Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 9 (1.3.1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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1 März 19f8 Der Israelit Nr. 9 Seite 3 und leistete ihm Dienste. Da beredete ihn Chowanski, gegen die Bewohner seiner Geburtsstadt eine Blutbeschuldigung zu erheben, daß sie den Bluthandel mit den Leuten von Welisch getrieben; denn er (Chowanski) wollte sie alle verurteilt sehen. Feiwisch gehorchte dem Chowanski und schrieb einen verleumderischen Brief an den Kaiser?folgenden Inhaltes: Als er im Hause des Sabbathai Turbowitz weilte, sei dieser einmal in Geschäften nach Moskau gereist und nahm ihn (Feiwisch) mit sich. Auf dem Rückwege, unweit der Stadt, begegneten sie zwei Christen, der eine wür Ms»«» blmd und der andere sein Führer. Da rief- Sabbathai dem Führer ] zu: „Weshalb verbringst du deine Tage mit dieser ärmlichen Beschäftigung? Setze dich zu mir, ich will dich wie einen Sahn halten, denn ich habe keine Kinder und du scheinst mir ein tapferer Mann zu sein; ich werde dir von meinem Brote .$; und meinen Kleidern ' geben und dich zu meineyr Erben machen." Dem Knaben gefiel die Rede, er ließ den Blinden im Stich, setzte sich in Sabbathäis Wagen und fuhr mit ihm lustig und guter Dinge in - sein Haus.- Sabbathai aber hatte zwei Brüder; den ältesten Hillel und den jüngeren Abraham; Hillel habe den Christenknaben ergriffen, auf seine Knie gelegt und sei bei ihm Sandek (Pate) gewesen. Sabbathai aber habe ein Messer.genommen und ihn geschlachtet. Das Blut hätten sie in ein Becken ausgefangen und die Leiche unter dem Boden des Hauses begraben. Die Verwandten Sabbathais sollen das Blut in die nächsten und in die entlegenen Städte gebracht haben, um es den Juden zürn Pessach zu verkaufen.. So hübe Sabbathai' - jedes Jahr getan, nämlich einen Christen ermorden und sein Blut auffangen. Einmal habe er einen Christen aus der Stadt Disna gebracht, gleichfalls geschlachtet und dessen Blut aufgefangen; alle Geschlachteten seien in seinem Hause begraben. Einmal wären sie über eine der Vorschriften beim Schlachten im Ungewissen gewesen, da hätten sie das Gefäß mit dem Blut in die eine Hand und den Talmud-Traktat Pessachim in die andere genommen, um nachzusehen; da ergoß sich etwas Blut auf das Blatt, die Spuren feien noch heute zu sehen. Als er in einem Jahre keines -Christen habhaft werden konnte, habe er sechs Maß Blut bei der Rebekka aus Welisch gekauft." Als? der Kaiser diese aberwitzige Anklage las, schenkte er ihr keinen Glauben, denn diesem Kaiser ging die Wahrheit über alles. Er ließ den Angeber vor sein Antlitz kommen. Dieser kam, und der Kaiser forschte ihn aus und drohte ihm mit harten Strafen, falls er nicht die Wahrheit sägen würde: aber der Gottlose verbliebbei seinem Starrsinn und wieder- ,<, holte mit dem Munde, was er geschrie?; ben hatte. Da gab Gott, der allein Wun- L. der tut, dem Kaiser in den Sinn, einen seiner Beamten, den Podpolkownik R o- ' dakowski, zur Untersuchung hinzu- - senden, und dieser war wahrheitsliebend, : gutherzig und menschenfreundlich. Rodakowski verließ die Hauptstadt in Beglei- \ tung des Angebers, der gefesselt war. Sie kamen nach Minsk, nahmen dort den , Polizeibeamten (Strobczy) Sacharcinski und? einige Soldaten mit sich Und kamen nach Vabowno.; 3? Im Jahre 5588 der Welt, am 6. Tage der Woche, am 23. des Monats Adar I vor Morgenünbruch kamen die Beamten nach Babowno und umzingelten Sabbathais Haus. Die Herren betraten zuerst allein das Innere und fanden den Abraham, dem sie sagten,, daß sie sich von der Kälte erwärmen wollten. Äbraham trat aus dem Hause, und als er es von Militär ümzingelt sah, entfloh er. Die Herren gingen in das Schloß (wo ein Edelmann wohnte) und brachten viele Diener mit, um das ganze Haus zu besetzen. Morgens erwachten alle Hausleute, auch die Stadtbewohner kamen in Sabbathais Haus zum Mopgengebet; sie fanden Has Haus streng bewacht, man ließ sie hinein, aber nicht hinaus. Rach dem Gebet kamen die beiden Beamten ins Innere des Hauses ,begrüßten den Sabbathai harmlos und Unsere Bilder. hälbanden ME-".'?