Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 8 (23.2.1928)
- Date
- 1928-02-23
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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23 Februar 1928 Nr. 8 Seite 3 Personalien. Leo Mendelson f , " Hamburg', 15. Februar. Ein' jäher Tod hat am Montag, den 13. Februar, Leo Mendelson-Hamburg dahingerafft. Beim Ueberschreiten des Fahrdammes im Zentrum der Stadt wurde er plötzlich von einem Auto angefahren und verunglückte dabei tödlich. Unsere Gemeinde verliert durch das Ableben Leo. Mendelsons eines ihrer treuesten und besten Mitglieder. Schmerzlich beklagt jeder, der von dem auf so tragische Welse erfolgten Tod hörte, den Verlust dieses wackeren, edlen Jehudi und das Fehlen dieses freundlichen und bescheidenen Mannesin unseren Kreisen. ' Leo Mendelson gehörte seit Jahrzehnten dem Vorstande des I s rae li t i s ch en U n t er st ü tz u ngsv e r e i n s für O b d a ch l o s e an; gemeinsam mit seinen Freunden hat er für die Aermsten der. Armen, unsere flüchtigen und obdachlosen Glaubensbruder und Durchwanderer, unermüdlich gewirkt. Es gelang ihm durch seinen großen Einfluß bei den Behörden und Schiffahrtsgesellschaften, daß nicht nur die Auswanderer, sondern sämtliche Reflektanten auf den Ozeandampfern mit ritueller Verpflegung versorgt wurden. Die Einrichtung dieser Koscherküchen auf den Dampfern ist sein persönliches Verdienst. Leo Mendelson stand uns vor Augen in Gesundheit, Lebensfreude, unerschüttlichem Optimismus und sieghafter Hüffnungsfreudigteit. Sein ideales Streben war so ausgeprägt, daß er des Guten nicht genug tun konnte und nur den einen Gedanken kannte: andere zu erfreuen.. Eine tiefe Frömmigkeit, von Urvätern überkommen, lebte in ihm. Unablässig mehrte er sein großes jüdisches Wissen und seine Mußestunden, die er dem Lernen und Lehren —'speziell der Jugend — gewidmet'hat, waren die köstlichsten Stunden seines Lebens. Was er für den Klall gewirkt, was er geleistet hat, kann wirklich nicht in einigen Zeilen wiedergegeben ' werden, das können nur die ermessen, die ihn gekannt und geschätzt haben. . Welche Achtung er sich bei seinen Mitmenschen erwarb, zeigte sich bei . der großen Beteiligung bei der mi:ip> - Herr Hermann Gumpertz, ein guter Freund des Verstorbenen, schilderte die vielen Vorzüge des Verblichenen und gab in beredten Worten den schmerzlichen Gefühlen Ausdruck, die feine' vielen Freunde ob des Heimgangs erfüllte. Dann'sprach Herr Rabbiner Duckesz-Alton« Worte des Abschieds und des Dankes. Außerdem ehrte Herr Moritz S. Wolff im Namen der Besucher der Synagoge Mendelson-Jsestrahe den Verstorbenen und betonte, mit welch großer Liebe und Freundlichkeit er jeden einzelnen, der das Minjan in seinem Hause unterstützte, empfing. Am Sonntag, den 19. Februar fanden im Trauer- Hause mehrere Hespidim zu Ehren des Verblichenen statt. - . _ ■ -a"3S3n Wüstensachsen, 18. Februar. Unser ältestes Gemeindemitglied, Herr Hirsch G o l d feiert am 4. März seinen 90. Geburtstag. Er ist noch rüstig und geistig frisch und Mitbegründer der Chewra Kadtscha. Krakau. 