Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1928)
- Date
- 1928-03-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 10 Seite 3 8 März . 1928 D e r 3 s r a ei i t und vondieser - Art ..netten Aufschwung für den jüdischen Geist erwarten. Von einem solchen Werkewiees uns jetzt Kaffovsky gegeben hat, könnennur e cht jüd isch e Impulse für gut j ü d i s ch e Gei st e s a r beit ausgehen. Es ist nun Sache der Freunde der jüdischen Wissenschaft, die Arbeit Kassovskys dadurch zu belohnen, daß sie das Werk a n s ch a f f e n und in Freundeskreisen verbreiten. Das Werk ist von I. Kauffm ann / Frankfurt a. M. verlegt und beim Verlag (Schillerstraße 19) zu beziehen. Es kostet broschiert 120 Mk, in- Leinwand gebunden 125 Mk. und eine besondere Luxusausgabe in Halbledereinband 15S Mk. . ' : Korrespondenzen * Nachrichten. Freie Vereinigung für die- Interesten des orthodoxen Ztchentums E. V. / F r a nkfur t a. M.,5. März. Zu der in. .der letzten Nummer veröffentlichten Notiz über die Vorstandssitzung der ^Freien Vereinigung wird uns von deren. .Büro geschrieben, daß die Wiederherausgabe des'„Volksboten" noch nicht beschlossen, sondern daß ein entsprechender Antrag, der auch die Modalitäten der Herausgabe regelt, dem Ausschuß vorgelegt werden soll. Ein Antrag, wegen Herausgabe in Gemeinsamkeit mit einer anderen. Organisation ist nicht erfolgt. Vom Preußischen Landesverband. - Berlin, 1. März. Die Märznummer des „V e r w a l l u n g s b l a t t es" des Preußischen Landesverbandes veröffentlicht die Einberufung des Verbandtages auf Sonntag, den 25.März. Die Tagesordnung enthält außer den Regularien Anträge auf Verfassungsänderung, die Revision des. Preußischen Judengesetzes und die Auseinandersetzung über den Reichsverband. - . Das Verwaltungsblatt bringt ein religionsgesetzliches Gutachten von Rabbiner Dr, H o f f mann- Frankfurt a. M. über das Verhalten jüdischer. Gemeinden gegenüber den Eingriffen der Kommunen hinsichtlich jüdischer Friedhöfe, sowie ein Rechtsgutächten von.Landgerichtsrat Arthur Rau über die Eigentumsverhältnisse einer Synagogengemeinde, die sich auflöst, oder. der. die ordnungsmäßigen Vertretungsorgane fehlen. Kerner ist das Gesetz über die Schulpflicht in Preußen vom 15. September 1927 abgedruckt. . Die konfüklssloffe in der Berliner Gemeindeverwaltung. •' Berlin, 2. März. Zu den Konfliktstoffen, die in der Repräsentantenversammlung zwischen der geschlossenen liberalen Fraktion von 10 Stimmen und dem gegenüberstehenden Block von:• 11 Stimmenbestetzen; gehört auch die Frage der M a n d a t s d a u e r der gegenwärtigen Repräsentanz. Die liberale Fraktion hatte gefordert, daß über diese' Rechtsfrage das Gutachten unparteiischer verwültungsrechtlicher Autoritäten eingehölt werden müsse. Dieser Antrag ist nunmehr von -'dem Block abgelehnt worden. . Inzwischen hat der Rat des Preußischen Landesverbandes dem: Drucke des Berliner Gemeindevorstandes nachgegeben und zum Sachverständigen beim Preußr-, schen Kultusministerium schließlich? doch Herrn Dr. Jsmar Freund vorgeschlagen. Rach.diesem Ergebnis hätte' man sich die wilden parlamentarischen Kämpfe in der Repräsentantenversammlung füglich sparen können. Die Liberale Zeitung, scheint zwar noch immer Zu 'hoffen, an dem Beschluß. etrvas ändern zu können, aber diese Hoffnung wird wohl vergeblich sein. eine soziale Schulungswoche, an der alle ln, der Wohlfahrtspflege tätigen oder an ihr Interesse nehmenden Männer und Frauen unentgeltlich teilnehmen .können. Die Vorlesungen und Arbeitsgemeinschaften erstrecken sich Aber die- 'wichtigsten gesetzlichen Bestimmungen (Reichssürsorge-Verordnung, Ausländerrecht), Sozialpolitik (Arbeitsnachweis, Wanderungsfrage), Sozialpädagogik - (Fürsorgeerziehung, Kindergärten und Berlin. Der Führer der Berliner Nationalsozialisten, Dr. Göbbels und der Zimmermann S chulz, hatten sich gestern vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte, der