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Der Israelit · 1928-02-23 · Heft 8 (23.2.1928) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 8 (23.2.1928)
Date
1928-02-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 8 just in diesem Augenblick, wo die "Thora in Deutschland den Boden ihrer geschichtlichen Autonomie und organisatorischen Selbständigkeit unter sich wanken fühlt, aus dem heiligen Lande Stimmen zu uns herüber, die so recht geeignet sind, mit der ursprünglichen Gewalt eines rollenden und grollenden Donnerschlages uns alle, alle aushorchen zu lassen. Auf dem heiligen Boden Erez Jisroels spielt sich zurzeit eine A u s t r i t t s b e w e g u n g ab, die an elementarer Kraft der aus den letzten Tiefen der jüdischen Seele emporqüillenden Hingabe an Gott und sein ewiges Gesetz alles in den Schatten stellt, was die Geschichte an ähnlichen Bewegungen in den Ländern des Galuth verzeichnet. Auch wir in Deutschland hatten einmal eine Austrittsbewegung, als vor einem halben Jahrhundert Rabbiner S. R. Hirsch y'XT in das deutsche Judentum jenes Flammenwort hineinrief, daß der Austritt aus einer jüdischen Gemeinde, die sich nicht eindeutig auf den Boden des jüdischen Religionsgesetzes stellt, eine heilige, religiöse Pflicht sei, und daß nur ein Irrender und Irreführender seine Brüder zu etwas anderem bereden könne. Aber nicht alle sind ihm gefolgt. Bald kamen die Klugen und verdrängten die Weisen, bald kamen die Diplomaten und verdrängten die Propheten, bald kamen die Bedenklichen mit ihrem Wenn und Aber und übertönten das Wort der Wahrheit und Gradheit, mit welchem die tiefen Bekenner und Erkenner der geschichtlichen Tragweite des „Austrittsgedankens" unsere „geistige nVixj" nicht wollten 22V» sein lassen. Was aber heute in Erez Jisroel sich äbfpielt, das ist so frei von allem Wenn und Aber, das wird so offensichtlich von allen guten Geistern der in den Tiefen der jüdischen Volksseele schlummernden Sehnsucht nach eindeutiger Thorawahrheit im jüdischen Gemeindeleben getragen, daß die vielgeschmähten „Separatisten" in den Ländern der Diaspora aus dieser wie ein herrliches vVN tm'j? wirkenden Auferstehung des Austrittsgedankens in Erez Jisroel neue Kraft und frischen Ansporn zur weiteren Aufrechterhaltung und Befestigung ihres von den größten -rnn abermals sanktionierten Standpunktes in gemcindepolitischen Fragen gewinnen werden. Eine tausendstimmige Apotheose des Austrittsgedankens klingt aus'Erez Jisroel zu uns herüber. Der Rabbi von Bels ermahnt seine palästinensischen Chassidim, die heilige, religiöse Pflicht, des Austritts zu erfüllen. Er dankt Gott für die von der englischen Regierung gewährte Möglichkeit des Austritts aus der unjüdischen Gemeinde des Waad Leumi. Er appelliert an die Gottesfurcht seiner Getreuen und erwartet vom Austritt aller Gesetzestreuen eine Stärkung der Thora, eine ungehinderte Möglichkeit wahrhaft jüdischen Lebens und einer thoragemäßen Kindererziehung. Der Rabbi aus Wisniza bezeichnet in einem Schreiben an seine palästinensischen Chassidim den Austritt als 21 nals eine heilige Pflicht und bittet nn»3 Wj?23 mit eindringlichem. Ersuchen, sich nur der wahrhaft jüdischen Gemeinde anzuschließen, nicht aber Gott behüte der Gemeinde des Waad Leumi, die nicht auf der Gotteslehre aufgebaut sei. Rabbiner Morgenstern aus Sokolow bezeichnet das Verbleiben in der unjüdischen Gemeinde als -rm -no’X’ Die Wahrheit stehe höher als der Friede. Wollte Gott, es gäbe auch in seinem Lande orthodoxe Austrittsgemeinden! -1232 th rmrr ny 121X P231N2 rmY n» nxnn Wenn das heilige Land durch Auflehnung gegen Gott und Gottes Gesetz zu einer Wüste geworden ist, dann ist das