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Der Israelit · 1928-03-01 · Heft 9 (1.3.1928) · page 23

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 9 (1.3.1928)
Date
1928-03-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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s 1. März 1928 Der Israelit Blätter fung einerseits, dem für uns unverkennbaren Beginn, da nur das Wort Gottes unmittelbar alles Entstehen des Kosmos lenkte, und andererseits dem dann von Gott in die Welt gesetzten Kausalnexus, der Natur, die nun allein durch Ursache und Wirkung den Laus des Weltalls regelt; zum Begriff der Schöpfung gehört auch "der . des Wunders, zu dem der Natur aber keineswegs die notwendige Gebundenheit des Menschen in seinen Handlungen. Hatten wir bisher von. der Tatschöpfung Gottes gehört, so führte uns der Redner nunauf das Gebiet der göttlichen Wortschöpfung. Ebenso wie die Welt durch Ahn Aussprüche Gottes aus dem Nichts entstand, ebenso wte ausschließlich diese zehn Worte die Schöpfung vollzogen, eh« sie von dem Schleier der Natur umwoben wurde, ebenso sind die zehn Gebote und unsere ganze heilige Lehre uns gegeben worden, um nunmehr innerhalb der natürlichen Ursache und Wirkung die Schöpfung Gottes folgerichtig fortzusetzen. Als drittes Glied in dieser Kette kamen wir nunmehr an die W i l l e n s s ch ö p s u n g Gottes. Diese offenbart sich in der Geschichte und es ist kein Zweifel, daß wir auch auf dem Wege über die Geschichte zu Gott gelangen müssen, wenn wir dieselbe nur mit den rechten Augen betrachten. So bautsich auf dem Zusammenhang aller dieser Dinge die Weltanschauung eines echten Juden auf. Da die Maßstäbe des-Verstandes hierfür zu gering sind, kann keine Wissenschaft es beweisen, keine aber auch jemals ad absurdum führen: Die Tatschöpfung Gottes als den Beginn des Weltalls. Unsere Aufgabe ist es, auch im jetzigen natürlichen Geschehen göttliche Schöpfung weiter erstehen zu lassen durch die pünktliche Erfüllung aller unserer Gebote. Betrachten wir die Geschichte mit den rechten Augen, so wird gerade sie uns auf diesen Weg führen, denn sie zeigt uns die Entstehung und Erhaltung des jüdischen Volkes als eine Familie zur Heiligung des göttlichen Namens. Leipzig. (I. U.) Sonntag den 12. Februar fand im hiesigen Künstlerhaus eine große Versammlung des Agudas Jisroel statt. Als Redner hatte die Gruppe Herrn Dr. E h r m a n n - Frankfurt gewonnen. Nach Eröffnung der Versammlung durch Dr. Hallemann ergriff Herr Dr. Ehrmann das Wort zu feinem Referate: „Der gegenwärtige Stand der Agudas Jisroel". Der Referent führte aus,' daß das schwierigste Problem der Agudas Jisroel sämtliche Schattierungen im orthodoxen Judentum unter eine Fahne zu bringen durch die erste Kenessio Gedaulo gelöst wurde. Seit dieser Zeit ist die Agudoh im Steigen begriffen. Die letzten polnischen Sejmwahlen ergaben ca. 60 Proz. der Stimmen für die Agudoh. In Amerika, wo die Agudoh noch Großes zu leisten hat, ist es gelungen, Fuß zu fassen. Orts- und Jugendgruppen in verschiedensten Städten sind "bereits gegründet. Als Hauptfortschritt der Agudah in den letzten Jahren ist die Beis Jakob-Bewegung in Polen zu buchen. In Deutschland selbst hat die Agudah den Kampf gegen das Amhoarazzes ausgenommen. In verschiedenen Städten hat der Keren Hathora Talmudthoras gegrüdet. Diese zu vergrößern. neue zu schaffen, Jeschibos zu gründen, das ist unsere Aufgabe. Das jüdische Volk ohne Thora ist wie ein Körper ohne Seele. In dieser Richtung ist auch unter Führung der Agudas Jisroel die orthodoxe Gemeinde in Erez Jisroel gegründet worden und sämtliche Rabbiner einschl. des Rabbinats Kuk (außer Kuk selbst) haben zum Austritt aus dem Waad-Leumi aufgefordert. Die Ausführungen