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Der Israelit · 1928-02-23 · Heft 8 (23.2.1928) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 8 (23.2.1928)
Date
1928-02-23
Page
– (sequence 13)
Language
German
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li/IrA cj KOK i fffflflM ■ « Israelitische Volks- und Religionsschulen in Hessen?) i Schon am Anfang des vorigen Jahrhunderts im Jahre 1804 versuchten einige jüdische Familien in Darmstadt eigne jüdische öffentliche Schulen zu errichten. Das Gesuch wurde von der Regierung abgewiesen, besonders weil die vorgeschlagenen Lehrer nur Hauslehrer seien, keine eigentlichen Schulen halten, sondern nur als Praeceptores Domestici anzusehen seien. Der gleiche Bescheid erging wiederholt im Jahre 1806 mit dem Bemerken, daß die Regierung die Teilnahme an den Schuleinrichtungen der Christen möglichst zu erleichtern suchen werde. Im gleichen Jahre berichtete der Landgräflich Hessische Kirchen- und Schulrat Protest Deputation, daß der von jüdischen Hausvätern gewünschte öffentliche jüdische Unterricht in der Residenz nicht zustande kommen könne. Nur das. Darmstädter Gymnasium ist von drei hiesigen Jünglingen besucht worden. Die vier hiesigen Stadtschulen hätten jedoch keinen einzigen jüdischen Schüler.auszuweisen. Dazu wird bemerkt, daß nach solchen Beispielen in der Residenz, in den kleinen Städten und auf den Dörfern, „wo die Zahl der armen Juden größer und die der schulfähigen I. Kinder kleiner ist, eine solche jüdische Schule noch weniger zustande kommen werde." Bezeichnend für das Bestreben! des Staates, die jüdischen Kinder in die christlichen Ortsschulen zu jchicken und andererseits für die Wünsche der israelitischen Gemeinden aus Errichtung eigener jüdischer Volksschulen ist der Streit der jüdischen Gemeinde Friedberg mit der dortigen ^Geistlichkeit und dem Kirchen-' und Schulrät im Jahre 1824. Ein in Gießen wohnender Friedberger, Eduard Kassella, bittet den Kirchen- und Schulrat in Oberhessen am 27. August 1824 um Errichtung einer eigenen jüdischen Schule. Dieser weist die Regierung in Butzbach an, von den Juden in Friedberg einen Bericht über Zahl der Schulkinder, geeignetes Lokal für diese sowie über das auszumessende Gehalt des Lehrers zu veranlassen. Die Vorsteher der jüdischen Gemeinde hatte sich zuerst bereit erklärt, eine eigne Schule zu errichten, ziehen jedoch, als sie von der obigen Auflage des Schulrates erfahren, ihre Bereitwilligkeit zurück, da sie als unvermögende Gemeinde ihre Kinder so lange in die dortigen christlichen Unterrichtsanstalten schicken wollten, bis sie imstande seien, einen eigenen Lehrer anzustellen. Ein jüdischer Religionslehrer (der von den Eltern der schulbesuchenden Kinder bezahlt werde) sei vorhanden. Der Bürgermeister von F. spricht sich in einem Gegenbericht an den Schulrat dagegen aus, weil die christliche Schule nicht geräumig genug sei. Auch die dortigen Geistlichen sind für eine eigene jüdische Schule Einer umfassenden und erschöpfenden mit überaus reichem Aktenmaterial ausgestatteten Arbeit I.. Lebermanns, Darmstadt, im Jahrbuch der Jüdisch- Literarischen Gesellschaft 1927 (siehe Besprechung in Nr. 7 des „Israelit") über Jüdische Schul- und Lehrerverhältnisse in Hessen (S. 64—142) entnehmen wir mit Genehmigung des Verlages einige auch das Laienpublikum interessierenden Auszüge. und weisen darauf hin,- daß die dortigen jüdischen Knaben zum Teil die lateinische Schule, zum Teil, die