrichtung die Verantwortlichkeit für den Mord an Prof, de Haan zuzuschreiben. Als sich Justizrat Ka lisch mit dieser De r Israelit_' Behauptung identifizierte, entstand eine wisde Szene. Leider hatte man, als Dr. G l u s k i n o s sich gegen die Keren Hajesiod-Subvention aus religiösen Gründen ausspräch, von misrachistischer" Seite den Mut, dieser vom religiösen Standpunkt aus wahrlich selbstverständlichen Konsequenz entgegenzutreten. Schließlich wurde die Subventionierung. des Keren Hajesiod mit 12 gegen 7 Stimmen und 2 Stimmenthaltungen abgelehnt. Die Entwicklung der Finanzverhältnisse wird wahrscheinlich ^ine Herabsetzung der Gemeindesteuer auf 10 Prozent ermöglichen. Eine öffentliche Versammlung hielt die vor kurzem gegründete Demokratische Vereinigung zur Förderung konservativer Gerne in de i n 1 e r essen ab. Diese Vereinigung soll den früher die Konservativen vertretenden „Verein zur Förderung der Interessen der Synagogengemeinde" ersetzen, der durch Eintritt von Zionisten in ein mehr oder minder volksparteiliches Instrument umgewandelt worden ist. Den Konservativen blieb daher nichts anderes übrig, als sich ein neues Organ zu schaffen. In der Versammlung sprach Herr Studienassessor Dr. Klibansky über die „Neugestaltung des jüdischen Schulwesens" und Justizrat Hirschbe r g berichtete über die Tätigkeit der konservativen Vertreter in der Gemeinde. Angarn. Das Rumerus Elausus-Gefetz verabschiedet. Budapest, 2. März. Das Abgeordnetenhaus hat die Numerus Clausus- Vorlage nun auch in zweiter und dritter Lesung in der vorgeschlagenen Form verabschiedet. Die Debatte erbrachte nichts Neues. Abg. Paul Sandor hielt eine längere Rede, in der er über die schimpfliche Behandlung, der jüdische Schüler in den Mittelschulen seitens ihrer Schulkollegen und Lehrer oft ausgesetzt sind, Klage führte. Unterrichtsminister Graf Klebelsberg verwahrte sich in feinem Schlußworte gegen den Vorwurf, er hätte aus Anlaß der Ruhestörungen an den Universitäten die notwendige Energie nicht aufgebracht, fügte aber gleich daraus hinzu, es wäre sehr verfehlt, gegen die Jugend die gleiche Strenge anzuwenden, wie gegen allgemeine Ruhestörer. Unter den Führern wie in den breiten Kreisen der ungarischen Judenheit ist man darüber sehr deprimiert, daß zahlreiche Abgeordnete der fortschrittlicheren Regierungsparteien, die von der jüdischen Wählerschaft unterstützt worden sind und von denen angenommen wurde, daß sie sich für die Abschaffung des Numerus Clausus einsetzen werden, nunmehr für den Regierungsentwurf, der den Juden keine Verbesserung bringt, gestimmt haben. Die allgemeine Meinung ist die, daß die Aktion des Völkerbundes, angeregt durch jüdische" Kreise des Auslandes, nutzlos, vielleicht sogar schädlich gewesen war, indem sie den Anstoß dazu gab, auf gesetzlichem Wege einen Fortschritt der jüdischen Jntelligenzberufe bei gleichzeitiger Eliminierung der konfessionellen Klausel zu unterbinden. Die jüdischen Politiker vermeiden jedes Gespräch mit Pressevertretern, besonders mit Vertretern der Auslands- ' presse, über die neugefchaffene Lage und die aus ihr zu ziehenden Konsequenzen. Sie geben anscheinend die Hoffnung auf die baldige Wiederkehr einer Epoche der Gleichberechtigung auf. Im Parlament wies Abgeordneter Szilagyi auf den Ausgang der Wahlen zur Repräsentanz der jüdischen Gemeinde hin und erklärte, das ungarische Judentum werde niemals die ihm aufs Neue angetane Schmach vergessen; innerhalb-des Judentums, insbesondere der Jugend, gehe eine Neuorientierung vor sich. (I. T. A.) AnÜ-Schechika-Vewegung in Ungarn. Budapest, 2. März. Der Landestierschutzverein hat dem Parlament ein Memorandum unterbreitet, in welchem ein Verbot des betäubungslosen Schlachtens gefordert wird. Den Juden soll die Schlichtung von Vieh nur nach Maßgabe ihres Verhältnisses zur Zahl der