16. Februar. Amalie D e m b i tz er, die Tochter des berühmten jüdischen Historikers und Krakauer Rabbiners Chaim Nathan Dembitzer und Mutter des Schriftstellers Salomon ^Dembitzer ist dieser Tage unter tragischen Umständen im 62. Lebensjahre, verstorben. Vermischtes. Berlin, 18. Februar. Am Sontag, den 5. Februar, am Vorabend des 15. Schewat, veranstaltete der Synagogenverein „Mögen Dowid" in Berlin, Gipsstraße 11, eine Sijum-Feier in Gestalt eines geselligen Beisammenseins der Mitglieder, die. die Beendigung des Studiums des Traktates Berachoth zum Anlaß hatte. Diese Veranstaltung war — besonders für die orthodoxem jüdischen Leben Fernerstehenden — ein seltenes Erlebnis. Herr Rabb. A. G o m e r eröffnet« die Feier mit der Erklärung des letzten Abschnittes, worauf Herr Rabb. Israel Hur-' witz aus Sokolka und einige Mitglieder des Vereins das Wort ergriffen. Es war der Höhepunkt der Feier, als Herr Rabbi Hurwitz das Lied zum Vortrag brachte, mit dem die Mutter des Wilnaer Gaons ihr Kind in den Schlaf zu singen pflegte — ein Lied von jener schwermütigen Innigkeit, wie sie vielleicht nur ostjüdischen Melodien eigen ist, und das schließlich' die ergriffenen Zuhörenden zum Einstimmen mitriß. Gegen Ende des Zusammenseins erhob sich noch einmal Herr Rabbiner Gomer zu einer Ansprache, die, den Rahmen einer, talmudischen Erläuterung überschreitend, zu einer philosophischen Betrachtung der heutigen Lage des. jüdischen Volkes und der europäischen Kultur wurde. Er gedachte der zähen Treue unseres Volkes, das noch nach 2000 De r 3 sraelit Jahren die (.historischen Ereignisse seiner Vergangenheit feiert, als seien sie gestern geschehen, und im Galuth das Aufgehen der Saat und das Gedeihen der Bäume auf der alten Erde bespricht, als ob all das eine unmittelbare Beziehung zum jetzigen Leben, hätte. - Im vergangenen Winter wurde im Verein „Mögen Dowid" von Herrn Rabbiner Gomer in allabendlichen Zusammenkünften der gesamte Traktat Berachqth der Gemarä behandelt. Es wurden ferner die zugehörigen Tofafoth erläutert und die letzten halachischen Dezisionen interpretiert. Es ist hier jedem, der sich nicht auskennt im „Meere des Talmuds", die seltene Gelegenheit gegeben, die alte, traditionelle Form des „Lernens" bei moderner Art des Vortrags kennenzulernen. Langendiebach b. Hanau, 20. Februar. Herr Provinzialrabbiner Dr. L. Hirschfeld, Gießen schreibt uns: Herr Metzger Willy Hain in Langendiebach b. Hanau empfiehlt in der letzten Nummer des „Israelit" von ihm hergestellte Wurstwaren mit der Bemerkung, daß die Schechita unter meiner Aufsicht stehe. Ich erkläre, daß ich - weder mit der Israelitischen Gemeinde Langendiebach, noch mit dem Metzger Willy Hain irgendwelche amtlichen Beziehungen habe. Zur gleichen Zeit teilt uns Herr Prooinzialrabbiner Dr. G r a d e n w i tz in H a n a u mit, daß die Firma auch nicht unter seiner Aufsicht stehe. Meran, 7. Februar. Sonntag, den 5. d. M. veranstaltete der hiesige Frauenverein, gemeinsam mit der Ehewrah Kadischah in den Räumen der „Pension Ortler" des Herrn Tempeloorstehers Julius Bermann in Anwesenheit zahlreicher Gäste- und der ganzen hiesigen Jugend eine sehr gut gelungene w nenn-Feier. — Rabbiner Josua Grünwald würdigte, aus der ni-o und Midrasch die' Bedeutung des'Tages besonders für die jüdische Jugend. — Es wäre im Interesse der Aufmunterung des jüdischen Lebens in unserer Gemeinde wünschenswert, wenn derartige Feierlichkeiten bei jeder Gelegenheit abgehalten würden. Breslau, 14. Februar. Einen seltenen Genuß bereitete Herr Rabbiner Dr. L. Breslauer aus Fürth den Mitigliedern der hiesigen Aguda, indem er sich anläßlich eines vorübergehenden Aufenthaltes in Breslau auf Wunsch des Vorstandes der Ortsgruppe in liebenswürdiger Weise bereit erklärte, die letzt stattgehabte Mitgliederversammlung durch einen interessanten Vortrag zu bereichern. Der Redner hatte sich für sein Thssma einige Ausschnitte' „Aus der Geist