Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1928)
- Date
- 1928-03-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 10 Seite 7 8. März 1928 ' Der Israelit sie veröffentlichten unterm 29. Februar eine Erklärung, wonach sie ihr Amt niederlegen werden, wenn der Beschluß nicht revidiert wird. Der Vorsitzende, Lionel de Rothschild, hat nun demgemäß eine neue Beratung des Council zusammenberufen. Personalien. Seckenburg-Lappienen, 28. Februar. Ihre Goldene Hochzeit begehen in voller körperlicher und geistiger Frische Herr Syul und Frau Liebe A b r am - sohn, geb. Israel. Einer alten Frommen Rabbinerfamilie entstammend, bewahrte Herr Abramsohn, obwohl von Jugend auf in Deutschland wohnend, unentwegte Treue zu Thora, und die schlichte tiefe Frömmigkeit der litauischen Heimat blieb ihm eigen. Seit vielen Jahren fungiert er in der Gemeinde ehrenamtlich als Hilfschafen an den hohen Feiertagen. Bis zum Kriege stand der Jubilar in geschäftlicher Verbindung mit dem in Lappienen liegenden kaiserlichen Jagdschlösse. Zu Kriegsanfang war der Hof des Herrn Abramsohn beim Russeneinfall wiederholt Mittelpunkt wilder Schießereien, wobei einmal eine Kugel ihm hart an dem Kopf vorbeisauste. Er spricht oft davon, daß an seinem „Schma Jisroel" das tödliche Geschoß zurückgeprallt sei. Fünf Söhne aus dem Hause Abramsohn standen an der Front, non denen leider nur. vier zürückgekehrt sind. Durch alle Fährnisse seines Lebens war ihm das TiMmbuch bester Begleiter. Eine Tochter des Ehepaares ist mit Herrn Simon B e n g i s — dem Sohne des als Gaon bekannten. „Kalvarier Raw"— verheiratet, dessen hervorragender Einfluß auf das jüdische Leben in der Gemeinde und in der ganzen Umgebung groß ist. Das Fest der Goldenen Hochzeit, wird vom verehrten Jubelpaare in Gegenwart der Kinder und Enkelkinder und vieler Freunde begangen, die alle im Wunsche vereint sind v"iv^- Frau Rabbiner Clara Wechsler Würzburg, 2. März. Der 24. Schewat wurde zu einem großeü Trauertag der Gemeinde "Würzburg, denn es galt Abschied zu nehmen von einer Frau, die durch die Art ihrer Persönlichkeit an die große jüdische Vergangenheit erinnerte und durch Abstammung und Lebensschicksal mit den hervorragendsten Vertretern dieser vergangenen Epoche verbunden war. Frau Rabbiner Clara Wechsler hatte am Montag den 13. Februar die Augen geschlossen, und mit ihr war die letzte Tochter des bekannten Elijah Rafael Rosenbaum aus Zell bei Würzburg und Enkelin des berühmten Rabbi Mendel Zell W (Rosenbaum) von hinnen gegangen, An die Namen dieser Männer knüpft sich für den Kenner der Geschichte des bayerischen- Judentums die Erinnerung an die großen Kämpfe der traditionstreuen Orthodoxie mit der damals einsetzenden - radikalen ', Reformbewegung, und im Mittelpunkt dieser Kämpfe stand der Streit um das Würzburger Rabbinat. Es ist geschichtLch, daß R. Mendel Zell, durch den Einfluß seiner Persönlichkeit und die Tatkraft seiner heiligen Ueberzeugung die Berufung des Würzburger Raws, Rabbi S. B. Bamberger erreicht und damit im nördlichen Bayern auf Jahrzehnte hinaus das traditionelle Judentum gesichert hat. Es, ist natürlich, daß eine Frau, die im Hause und in der Atmosphäre solch prominenter Vertreter der Gesetzestreue aufwuchs, schon in früher Jugend die unverlierbare Form und Prägung ihres jüdischen Wesens erfahren, der sie bis zum Ende ihrer Tage treu geblieben ist. Kein Wunder, daß sie einen Mann wie den unvergeßlichen Rabbi Hyle W zu Schwabach und später Höchberg als Gatten erwählte und in ihm beglückt den Erben der gleichen Tradition wiederfand, die sie im Elternhause erlebt hatte. Von der Größe dieses Mannes, der literarisch zu Ehren der Thora wiederholt die Feder führte und sein ganzes Leben der Erziehung der jüdischen Jugend geweiht hatte, gibt uns folgende Tatsache Zeugnis, die vollkommen sein Wesen charakterisiert. Als z. Z. Samson Raphael Hirsch seine Gemeinde in Frankfurt a. M. begründet hatte, trug die Hauptgemeinde Rabbi Hyle das Rabbinat in Frankfurt an. Aber R. Hyle lehnte die Berufung ab und tauschte lieber hierfür das kleine Höchberg ein, an dessen Präparandenänstalt er dann bis zu feinem Tode segensreich wirkte. (Israelit Nr. 56 — Jahrg. 