allgemeinen Bevölkerung gestattet sein. Rumänien. Der letzte Prozeß gegen die Synagogenschänder. Bukarest, 2. März. Vor dem Klausenburger Gericht begann gestern der Prozeß gegen die letzten Angeklagten aus der Zeit der 8. März 1928 antisemitischen Studentenexzesfe. Die Antisemiten, die im Zusammenhang'mit der Bewegung zur Milderung der Urteile in den ersten Prozessen wieder Mut bekommen haben, Ästen «inen - scharfen Terror aus. Der als Zeuge einoernommene Jude Jsak Schenker. wurde' während "der Gerichtsverhandlung von den anwesenden Studenten überfallen und schwer mißhandelt. Nur mit Mühe gelang es, ihn den Händen der Angreifer zu entreißen. Schweiz. Generalversammlung der Jskaelitischen Religionsgeseüschäft Zürich, 1. März. Am 26. Februar fand unter starker Beteiligung die ordentliche Generalversammlung der Israelitischen Religionsgesellschaft statt. Herr Ettling«r als Vizepräsident erstattete den Jahresbericht, der von einer stetigen .Entwicklung der Gemeinde zeugte, die gegenwärtig 105 Mitglieder umfaßt. Auf den Generalbericht folgten die Berichte der übrigen Kommissionen, sowie der Rechnungsvevjsoren. Die außergewöhnlich aufopfernde Tätigkeit des bisherigen Vvrftandes und besonders des leider vor einiger Zeit zurückgetretenen Herrn Sally Harburger wurde besonders hervorgehoben. Das Budget für das kommende Jahr balanciert mit ca. 70 000 Fr. Reges Interesse fanden die darauf erfolgten Wahlen. Es standen sich zwei Wahlovrschläge für den neuen Vorstand gegenüber, der offizielle des abtretenden Vorstandes und Ausschusses wurde von Herrn Mannes oorgebracht und von Herrn A. W. Rosen zweig ausführlich motiviert, während Herr Berthold Guggerrheim Sprecher für die zweite Vorschlagsliste war. Diese. letztere Vorschlagsliste erhielt eine überwiegende Majorität, so daß aus der Wahl heroorgingen: Herr Ettlinger als Präsident, sowie die Herren Max Lang, Jacob Gut jun., Leo Spiro und Ist Berlowitz als weitere Vorstandsmitglieder. Der Ausschuß wurde in seiner alten Zusammenstellung wieder gewählt und zwar wie folgt: Max Kahn, Max Mannes, Josef Wormser. Jacob W eill-Halfs, Th. Sandberg und Hans Bollag, neu Sally Harburg e r. In die Sch u l p f le g e wurden gewählt: die Herren Max Kahn, Hermann C o h n und Th. Sandberg; in die Friedhofkvmmission die Herren Josef W o r m s e r, Victor B a rt h und Marcel Gold bäum. Die vorliegenden Anträge, die den ferneren Teil der Traktandenliste ausmachten, sowie die Ausarbeitung einer Synagogenordnung wurden 'zur weiteren Behandlung dem neuen Borstand und Ausschuß gemeinsam überwiesen. England. Eine Krisis in der United Synagogue. London, 1. März. Der Kampf um das F r a u « n w a h l r e ch t in der United Synagogue hat nun, nachdem es bereits schien, daß die Freunde des Frauenwahlrechtes den Sieg an ihre Fahnen geheftet^ hätten, zu einer neuen Krisis geführt. In der vorgestrigen Sitzung des Council gelangte mit 48 >gegen 38 Stimmen eine Resolution Jfaac Landaus zur Annahme, die bestimmt, daß Aenderungen der Verfassung künftig nur mit einer Mehrheit von Zweidritteln der anwesenden Mitglieder des Rates und nur nach Genehmigung in einer gemeinsamen Beratung von Rat und Exekutive oorgenommen werden können. Man war sich in der Debatte darüber einig, daß die Annahme dieser Resolution für unabsehbare Zeit die Durchführung des Frauenwahlrechtes unmöglich machen werde. Trotzdem drang sie durch, Nachträglich scheinen die führenden Mitglieder der Exekutive zum Bewußtsein der Konsequenz des Beschlusses gelangt zu sein, denn Wochenkalender. v. 10. — 17. Mörz 1888. v. 18. - 25. Adar 5888. '2 Samsrag 10 18 «VN ms nsna Sonntag 11 19 tnispaia n'wn Montag , :ö 12 20 tmspina Oma Dienstag § 13 21 Mittwoch 14 22 Donnerstag 15 23 Freitag 16 ■24 Vnpi Rausch Thaudesch Bensche« Mauled Mittwoch nachm. Samstag 17 •25 2 Uhr 39 Minuten. VINN n«na