erste wegen Aufreizung zu Gewalttätigkeiten, der letzte wegen gefährlicher Körperverletzung, zu verantworten. Das Gericht verurteilte Dr. Göbbels wegen öffentlicher-Aufforderung zur Begehung strafbarer Handlungen zu sechs Wochen Gefängnis -und den Angeklagten Schulz wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung zu vier Wochen Gefängnis. Im Gerichtssaal. kam es zu Kundgebungen seitens der Anhänger Göbbels. ' — Der Verbandstag des Preußischen / L a n de sv-erbandes I ü di scher G e - mei n de n ist auf Sonntag, den ,29. März, in / Berlin angesetzt.^. Laydau. Der jüdische Friedhof in E s si'n g en hei Landau in der Pfalz wurde vor zwei Tagen verwüstet. 42 Grabsteine wurden amgeworfen und teilweise zerstört. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen eingeleitet. Als Täter wurden Burschen im Alter von 17—19 Jahren festgestellt. Der jüdische Friedhof in Essingen dient schon seil nahezu tausend Jahren den jüdischen Gemeinden von Speyer bis Landau als Grabstätte. Breslau. „Gegen die Republik und die Juden!" riefen im August v. I. die Landwirte Kroll und. Deutscher auf der Straße und -erhielten jetzt vom Gericht vier Monate Gefängnis zudiktiert. Posen. Die Polizei konfiszierte eine von den Nationaldemokraten herausgegebene Hetzschrift utner dem Titel: „Der jüdische Angriff in Polen". Das Gericht annullierte jedoch die polizeiliche Maßregel und gab die Schrift frei. Bagdad. Der Rädelsführer bei den Kundgebungen gegen Sir Alfred Mond, Jusief Efendi Seiner, wurde verhaftet und wird vor Gericht gestellt werden. Rom. Das italienische Pro Palästina- Komitee (Jtalia-Palestina) hat die ihm von der provisorischen Leitung vorgelegten Statuten angenommen. Präsident des Komitees ist Prinz Pietro Lanza di Sealea, der frühere Minister für die Kolonien Italiens; Vizepräfi-; dent ist der frühere Finanzminister der Mussolini-Regierung, Deputierter Alberto de Stefani. Dem Präsidium gehören noch andere prominente Persönlichkeiten m Budapest. Im 69. Lebensjahr verschied Kön. Rat Dr. Josef St er n, ein Freund Stefan Tißzas. Drei Jahrzehnte lang war er Führer der'Altofner Bevölkerung. 33 Jahre lang war er Mitglied des Budapester Munizipalausschusses, 10 Jahre hindurch war er Präsident der Altofner israe- Mischen Religionsgemeinde. Warschau. Die jüdischen I n d u st r i e l l e n Polens haben sich zu einem Verbände zusammengeschlossen, zu dem Zwecke, eine entsprechende Vertretung in den Jndüstriesektionen der Handelskammern zu erlangen und staatliche Kredite für die in jüdischen Händen befindlichen Industrien durchzusetzen. Brüssel. Mitte März beginnt in Brüssel die Jahreskonferenz der Internationalen Union ~ der Völkerbundsgesellschaften, Auf dieser Konferenz. werden auch die Frage: der - Verfolgung der Juden -in Rumänien und,die Frage der Zwangssonntagsruhe in Griechenland zur Behandlung kommen. Kiew. In den letzten Tagen sind in der Ukraine etwa hundert junge Juden wegen zionistischer Betätigung verhaftet worden. Von den Verhafteten wohnten 27 in Kiew, 50 in Winniza. die übrigen in Nikolajew und Charkow. Die Mehrzahl der Verhafteten wurde nach verschiedenen Orten in die Verbannung geschickt; 6 von ihnen erhielten die Erlaubnis, nach Palästina auszuwandern. Horte, schulentlassene Jugend, soziale Gerichmhilfe), Hygiene und Sozialversicherung. Ferner sind^iEsichtigüngen von jüdischen und allgemeinen WohlfaWseinxichtungen und Fachausstellungen vorgesehen. Soziale Schulungswöche/ - - B e r l i.rr, 5, März^ Die Z e n t ra l wo h l fa h r tsste ll.e der deutschen Juden veranstaltet in der Woche vom 18. bis 23/März Generalversammlung des HilfsvHrems der deutschen Juden. . Berlin, 5. März. \ Am Sonntag fand die Generälversammlung des Hilfsvereins der deutschen Juden statt, in der Dr. James , S im o n und Generalsekretär Dr. Wischn i tzer ausführlich über die gegenwä..'