Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 9 (1.3.1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 9 Seite 5 1 März 1928 Lolksparteidie diese auf dem letzten Berbandstag formuliert hat, mit dem gegenwärtigen Entwurf in Einklang zu bringen; ein entsprechend modifizierter neuer Entwurf wird alsdann der Landesverfammlüng zugeleitet ' werden. - Für die Herren Willi Wolfs-Frankfurt a. M. und Willi Drvyfus-Frankfurt a. M., die ihr Amt als Abgeordnete des Verbandstages niedergelegt haben, werden die Herren Otto Bonwrt-Frankfurt v. M. und Frau Werner-Frankfurt a. M. Nachrücken. lieber die in der Aussprache aufgeworfene Frage, ob die Schüler der Schächterschule des Landesverbandes auch als Religionslehrer auszubilden seien, konnte Einverständnis nicht erzielt werden. Zum Schluß wurde der zurzeit dem Preußischen Landtag vorliegende Entwurf eines Gesetzes betreffend die Israelitische Religionsgesellschaft Frankfurt a. M. besprochen. Der Gesetzentwurf ist in staats- und kirchenrechtlicher Hinsicht und in Bezug auf die kommende Aenderung des Gesetzes von 1847 recht bemerkenswert. Erst kurz vor 8 Uhr abends konnte der Vorsitzende die arbeitsreiche Sitzung schließen. Der Haushaltsplan der MünchenerKultusgemeinde. ‘ München, 23.-Febr. In der gemeinsamen Sitzung von Vorstand und Gemeindevertretung erstattete Justizrat Dr. Strauß namens des Vorstandes Bericht, über den der Gemeindevertretung oorgelegten Haushaltsplan für das Jahr 1928. Die Steuereinnahmen im abgelaufenen Jahr waren höher als erwartet und gestatten der Verwaltung, über hunderttausend Mark Stiftungen wieder herzustellen und Mk. 166.000 Hypotheken' zurückzuzahlen. Dementsprechend wird die Kultusumlage für das neue Jahr von 9% % auf 8% ermäßigt. Sie soll rund fünfhunderttausend Mark erbringen. Der neue Etat sieht die Anstellung eines orthodoxen Dajons zur Unterstützung des Rabbiners- Dr. Ehrentreu und zur Erteilung des Unterrichts «n die ostjüdischen Kreise vor. Etwa 130.000 Mark würden für soziale Zwecke verwendet, 163.000 Mark für Gehälter.. Ohne Diskussion wurde der Etat von der Gemeindevertretung gutgeheißen. Iteue Bemühungen um den Reichsverband. Würzburg, 29. Februar. Die Vertreter der verschiedenen Landesverbände kommen.' ram Wächsten Sonnig hier zusamnten, um erneut die Bildung eines „ReichsverbandLÄ^szu-'versuchen. Voraussichtlich werden, die süddeutschen Verbände''^aüf ihrem-Standpunkt beharren-' wonach ein Reichsverband nur als Dachverband Mit lockerer Arbeitsgemeinschaft möglich ist Md lediglich eine jedem Landesverband das gleiche Recht gewährende Delegiertenvertretung gegenüber den Reichsbehörden in politischen Reichsangelegenheiten - zweckdienlich erscheint. Angarn. Die obersten geistlichen Würdenträger Ungarns sollen sich über den Talmud äußern. Budapest, 21. Februar. Vor einiger Zeit ist hier ein'von Baron Alfons Luszenszki zusammengestelltes Pamphlet erschienen, welches als Uebersetzüng des Talmud angekündigt wurde, in welchem' die Juden als die Feinde des Christentums hingestellt werden, deren ganzes Bestreben im Sinne der Urschrift des Talmud auf die Auflösung des Christentums abzielt/ Zwei jüdische Kaufleute, welche den Verfasser der Flugschrift ui offenen Korrespondenzkarten des Fälschens bezeichneten, wurden vom Bezirksgericht ohne Zulassung des Wahrheitsbeweises zu Geldstrafen verurteilt. Infolge angestrengter Berufung hat die Oberinstanz dM Urteil annulliert