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Der Israelit · 1928-03-01 · Heft 9 (1.3.1928) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 9 (1.3.1928)
Date
1928-03-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Seite 4 Nr. 9 Der Israelit 1. März 1928 1598 zu Schiff nach Livorno. Daß sie dabei ihre Thora-1 Pharao, Haman, Aegypten, Persien und Babel, Turmlun/d hübsch verrührt werden, ergeben eine köstliche geistige Rollen Mitnahmen, ist eine Selbstverständlichkeit, und Ibau und Hamangalgen, die hier miteinander gemischt > Kost für die Purimseudo. es sind auch noch heute solche aus Spa nien und Portugal stammende Sifro- Thova vorhanden; eine beispielsweise in der portugiesischen Synagoge zu Amsterdam. Aber daß solche Emigranten auch einen umfangreichen Thoraschrank (Oraun hakodesch) mitgenommen haben, war bisher nicht bekannt und das dürfte auch nur ein einziges Mal vorgekommen fein. Bedenkt man, wie primitiv alle Verkehrsmittel damals waren und wie speziell die Schisse unter Raumnot kitten, so kann man sich nicht genug wundern, daß ein solcher Plan einmal zur Ausführung gelangte. Ich muß sagen, daß ich selten in meinem Leben so ergriffen war, wie im November vorigen Jahres, wo ich diesen merkwürdigen und wunderbar schönen Thoraschrank zum erstenmale in der herrlichen Livornoer Synagoge, die mir von früheren Italien-Reisen schon bekannt war, zu sehen Gelegenheit hatte. Er ist nämlich erst seit ganz kurzer Zeit dort aufgestellt worden und niemand wußte von seiner Existenz. In welcher portugiesischen Stadt er sich ursprünglich befand, konnte ich leider nicht ei fahren. Die Flüchtlinge von 1589 haben den Schrein, der 5% Meter hoch und Meter breit ist, unter den allerschwierigsten Verhältnissen mitgenommen und dabei den bekannt hohen Idealismus der Juden in Glaubensangelgenheiten betätigt. Keinem von ihnen wäre eingefallen, etwa ein besonders kostbares Stück ihres Mobiliars zu retten, aber die Thora und ihr Schrank durften auf keinem Fall im Stich gelassen werden. Nach der Landung in Livorno stand der Schrank vermutlich zuerst in einem Privathaus, dann in einer der kleineren Synagogen, diedamals entstanden. Als dann die noch vorhandene große und schöne Synagoge erbaut wurde und diese mit einem schönen, dem Stil des Gebäudes entsprechenden Oraun hakodesch versehen wurde, war der alte entbehrlich geworden und er fand in einem dunklen Gewölbe der Synagoge seiyen Platz. Dort stand er jahrhundertelang, zugedeckt mit laten Stoffen (Parochaus und Mäntelchen) und geriet allmählich in Vergessenheit. Vor einiger Zeit wurde das kostbare Stück von der Kunstkommission der Jüdischen Gemeinde Livorno, bestehend aus den Herren Oberrabbiner Dr. C. A. Coaff, Kunstmaler Professor Dr. Lnigi Levi und Advokat Guido Beldaria entdeckt, und von Herrn Professor Levi, der ein namhafter Kunstkenner und Kunsthistoriker ist und dem ich auch nähere Angaben verdanke, einer Restaurierung unterworfen. Jetzt erstrahlt der Thoraschrank in seiner ursprünglichen Schönheit. Benützt wird er nicht. Der ganze Schrank ist kunstvoll aus Nußholz geschnitzt und vergoldet. Der Jnnenraum ist blau und enthält die Zehngebotstafeln in uralten hebräischen Schriftzeichen. Eine Photographie des Jnnenraumes verschaffe ich mir bei meiner nächsten Anwesenheit in Livorno. Ich habe in alten Gebetbüchern in Livorno verschiedene süddeutsche Namen wie Berolzheimer, Bechhöser, Bernheim, Kohn und Weil gefunden, was auf süddeutsche Ansiedler schließen läßt. Jetzt ist keine Spur mehr von ihnen vorhanden. Mir ist auch bekannt, daß vor etwa 100 Jahren viele jüdische Mädchen aus Deutschland Stellungen bei vornehmen Livornver Juden annahmen. Auch meine Großmutter Sohrle Schönherr aus Aufhausen (Württemberg) befand sich darunter; Jüdische Italien-Reisende sollten Livorno nicht übergehen. Es ist eine schöne architektonisch hervorragende Hafenstadt an der Bahnlinie Rom— Genua. Diese Bahnlinie, die direkt an der Küste des ligurischen Meeres liegt, gehört zum Schönsten, was man sich denken kann. Ein Haus in Livorno trägt eine Erinnerungstafel an Moses Montefiore, der dort geboren ist. Außere der großen Synagoge ist auch die kleine .''er Talmud-Thora und die der Chewra sehenswert. Letztere hat viele alte und