/? ^:e in Aussicht genommene zukünftige Tätigkeit des Hilfsvereins berichteten. Ins, Präsidium wurden die Herren^James Simon, Eugen Landau, Max Marburg und Willy Dreyfuß gewählt. Der frühere Generalsekretär des Hilfsvereins und jetzige Direktor des Joint, Herr Dr. Bernhard Kahn gab einen Ueberblick über die Lage der jüdischen Massen, insbesondere auch über die Ansiedlungstätigkeit in Rußland. Er erklärte, daß die jüdischen Organisationen die bisherigen Ansiedlungen weiter fördern werden, daß.sie aber zu den neuen Plänen der Kolonisation in Sibirien keine Stellung nähmen. Die Lage der oflpreuhischen Gemeinden. - Königsberg, 5. März. Waisenhausdirektor Peritz in Königsberg hat dem Preußischen Landesverband eine instruktive Denkschrift über die Verhältnisse der jüdischen Beamten Ostpreußens vorgelegt, die ein erschütterndes Bild von der äage der Suben in dieser isolierten Grenzprovinz gewährt. Ostpreußen hat. 11000 Juden, gleich fünf Promille der Bevölkerung, gegenüber einem durchschnittlichen Anteil der Juden von 10 fßromille der jüdischen Bevölkerung Preußens, Der Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung wird immer geringer. Von 57 Gemeinden kommt nur eine einzige, Königsberg, mit einem Zuschlag von 20 Prozent der Reichseinkommensteüer aus. Alle anderen Gemeinden erheben 30 bis 60 Prozent der Reichseinkommensteuer als Kultussteuer, um ihre Institutionen auch nur notdürftig erhalten zu können. .27 Gemeinden haben keinen Beamten, sondern müssen alle Schäden des Bezirkslehrersystems mit in den Kauf nehmen. Die Gehaltsverhältnisse der Beankten sind trostlos. - Die Wahlen in Leipzig. L e i p z i g, 2. März. Das Ergebnis der notwendig gewordenen zweiten Neuwahlen hat den Liberalen eine Niederlage gebracht. Statt 6 Vertretern wurden nur 6 Liberale gewählt, während die Orthodoxie 2 Mandate (I. B. Goldreich und Elia Kestenbaum), die Volkspartei 3 Mandatedi« Poale Zion 1 Mandat davontrugen. An der liberalen Mehrheit in der Gemeindevertretung ändert sich hierdurch natürlich nichts. Im ganzen wurden für die orthodoxe Liste 1149 Stimmen abgegeben, für die liberale 1076 und für die Volkspartei 1545. Wenn die Zionisten nicht verstanden hätten, einen ausländischen Orthodoxen, welcher dem Misrachi angehört, an aussichtsloser vierter Stelle zu nominieren, - dann hätte die Orthodoxie noch ein Mandat erreicht, da ihr nur wenige Stimmen hierzu fehlten. Auf alle Fälle war die Neuwahl ein Sieg für die Orthodoxie, denn nur diese hat ein Mandat gewonnen gegenüber der ungültig erklärten Wahl vom 27. November 1927. konservative Vereinigung. Altona, 27. Februar. Am 26. Februar fand in der Gemeindeschule die erste Delegiertentagung für Schleswig-Holstein statt. — Nach verschiedenen Begrüßungsreden durch Herrn Oberrabbiner Dr. Car leb ach, Herrn Dr. Franck als .Vorsitzenden der Altonaer Gemeinde, Herrn Rabbiner Dr. B a m b e r g e r für den mordwestdeutschen Rabbmerverband, Herrn Dr. Victor als Präsident des Provinzialverbandes, Len t sch in skrfür die Gemeinde Kiel wurde das Bureau gewählt. Herr Moritz A. Loeb aus Berlin begründete sodann die Notwendigkeit der Gründung der konservativen Vereinigung in der religiösen Not der zahlreichen Mittel¬ und kleinen Gemeinden, in der Zersplitterung der Religionstreuen, der religiösen Vereinsamung der Jugend in unendlich vielen Orten trotz der unverkennbaren Fortschritte in der Schätzung der Tradition in den größeren Gemeinden.- Jn der Diskussion wurde besonders die Stellung der Konservativen Vereinigung zu den übrigen orthodoxen Vereinigungen besprochen. — Herr Loeb hob hervor, daß seiner persönlichen Meinung nach, was ja allerdings nicht maßgebend sei, es schwer sei, offiziell mit der Agudoh zusammen zu arbeiten, solange der Paragraph 4, der so viel Gesetzestreue für minderwertig tempele, bestehe. — Her Oberrabbiner Dr. Carlebach begründete die Notwendigkeit der neuen Vereinigung durch die Kraftverhältnisse und religiösen Schichtungen