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Der Israelit · 1928-03-08 · Heft 10 (8.3.1928) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 10 (8.3.1928)
Date
1928-03-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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‘-W'^i Seite 4 Nr. 10 ec Israelit 8. Mürz 1828 Der Katholizismus und das neue Palästina. Die Katholiken bekunden in letzterer Zeit ein .Interesse an Palästina und dessen Aufbau,'das weit über die bekannten „Heileshoffnungen" der Mission in Verbindung mit Palästina und Zionismus hinaus eine ehrliche Sympathie für das Heilige Land nicht verleugnet. Dys Organ des deutschen Zentrums, die Berliner „Germania", spricht sich in einem Leitartikel in ihrer Abendausgabe vom 25. Februar in ruhiger Sachlichkeit über die Zukunft Palästinas aus. Die Krisis hätte den Höhepunkt überschritten, und merklich setze eine langsame Besserung ein. Freilich seien die drei Projekte, auf die sich die Erwartungen Palästinas stützen, noch im ersten Stadium der Vorbereitung. Der H a f e n b a u v o n Haifa wird erst Ende des Jahres beginnen, mit der Erschließung d e s T o t e n M e. e res und der Elektrifizierung Palästinas wird man noch länger warten müssen. Die Linien der weiteren Entwickelung liegen, nach der „Germania", auf dem Geleise einer angelsächs i s.ch e n S a ch l i ch k e i t, die heute immer mehr hie zionistische Romantik östlicher Einstelluyg. verhränge. Schon die Zusammensetzung der Organisation in Palästina, in der England und Amerika dominieren, symbolisiere diese Wandlung. In dem Maße, wie. die zionistische Bewegung aus dem Reiche der- Träume in eine Periode schlichter Bürgerlichkeit einlenke, bessere sich, auch das Verhältnis z u d e n A r a - b e r n. — Das ist im Ganzen gut gesehen.. - Bedeutsamer und tiefer in den Geist der Dinge eindringend, ist eine Aeußerung des Direktors des päpstlichen Orientalischen Institutes, Bischof Monsignore d ' H e r b i g n e , eines Mannes, der 311^. nächsten Umgebung des Papstes gehört und vor kurzem im Aufträge des Vatikans Palästina bereist hat. Mit ehrlicher Bewunderung spricht er — dem römischen Vertreter der I. T. A. gegenüber — über die jüdische Kolonisation in Palästina. Begeisterung geselle sich dort mit Ausdauer, um ganz Ungewöhnliches zu erzielen. Diese Begeisterung muß aber seiner Ansicht nach — es ist auch unsere Ansicht —, in Religion und Tradition ihre Basis haben, wenn nicht anders mit einem unerhörten Verbrauch an Kraft in den Sand gebaut werden soll. Monsignore d'Herbigny sprach sich auch noch über den Antisemitismus und über die Stellung der katholischen Kirche zum Judentum aus. Diese kenne und kannte keinen Judenhaß, auch nicht im Mittelalter. Die Errichtung des können, daß sie. aber arme Thoragelehrte werden, brauchen sie nicht zu fürchten. v.y-' * * Als Rabbi Eisik Charif sein letztes Werk wia* pnv herausgegeben hatte, kam jemand zu ihm und fragte ihn: „Räbbi, die waan sagen: a'i'pras? }nr .irnan ’jpr napvia jjijh ' und so nahm ich bestimmt cm, daß Euer letztes Werk Euere früheren an Gelehrsamkeit und Tiefe bedeutend übertreffe, nach genauerer Durchsicht desselben finde ich aber das Gegenteil." . . . „Ja", erwiderte R. Eisik Charif,„, in dem zitierten Ausspruch heißt es ja weiter: jar 5>a .pnsn •>»» ■>1? jn’Vj? r-isniDn Ml und eben daher kommt es, daß Du mein letztes Werk nicht so tiefsinnig findest wie meine früheren, denn auch Du bist inzwischen alt geworden." Ghettos, ja selbst die I n quis iti0 n dienten nur „zum Wohle" der Juden.... Das erste bot ihnen Schutz vor dem Pöbel, letztere entzog sie der Willkür her mittelalterlichen Feudalherren wöna v'vw du# nraai fvV- Darüber ließe sich nun allerdings streiten. Aber es kommt hier wirklich nicht darauf an, ob das, was gesagt wurde, mehr oder weniger geschichtlich wahr ist; es kommt darauf an, was damit für die Gegenwart gesagt sein soll. Und was der Monsignore damit zum Ausdruck bringen' will, ist, daß der K a t h 0 l i z i s m u s v o n heute k e i n e N H a ß gegen I u d e n u n d Judentum verspüre. So