Auseinanderreißen, dann ist der Austritt Pflicht! Die afchkenasifchen und sephardifchen Rabbinen von Liberias und Safed bezeichnen den Austritt als V'X ^2 h* p"nin m s"y nbm min \ Der Israelit HX2V' / als eine jedem Juden obliegende hohe Pflicht, die in dem Gesetz unserer heiligen Thora begründet sei. Die n’-nnn Vx*w» ms in Jerusalem mahnt: Rette die Ehre Gottes, damit sie nicht entweiht werde! Schützt das Gesetz unserer heiligen Thora! Erhebet die Ehre unseres.Landes vor aller Welt! Lasset nicht zu, daß mit Füßen der Hochmut unser Heiligtum niedergetreten werde! Haltet Wache in den Stunden der Gefahr! Bewachet die Grundlagen unseres Lebens, daß sie nicht der Gewalt der Abtrünnigen anheimfallen! Rettet eure Kinder aus den Händen ihrer Räuber! XX3 *inx2 13^2wie ein. Mann wollen wir alle austreten! - Unter einem flammenden Aufruf, der mit erhabener Wucht zur Trennung aufruft von einer Gemeinde, nva nnir>2 v nanrr 'Yiupm *itPX' die in ihren Satzungen ihre Hand erhoben hat gegen die Lehre Moses, stehen 124 Namen führender Persönlichkeiten. Und die Agudas Jisroel in Erez Jisroel! In wundervoll geschriebenen Aufrufen, die sich durch einen wahrhaft klassischen ideellen Hochflug des Inhalts, gepaart mit künstlerischer Formvollendung, auszeichnen, kennzeichnet sie die Autsretenden als nai V2 Q’iwp' als die Nachfahren jenes ersten Geschlechts von Austrittlern, die einst mit erhobener Hand aus der Knechtschaft Pharaos in die Knechtschaft Gottes traten: a-warm mya ax '2 n ms?» x^ ^2X mn mxiri' lumxan inn nnäsra xb ^>2x uw onrer nrnaa wn a'2'L>2 13X1!1XX 13^> a'IÜIXI 13MX Q’Xnp 13*ni2Y .!,X2£3 13'N13221 13Ü22 XX3 13’35tm 13'2V32 BnV „Austreten wir, aber nicht aus der Gemeinde Gottes, sondern aus der Gemeinde der Abtrünnigen, und das ist Unsere. Ehre! Austreten wir, aber nicht aus unserer Vergangenheit, und das ist unsere Würde — — Unsere Lehrer rufen uns zu.und sprechen zu uns: Tretet aus! Und wir antworten ihnen: Wir treten aus mit unseren Jungen und unseren Alten! Mit unseren Söhnen und Töchtern treten wir aus!" So werden in der gei st igen Höhenluft des heiligen Landes die Interessen des konservativen Judentumsgewahrt! Der heiße Atem einer bei uns nie gekannten religiösen Begeisterung für die Freiheit und Unantastbarkeit des Thoragesetzes im jüdischen Gemeindeleben weht uns aus diesen Aufrufen entgegen. Seitdem man im helligen Lande es wagte, das orthodoxe Judentum nur als eine P a r t e i der jüdischen Gemeinschaft einzufügen, statt diese jüdische Gemeinschaft Palästinas auf den Boden der Thora aufzubauen, seitdem unsere Gesinnungsgenossen in Erez Jisroel in ihren heiligsten Interessen sich , bedroht fühlen, seitdem wuchs der Austrittsgedänke in Erez Jisroel mit >der ganzen, elementaren Wucht des Selbsterhaltungstriebes aus den Tiefen der jüdischen Volksseele empor. Als der Waad Leumi die zum Austritt Bereiten mit dem Versprechen beruhigen wollte, ihnen bloß Schechita- und Beerdigungssteuern aüferlegen zu wollen, bekam er in einer öffentlichen Erklärung den scharfen Bescheid, daß man ihm kein Vertrauen entgegenbringe und es ablehne, sich seiner Steuerzwangsjacke auszüliefern. Und diese Austrittsbewegung in Erez Jisroel, sie ist in ihrer Naturwüchsigkeit so weit entfernt von der bei uns vielfach üblichen Denkmethode, die den Gedanken der Thoraherrschaft im Gemeindeleben als etwas Doktrinäres, begrifflich Ergrübeltes, ja geradezu als Symptom einer in jüdischen Massensiedlungen unbekannten Galuth-Schwäche abzuwägen und abzulehnen pflegt, daß selbst die ihr von Hausaus Wider st redenden von der G e w a l t d e r NX'L' im»' w i e d i e P f l i ch t des Austritts in einem de rAufrufe genannt wird, mit fortgerissen werden