--- j'-imMaaan bWö Ä0303^0 Das neue palästinensische Geld: eine Ein-Pfund Note. baten ihn, sie durch die Zimmer seines Hauses zu führen, auch der Angeber war mit ihnen, aber vermummt. Er führte sie durch alle seine Zimmer, bis sie in das innerste Gemach kamen. Dort zeigte Rodakowski dem Sabbathai den kaiserlichen Auftrag, der ihn bevollmächtigte, alles zu tun. Künstlerischer Thoraschrein in Livorno. wie er wollte^ aber er fügte in gütiger Sprache hinzu, daß, wenn er unschuldig sei, er nichts zu befürchten habe, denn er (Rodakowski) wolle nur der'Wahrheit auf den Grund kommen. Und Rodakowski befahl den Schloßbedienten, am Böden des Hauses zu graben. Man grub und fand kleine Menschenknochen, die Rodakowski nahm und bewahrte. (Fortsetzung folgt.) Bild 1, Der Barmizwohknabe (zu unserem Titelbilde). Der im Jahre 1921 verstorbene ungarischjüdische Maler, Isidor Kaufmann, hat in seinem langen Leben etwa 300 Bilder geschaffen. Eine seiner liebens- Mürdigen Studien ist :„Der Barmizwohknabe", den wir auf, der Vorderseite dieser Nummer reproduzieren. Ein Gemisch von freudiger Erwartung, Aengstlichkell und Pflichtgefühl istnim.dem Gesicht des Jungen, der . ... — . Jnhatzx.sein«x?:StudiM-halb-.an die zu erwartenden' Freuden / und Ehrungen i denkt, mit unnachahmlicher psychologischer Tiefe zum Ausdruck gebracht. " Kaufmann, der lange. Jahre hindurch Vorsitzender der Wiener Kunstkämmer war,'zeichnete sich durch einen gefunden Humor , aus, den er auch ge- , genüber dem österreichischen Kaiser, mit dem er häufig zusammen kam, nicht verleugnet^ Dieser fragte ihn einst, warum er immer jüdische Sujets für. seine Bilder äuswähle. Kaüfman antwortete: Offengestandeü>. weil ich an den Gesichtern der Nichtjuden nichts Interessantes finde. Seine Freunde fürchteten, daß er. sich durch diese burschikose Bemerkung die Ungnade des Kaisers zugezogen haben werde, doch dieser ließ sich in seiner Wertschätzung für den Künstler nicht beirren. Ein anderes Mal bestellte der Kaiser-fein Porträt hei einem Wiener Maler namens Schuster, was Kaufmann einige Enttäuschung bereitete. Als das Porträt bei Hofe vorgezeigt wurde, und der Kaiser Kaufmann: fragte: „Nun, wie gefalle ich Ihnen in Oel und Essig?", erwiderte Kaufmann: „Ganz und gar nicht. So geht es, wenn man Oel und Essig beim Schuster, statt beim Kaufmann holt." Bild 2, 3 u. 4. Das Purimfest entfesselte allezeit und allenthalben im jüdischen Kreise alle durch schwere Golusnöt zurückgedrängte Freude, die in Wahrheit einen Teil des jüdischen Wesens ausmacht. Sehen wir über das große Wasser hin in die Judengassen von Newyork, oder nach dem polnisch-litauischen Städtchen, oder zurück ins europäische Mittelalter, immer das gleiche Bild: Masken, Purimspieler> Freude und Jubel, Saus und Braus. Die Freude hat aber ihre eigene jü- "dlfche Note und wenig mit dem bekannten Fastnachstrubel gemein. Die Purimspieler im Ghetto gingen — und gehen — von Haus zu Haus, singen ihre Liedchen oder spielen kleine primitive Purimstückchen vor und stecken ihren Obolus ein. Die jüdischen Herzen sind erschlossen, die jüdischen Hände weit offen. Die jüdische Wohltätigkeil feiert ihr Benefiz. Viele jüdischer Institutionen leben das ganze Jahr hindurch von Purim, dem Tage, da die jüdische Gasse den Sieg des jüdischen Vertrauens über den Haman aller Zeiten feiert. Einer der Grundpfeiler unseres Bestandes in der Flut hamanitischer Verfolgungen ist das W o h l t u n. Bild 5. Eine Umwälzung im Wirtschaftsleben Palästinas brachte die n e u e W ä h - r u n g, die sich den Verhältnissen des Landes besser anpaßt, als die hohe ägyptische Valuta. Das Bild zeigt uns eine palästinensische Pfundnote mit den Aufschriften in den drei Sprachen des Landes: Hebräisch, arabisch und englisch. Bild 6. lieber den künstlerischen ThoraschreininLivorno siehe Artikel am Fuße dieser Seite. . Bild 7, 8 u. 9. Ludwig Rosenwald, ein junger Frankfurter Künstler, der Rumänien und Siebenbürgen, aber auch den Orient bis Persien zu Studienzwecken bereist hat, hat einige beachtenswerte Mappen herausgebracht, die demnächst der Oeffentlichkeit übergeben werden. Wir entnehmen ihnen die Synagogen in Klausenburg und Sera-! ewo, sowie den jüdischen Friedhof in letzterer Stadt. Die Klausenburger Synagoge hat in den letzfen^Wochen viel von sich reden gemacht. Sie gehörte mit zu den Opfern der Pogrome in Neurumänien. Die hier gezeigte schöne Fassade wurde beträchtlich beschädigt, die Fensterscheiben demoliert, die Inneneinrichtung zum Teil zerstört und Thorarollen in ihrem heiligen. Schreine geschändet und zerrissen. Wir verweisen auf unser Bild in Nr. 6 unseres Blattes. historischer Thora-Schrank. / (Mit einem Bilde.) Bon Louis Lamm in Berlin. Nach der Vertreibung der Juden aus Spanien (1492) verschlechterte sich auch die Lage der Juden in Portugal und als nun gar auch dieses Land um 1530 ebenfalls die Inquisition einführte, begann eine Massen flucht der Juden und Marannen, von denen es eine große Anzahl gab. Eine größere Gruppe dieser Flüchtlinge begab sich