sucht er geschichtliche Vorgänge s 0 auszulegen, daß er sich deren nicht schämen müßte. Diese loyale Denkart, aus der auch tiefes Verständnis für das Judentum und seine Interessen ersprießt, können wir Juden in Deutschland dem im Zentrum vereinigten deutschen Katholizismus mit . vollen Herzen bezeugen; wir werden, wie es auch früher geschehen ist, bei den bevorstehenden Reichstagswahlen Gelegenheit dazu finden. Wie sehr sich in Sachen des jüdischen Rechtes die . Ansicht dieses römischen Kirchenfürsten mit denen des deutschen Zentrums deckt, zeigt am besten seine scharfe V e r u r t e i l u n g d e r P r 0 p a g a n d a g e g e n das Schacht e n. ,Er sieht in einem Schächtverbot eine direkte Vergewaltigung der jüdischen r e l ig i ö s e n G e f ü h l e und eine Attacke gegen die Gewissensfreiheit. Ist es einmal leider soweit gekommen, daß man solche Selbstverständlichkeiten aussprechen muß, fo begrüßen wir es mit Dank und Freude, daß sie von so hoher Stelle ausgesprochen w e r d e n. Eine Mischnakonkordanz. Ein großes Werk, das wir seit Jahren mit freudigem Herzen wachsen sahen, ist zu Ende geführt, und liegt in zwei starken, herrlich ausgestatteten Bänden vor uns: die Konkordanz der k 0 m p l e t t e n M i s ch n a von Rabbi Chajim Josua Kassovsky in Jerusalem*). Man darf sagen: Seit M a n d e l k e r n, der uns die Konkordanz der Bibel gegeben hat, hatte die jüdische Literatur Aehnliches nicht zu begrüßen. An der Fülle und der Tiefe der Arbeit gemessen, muß dieses letztere Werk sogar noch höher eingeschätzt werden. Was für ein Talmid Chochom muß doch der Mann sein, der die ganze Sine jüdische Bibliothek. Die von Rabbi Dr. Leo Jung in Newyork<-ins Leben gerufene jüdische Volksbücherei unter dem Namen „The Iewish Library" hat ihre erste Serie von 12 Heftchen nunmehr abgeschlossen. Schon in der gefälligen äußeren Form der kleinen Büchlein, die sich in ihrem Format von ca. 9/16 cm. leicht in die Tasche stecken und unterwegs lesen lassen, äußert sich die auf die wirksame und praktische Propaganda für. das überlieferte Judentum gerichtete Tendenz der Bibliothek. Trotzdem würde man irregehen, wenn man'/annehmen wollte, daß es lediglich leichte Ünterhaltungslektüre ohne wissenschaftlichen Wert sei, die hier geschaffen worden ist. Schon die Namen der einzelnen Autoren bürgen dafür, *) Hltyjsn JUPV Concordantiae totius Mischnae edidit Haim Joschua Kassovsky I u. II. I. KüUsfmann Frankfurt a. M. daß die geistige Kost, die hier dem Volk geboten wird, aus vollkommener Durchdringung des Gegenstandes und unzweifelhafter wissenschaftlicher. Kompetenz' beruht. Disbisher erschienenen 12 Heftchen behandeln folgende.Gegenstände: Die Grundbegriffedes Judentums (Räbbi Leo Jung), Das Judentum in der jüdischen Geschichte (Dr. A. Cohen), Studium als Gottesdienst (Professor Nathan I s a a cs), Juda Halevys Vereidigungseines Glaubens (Dr. David de Sola Pool), Die Mrforge. für die Tiere im jüdischen Leben und der "jüdischen Volksüberlieferung (Rabbi B. Hurwitz), Die Ausbrettung des Judentums im Laufe der Zeiten (M. G aste r>, Die Entwicklungslehre (O. W 0 l f.f s ber g)- Der Jugendliche in Geschlechtsleben und Erziehung (D. M. Ascher), Ein Uebevblick über die jüdische Geschichte (Dr. Moses Auerbach), Die Ehe im Judentum (Rabbi D. Unna), Die Bibel (Oberrabbiner Dr. C a r l e b a ch). Die Zeremonien (Rabbi I. Epstein). Wir sind überzeugt, daß die Bibliothek in Amerika und in den englisch sprechenden Ländern überhaupt sehr viel Segen stiftet, und es bleibt zu bedauern, daß wir etwas Aehnliches, seitdem die Freie Vereinigung ihre Volksbücherei nicht mehr herausgibt, in deutscher Sprache nicht besitzen. - . t?' (Vorsicht.heim Einkauf von Pasten.) Wir werden von einem Kdnner der Verhältnisse darauf aufmerksam gemacht,^daß^die im Handel befindlichen/ von der Firma Türk mirPahst hergestellten '-Sarvell-e n-'Lachsu n d A uch 0 v y - P a st e n, mit Schmal z vermischt, konserviert in . den Handel tommm., Die gleiche Firma stellt allerdings auch rituelle Pasten her, deren Vertrieb in der Hand der Firma