schöne Ritualgegenstände. ■aiaaiSkü Synagoge in Klausenburg. Rach einer Zeichnung von Ludwig Rosenwald. Ganz auf gleichem Niveau steht der neue Roman von Werner Jans en, der unter dem Titel „Die Kinder Israel" zwar Moses nicht in unnötigen Konflikt mit Haman bringt, ihn aber mit Stahlhelm versieht und zum deutschvölkischen Helden ^macht, der das liebe Vaterland von den Juden befreit. Moses , hat zwar, nach Jensest zweierlei Blut, aber er löst doch die Judenfrage. Bei den 70 000 Proletariern in Gosen, war das nicht schwer, aber auch die 5000 vom Kurfürstendamm der Stadt Memphis weiß er mit zionistischer Romantik zur Aufgabe ihrer Bankguthaben und Villen zu verleihen. Er überzeugt die Assimilanten mit.dem stolzen Zitat nationalistischer Blütensprache: „Es ist unwürdig, wie eilt Wurm in ein anderes Volk zu kriechen und ihm das Herz aufzufressen." Und als das nicht letzte Wirkung schafft, donnert er: „Niemand kann sein Volk aussuchen wie die Trauben aus dem Kuchen." Da ziehen sie aus, begehen wie aus alter Gewohnheit noch einen kleinen Goldschmuggel unter den Augen des gütigen Pharao, sie ziehen bis auf den letzten Mann und werden auf. der vorletzten Seite durch einen merkwürdigen Meeresvorgang von. den Folgen ihres Diebstahls verschont. Zurückgelassen ist . das laue, „sich selbst entfremdete" ägyptische Volk, das bald schwer unter dem Abgang seiner Finanztechniker leiden wird. Aber sein Aufstieg ist doch gesichert in der (Stahlhelm-) Jugend, die bisher verkam,'weil ihr. kein Stahlbad mehr geboten wurde.'—1 Die Darstellung , des „Koran" hat allenfalls den eigenen Reiz der üppigen orientalischen Phantasie für sich. Diese deutschvölkische , Phantasterei kann nur angesichts des bevorstehenden Purims unser Interesse erwecken. Synagoge in Sarajewo. Nach einer Zeichnung von Ludwig Rosenwald. Unfreiwilliger Purimscherz. Die unfreiwilligen Witze, auch Pürimwitze, sind immer noch die allerbesten. Wer lacht nicht aus vollem Herzen, wenn man im „Koran" ungefähr folgendermaßen liest: „Und da sprach der König Pharao zu seinem ersten Minister Haman: Auf, hole Lehm und Erde, lasse Ziegel brennen und er-, richte einen Turm bis zum Himmel hinauf, damit wir von dort sehen können, was der Gott der Söhne Israels treibt." (Die Steine vom Sinai.) Professor Dr. Hubert G r i mm e von der Universität Münster berichtete in Gegenwart des preußischen Kultusministers Dr. Becker, des Retchskunstwarts Geheimrat Redslob, von Vertretern des Auswärtigen Amts, Gelehrten der ägyptologischen und orientalischen Wissenschaften, sowie einer Reihe von jüdischen Persönlichkeiten wie die Rabbiner Dr. Weiße und Dr. Lehmann, Justizrat Dr. Brodnitz und Dr. Holländer, Professor Mittwoch, Rechtsanwalt Heinrich Stern und vieler anderer im Hause des Berliner Rechtsanwalts Dr. Bruno Weil über die Ergebnisse seiner in Kairo letzthin vorgenommenen Untersuchungen der berühmten Sinaisteien. Diese, vor etwa 30 Jahren auf dem Sinai entdecktem mit bisher unlösbaren Zeichen versehenen Steine waren zuerst von dem Engländer Gardiner, dann von Prof. Seche (Berlin), als die älteste Buchstabenschrift der Welt erkannt worden, deren Schaffung um mehr als 600 Jahre vor der bis dahin als älteste geltenden phönizischen lag. Prof.' Grimme hatte dann die Tafeln weiter gedeutet und in einem vor zwei Jahren bei Dr. Weil gehaltenen Vortrage seine Deutungen, die zum Teil auf die Feststellung biblischer Namen hinausliefen, mitgeteilt. In der Oeffentlichkeit war «in lebhafter Gelehrtenstreit über die Richtigkeit der Grimmeschen Thesen entstanden. Ein Komitee bemühte sich, eine Expedition nach dem Sinai zur Heimschaffung der rätselhaften Steine zu finanzieren, als die Nachricht eintraf, daß es zwei amerikanischen Gelehrten bereits gelungen fei, die bis dahin unbekannten Steine und noch drei weitere in das Museum nach. Kairo zu schaffen. Das Komitee ermöglichte - daraus Pros. Grimme das Studium der. Steine an Ork und Stelle. Lösung Nummer : des Silbenrätsels in |112^ nun ö.rm 130 TiaVn nii Richtige Lösungen sandten ein: Myriam Botschko, Montreux; M. Weinreb, Ludwigshafen; Schmaje Bimberstein, Loearno-Äscona. Jüdischer Friedhof in Sarajewo. Nach einer Zeichnung von Ludwig Rosenwald.

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