Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 8 (23.2.1928)
- Date
- 1928-02-23
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2450495-2450502--74736-2532223- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sette 2 Nr. 8 D e r 8 s r o dH 23. Februar 1928 aller, di'e ahnen, welche Fülle von Liebe- und Ausdauer, Konzentration und Arbeitskraft fürein solches Unternehmen vonnöten ist. Treue Freunde, Verwandte und Mitarbeiter des Herrn.Strauß auf verschiedenen Gebieten des Wohltuns fanden sich am Sonntag nachmittag im gastlichen Hause der Familie ein, um das seltene Fest mit ihr zu begehen. Die ganze zweite Hälfte des Nachmittags bis zum Nachtanbruch wurde vom Endschreiben der Buchstaben und den religiösen Feierlichkeiten ausgefüllt, das Festmahl zog sich aber bis weit über die Nachtstünde hinaus, und beide Teile, religiöser Festakt und Festtafel, vereinigten sich zu einer Veranstaltung, wie wir sie selten in so herrlicher Weise erlebt haben. Aus allen, zpm großen Teil auf hohem Niveau stehenden Reden klang die Bewunderung heraus für einen Mann, der in> unseren Tagen noch mit der Kraft des jüdischen Wollens solches fertlgbringen konnte, die Bewunderung aber auch für die edle, von flammender Liebe und Begeisterung für die Thora beseelte Gattin, die in den Jahren des heiligen Schaffens sich alles versagte und seelisch mitschaffte. Zwei Redner gingen, um den seltenen Anlaß ins volle Licht zu rücken, ins Historische zurück, der erste erinnerte an den bereits erwähnten letzten Fall einer felbgeschriebenen Sefer Thora in Frankfurt vor 106 Jahren, der andere griff noch weiter zurück und sah in der Tatsache, daß der Remo vor 400 Jahren sich von seinem großen Zeitgenossen und Partner Rabbi Josef Caro in Safed um teueres Geld eine korrekte Textumerlage in Palästina besorgen ließ,, um sich danach selbst ein Sefer zu verferitgen, ein bedeutsames historisches Symbol. Jfferles und Caro, deren Meinungen in der Halacha zumeist weit auseinandergehen, diese beiden Namen, nach denen sich im Ritual zwei jüdische Welten scheiden, Orient und Europa, beide Männer haben die gleiche Thorarolle, der heilig Text der schriftlichen Lehre ist Beiden gleich bis auf den letzten Buchstaben gegeben. Ein Redner führte aus, wie die ganze Gemeinschaft, in der Herr Strauß groß geworden und aus der er die Kraft seiner Mizwatat gesaugt, an dem seltenen. Feste teilhabe. Ein Berufener der Schule.und später aüch ein Freund der Familie legten Zeugnis dafür ab, wie sich die Atmosphäre im Hause Strauß auch bei der Erzie hung des einzigen Kindes auswirke. Dank ertönte dann in herzlichen Worten aus Freundesmunde für die Chewro Kaddischo, zu deren tätigsten Mitgliedern Herr Strauß gehört, für das Waisenhaus, um das er sich ver dient macht, für die Jüdisch-Literarische Gesellschaft, als deren Ehrengeschäftsführer er sich hohe Verdienste erwarb. Der beratende Sofer, Herr Schreiber, und ein junger Teilnehmer, Jsak Lange, Sohn des Herrn Direktor Dr. Lange (dem Herr Ludwig Strauß mit dem Sefer Lin pietätvolles Denkmal der Dankbarkeit gesetzt' hat), erfreuten die Gesellschaft mit halachischen Exkursionen über die Pflicht des Thoraschreibens. Herzlich und packend waren die einleitenden Worte des Hausherrn und Gastgebers selbst und ebenso herzlich und packend, was Onkel und Bruder des Festgebers dem Festgeber und den Festgästen zu sagen hatten. Ein Redner gedachte auch des Hauses auf der Höhe von St. Moritz, in dem ein gut Teil des heiligen Werkes zustande