und das Bezirksgericht zur Durchführung des Beweisverfahrens angewiesen, weil es im öffentlichen. Interesse liege, festzustellen, ohder Talmud die 'christliche Religion beleidige. Als Sächverstän- ' Der Israelit dige sollen fungieren Fürstprimas von Ungarn Seredi. der Präsident der Kammer der Wissenschaften, ein hoher protestantischer Geistlicher und ein Oberrabbiner. Der Gerichtshof-verlangt die Beweisführung in der Richtung,' ob die erschienene Broschüre tendenziös zusammengestellt ist, und darüber, ob der Talmud beleidigend für das Christentum ist oder nicht, und überhaupt Aufklärung über den wirklichen Inhalt des Talmud zu schaffen. Polen. Die Schächlsrage in Warschau. Warschau, 20. Februar. Die beiden vom Warschauer Stadtrat und Magistrat eingesetzten Kommissionen zur Prüfung der Schächtfrage haben ihre erste gemeinsame Sitzung abgehalten. Die für ein Schächtverbot eintretenden christlichen Schlächter haben zahlreiches Material vorgelegt; sie bemühen sich vor allem, nachzuweisen, daß durch die Schächtung eine Flerschteuerung herbeigeführt wird; sie stellten aber auch Material überdie angebliche tierquälerische Schöchtmethode bei. Auch von jüdischer Seite'wurde Material zur Verfügung gestellt, in welchem die Schächtung als humanitäre Tötungsart dargestellt wird. Es wurden mehrere Unterkommissionen eingesetzt. Das Referat über die religiöse und humanitäre Seite der Schächtung hat Dr. Bychowski übernommen. Am letzten Sonnabend hielt Prof. Dr. Schor in der Großen Synagoge eine Predigt, in welcher er die Propaganda der Schächtgegner, insbesondere derjenigen in Polen, als direkt judenfeindlichen und inhumanltären Akt darstellte und die Judenschaft zu konzentriertem Widerstand gegen diese Machinationen ausforderte. Der Wahlkampf in Polen. Warschau, 27. Febr. , Der Kampf zwischen Lemberg und Warschau oder richtiger zwischen G r ü nbaum und Reich geht weiter and zeitigt manche interessante Blüten. So erlebt man es, daß das offizielle Organ der zionistischen Organisation in Polen — eigentlich Organ der Gesamtorganisation — „Haolam" in seiner letzten Nummer scharfe Stellung gegen Grün bäum nimmt, und zwar unter der Beschuldigung, daß er mit seiner exponierten Minderheitsblockpolitik die Einheit im Zionismus und in der polnischen Judenheit störe. Ihm, Grünbaum, wird alle Schuld fänden Riß zugesprochen. Daß die orthodoxen „Störenfrieds" von-vornherein, auch noch unter andern Gesichtspunkten, Grünöaums Politik nicht mitmachten, weiß der „Haolam" auch, hält dieS aber nicht besonders der Rede wert. Ät Die Stellung der Orthodoxie ist bekannt.. Ihr Wahlprogramm lautet: Unterstützung der Regierungsparteien vom Geiste Pilfudskis und Mitarbeit an dem sog. Allgemein jüdischnationalen Block, der alle Juden Polens, mit Ausnahme derer, die dem Minoritätepdusel ihre Interessen zu opfern bereit find, vereinigt. Zu diesem Programme bekannten sich nun auch alle Rabbiner und Rebbes der Wolh'ynier Gegend, die dieser Tage in Kowel eine große Konferenz abhielten. Großen Eindruck machten die Reden des Rabbi Morgenstern aus Ludmir, des Luzker Raw, Rabbi Glücklich und vieler Anderer, die die Lage nach allen Seiten hin beleuchteten und genau zeigten, wo die wahre Liebe zum Judentum zu finden ist und wo hingegen nur der Ehrgeiz auf Kosten der eigenen Sache sich austobe. Es wurde dann «in Aufruf beschlossen, der u. a. auch die Zionisten beschwört, sich von der gefährlichen