Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 9 (1.3.1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 9 samkeit suchen. Hierzu neue, jungfräuliche Wege zu bahnen, aller noch so geharnischten Widerstände ungeachtet: oder mit andren Worten: eine Art, diesmal okzidentalischen, Chassidismus zu formen, das ist das Gigantische. Und niemand, der das Judentum kennt und liebt, wird es bestreiten wollen, daß unsre Jugend eines kräftigen Stimulans bedarf, um aus dem Pfuhl der sie auf Schritt und Tritt begleitenden Ungläubigkeit.und sinnbetörenden Zuchtlosigkeit herauszukommen.*) Kein, noch so scharfes Mittel, noch so bitteres Medikament, darf zur Erreichung dieses Zwecks ungeprüft gelassen werden. Ja, ein weites fruchtlüsternes Feld liegt vor ihnen, diesen Rittern der sechshundertdreizehngliedrigen sinaitischen Befehlskette, Herolde der göttlichen Liebe, Güte, Schönheit, Milde, Heiligkeit und die — von ihrer eigenen Nichtigkeit überzeugt —, bei aller pflichtmäßigen Bescheidenheit, den brennenden Ehrgeiz haben, jene Eigenschaften nachzuahmen und . um sich zu verbreiten, und wenn es nur ein schwacher Schimmer von ihnen bestenfalls fein kann. Hochgeschraubte Forderungen! Meinetwegen; aber, an ihren sublimen Zielen gemessen, eher zu niedrig. In derartig letzten Dingen, wo es sich um das Höchste und Ewige handelt, muß jedes Atom Kraft herhalten, um die höchste. Leistung zu erreichen. Daß dies geschehe, dafür sollen die Aulirn ihr Letztes hingeben. Birnbaum beabsichtigte, der Aulim-Genosienschaft die harmlose Bezeichnung Orden zu geben; es wurde ihm dies von gewissen Seiten verargt. Mit welcher Berechtigung, das soll hier untersucht werden. Man stieß sich vermutlich an jener Benennung, weil christliche Vereinigungen so. benannt werden. Ist dem so, dann müßten Fremdwörter wie beispielsweise: Liturgie, Chor, Kongregation, Orthodoxie, Ritual und rituell, selbst, oren hinsichtlich der Kennzeichnung spezifisch jüdisch-religiöser Einrichtungen ausgemerzt werden, denn die Kirche gebraucht sie ebenso häufig. Das Symbol einer Ordensgesellschaft ist jenes allbekannte Abzeichen, welches den damit Beliehenen auszeichnet, und heißt wiederum „Orden". Ich habe aber noch nicht gehört, daß ein gläubiger Jude jene Auszeichnung aus obigem Grunde je Der 0 ra e(it 1. März 1978 *) Ich erinnere mich eines Vorfalls — er liegt schon Jahrzehnte zurück, und dank intensiven Agudawerks ist es wohl anders geworden' —, dessen Schauplatz ein größerer Ort ist, wo einige meiner frommen Freunde mit dem Tefillinbeutelchen im Frackschoß die ganze Nacht fröhlich das Tanzbein schwangen, um ja nicht zum Morgengebet zu spät zu kommen, und dies mit einer lasziven Interpretation einer heute oft gehörten Sentenz vom Derecherez usw. begründeten. Von Verfänglicherem sei hier aber geschwiegen., - ■ abgelehnt hätte, es sei denn, daß christliche Embleme ihn abhielten, den Orden anzulegen. Berücksichtigt man dagegen, was schon von andren oetont wurde, haß die beanstandete Bezeichnung in uns begrifflkch die Vorstellung auslöst von enger Verbundenheit, strammer Zucht, blindem Gehorsam, treuer Gefolgschaft, ernstem Pflichtgefühl ünd letzten Endes, dem Vorhandensein einer mit autoritativer Macht ausgestatteten Stelle, der jedes einzelne- Ordensglied Rechenschaft schuldet, so ist meines Dafürhaltens — von einer Menge psychologischer Gründe ganz zu schweigen — die vielsagende Bezeichnung Orden für diese eigenartige Bewegung gerade die denkbar geeignetste und jüdischste. Denn, der Beweis wäre unschwer zu führen, daß die ältesten Urbilder von Ordensgemeinschaften in nicht Geringeren als den „Chawerim" der gottgeweihten Peruschim und den noch enger zusammengeschlossenen Essäern zu erblicken sind. Die Kirche jedoch bemächtigte sich auch dieses Instituts, wie sie sich Bibel und Psalmen zusprach, und nur Unvernunft