gekommen ist, und der Wirtin, die dort für die äußeren Möglichkeiten bestens besorgt war. Der Festleiter entledigte sich seiner Aufgabe mit Geist und Humor. Zu den hebräischen Gesängen und Parodieen gesellte sich ein Tischlied zu Ehren der Frauen im Nebenraum. Die Veranstaltung war von seltener Art, wie es der Anlaß selber ist. Kinderschutzkommission. Die Kinderschutzkommission der Weiblichen Fürsorge bittet dringend, ihr getragene, gut erhaltene Kleidung für Knaben, Mädchen und Jugendliche im Alter von 6 bis 20 Jahren zur Verfügung zu stellen. Zur Neuanschaffung von Kleidungsstücken reichen die vorhandenen Geldmittel nicht aus, da der Bedarf sich infolge der wirtschaftlichen Verhältnisse täglich steigert. Andererseits werden sich sicher in manchen Kleiderschränken noch gute Stücke finden, die der Besitzer nicht mehr braucht, , die aber für die Kinderfürsorge von großem Nutzen sind. Es bedarf sicher nur dieses Hinweises, um die für die Schutzbedürftigen so wertvollen Gegenstände aus den Händen gütiger Spender zu erhalten. Die Kommission ist gerne bereit, auf schriftliche Mitteilung oder telephonischen Anruf (Hansa 3725) die Sachen abholen zu lassen. Jüdischer Arbeiterkulturverein. y Der Jüdischer Arbeiterkulturverein feiert am 26. Februar sein 4. Stiftungsfest in der Loge Adler, Seilerstraße 22, unter Mitwirkung des Mannheimer jüdischen Mandolinen-Orchesters. Anschließend Tanz, Tombola usw. Eine Neunzigerin. Frau Betty Wolf, Elkenbachstraße 23 pt., feiert am Sonntag, den 26. Februar ihren 9 0. Geburtstag in seltener geistiger und körperlicher Frische. r nm oniPirt nxn ‘rs- Aus Mainz. Eine freundlich-leuchtende Sonne verkündete Frühlingserwachen in der Natur — —' unsrer Kehillo aber ward sie verdunkelt und geleitete eine ND-- ins Grab *ry "NP zum ewigen Leben. Berta Holzmann geb. Grünfeld, die würdige Gattin des wegen seiner Frömmigkeit und untadeligen Charakters bekannten und geehrten isia Jonas Holzmann V't> hauchte nach langer, mit. seltenem ripix getragener Krankheit ihre nninv nvv.', ihre reine, fleckenlose Seele aus. Mit ihr ist eine echt-jüdische Frau nach alter Art und Weise dahingegangen, deren ganzes Leben ausgesüllt war von dem Streben und Verlangen, nach dem Willen ihres Schöpfers n'aow zu wirken und zu streben, das jüdische Haus, das nach dem allzu frühen Tode ihres ^Mannes, der sie mit drei unmündiger Kindern zurückließ, einzustürzen drohte, wieder auf- und auszubauen mit allen Kräften und unter Darbringung vieler Opfer. Und sie hat es dank ihrem felfen festen Gottvertrauen zu Wege gebracht und hatihre Kinder zu guten Jehudim und braven Menschen heran gezogen. Ihr Haus blieb genau so wie., zu Lebzeiten ihres Mannes Yt ihr vip», ihr Heiligtum, in dem sie mit seltenem r-ns'2x und rvta^vi' waltete, und das zu alleN^'Zeiten Allen wert geöffnet ward und besonders den Armen, die von ihr — obgleich selbst schwer kämp fend — mehr wie geboten bedacht wurden. Am Grabe entrollte Herr Rabbiner Dr. Bondi ein treffliches Bild von der Dahingeschiedenen — dabei auch der Vorzüge ihres Mannes gedenkend — indem er an die Haftoroh des m’p t\2v anknüpfte und die Verblichene zu nvrr miai mT>3^ verglich: wie diese wnb r-nb’jis anfertigte und das Volk für alles Heilige entflammte, fei auch Frau Holzmann eine imiv'a orr Mutter in Israel gewesen: diefür alles Fromme und Gute selbst begeistert war und andere dazu entflammte. Als Verwandter widmete hierauf Herr Lehrer- Sulzbacher Biebrich der Verstorbenen einen tiefgefühlten