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Der Israelit · 1928-03-01 · Heft 9 (1.3.1928) · page 24

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 9 (1.3.1928)
Date
1928-03-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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Seite 4 Nr. 6 Der 8 - . a elit Blatter. 1. März 1928 Betracht kommt; denn die geplante russische Ansiedlung kommt für uns wegen der dortigen antireligiösen Einstellung nicht in Frage, vergaß aber, daß nicht weniger wichtig, ja vielleicht noch wichtiger, eine intensive und rationelle Golusarbeit sei. Vergeblich erhob einer unsrer Größten seine Stimme mit dem Warnungsruf: „Bitte bremsen!", doch seine Worte wurden von Uebereisrigen nicht beachtet und so verhallte seine Warnung wie ein Ruf in der Wüste.- Die damals vorausgesagte „Pleite" ist leider auch wirklich eingetrosfen. Nämlich: In Palästina stockt die Arbeit, die Kolonie Machne Jisroel, die unser Stolz war, ist eingegangen. Was an Erfolg übrig geblieben ist, das ist das Recht der tnn' aus dem Waad Leumi auszutreten. Bei den heutigen Umständen ist dieser Erfolg allerdings eine nicht zu unterschätzende Leistung derjenigen, die ihn erreicht haben, aber wir hätten an seiner Stelle ganz andere Erfolge ganz andere Rechte in Palästina haben können wenn zur rechten Zeit das Richtige getan worden wäre, nämlich die Sammlung aller gesetzestreuen Juden unter der Aegide der Agudas Jisroel. Als eine Macht, wie wir sie hätten sein können, wären wir gleichberechtigte und nicht nur geduldete Faktoren Palästinas geworden. Wir müssen es also als den größten und ver hängnisvollsten Fehler der Agudoh bezeichnen, daß sie den Zadikim vom Osten und hauptsächlich von Ungarn und Reu-Rumänien nicht die Möglichkeit gegeben hat, sich der Agudoh anzuschließen. Diese Möglichkeit hätte in der Annahme der ungarischen Forderung bestanden. Diese söge nannte „ungarische Forderung" wurde in Kattowitz im Jahre 1912 aufgestellt. Sie enthielt ursprünglich die zuerst sehr betonte, dann aber durch Diplomatie aufs tote Geleis gesetzte, Be dingung, daß die Agudah der Zusammenschluß von nur 'allen rein orthodoxen Gemein den sein soll.e . Ob diese Forderung an und für sich berechtigt ist, wollen wir hier nicht erörtern, sondern nur behaupten, daß sogar für den Fall, daß diese Forderung Mängel enthält, die Annahme der Forderung eine ertragreichere Wirkung ausgelöst hätte, als diejenige, die durch Ausweichen vor der Forderung erzielt wurde. Die mit großem Tamtam eingeleitete jugoslavische Tournee mit-dem Resultat, neologe Elemente in die Agudoh hereinzubekommen, kann nicht dazu beitragen, daß sich die ostjüdischen Geaunim mehr als bisher für die Agudah erwärmen . . . Wenn sich auch einige ö’iwu und einige wirkliche Thoragrößen sich der Bewegung anschlossen, das Groß der hielt sich der Bewegung fern, stand-ihr sogar zum Teil ablehnend gegenüber. Die große Masse der Juden des Ostens blieben überhaupt fern. Die Begeisterungsfähigkeit für eine Idee ruht in den Massen, das hat die: Ausbreitung des Chassidismus gezeigt. Damals, als Rabb. Jisroel-Baal- Schem die chassidischen Lehren verkündete, ergriff es die Masten in dem Maße, daß selbst die im Anfang sich Sträubenden in ihren Bannkreis gezogen wurden. Sogar ihre Gegner mußten vor ihrer Erhabenheit und tief auf jüdischer Grundlage ruhenden Begriffen die Waffen strecken und es wurden so Gegner zu Freunden und Förderern der Bewegung. Wir hätten nun glauben müssen, daß an eine Bewegung wie die Agudoh, die auf ihre Fahne schrieb: Orthodoxe aller Lager und Länder vereinigt Euch zum Ziele der Lösung aller jüdischen Probleme im Geiste der Tauroh, daß sich an diese Bewegung hunderttausende von den Besten und Edelsten aus der Orthodoxie angeschlossen hätten. Muß sich die Agudas Jisroel, nachdem dies nicht geschehen ist, nicht fragen: Gewiß sind wir die Schuldigen? Was erfordert die.Zukunft? Ein