1894.) Allzufrüh und tiefbetrauert ist dieser große Mann dahingegangen, ohne seine Familie versorgt zu sehen. Tapfer und geduldig trug seine Frau das Los, für ihre 6 noch unmündigen Kinder zu sorgen und die herrlichen Züge ihres Charakters und ihrer Persönlichkeit entwickelte sie in diesem harten Lebenskampf zur höchsten Blüte. Ihre tiefempfundene Gottesfurcht ließ sie nie verzweifeln und der Adel ihrer Seele blieb in diesen schwersten Tagen der Not rein und fleckenlos. Was das Lebensschicksal ihr an äußeren Gütern versagt hatte, ersetzte ihr die angeboren« Güte des Herzens und das erinnerüngsvolle Gedenken der schönen Jugendzeit im sagenumwobenen Zell. Mild urteilte sie über den Nächsten und ihre Gebefreudigkeit entsprach voll und ganz den Traditionen ihres Elternhauses. Niemand, der das Glück hatte, diese Frau näher kennen zu lernen, wird den tiefen Eindruck ihrer jüdischen Persönlichkeit, dieser heute so seltenen Frauengefralt vergessen, die nur im schlichten und anspruchlosen Leben jüdischer Pflichten ihr Glück gefunden. Bei dem Hinscheiden dieser wahrhaft jüdischest Frau zeigte sich "in rührender Weise die Verehrung und Liebe, die sie in ihrem Leben genossen hatte. Es war wohl die größte Teilnahme an der rrnap einer Frau, deren man sich feit Jahren in Würzburg erinnern konnte. Im Trauerhause nahm ihr Sohn, Oberlehrer Wechsler aus Alzenau in tief ergreifenden Worten Abschied von seiner geliebten Mutter. Et beschrieb ihren Werdegang, wie sie< gleich den Frauen unserer großen einem geschäftlichen Beruf nachgegangen sei, damit ihr Mann sich ungestört dem Thorastudium widmen könne und wie sie nach dem Tode des Vaters die 6 unversorgten Kinder allein erzogen und keinen Augenblick das Gottvertrauen verloren habe. Vom Trauerhause aus setzte sich dann der Trauerzug nach Höchberg in Bewegung. Am Grabe sprach Herr Bezirksrabbiner Dr. H anover, der in bewegten Worten ein Lebensbild der Verblichenen entwarf. Nach dem Minjan im Sterbehause hielt der Schwiegersohn, Herr Nathan Pollack aus Berlin, einen tiefergreifenden Hesped. Ein Stück Alt-Zell ist mit ihr unwiderbringlich verloren. Möge die jüngere Generation sich des jüdischen Geistes und der zielbewußten Tatkraft ihrer großen Ahnen stets bewußt fein. Gießen, 5. März. Am 10. März sind es 40 Jahre, daß Herr Bernhard Klein als Lehrer, Kantor und Schochet in unserer Gemeinde wirkt. Klein ist ein Lehrersohn aus Veitshöchheim, besuchte die Präparandie in Höchberg und das Seminar in Würzburg. 1883 fand er seine erste Anstellung in Pflaumloch, Württemberg. 1888 kam er als Kultusbeamter an unsere Religionssellschaft, die 1923 die Rechte einer öffentlichen Körperschaft erhielt. In dieser langen Zeit bewährte sich der Jubilar als ein pflichttreuer Beamter, der die Jugend zu wahrer mivrr begeisterte und durch sein klangvolles Organ den Gottesdienst verherrlichte. Möge ihm ein recht schöner Lebensabend beschieden sein. Posen, 1. März. Unsere in«',-Feier war in diesem Jahve zugleich eine Trauerkundgebung für den am 4. Tebeth Heimgegangenen R. Samuel den R. Benjamin Vogelsdorff W Unser Raw, Oberrabbiner Dr. F r e i m a n n,. würdigte die Verdienste des verewigten n"n. dem zahlreich« Schüler ihre Festigung in nrri'1 mm zu verdanken haben. Auf Wunsch des Verstorbenen werden seine Freunde und Schüler gebeten, für ihn im Trauerjahre täglich einen o^nm wann