des Redners wurden unter großem Beifall ausgenommen. Mit Dankesworten des Vorsitzenden wurde der wohlgelungene Abend geschlossen. Kopenhagen. (I. U.) Nach Rückkehr unserer Freunde von der Frankfurter Bundestagung wurden sofort mehrere Arbeitsgemeinschaften eingerichtet, die gut arbeiten. Unsere Mädchengruppe arbeitet mit gutem Erfolge und nimmt stetig an Mitgliedern zu. Jetzt sind wir mit der Durchführung unseres alljährlich stattfindenden Keren- Hathora-Bazars beschäftigt. Hamburg. (I. U.) Herr Wolf S. Jacobson, Mitglied der Leitung der Landesorganisation der Agudas Jisroe. unternahm durch die süddeutschen Agudahgruppen eine sehr erfolgreiche Rundreise um eine Reorganisierung der Gruppen in die rlVege zu leiten. Herr Jacobfon sprach u. a. in Mainz, Gießen, Wiesbaden, Thüngen, Schweinfurt, Würzburg, Kitzingen, Brückenau, Regensburg, Ansbach, Trenchtlingen, Nürnberg und Karlsruhe. Antwerpen. Nach längerer Untätigkeit ist die hiesige Jugendgruppe wieder zu neuem Leben erwacht. Einige Herren ergriffen die Initiative und gründeten eienn Waad Semani, der die völlige Reorganisierung in die Hand nahm. Unter Fühlugnahme mit der Ortsgruppe arbeitete dieser Waad Semani einen Statutenentwurf aus, der in einer am 9. d. M. stattgefundenen Generalversammlung zur Annahme gebracht wurde. Am 12. d. M. fand dann eine zweite Geenralversammlung statt, die den Tätigkeitsbericht des Waad entgegennahm, ihn entlastete und einen Vorstand wählte, dem sie die 'Weiterführung der Grupppe übertrug. Derselbe setzt sich zusammen aus den Herren: Josef Fr ied mann, Äbr. Schreiber, Emil Klein, H. Cechowald, Klagsbald, Diller, Bronner, Heitner und Kornreich. Die Gruppe zählt jetzt schon eine stattliche Anzahl neudeklarierter Mitglieder. Ihr angeschlossen sind die Pirche Agudoh. für Jugendliche bis 17 Jahren. Gemeinsam mit der Ortsgruppe hat sie ein Lokal erworben, dessen Lesesaal schon eröffnet ist, und in dem sckon einige Schiurim gelernt werden. Die offizielle Eröffnung und Einweihung findet am 23. d. M. gemeinsam mit dem Sijum Vowoh Meziah Das Jaumi statt. C. K. I Antwerpen. Am 2. Adar. beging die hiesige Orthodoxie ein seltenes Fest, das auch für die Zukunft derselben nicht ohne Bedeutung sein wird. Es war die Einweihung des neuen Aguda-Lokales gemeinsam mit dem Sijum auf Bowoh Mezioh. Als erfreulich mag es gelten, daß sich ' das Lokal für diese größere Veranstaltung schon als zu klein erwiesen hat. Vor über zweihundert Gästen eröffnete der Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe Herr Koppel Spira die Feier, und brachte in Erinnerung, daß es die erste Veranstaltung der Ortsgruppe ist seit dem Hinscheiden des langjährigen, verdienstvollen Vorsitzenden der hiesigen Agudas-Jisroel, Herrn Abraham Ullmann * st? Dann entwickelte er in einer längeren, von Beifall unterbrochenen Rede das Programm der Agudas Jisroel, brachte Daten und Zahlen von dem, was die Agudas Jisroel schon geleistet hat und die noch größeren Zahlen von dem, was noch zu leisten ist, und schloß mit einem warmen Appell an alle, die, die noch den Weg zur Agudas Jisroel nicht gefunden haben, ihr beizutreten, und die vielerlei Akitonen und Aufgaben der Aguda zu unterstützen, aber auch geistig durch Interessiertheit und durch aktive Mitarbeit. Dann brachte er ein vom Zentralrat der Agudas Jisroel in Wien eingelaufenes Begrüßungsschreiben zur Verlesung, das mit großem Beifall aufgenommen wurde. Herr Oberrabbiner M. Rotten BTr g ergriff dan das Wort zu einem geistvollen, tiefgründigen Hadran. Die nun folgende Szeudas-Mizwoh wurde verschönt durch glänzende, gesangliche Vorträge des Oberkantors Barsky aus Odessa, der seit einigen Wochen an der hiesigen Machasike-Hadaß wirkt. Während der Mahlzeit sprach auch