Nachruf wobei er nochmals das ganze schicksalsschwere Leben der Dahingescheidenen mit.einem Liede verglich, das auch in poch so schweren Zeiten Dtrn Di-npi» von ihr ange stimmt wurde, und - i/na-a wm rurerj YunK1 — in vollen harmonischen Akkorden ausklang. Alte jüdische Firmen. Es wird uns geschrieben: „In der letzten Nummer widmeten Sie dem so früh verstorbenen Adolf B a charach einen wohlverdienten Nachruf und erwähnten, daß seine Firma A. S. Ba charach am Schabbos streng geschlossen hielt. Ich.glaube wohl annehmen zu dürfen, daß es keine jüdische Firma in Deutschland, vielleicht in ganz Europa gibt, die allein so ehrwürdiges Alter wie diese zurückblicken kann Abraham Samuel B a ch r a ch, geboren 1575, ge storben 1615, besteht, im Gegensatz zu den vielen jüdi schen Firmen, deren Alter, wenn es hochgeht, 130 Jahre erreicht, feit ungefähr 325 Jahren! Eine besonders in Süddeutschland, wo die Juden durch den Druck der Zeiten und Gesetze gezwungen waren, je nach der Lage ihr Gewerbe zu wechseln, seltene Erscheinung. In Nord deutschland, wo unsere Glaubensgenossen zwar nicht zu Ehren gelangen konnten, öbschon Kurfürsten und preußische Könige hohe Achtung Einzelpersönlichkeiten zollten, waren die Firmen in einigen Branchen von längerer Dauer. Die hannoverische Firma Ephraim Mayer u. Sohn kann wohl zu den ältesten im Bankfache zählen, während andere wie Frensdörfer, Ezechiel Simon, Cosman Deren d dem Zahn der Zeit erliegen mußten. Auch in unserer Stadt finden wir mit Ausnahme der seit 250 Jahren bestehenden Firma B. Metzler fel. Sohn u. Eons., der seit 300 Jahre bestehenden Firma D. u.' I. de Neufville, sowie Heinrich Gontard u. Co., deren Vorfahren oft Geschäfte mit Mayer Amschel Rothschild machten, kein über 150 Jahre altes Bankgeschäft, während einige Warengeschäfte nahezu auf eine solche Zeit zurücksehen, wie David Bonn, Moses Jontoff Oppen heimer u. a. m. Mußte doch die Weltfirma M. A. von Rothschild nach 80jährigem Bestehen der Löschung im Handelsregister 1901 anheimfallen, während ihre erste Konkurrenz, Gebrüder Bethmann, von 1874 heute noch. blüht. — koV» r»av, sagen unsere Weisen, und wenn ich mich frage, wieso die Firma A. S Bachrach das Glück hat, sich zu behaupten, so . sehe ich den Grund darin, daß in dem Namen das doppelte -p-o enthalten ist, was ja zu den angenehmen nnao gehört. Man kann nur wünschen, - daß alte, v'wv ich so rnii^ bewähren, wie bei Familie Bacharach, die nicht weniger als drei große ma-i», wenn auch nicht nacheinander, dem alten Worms gab. (Siehe nivaz cp-ns» von Lewifohn, Frankfurt 1853, wo der ganze Stammbaum abgedruckt ist.) Und wie es n w*> nsppn gibt, so kann man nur eine solche für die Nachkommen dieser Familie wünschen, damit die Tradition besonders in bezug auf Schabbos ferner gewahrt wird und die doppelte sich alsdann zu jeder Zeit und unter allen Umständen bewährt. Jfaac M. Mainz. Vereinskalender. Verein Mekor Ehajlm. Freitag abend, nach Schul, im Hörsäle Friedberaer-Anlage. Mikro. (Schluß oortrag). Herr Hermann Frankenthal. Samstag morgen nach Schul, im Hörsale. Dinim. Herr Dr E. Posen. — Nachm. */4 Std. vor Mincho, im Vereins-Lokale Newiim. Herr Dr. W. Hofmann. — Ene 72 Stunde noch Hawdolo. (ebenso Sonntag vormittag 8 Uhr) im Dereinslokale Gemoro. Herr I. Soffer. — Sonntaa morgen nach Schul im Hörsale (ebenso Mittwoch) tnx "n. Herr R d. S. Schachnowitz. — Dorm. 9V< Uhr «ebenso Dienstag abd. 6V2 Uhr) im Dereinslokale Gemoro. Herr R. AG. Posen. — 6 Uhr im Vereinslokale, Schluß