es - Werkstatt d e s R a m b a m" zurechtgelegt und verstand in fesselnder Weise die Motive für das Schaffen dieses Großen in Israel aus seinen Werken heraus dem Verständnis näherzubringen. Der Redner entwarf zunächst ein anschauliches Bild von der überragenden geistigen Bedeutung unseres großen Lehrers. An einem treffenden Beispiel zeigte er, wie in dieses. Mannes Herz — ganz anders als seine vielleicht nüchtern anmutenden Codices es ahnen lasten — die Vorstellung einer auf dem Gegensatz von ninv und. orrvv basierten jüdischen Weltanschauung als . inbrünstig ersehntes Ideal geleuchtet hat. Zwischen seinen Zeilen spürt man, wie ein heißes Sehnen die letzten Höhen des jüdischen Menschentums aufzuzeigen Grundmotiv seines Denkens und Gegenstand bewegten Trachtens bildete. Nur' so ist es zu verstehen, daß jeder noch so entlegen erscheinende Gedanke aus Halocho und Midrasch, der sich seinem formenden Geiste zur Gestaltung darbietet, unvermeidlich gleich einem „Ceterum Censeo" in den Dienst und die Propaganda seiner weltanschaulichen Grundidee gestellt wird. Die Gottesnähe des vollendeten Menschen durch vV",' hebt-den vollendeten über seine Umgebung hinaus. Nur dieser — zur Verwirklichung des wahren tos berufen — gehört in den Mittelpunkt des Weltgeschehens und ist berechtigter Drehpunkt der Weltgeschichte, ungleich einer noch so an Zahl, und durch Macht des Weltgeschehens und ist berechtigter Drehpunkt der Weltgeschichte einer noch so an Zahl und durch Macht Imponierenden Generation seiner Zeit. Von diesen Betrachtungen aus bot sich leicht die Parallele zu der ähnlich zu begreifenden Tendenz der Agudas-Jisroel-Jdee, wie sie sich im Sinne einer „Aulim"-Vewegung als höchstes Ziel offenbart, zu arbeiten an dieser Schwerpunktsoerlegung der Menschheitsgeschichte in den 'n va> Reicher Beifall lohnte den Vortragenden für seine meisterhaften Ausführungen. Regensburg, 16. Februar. Die Ziele der über das ganze Reich verbreiteten „Vereine für jüdische Geschichte und Literatur" sind, schätze man sie noch so wohlwollend ein, alles mehr als religiös zu werten. Nichtsdestoweniger haben jene Vereine ihre Gegner, auch in ihrem eigensten Lager. Der. ebenso rührige wie konziliante neue Rabbiner der Gemeinde Regensburg, Dr. Levy, hatte dieser Tage zum Zwecke der Gründung eines derartigen Vereins Einladungen ergehen lasten, denen eine Anzahl von Ortsangesestenen Folge leistete, mit dem Resultate, daß rund 50 Personen die Mitgliedschaft erwarben. Dies veranlaßte aber einen der Teilnehmer, den Rechtsanwalt Dr. Oettinger (ein, enragierter Traditionsfeind und bis vor kurzem Präsident der Gemeinde), der offensichtlich jenem günstigen Ergebnis grollte, zu einer, die Mentalität dieses Typs kennzeichnenden Attacke. Er meinte u. a., diese Neugründung bzw. deren Urheber verfolgen hierbei versteckte Ziele (will heißen': jüdische), die letzten Endes horribile dictu nach Palästina führen. Man verstünde schon, unter der Maske wissenschaftlicher oder' schöngeistiger Vorträge sollen tendenziöse Dinge eingeschmuggelt werden, die einem Deutschen jüdischer Abstammung, jedoch arischer Seele,'außerordentlich verderblich seien. Da dem Redner alles das, was mit Juden und Judentum etwa zusammenhängt, mexpressible Begriffe sind, er daher meisterhaft vermied, deutlicher zu werden, lassen sich dessen Ausführungen nicht wortwörtlich, nur dem Sinne nach wiedergeben. Obwohl einige ernste und gewichtige Stimmen sich gegen den Redner wandten, wobei. Dr. Levy sogar sein Wort verpfändete, daß