Herr Schreiber aus Wien, der die Grüße und Glückwünsche der dortigen Agudas Jisroel überbrachte. Als Nächster sprach dann der Vorsitzende der hiesigen Jugendgruppe, Herr Josef Friedmann, der zunächst den Dank der Gruppe aussprach an die verdienstvollen Dozenten des Das Jaumi, Herrn Wolf Rottenberg und Herrn Ch. N. Laub, denen es zu verdanken ist, daß der Daf Jaumi seit seinem Bestehen in Antwerpen noch nicht unterbrochen worden ist. Dann wies er auf den tiefen Sinn des Zusammentreffens hin, daß Chanukas-Habajis und Sijum zusammen gefeiert wird, deutete es auf die Aufgaben der Jugend in der Agudas Jisroel, durch Lernen sich selbst zu erziehen zu einem agudistischen Leben, wies darauf hin, von welcher Bedeutung es gerade für die Aguda-Jugend in Antwerpen istsich zur agudistischen Weltanschauung, zur letzten und höchsten Souveränität der Thauro durchzuringen, daß dazu die Schaffung eines jüdischen Milieus, wie es das nun eröffnete Lokal sein soll, von so dringender Notwendigkeit ist, und schloß mit einem Aufruf an die jüdischen Eltern in Antwerpen, an die jüdische Gemeinde in Antwerpen, das Ringen der Jugendgruppe zu unterstützen. und in freigebigster Weife bei der Erfüllung ihrer Aufgaben behilflich zu sein. Dann sprachen noch Herr Birnbaum vom Vorstand der hiesigen Ortsgruppe, und Herr S. Ehrenfeld im Namen der Gemeinde Machsike-Hadaß. Antwerpen, überbrachte deren Grüße und herzlichen Wünsche für ein Gedeihen der Agudas Jisroel in Antwerpen. Um 1 Uhr trennte man sich dann in dem frohen Bewußtsein, ein Stück der Geschichte der Orthodoxie in Antwerpen miterlebt zu haben. Leipzig. Angeregt durch den Frankfurter Bundestag wurde eine völlige Reorganisation der Leipziger Agudas Jisroel Jugendgruppe durchgeführt. Köln. Hier wurde eine Mädchengruppe dre Agudas Jisroel gegründet. Braiislawa. Am 29. Januar fand eine Ausschußsitzung des Ladnesverbandes der Agudas Jisroel Jugendorganisation in der Slowakei statt, in der W. Donnebaum über die Frankfurter Tagung berichtete. Einstimmigwurde der Beitritt zur Arbeitsgemeinschaft der Jugendorganisation der A. I. beschlossen. Presov (Eperjes). Am Sonntag, den 28. Schebat veranstaltet« die Agudas Jisroel Jugendgruppe einen Sijum auf o’-ns 'o». Nach dem Siium fand ein Festbankett statt, an welchem auch das Rabbinat mit unfern neugewählten Oberrabbiner an der Spitze teilnahm. Herr Salamon R e i n i tz, Präses der Jugendgrupppe, begrüßte die Erschienenen Bale Batim, die Vertreter der Gemeinde wie auch die in Vertretung der Kosicer „Bne- Emunim" erschienenen Herren aufs herzlichste. Er richtete an den Oberrabbiner das Ersuchen, seine erprobte Tätigkeit auf dem Gebiete der Jugenderziehung hier im gesteigerten "Maße fortzusetzen und versicherte ihn, daß die Jugend seinen Weisungen stets treu Folgschaft leisten werde. Sodann erhob 'sich unser Oberrabbiner und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß sich ihm hier sofort am Beginne seiner verantwortungsvollen Tätigkeit Gelegenheit bietet mit der Jugend enge Fühlung zu nehmen. Unter stürmischem Beifall der zahlreich erschienenen Gemeindemitglieder führte er aus, daß er seine ganze Energie in den Dienst der Jugenderziehung' stellen werde. Die Rede machte aus alle - Anwesende einen tiefen Eindruck. Herr Wtllner, der den Schiur leitete, hielt eine feurige Ansprache an die Jugend, in welcher er sie zum weiteren eifrigen Lernen anspornt. Cs sprachen noch Rabbinatsassessor I u n g r e i s. der Altendorfer Rabbiner, Herr Lazar Fonfeder, Samuel Reiner. Nandor Herz, von den Mitgliedern L. Lauer. L. Licht, von den auswärtigen Mitgliedern Herr Glück aus Soras m'e auch der Vertreter der Kosicer Bne-Emunim, Herr Berkowits. Die festliche Stimmung dauerte bis spät nach Mitternacht. Nr. 8 Seite 3 .Ergo Kritik! Rückblick - Ausblick.') Von Alexander Zimmermann in Frankfurt a. Al. Wir veröffentlichen die nachstehenden Ausführungen, die aus der Diskussion für den Bundestag der A. J.