t\r>v zu lernen. Bad Wildungen, 1. März. Seinen 85. Geburtstag beging in größter körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische Herr Jacob Mannsbach I von hier. Mcherbesprechungen. tminbl tmab Tiöbnb 'VlvV ]lbö. Handwörterbuch zu Hakmud, Midrasch und Hargum, mit ZSetegeu aus den Huckten. Hebräisch, deutsch, englisch. Don Baruch Krupnik und Dr. A. M. Silbermann. Zwei Bände, 4M und 440 Seiten. Verlag Schrpiro, Daleniine & Co,» London Die Bezeichnung „Handwörterbuch" für dieses Werk scheint uns gar zu bescheiden. Es sind zwei große, wunderschön ausgestattete Bände, die nicht mehr und. nicht weniger bezwecken, als alle in Talmud, Midrasch und Targum vorkommenden Worte und Begriffe in - hebräisch, deutsch und englisch zu übersetzen und zu erklären, eine Arbeit, die sich ungefähr auf zweimal 450 Quartseiten erstreckt. Es ist auch insofern mehr denn ein Wörterbuch, als bei jedem Worte zur Klärung des Begriffs mindestens eine, zumeist aber mehrere Talmudstellen, mit Angabe von Traktat und Folio angeführt werden. Dem T a l m u d st ü d i u m wird dieses 'großangelegte Hilfsbuch ungeheuer dienlich fein, denn wir hatten außer dem „Aruch", der natürlich keinen Anspruch auf erschöpfende Ausführlichkeit macht, bisher kein geeignetes Hilfsbuch von solchumfassendem Ausmaße für diesen Zweck. Sehr anzuerkennen ist es, daß uns das Werk für viele Abkürzungen in der talmudifchen- und rabbinischen Literatur, die das Studium erschweren, den Schlüssel gibt. Freunde des jüdischen Buches und. der talmudischen Wissenschaft werden das Erscheinen dieses Wörterbuches mit Freuden begrüßen und es ihrer Bibliothek einverleiben, um oft, vielleicht in jeder Gemorostunde, danach zu greisen. Familiennachrichten. Barmizwo: Benno, Sohn des Herrn Isaak Strauß, Kultusvorstand, Schöllkrippen. Samstag,. 17. März, nsns* Geburtstag: Seinen 80jährigen Geburtstag feiert Herr Julius Steinhäuser in Alzenau (Utst.1 am 10. März. Briefkasten. L. E. in Str. Sie haben recht, und dem Autor ist die Talmudstelle in a"3 bekannt, wo an diesem Beispiel die Notwendigkeit des korrekten Unterrichtes gezeigt wird. Wenn er schreibt, Soul hätte falsch gelesen, so meint er natürlich durch Derschulden seines unkorrekten Lehrers. Die chem. Reinigung in unserem Werk Ist das vollkommenste Mittel zur Erhaltung Ihrer Kleidung. Nicht nur Schmutz. Flecken und Krankheitskeime werden beseitigt, Garderobe, Vorhänge, Decken, Teppiche, Handschuhe werden auch meistens wieder wie neu. Ebenso wird das Auffärben und Plissieren von Stoffen etc. in der bekannt erstklassigen Weise von uns ausgeführt Läden ln allen Stadtteilen Vertrauensposten sucht 40 I verh., bish selbst. Mann bet besch. Anspr. Kennt«. Metall-, Ehemik-, Drogen-, Papieru. verw. Branchen. Gewissenh., zuverl, energ, repr Mitarbeiter Gest. Angeb. unter F. M. 15624 Sk Ala, Frankfurt-M. Die Synagogen Gemeinde Wesermünde- Bremerhaven sucht zum 1. Mai d. 3s. einen ' Schochet und Vorbeter der zugleich j*-ns und ypin sein mutz Bewerber rvollen ihre Zeugnisabschriften von orthod Rabbinern nebst Angabe ihres Alters, Lebenslaufes, Staatsangehörigkeit und ihre Gehaltsansprüche richten an den Borstand zu Händen des Herrn M. Feldbrand. Wesermünde-G. Wöchnerinnen trinkt Köstritzer Schwarzbier und Kulmbacher Exportbier KstACAItliinil Telefon Hansa 4283 ivaesemann Glauburgstrasse 67 Junger Mann, -22 Jahre fudüf Sfeffe als DoföntSv 6der Lagerist Branche egal, per sofort od 1. Mai. Samstag frei Off. unter 266*4 an die Erpel» Junger Mann sucht Sfeffung als Verkäufer uml Lagerist in der Manufattu. Kurzwarenbranche per 1. oder 16. April. Off u 86696 a d.E. Fräulein gute Pädagogin, str. orth., wird zur Gründung u. Organisierung einer as», r>'2- Schule gesucht. 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