Bortrag des Herrn Dr. Arnold Merzbach über sni v'iL 'X\ iS Monta g morgen nach Schul, (ebenso Donnerstag) im Hörsale, Miscbna, Mitglieder lernen. — abends 7 Uhr, (ebenso Mittwoch). rm Vereinslokale, Gemoro. Herr Rabb. Dr. Josef Breu e r — abends 81/* Uhr, (ebenso Donnerstag), im Vereinslokale, Gemoro. Herr Dr E. Posen. , Dienstag morgen nach .Schul, (ebenso Freitag),. im Hörsale, Mischna. Herr Dr. E. Pos en. , Jeden Abend 874 Uhr im Vereinslokale. o"v-Lernen. Herr Herz Holpern.; : Jahrzeits - Stiftun gen: Montag, 27. Febr. Louis Jofeph-Stiftung. Dienstag. 28. Febr. Karl Guggenheim- und Joseph Ro senfelder- St iftung. - Mittwoch, 29. Febr? Babette Goldschmidt-Stistg. Freitag, 2. Mürz. Willi Max Bier-Stiftung. . - Agüdas Jisroel-JugeNdgruppe. (Alle anderen Schiurim wie gewöhnlich). 03V, 77-2 Uhr, Tfillas Schacharis. — *'40—11*/* Herr Dr. I. Posen, Gemorob Kidduschin, Am Tiergarten 42. — 3UH-3U12, Herr. Louis Kahn. Kizzur Sckulchan Oruch. — s;41—3A*12, Herr Ltppmänn Kurzweil, Gemoro Bowo Kamo. — 2/412b/u, Herr Gerson Schnerb, Kizzur Schul» chan Ornch. — 12—1, Herr Herz Holpern». Das Jaumi' — 723-7-4, Herr Dr. W- Hosmann, Ge» msro Bowo Kamo. — 3—472, Herr Leo Schnerb. Gemoro B'zoh. — 3-4, Herr Cmanuel Wolf» Gemoro Makkaus. — 4, Tfillas Mincho. — 47s -5«/2, Herr R.-A. M. Katz, Sidrah Mtt Rafchi. — 3U Std. vor Nacht, Herr Dr. S. Ehrmann» Gemoro Sewoschim. — Mit Nacht. Tfillas Ma-> ariw. — abends 9 Uhr: Besprechungen im Anschluß an 3^,10- Herr Jacob Rosenheim: Agudas Jisroel-Mädchengruppe. Sonntag,?-^8abds., Herr Dr. A. Merzbach,. Jefafah. Montag. 9—10, Herr S. Unna, Newiim, Ahlandstr. ßS Dienstag, 9—10, Herr Dr. S. Weger, Trei Osor Zobelstraße 5. Mittwoch, 8-9, Herr Lehrer A. Hirschderg, Dinim^ Samslag, *U\1—3/42, Herr Julius Lewtn, Das Buch Samuel. — 4—5, Herr Lehrer A. Hirschberg» Tauroh. Jüdische Frauenvereinigung. Dienstag, 28. Februar, nachmitlags Uhr im Promenadenkaffee I. Gemütliche Zusammenkunft. Referat: Frau Dr. Gros. Liwjakh Lhen-Verein. Samstag, im Hörsaale Friedbcrgeranlage, fällt Vortrag aus. Beshamidräfch, Ostendstraße 18. Von Sonntag abend bis Donnerstag einschl. all» abendlich von 874—97« Uhr 7,2^ D». Herr Rabb. M. Karpel. Nvp U33-Schiur des Herrn Dr. Jsaae Breuer: «Sonntag vorm. 7s9 Uhr^ Dienstag bis Donnerstag abend 8 Uhr. Freitag abend nach rp-m», Vortrag. Herr Rabb. M. Karpel. Allabendlich zwischen nmv und 3'^» cnrr "N. Herr W. Rosenzweig. fntf Mittag zwischen 12—1 Uhr, '"En DV Vüin- Herr W Rosenzweig. Vereinigung jüd. Akademiker, Aranksurt a. W. im A. I. A. Am Dienstag, den 28 Februar abends 87e Uhr soricht im Colleg des Börsenkeller. Schillerstraße. Bbr. Arnold Wreschner über ..Die soziologische Schichtung des jüdischen Volke- Jüdischer Turnerbund. Sonntag, den 26. Februar findet eine Speffartwanderung statt. (Gr. Auheim—Alzenau—Hahnenkamm-Kahl). Treffpunkt 748 Uhr Hauptportal Houptbahnhof. (Fah preisermcß gung). Mittwoch, den 29. Februar, Mitgliederversammlung im Vereinskolleg DomreOamant, Braubachstraße. Sebetzeiten. .12110 03V Freitag Abend 5 30 Samstag .1Q2V.1 6.45 Samstagmorgen 8.— Samstagnachmittag 1 und 4.30 Samstagabend 6 45 lvochengottesdienft: Morgens 6.30 Nachmittags 5.30 Tefilin-Legen am Morgen 6.05 Familiennachrichken. B armizw 0 : Horst Herp», Zögling der Israelitischen Waisenanstalt. Frankfurt a M., Waisenhaus Synagoge ,12110 OVio- — Hucio. Lydn von Herrn Lehrer Moies Steinderger und Frau Bllma geb. Efchwege, Frankfurt a. M., Ostendstraße 81. Synagoge Friedberger Anlage. 1137 -s.