kann behaupten, daß deren Heiligkeit etwa dadurch Einbuße erlitten hätte. Rach allem darf man schon einem Manne von der Glaubensglut Birnbaums zutrauen, intuitiv, auch vom extrem-jüdischen Standpunkt aus, dys Richtige getroffen zu haben, als er daran ging, seinem Geisteskind einen Namen auf den Weg zu geben. Und der soll ihm auch bleiben. Und dies um so mehr, als' eine Reihe prominenter Männer der fraglichen Bezeichnung sympathisch gegenüberstehn. Alles in allem, die geniale Idee Birnbaums, eine köstliche Frucht begeisterter und begeisternder Liebe zum Juden und Judentum, eine hoffnungsfrohe Blüte am jüdischen Lebensbaum, weist zwangsläufig unsrer willensstarken, nach verinnerlichter Glaubensbetätigung lechzenden Jugend neben dem abgeklärteren und reiferen Alter Aufgaben von einer Mannigfaltigkeit und einem Ausmaße zu, deren Tragweite inbezug auf eine Erweckung und Belebung des gesamten jüdischen Lebens und Seins nicht auszudenken ist. Gesegnet der Tag, an dem dieser hehre Plan zu voller Reife und Entfaltung gelangt, aber nicht minder gesegnet alle jene, die zu seiner Verwirklichung beitragen! llom5po«ae«ren * Naedttcbien. Deutsches Reich. Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums. Frankfurt a. M., 24. Febr. In der letzten Sitzung des Vorstandes wurden etwa 40 Subventionen an kleine Gemeinden sowie für Stipendien. und Zuschüsse zu Lehrergehältern bewilligt,. Es wurde ferner beschlossen, die früher allseitig beliebten V o lk'sb o te n - Hefte in Verbindung mit den. Mitteilungen der Freren Vereinigung gemeinsam mit dem Halberstädter Landesverband wieder herauszugeben:, eine Reihe von Mitarbeitern sind bereits gewonnen. Von dem Angebot der Beschaffung, billiger Mazz o t h ist in allen Gegenden Deutschlands reichlich Gebrauch gemacht worden.—Die Anstellung weiterer Bez i r k s l e h re r soll gemeinsam mit dem Halberstädter Verband in Kürze durchgeführt werden. MM Tagung des Großen Rakes des Preußischen Landesverbandes. . Berlin, 27. Febr. Am Sonntag den 26. Februar trat der Große Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden zu einer Sitzung zusammen, die u. a. der Vorbereitung des zum 25. März einberufenen Verbandstages dienen sollte. Zu Kommissaren des Rates für den Verbandstag. wurden sämtliche Mitglieder des Engeren Rates bestimmt. Zu der am kommenden Sonntag in Würzburg zusammentretenden Konferenz der Vertreter sämtlicher deutschen Landesverbände wurden vom Preußenverband enden einigen Herren u. a. die Herren Kammergerichtsrat Wolfs, Professor Türk, Rechtsanwalt Dr. Klee, Direktor Kaveski, Ministerialdirektor Badt und Dr. Freund delegiert. Es wurde der Hoffnung Ausdrück gegeben, daß. diese Tagung endgültige Beschlüsse über die Gestaltung des Reichsverbandes der deutschen Juden wird, fassen können. Der Rat beschloß, dem Ministerium für Wissenschaft Kunst und Volksbildung als Sachverständigen für jüdische Angelegenheiten Herrn Dr. Freund vorzüschlagen. Ueber den Etat, der auch der Landesversammlung vorlregen wird, und der eine Höhe von 1.200.000 Mark hat, berichtete ausführlich Direktor Kareski, ubÄ^Ias Normalstatut, das den angeschlossenen Gemeinden-M Vorschlag gebracht werden soll, Rechtsanwalt Dr. Klee. In Betreff des Judengesetzes wurde, um eine einheitliche Stellungnahme des Verbandes zu ermöglichen,'beschlossen, in erneuter Beratung die Wünsche der Jüdischen Dankbarkeit und Anerkennung gebührt auch dem ge lehrten Herausgeber Dr. P. I. K o h n - Leipzig; die Vorrede, die über die Persönlichkeit des Autors und über die Anlage des Werkes eingehend informiert, ist stilistisch meisterhaft geschrieben; die Sichtung der schwierigen Materie, die von ihm oorgenommenen Ergänzungen,-die Anlage eineswohl rubrizierten Mafteach bjlden eine wesentliche Erleichterung des Studiums Und erweisen sich schon auf den ersten Blick als die mühevolle