Davrd Bauer liegt. Es kommt indessen häufig vor,, daß Hausfrauen, die über die Fabrikationsverhältnisse nicht" unterrichtet Hnd, des Misch n a. von ’naxo zu Anfang von nirn bis Wira zu Ende von pspur durchgearbeitet, ausgenommen und festgehalten hat in zwei Büchern, die — schon rein äußerlich herrlicher Schmuck einer jeden Bibliothek — in einer "raschlebigen Zeit von geschwächtem Gedächtnis jedem die Handhabe geben,, eine ihm entgangene Mifchnastelle mühelos, nach Umschlagen einiger Blätter, auf:'Quelle uttd. Stelle.zu eruieren. >. Die angeführten Zitate' für jedes Wort, jeden Begriff, jede Wendungergeben ein. lückenloses und erschöpfendes Bild. Kassovsky geht nicht den Weg Mandelkerns, die Ueberfchriften , nach Stammwörtern zu verteilen, fo, daß bei', veränderter Wortform oft ein langes Suchen vonnöten ist; jede grammatikalische Bildung, .jede Wendung, jede Wortform steht autonom da und beansprucht eine eigene Rubrik für sich. Wenn wir beispielsweise verzeichnen,' daß die Worte und Wendungen um np« volle dreißig Seiten einnehmen und trotzdem jede Variation eigene Ueberschrift trägt, so läßt unsdies ahnen, mit welcher Gründlichkeit und absoluten Zuverlässigkeit hier zu Werke gegangen wird. Auch die Namen der Tanaim sind unter'Angabe sämtlicher Mischnastellen, in denen sie, lehrend hervortreten öden erwähnt werden, genannt, was die Bände auch den Biographen und Historikern wert macht. . " .. : Ueber Plan und Methode der Zusammenstellung gibt der Verfasser in einem kurzen Vorwort einigen Aufschluß: Benutzt sind als Unterlagen die b e st e n und korrektesten Mischnaaüsgaben, die wir besitzen. Wo sich Variationen in der Lesart ergeben, sind sie in abwägenden Bemerkungen angeführt und gewürdigt. Heißen Dank spricht der Verfasser im Vorworte denen aus, die ihm bei der jahrelangen Arbeit materielle und'moralische Unterstützung in so reichem Maße angedeihen ließen, unter ihnen Herrn Rabbiner Jonathan H 0 r 0 v i c z, Herrn Eleasar Moses S l u t z k i n und Herrn Jacob S ch a ch e w i tz , der die erste Anregung zur Schaffung eines solchen Werkes gegeben und feine eigenen umfassenden Vorarbeiten zugunsten dieses Werkes, das er als besser und Umfassender kannte, in uneigennütziger Selbstbescheidung zurückgezogen hat. Wir leben in einem Zeitalter der Enzyklopädien und Konkordanzen, einer S.a b u r ä e r - zeit, die, weniger schöpferisch, auf das Ordnen, Sichten und Schichten älterer Geistesschätze bedacht ist. Wie aber auf die Saburäer die gaonitischen Schulen folgen und nach ihnen die Großen der kastilischen und deutschen Zeit, so darf man von jeder Epigonenarbeit in diesem besten Sinne irrigen Glaubens sind,- daß man derartige Pasten überall'einkaufey dürfe. Dies ist, wie nicht nachdrücklich genug betont werden kann, ein verhänignisvoller Irrtum, der zu schweren Jssurim führen kann. („Schweizer kraflbrot".) Vonv der Lebensmittelkommission der Vereinigung gesetzestreuer Rabbiner erfahren wir, daß das heute sehr empfohlene, sogenannte „Schweizer Kraftbrot" aus Roggenmehl mit edlen Milchprodukten" hergestellt ist. - . , (Selbstwehr upd Zufall.) In der- Prager zionistischen „Selbstwehr" singt Irina Berkowitz-Singer: „Als Jakob heute den Kalender drehte, sagte er zu mir:. „Voriges Jahr, am 18. Dezember,.. waren schon 180 Millimeter Regen gefallen und Heuer ist der Himmel unbarmherzig trocken. Der Blumenkohl braucht Regen, die Blüten können sich, trotz der kümmerlichen Bewässerung nicht entfalten." Ich fragte ihn, ob wir schon mit dem Säen fertig sind. Wir haben noch einige hundert.Dunam in Bagurah, dem neuen Pachtboden Ruthenbergs, zu beenden und dann,' wenn schon der Regen kommt und wenn die Chamsine uns nicht die noch junge und zarte Saat verbrennen, werden wir uns Heuer doch in die Höhe schwingen können! Wir wir doch auf Gnade und Ungnade dem Zufall ausgeliefert sind!" Wir haben es in bezug auf Crez Jisroel in der Schule anders gelernt, nämlich wa chvia na n wy nwn tvnns ijn was gewiß nicht der neuen Lehre des „Zufalls" entspricht.

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