Programm! Damit die Agudoh nicht den Ereignissen nachzuhinken braucht. Durch Fühlungnahme mit den ötuu und v'p'12 muß die Welt organisation geschaffen werden. Man muß an sie herantreten, im persönlichen Kontakt ihre Wünsche und Vorschläge entgegennehmen und das Mißtrauen zu zerstreuen biete. Wenn diese letztere auf Schwierigkeiten suchen. Bringen uns die ostjüdischen Führer ihre stieß, so teilte sie dieses Schicksal mit der Palä- Massen, sind wir eine jüdische Macht von evi-S stina-Arbeit aller anderen Kreise, und es ist denter Bedeutung, so wird es auch gelingen, für ebenso unlogisch wie ungerecht, einen Zusammendiese Machtgruppe finanzielle Kontrahenten in England und Amerika zu finden, die an der wirtschaftlichen Durchführung der Agudahziele mithelfen werden. Wirtschaftliche Fragen sind zu lösen. Eine gemeinschaftliche Bearbeitung wirtschaftlicher Probleme ist geeignet, uns zusammenzuschmieden. Bringen wir unsren Brüdern im Osten praktische Vorschläge, ihrer Lebensführung angepaßt, auf gewerblichem und agrikulturellem Gebiet, so haben wir ein großes Stück Golusproblem gelöst. Man wird uns mit offenen Armen empfangen, allerdings nur dann, wenn wir nicht mit realpraktischen Kenntnissen auch jenen, für s i e unnützen und sinnlosen, Ballast mitbringen, der unter dem Namen „westeuropäische Kultur" segelt. Lehrt sie, wie man -einen Acker bestellt einen Dampfpflug führt, Wolle färbt, eine elektrische Klingel anlegt, aber verschont sie mit der Wissenschaft, wann Rhoderich der Achtzehnte seinen Neffen Justus zum Ritter schlug — sie verzichten auf diese Art Kenntnisse! Parallel mit den Jeschiwaus müßten jüdische Gewerbeschulen, wie z. B. eine in Jklod besteht, wo der halbe Tag mit dem Studium von trt? und v'pvis verbracht wird, ins Leben gerufen werden. Wenn wir nicht nur bei dem theoretischen Willen mit unsren und Brüdern in allen Ländern' im Bunde zu sein bleiben, sondern auch praktisch etwas dazu tun, dann wird sicher der Segen von rrapn nicht ausbleiben und der Gründungswunsch der Agudah sraixa Irma pan moia in Erfüllung gehen. Nachbemerkung der Redaktion. 1. Es ist richtig, daß die Schnelligkeit und das Ausmaß der äußeren und inneren Entwicklung der „Agudas Jisroel" nicht den Hoffnungen entsprach, die man vor 16 Jahren allenthalben gehegt hatte — aber die Ursachen liegen ja klar zutage: es sind die, teils taktischen, teils prinzipiellen Gegensätze im orthodoxen Lager und der Weltkrieg mit seinen wirtschaftlichen Nachwirkungen. 2. Wenn der Herr Einsender des Glaubens ist, daß eine reine Palästina-Bewegung, wie sie der „Moria" darstellte, mehr Aussicht gehabt hätte, die G e g n e r s ch a f t v o n re cht s zu überwinden, so stellt das die Tatsachen geradezu auf den Kopf! Noch h e u t e ist einer der beiden Gründe für die ablehnende Haltung grad e d er ostungaris chen, chassidisch orientierten Kreise die allzu palätino-zentrische Wirksamkeit der „Agudas Jisroel". Die bekannten Rabbis von Munkacz und Belz, aber auch der Lubawitfcher Rebbe, wollen von kolonisatorischer, von wirtschaftlicher Tätigkeit der Orthodoxie in Erez Jisroel. grundätzlich nicht wissen, und es verrät eine merkwürdige Unkenntnis der ungarischen Verhältnisse, wenn der Herr Einsender aus den rein theoretichen Zustimmungserklärungen einzelner ungarischer Rabbinen der älteren, noch vom nsiv ans erzogenen Generation zum Moria-Programm irgendwelche Schlüsse auf die Gesamtstimmung zieht, die durchaus unter dem Einfluß von Munkacz stand. Daran konnte auch der *pv> vpb'i nichts ändern. 