Arbeit eines, Sachverständigen. (Palästinas Eisenbahnverbindungen mit Orient und Okzident.) Auf syrischer Seite hat in der letzten Zeit das Interesse für . den Bahnbau Beirut—Haifa stark zugenommen. Es handelt sich um die Verbindung Beiruts, mit Haifa durch eine an Bagdad anschließende von Tripolis über Beirut, Sidon, Tyrus und Akko zu führende Bahnlinie. Syrien befürchtet, daß der Handelsverkehr über Beirut durch den von der palästinensischen Regierung jetzt in Angriff genommenen Ausbau des Haifaer Hafens zu dem weitaus größten Hafen an der syrischpalästinensischen Küste stark zurückgedränat werden würde. Haifa würde dann infolge seiner Eisenbahnverbindung nach Damaskus der Hauptumschlagsort auch für das gesamte syrische., Hinterland werden. Bei Einrichtung einer bequemen Verbindung Haifas mit Beirut kann dieses hoffen, wenigstens einen Teil des Güterumschlags noch über" sich zu lenken. Die Verhandlungen, die schon seit mehreren . Jahren zwischen Syrien/ ünd Palästina über diese Eiserchahnverbindung schweben, und infolgedessen von syrisches Seite wieder stärker in Fluß gebracht worden. Die syrische Regierung will die. Geldbeschaffung selbst in die Hand nehmen. Das / auf 220 Millionen Francs veranschlagte' Baukapital spll aus den blockierten Beträgen der für die Zahlung des syrischen Anteils an der „Dette Publique Ottomane" vorgesehenen Budgetposten entnommen werden. Palästina hat.von der gesamten Strecke nur etwa ein Fünftel zu bauen und auch sön dieser Teilstrecke ist fast die Hälfte, die'Streche zwischen Haifa und Akko, als/ eingleisige Bahn-in. Betrieb/ ,, /Die/ Palästina-Regierungscheint. / aber^zupächst Synen den Vortritt lassen zu wosten, bis H dje Strecke vhn Beirut zur palästinensischen Grenze fej^i'ggestellt hat; um-erst: dann die Schlußstrecke, aüf palästinensischem' Gebiet zwischen dem Grenzpunkt Ms el;.Rakurck iund der Stadt Akko auszubauen. Seit die im Kriege von den Türken gebaute Militarbahn Haifa—Kantara (am Suezkanal) durch die Küstenebene von Palästina und die Sinaiwüste von der brittschen Mandatsverwaltung schon im Beginn ihrer Amtszeit für den regelmäßigen Berkehr instandgesetzt-und ein täglicher Schnellzug mit Anschluß von Kantara nach Kairo, Alexandria oder Vort Said darauf in. Betrieb genommen wurde, ist die Idee einer Bahnlinie London- Kairo ihr^ Verwirklichung zum Greifen nähegekonimen. Von NorKn her besteht schon der Schienenstrang - des Orientexpreß bis Konstantinopel, und von dort die Linie der Hedjasbahn über Aleppo—Höms mit ihrer Abzweigung nach Tripoli. Nur die 170 Kilometer zwr- ")enZripoli und Akko, nördlich'Haifa, fehlenum den etrieb auf der Riesenstrecke London—Paris—Konstantinöp^l--Ve'irut—Haifa—Kairo aüfzünehmen. Der Bau dieser Verbindungsstrecke ist setzt aktuell geworden. Ponothatte schon vor seiner Abreise nach Paris zu verletzen geaeben. daß er sich besonders für die Durchührüng dieses Planes interessieren werde, der jetzt, schon um Beiruts Stellung gegen die drohende.Konkurrenz Haifas zu schützen, für das französische Mandatsaebiet notwendig geworden. ist. Da die Anlage der Strecke auf dem palästinensischen Gebiet einstweilen nicht in Frage kommt, soll zunächst das weitaus größere Stück bis zum Ras el Nakury, an der palästinensischen Grttrze, hergestellt werden. Die Reisenden sollen einstweilen aus der fehlenden Schienenstrecke zwischen Tripoli und Haifa in Spezialautos befördert werden. Die Reisedauer zwischen Paris und Kairo soll, wie es schon früher hieß, fünf Tage betragen. . (J.T.A.) Wochenkalender. v. 8. — 10. März 1988. i v. 11. — 18. Adär Samstag 3 “VT« 11 msn »VIS Sonntag 4r . r - 12 Montag - 2 5 13 f - Vienstag * 6 14 *)J1DK MAM '• Mittwoch 7 15 0'VIS Donnerstag 8 16 0'11S JtfrHP Freitag 9 17 'S Samstag 10 18 ms mzns AfflRFE BELEUCHTUNGSKÖRPER T ftt-JiSO M. mäiAnmn 1**7**» WCHT'j.KRf\FT-ANLAGEN K 3 »31