Schule des Seminars besuchen. Die weibliche Jugend der vermögenden Eltern werde von Privatlehrern, die anderen von Seminaristen unterrichtet. In die christliche Schule könnten sie nicht, da die Schulstube unzureichend und die 36—38 Schüler beiderlei Geschlechts nicht aufnehmen könne. Außerdem sei die jüdische Jugend in F. unterrichtlich sehr vernachlässigt. Die Judengemeinde sei gegen 270 Seelen stark und vermögend, so daß sie wohl eine eigene Schule errichten könnten. Solange dies nicht gehe, schlagen sie vor, daß die dortigen deutschen Schullehrer die Judenkinder täKch zwei Stunden gesondert unterrichten sollen. Dabei bemerken sie, daß alle dortigen jüdischen Religionslehrer bis auf einen (Busweiler) „vom Talmud verschrobene Köpfe" seien. So wurden die Friedberger Lehrer Marke! und Fritsch mit dem Unterricht betraut. In einem besonderen Vertrag wurde bestimmt, daß jedes Kind vom 6. bis 14. Jahr schulpflichtig ist und vierteljährlich 1 fl. 3 Kreuzer zu bezahlen habe. Der Unterricht steht unter Aufsicht des Staates. Dagegen wenden sich wiederum die jüdischen Vorsteher Seligmann Offenbach, Joseph Fürth und Moses Levy Reis und bitten den Schulrat um Erlaubnis, eine eigene Schule halten zu dürfen. Sie haben den jüdischen Seminaristen Bacharach, der seit ''/» Jahren im dortigen Seminar ist, im Auge. Feist Wolf Zeckendorf in Friedberg wendet sich jetzt gegen die jüdischen Vorsteher (die er „Räthelsführer" nennt) und bittet den Schulrat um Anstellung der städtischen Schullehrer entsprechend dem Vorschlag der Geistlichkeit. Zum Ueberfluß bittet Lehrer Meyer Frank*) in Schotten mit Rücksicht auf seine geringen Einkünfte um Versetzung nach Friedberg. Endlich wurde am 1. November 1825 die Schule von den beiden christlichen Lehrern Merkel und Fritsch eröffnet. 34 Schulkinder erhalten täglich von 10—12 Uhr Unterricht, während Religionslehrer Busweiler den Religionsunterricht übernimmt. Acht Familien (und zwar die reichsten in Friedberg) protesteren vergeblich beim Ministerum und wollen den bald abgehenden Seminaristen Aron Bacharach als Lehrer. Sogar Staatsminister Grolmann mischt sich in den Streit und fordert am 7. Februar 1826, als er bei seinem Aufenthalt in F. von den Mißbräuchen im dortigen Schulwesen und besonders im Jüdischen gehört hatte, den Kirchen- und Schulrat zum Bericht auf. Die Woche. Synagogengememde „Israelitische, Rellgionsgesettschaft". Nach der Satzung haben die Verwaltungskommissionen vier Wochen vor der ordentlichen Gemeindeversammlung die Neuwahlen ihrer Delegierten zum Gemeinderat in regelmäßigem Turnus zu vollziehen. In den diese Woche > stattgehabten Wahlversammlungen der Koommissionen sind die Herren Dr. Herbert Brinkmann (Stiftungskommission) und Ludwig Strauß (Friedhofskommission) an Stelle der turnusmäßig aus¬ *) In seiner Eingabe spricht er von seinen Verdiensten zur Aufklärung des Volkes, „das noch in Finsternis begraben liegt." scheidenden Herren Siegfried Loewenthal und Hugo Rothschild neu gewählt worden. Wieder gewähU wurde Herr Hermann Frankenthal. Von den durch die Gemeinde gewählten Mitgliedern des Gemeinderates scheiden in diesem Jahre die Herren Heinrich Eise mann und Philipp Feist, von den Mitgliedern des Vorstandes die Herren Dr. Simon B a m - b erger und Jacob Rosenheim aus. Die Generalversammlung findet voraussichtlich Ende März' statt. Das Gemeindegeseh vor dem Landtag. Wie uns aus Berlin mitgeteilt wird, hat der R ech t sausschuß des Preußischen Landtages dem Gesetzentwurf, betr. Anerkennung der Synagogengemeinde „Israelitische Religionsgesellschaft" in Frankfurt a. M. als Körperschaft des öffentlichen Rechtes mit einer unbedeutenden formalen Äenderung zugestimmt. Akademische Jubiläumsfeier der Realschule der Israelitischen Religlonsgesellschaft. Alle ehemaligen, stimmbegäbten Schüler der Realschule, die bereit sind, in dem für die akademische Feier gebildeten Chor mitzuwirken, werden höflichst gebeten, sich bei Herrn Max Neumann, Rhönstr. 