3. Ebenso unrichtig ist die Behauptung, die Aguda sei später in das „andere Extrem" verallen und habe sich nur der Palästinafrage gewidmet; man braucht nur auf die Keren Hathora- Arbeit, die agudistische Jugendbewegung, den Kriegswaisenfonds, das grandiose Berliner und Wiener Hilfswerk, die gewaltige innerpolitische Arbeit in Polen zu verweisen, um einzusehen, daß der Herr Verfasser kritisiert und verurteilt, ohne genügend informiert zu sein. Dr. Nathan Birnbaum hatte das Recht, „Bitte bremsen" zu rufen, denn seine Warnung richtete sich gegen eine überschwänglich, messianisch angehauchte Stimmung und gar nicht gegen die ägudistische Arbeit auf praktisch-kolonisatorischem Gehang zu konstruieren zwischen der angeblichen „Vernachlässigung der Golusarbeit" und der-angeblichen „Pleite" in Machane Jisroel. 4. Mit einem merkwürdigen Salto-mortale geht der Herr Einsender von der Palästina-Arbeit zur „ungarischen Forderung" über. Er lebt des Glaubens, die Annahme der „ungarischen Forderung" hätte die „Zadikim des Ostens" zum Anschluß an die Aguda veranlaßt. Ein kindlicher Glaube! Was einen Teil des Ostens, einschließlich Ungarns, der Aguda fernhielt und noch heute fernhält, ist — abgesehen voü der Palästina- Arbeit — die An g st vor der durch die Aguda inkarnierten westeuropäischen K u l t u r. Hervorragende politische Führer Ungarns haben das nachträglich ohne weiteres zugestanden. Da der Herr Verfasser zu der sittlichen und religiösen Berechtigung der „ungarischen Forderung" (die er. übrigens unrichtig formuliert^ also nicht kennt), keine Stellung nimmt-, so wollen wir es auch nicht -tuy. - Sicher ist aber: ihre fynnähme hätte die Aguda in der ganzen Welt vollends ruiniert, Ungarn nicht gewonnen und die angeblich in Jugoslawien neuerdings vorgekommene „Heranziehung neologer Elemente in die Agudo" — wie heißen diese? — keineswegs verhindert. 5. Die Leitung der „Agudas Jisroel" war sich auch ohne hie Belehrung, die ihr der Herr Verfasser erteilt, klar darüber, daß die „Fühlungnahme mit den v'2ir» und v'p'iL ihre wichtigste Aufgabe ist, und sie wird gewiß day ihrige tun, um auch die wenigen, die noch fern stehen, in geduldiger praktischer. Arbeit für sich zu gewinnen. 6. Damit kommen wir zu dem letzten — leider einzigen Punkte—, in dem der Herr Verfasser einen praktischen Vorschlag -macht: die Aguda solle in den östlichen Ländern Maßnahmen zur wirtschaftliche nAusbkldung der Jugend treffen. Das scheint uns in der Tat. beachtenswert und sollte von Kundigen durchdacht werden. Freilich wird auch auf diesem Gebiet die finanzielle Krisis noch lange Zett jeden Schritt erschweren und vieles unmöglich machen, was denkbar und erstrebenswert erscheint. Spendenliste Keren Erez Jisroel. Alsfeld: Hugo Rothschild 19. Aschaffenburg: Frau Dr. Breuer 5, Arnold Rosenthal 5. Berlin: dch. Arbeitsausschuß des Palästina-Komitees-der - Agudas Jisroel 1250, Teilerlös aus Benfchen-Versteigerung im Hause des Herrn Rabb. D. Biberfeld 300, Hochdorf 3, Dr. Emil Hirsch 1000, G. Schwersenz 2. Breslau: Frau B. Kober 2.50, dch. Ivan Möller . 110.40, Frau Jedwab 200, dch. Ivan Möller: Ludwig Schnell 60, L. Ebstein-Bernstadt 30, Rausch Lhaudesch-Spen- . den 15. Birkenau: E. Löb 3. Burghaslach: dch. Frau Rosa Massenbacher: Hammelburger 9.90, H. Schapiro 1.50, Sal. Sturm 0.76, I. Hellmänn 0.60, Julius Eckmann 0.75, Josef Eckmann 0.75, Samuel Rosenblatt 0.75, Karl Rosenblatt 0.75, Max Zentmann 1.60, Hangewitz 0.30, Massenbacher 0.75. Chisinau: Agudas Jisroel 210. Darmstadt: Kahn u. Schack 20, M. I. Meyer 30, dch. Rabbiner Dr. Merzbach: Rabb. Dr. Merzbach "2ä, Kahn-Groß-Umstadt 5, NN. 10, Lehmann 3, NN12, Eisenheimer 20, Benny Baer 3, NN. 5, Frau Dr. Marx 18. Düsseldorf: H. Gottlieb 150. Dinslaken: dch. Dr. Rothschild 23. Eschwege: L. S. Brinkmann 50. Fulda: dch. E. Stiebet 71. Fürth: dch. Rafael Fellheimer: Rausch Chaudesch-SpeNde Fürth 102.25, f. Keren Erez Jisroel 3, Challogeld 104 40, Rausch Chaudesch-Spende 103.95. Guxhagen: dch. I. Katzenberg aus Synagogenbüchse 37. Gelsenkirchen: Chewras Jereim Willig 3Äiß und Herm. Fröhlich 6:50. ... Halberstadt: Dch. Rabb. Dr. Schlesinger Rausch Chaudesch-Spenden Halberstadt 135, Sigmund Strauß anl. Jahrzeit 3, Isaak Nutzbaum 600. Halle: Julius Schwab . 100, E. Pinto 72.

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