die gehegten Befürchtungen bei der ausgesprochen indifferenten Haltung und Führerschaft dieser Vereine unbegründet seien, er verbürge sich für absolut« Neutralität, hals alles nicht, der Vorredner oerstieg sich noch zu der reichlich deplazierten Behauptung, ' die Gründer seien suspekt. Auf die Rüge des Versammlungsleiters verbesserte er jenen Ausdruck, indem er dessen sinn- und wortgetreue Uebersetzung „verdächtig" wiedergab. Es bedarf keiner besonderen Phantasie, um sich vorzustellen, wie dieser Herr wohl gesprochen hätte, würde es sich um einen Verein für deutsche Geschichte gehandelt haben; aber, das ist ja ganz was andres! Wenn man bedenkt, daß es derselbe Herr ist — woran hier erinnert werden mag —, der in der vorjährigen Sitzung des Bayrischen Gemeindeverbands jene absurde These erdachte, aufstellte und verfocht, derzufolge sämtliche Rabbiner Bayerns einem gemeindlichen Disziplinarrecht unterstellt werden sollten (eine Insinuation, die OLGR. Dr. Neumayer -München mit gebührender Heftigkeit zurückwies), so drängt sich gebieterisch die Frage auf, wie es möglich war, daß Dr. Oettinger eine Reihe von' Jahren Vorsteher des Regensburger Gemeindegremiüms fein konnte. Wie. zutreffend ein Arzt in der Diskussion ausführte, ist dieser potenzierte Haß, diese aprioristische Ablehnung alles dessen, was nur irgendwie jüdisch ist, psychologisch betrachtet, eine Idiosynkrasie der Seele. Sie hat schon unsagbar Recht, jene talmudische Parabel von dem beim Schmieden dröhnenden Eisenstab und dem geräuschlosen Behauen des Steinblocks: Vom eigenen Bruder geschlagen zu werden, das ist tausendfaches Weh! . Zum Schluffe sei erwähnt, daß ungeachtet jener Opposition der Verein mit der eingangs gemeldeten Mttgliederzahl ins Leben treten konnte; niemand kann aber sagen, daß er eine leichte Geburt hatte. * Würzburg. Die Vereinigung der Sabbathfreunde in Würzburg, Domerschulstr. 13, teilt uns mit, daß bei ihr folgende Vakanzen vorgemerkt sind: 3 Lehrlinge für Textil engros, 1 Lehrling für Kurzwaren engros, 1 Reisender (branchekundig) für Zigarren engros, junger Mann für Lager und Reise für Wäschegeschäft, junger Mann für Manusakturwaren endetail. In Nummer 6 ist auf S. 4 die photographische Wiedergabe des Bruchstücks einer in Rumänien zerrissenen Thorarolle. enthalten. Da in diesem Bruchstücke ausgeschriebene S ch e m a u s Vorkommen, muß die betreffende Seite so behandelt werden, wie Bruchstücke von Tefillos, Chumofchim ufw. Wir machen hierauf “vonV zu wiederholten Malen ausdrücklich aufmerksam. Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit“ für den Monat März! Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag des Israelit G.m.b.H., Frankfurt a.M. Wöchnerinnen trinkt Köstritzer Schwarzbier und Kulmbacher Exportbier KüOCAItlSnn Telefon Hansa 4283 rvaeSlSfnaiiri Qiauburgstrasse 67 Hi es Samstag gcschl. Koloniälw.Großhdlg. sucht z. 1.4. Lehrling mit guten Zeugniss. sowie jungen Mann für Lager. Off. u. 26382 Erp. Tüekr. jllng. Mann aus der TextilKvaileke für hiesiges Engras haus für Büro und Lager - geruckt Off. unt. 26394 an die Erp. Lehrling mit qutem Schulzeugni« p 1 Mai d. I. gesucht. Kost u. Logis i. Hause. frei. Heinrich Klein Miltenberg a. M, Bayern Manufak urwaren und Herrenkonfektion. Such für sofort nach Franks, a. M. tüchtiges fromme-- Mädchen das die Küche versteht in kleinen Ha> sh iltzu 1 K«nd Off. unt. 26584 an die Erp, Lkziekerin gesucht zu einer streng orth. Familie. 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