2 (Tel. Carolus 41735) zwischen 2 und 2lÄ Uhr zu melden, oder bei der ersten Chorprobe, die am kommenden Sonntag, den 26. Februar, im Singsaal der Realschule stattfindet, sich einzufinden. Schulausstellung. Für die Schulausstellung, die anläßlich des Jubiläums geplant ist, sind zahlreiche Lomarten, Klassenbilder, Gruppenbilder, Erinnerungen an Lehrer, Hand-! arbeiten, Schuldokumente u. dgl. angemeldet, die sicher! allgemeines Interesse erregen werden. Da einige Jahrgänge bis jetzt noch nicht genügend vertreten find, so jwäre es erwünscht, wenn diese Lücken durch rege Anmeldungen bald ausgefüllt würden. Keren Hathora-Veransialtung. In einer vom Keren Hathora-Kommissariat Frankfurt veranstalteten Kundgebung sprachen die Herren -Oberrabbiner Dr. Altmann-Trier, Wolf S. Jocobsonj Hamburg und Herz Halpern-Frankfurt (letzterer an Stelle des verhinderten Herrn Rabbiner Karpel) über ' Sinn und Bedeutung des Thorafonds, der als einziger in seiner Art sich die Aufgabe gesetzt hat, das Thorastuidum allenthalben zu stärken und neu zu beleben. Alle Redner j verstanden, den zahlreichen Anwesenden die Wichtigkeit! dieser Aufgabe vor Augen zu führen und es ist zu hoffen, daß mancher, der bisher beiseite stand, durch die begeisternden Worte der Referenten nunmehr nach Kräften das Seine zur Stärkung des Keren Hathora beizutragen sich gelobt hat. Aus der Agudah. Die Dinim-Kurse des Herrn Lehrer A. Hirschberg finden am Mittwoch, 8—9 Uhr abends (14tägig) statt. Der nächste Vortrag beginnt Mittwoch, den 29. Februar. Vom Liwjath Chen. Der Nachmittagsvortrag an diesem Sabbat narn 's sä llt wegen Abwesenheit des Dozenten aus. Am nirr, und später bis auf weiteres findet der Vortrag je um 4,45 Uhr (nicht mehr um 4,16) statt. Eine selbstgeschriebene Thorarolle. Wir sind in Frankfurt nicht arm an jüdischen Häusern, die im Besitze einer Sefer Thora sind. Einen Fall, in dem ein Privatmann das Gebot "wi dsV 1202 nnsi wortwörtlich in dem Sinne erfüllt, daß er eigenhändig für sich selber seine heilige Rolle schreibt, müssen wir schon in der Vergangenheit suchen. Das letzte selbstgeschriebene Sefer in Frankfurt' ist 106 Jahre alt und gehörte Rabbi Leib Zuntz W- Das heißt das 0 0 r - letzte, denn zuletzt war es in diesen Tagen Herrn Ludwig Strauß, Sandweg 3, gegönnt, ein solches Riesenwerk, an dem er volle drei Jahre mit unermeßlicher Lieb« und Selbstverleugnung, in Ausnutzung aller der geschäftlichen. Tätigkeit abgerungenen Zeit gearbeiret hat, zu vollenden, und das Sefer, ein Meisterstück der Schreibkunst, in einer herrlichen Feier seinem heiligen Zwecke zuzuführen. Als Berater und Lehrer in bezug auf die damit verbundenen komplizierten Vorschriften stand der Frankfurter Sofer, Herr Mendel Schreiber, Herrn Strauß in all den Jahren dieser heiligen Arbeit, treu zur Seite. Die Arbeit leistete aber Herr Ludwig Strauß selbst, und sie findet die wohlverdiente Bewunderung

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