-Jugendorganifation herrühren, obgleich sie fast gänzlich auf irrigen Annahmen beruhen, und lassen die Richtigstellung der wichtigsten ~ Punkte dahinter folgen. Red. - Der Ruf der A. I. I. O. nach Kritik ist leider sehr angebracht. Bisher rief nur die Idee wegen der fehlerhaften Durchführung nach der rettenden Kritik . . . Wer es, wie ich, mit der Aguda ehrlich meint, muß zugeben, daß das bisher Erreichte weit hinter dem zurückgeblieben ist, was man auf Grund des mächtigen Auftaktes bei der Gründung im Jahre 1912 erhoffen durfte. Bei der Suche nach den, die großzügige Entwicklung und Zielerreichung hemmenden, Ursachen stoßen wir ua. auch aus Unterlassungssünden. Diese bedauerlichen Unterlassungssünden sind um so unbegreiflicher, als man z. B. durch das Programm der „Moriah", die sich mit Hinblick und Hoffnung auf die Aguda auflöste, ein glänzendes Vorbild hatte. Sie werden sich ja sicher auf die von Rabbiner Lerner aus Altona ins Leben gerufene Moriahbewegung entsinnen. Zwar hatte sie nur ein Programm, das darin bestand, in Palästina kolonisatorisch und erzieherisch zu produktiver Arbeit auf Basis der Thora tätig zu fein. Die Bewegung breitete sich rasch aus und gewann auch die großen Massen des Ostens. Ja, sogar die traiia und D-’p*1'*:* des Ostens und überhaupt Ungarns hielten sich der Bewegung nicht fern, sondern im Gegenteil, zoll- * ten der Sache das größte Interesse. Wenn wir uns die Liste der dieser Bewegung zustimmenden trruu und trpHB ansehen, so können.wir feststellen, daß fast alle talmudischen Koryphäen der damaligen Zeit ihre Zustimmung gegeben haben. Sogar die ungarischen stimmten begeistert zu. Es genügt, wenn ich den Vonyhader den Bütszentmihalyer b"sn den Weizener und Erlauer m zitiere. In einer in Bonyhad erschienenen halachischen Zeitschrift (*\nv v?mi) wurde diese Bewegung sogar eingehend diskutiert und der ungarischen Orthodoxie warm empfohlen. Diesem Vorbild ist die Aguda nicht gefolgt: 1. Sie fand keinen Kontakt mit den maßgebenden Kreisen des orthodoxen Ostens, 2. vernachlässigte sie ursprünglich fast ein Jahrzehnt lang die Palästinafrage. Als dann die Moriah nach Gründung der Agudas Jisroel, deren Programm ja war, alle Grundfragen des Judentums auf Basis der Tauroh zu lösen, also auch die Erez Jisroel-Frage, sich, um keine zersplitternde Konkurrenzbewegung zu sein, mit Hinblick auf die Agudoh, auflöste, wurde die ganze'Palästinafrage acht Jahre lang kaum gestreift. Diese stiefmütterliche Behandlung ist umso auffallender, als bekanntlich andere nichtorthodoxe Bewegungen diese naheliegendste Frage trotz des Krieges mit der größten Intensität behandelten. Zwar versuchte ja nach der Balfour-Deklaration auch die Agudas Jisroel in Palästina Fuß zu fasten und ihren Fehler der Vernachlässigung zu korrigieren, fiel aber nun von einem Extrem in das andere. Denn während sie bis dahin der Palästinafrage gar keine oder jöchstens stiefmütterliche Behandlung zuteil werden ließ, fiel sie nun in das andere Extrem und widmete ihre ganze Kraft und Bestrebung nur!)er Palästinafrage und so wurde die Agudoh ihrem eigenen Programm — sämtliche Fragen des Judentums lösen zu wollen — untreu und ihre Aufgabe erschöpfte sich bloß in der Pro-Palästina-Arbeit. Sie vergaß, daß die Palästinafrage Zwar ejne wichtige sei, nicht nur wegen der großen ms» von ptt ans« ondern auch weil Palästina leider vorläufig das einzige Land ist, das für jüdische Kolonisation in *) Wegen Raummangel verspätet.

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