Taktik Grünbaums loszusagen. Das einheitliche, zielbewußte Vorgehen der Orthodoxie in ganz Polen und Galizien macht den besten Eindruck. Die neue Lodzer kehillaverwaltung. L o d z, 27. Febr. Rach dem großen Zwiespalt, an dem das alte Gemeindeparlament gestorben ist, ist die Erregung, unter der die neuen Wahlen vor sich gingen, allzu begreiflich. Die Aguda wird mit acht Mitgliedern, also mit zwei Mandaten mehr, wie in der früheren Verwaltung, in der Gemeindestube vertreten sein. Der Sieg in der Aguda hat großen Jubel in weiten Kreisen ausgelöst. Man sieht darin mit Recht eine Anerkennung der Agudapolitik und ein Mißtrauensvotum gegen diejenigen, die den Konflikt' ohne Not heraufbeschworen haben. Tschechoslowakei. Tagung der Obersten Rates der böhmischen Kultusgemeinde-Verbände. "Prag, 17. Febr. Vor kurzem hielt der Oberste Rat der Kultusgemeinde- Verbände in Böhmen, Mähren und Schlesien seine erste Arbeitstagung in Prag ab. Den Tätigkeitsbericht für 1927 erstattete Norbert Adler. Cs war, sagte er, ein Jahr der Vorbereitung und der Organisierung. Das Statut des Obersten Rates wurde von der Regierung genehmigt und dieser dadurch als eine Körperschaft des öffentlichen Rechtes anerkannt. Schablin erstattete den Kassenbericht, worauf der Antrag Dr E. Margulies genehmigt wurde, der Regierung ein Elaborat zur-Aenderung der Sprengel der Kultusgem-einden in Böhmen oorzulegen. Die Neuregelung bezweckt die Zusammenfassung von schwachen Kultusgemeinden. Dr. L. Goldfchmied referierte über die Errichtung einer Lehranstalt für Rabbiner und Religionslehrer. Es wurde beschlossen, mit der Regierung über die Errichtung einer solchen Lehranstalt zu verhÄldekn. K. Schablin berichtete über die Uebersetzüng des Pentateuchs ins Tschechische, die Arbeit soll vom Prager Kultusgemeinde-Verband durchgeführt werden. Dr. Wolf behandelte die Frage der Organisierung der Denkmalpflege und teilte mit, daß eine „Gesellschaft für Geschichte der Juden in der tschechoslowakischen Republik" in der Bildung begriffen ist. — Es wurde beschlossen, verschieden« jüdische Lehranstalten zu subventionieren und die Frage einer zentralen sozialen Fürsorgetätigkeit zu studieren. Schwede«. Arau Dr. A. Bugge-Wicksell n"v ' . Stockholm, 29. Febr. (Tel.) Frau Dr. A. B u g g e - W i ck s e l l, «in hervorragendes Mitglied der schwedischen Delegation in Genf, und Mitarbeiterin in der ständigen Mandatkommisf i o n im Völkerbunde, als welche sie sich stets sehr warm für Palästina einsetzte, verstarb am 21. ds. Mts. In guter Erinnerung ist noch die Berichterstattung der Frau Dr. A. Brugge-Wicksell in den Jahren 1926,27 ln Genf über die Petitionen der Agudas Iisroel und des Waad Hair Aschkenasim, die von großer Kenntnis der inneren jüdischen Dinge ebenso wie von Takt und Verständnis zeugten. Der Kampf um die Schechila in Schweden. Stockholm, 29. Februar. Tel.) Das Schächtverbot ist a b g e l e h n t worden. Rußland. Arme Juden von der Siedlungsgelegenhett ausgeschlossen. Moskau. 17. Febr. In Moskau tagt gegenwärtig im Ausammenhang mit der jüdffchen Kolonisationsbewegung «i«n agro-tech- Nische Konferenz. Der Führer der jüdischen Sektionen der kommunistischen Partei, Herr Mexejin, teilte auf der Konferenz mit, daß im Jahre 1927-2300 jüdische Familien von der ihnen gebotenen Gelegenheit, sich auf dem Lande anzusiedeln, keinen Gebrauch machen konnten, weil sie, wie sie selbst sagen, zu arm sind, um auch