und unter den zahlreichen Aufrufe n, die z u u n s fyn n ii b-e r * flattern, sich auch zwei befinden, die von der. Ädaß Jisroel hacha- 2d. Februar 1928 re bis, re f p. von dem BethDin des! Rabb. Kuk unterfchrieben find.! Mögen unsere gesetzestreuen Brüder inj Deutschland und anderswo, die im Drange der! Zeiten und des Lebens den Blick für das Wahre,! Grade, u rj ü d if ch EmP f un d en e im den sogenannten Fragen der jüdischen Gemeinschaftspolitik verloren Haben, angesichts der Aüstrittsbewegung. im Erez Jisroel vor Gott und ihrem Gewissen sich die Frage vorlegen,ob es in einer Zeit, in der die sogenannte? „Austrittsfrage", zu einemj Angelpunkt der jüdischen Erez Jisroel- Polrtik erstanden ist, noch weiterhin 'verantwortet werden kann, in den Augen von Unkundigen den Anschein zu erwecken, als Unterliege diese Frage, um mit Rabbiner Hirsch zu sprechen, „erst! einer großen weitläufigen'Diskussion, über die man vielfach geteilter Meinung sein könne"'. Was heute iji Ere z J i s r 0 e l v 0 r g e h t, ist eine ungeahnte Bestätigung j e n e s Ru f e s i n die W ü st e, de r v 0 r einem halb eit I a h rhund er t bei uns in Deut sch l a n d e r k l an g: „Für den aufrichtigen, seiner Pflicht bewußten,- gesetzestreuen Juden gibt es nur einen, von Jffur freien Weg: den Austritt aus einer Gemeinde, die nicht eindeutig auf dem Boden der Thora steht. Wer feine gesetzestreuen Brüder zu etwas anderem beredet, der ist Schogeh Umaschgeh, der geht irre und führt irre!" Die Weltgeschichte ist das Weltgericht. sione§ponse«ren « nacbricbteit. Deutsches Reich. Generalversammlung des Verbandes orthodoxer Rabbiner Deutschlands.. Frankfurt, 19. Februar. Der Vorstand des orthodoxen Rabbinerverbandes beschloß, am Sonntag und Montag, den 22. und 23. April (2. und 3. Jjar) eine Generalversammlung nach Frankfurt einzuberufen. Die Verhandlungen werden zum Teil in geschlossenen Sitzungen, zum Teil öffentlich stattfinden. ' Die Hauptversammlung des Zentralvereins. Berlin, 19. Februar. . Am 11. und 12. Februar wurde, wie bereits berichtet, in Berlin die Hauptversammlung des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens abgehalten. Nach Begrüßung durch den Vorsitzenden und weiteren. Begrüßungen erstattete Dr. ■ Alfred W jener Bericht über die Arbeit der letzten zwei Jahre. Die Arbeit besteht jetzt in der Hauptsache in der Aufklärung der Führer und Massen. Diesem Zwecke dienten unzählige große öffentliche Versammlungen und viele Broschüren. Die für das christliche Lesepublikum bestimmte Münatsausgabe der ,>C. V.-Zeitung" wird in 95 OOO Exemplaren versendet. Die von Prof. Goldstein redigierte Monatsschrift „Der Morgen", sowie die übrigen Verlagswerke des Philo-Verlages über Juden und Judentum finden größte Beachtung in der wissenschaftlichen Welt und in der Oeffentlichkeit. In den letzten zwei Jahren hat der Verlag 28 neue Werke erscheinen lassen, die durch etwa 700 Buchhandlungen vertrieben werden. Eine wichtige Rolle fällt dem Zentraloerein während der Wahlkämpfe zu. Der -Redner forderte die junge Generation und die Frauen auf, sich in den Dienst der Sache zu stellen. Es gilt, Aufklärung in die Heranwachsende Generation von Deutschen zu tragen. Rundfunk und Film sollen als Mittel herangezogen werden. Die Aufklärung müsse geschehen auf der Grundlage des Deutschtums und Judentums, das ist das Ziel der Gegenwart und der Zukunft des geliebten Zentraloereins. Zweiter Redner ist Stadtsekretär Prof. Dr. Hirsch. In einem Referate über die „Wirtschastsprobleme des deutschen Judentums" stellt er fest, daß der jetzt speziell in der jüdischen Jugend um sich.greifende große Pessi-

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