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Der Israelit · 1928-02-23 · Heft 8 (23.2.1928) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 8 (23.2.1928)
Date
1928-02-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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I.; Seite 2 Nr. 8 lektüre liest, und wer sieht dem Besucher der Filme an, wie alt er. ist? Was heißt überhaupt Schmutz und Schund, vor denen die Kinder auf diese Weise geschützt werden sollen? Doch nur Literatur, Kino und Bühne, die der Sensation und ungesunden Phantasie Nahrung zuführen, ohne dem Sinn für das Schöne Rechnung zu tragen. Aber wie oft wirkt das wirklich Schöne auf Kinder in dieser Richtung! Wie oft werden die erotischen Neigungen und Nöte dadurch nur gesteigert! Und was nützt das Gesetz gegen Verhältnisse, die für die Vorstadtstraßen der Weltstädte und nicht nur am Fasching typisch sind! Die „Stadt ohne Juden" (Wien, nach einem Roman von Bettauer) birgt in ihren Mauern auch anderes wie das Zentralbureau der Agudas Jisroel und die Schiffschul. Die trostlose, jedes höheren Schwunges bare Geistesverfassung gewisser Großstadtkreise treibt txaurige Früchte. Vergegenwärtigt man sich so die Bedingungen, unter denen die junge Generation von heute innerhalb der westeuropäischen Großstadt aufwächst, so scheint äußerster Pessimismus gerechtfertigt. Diesen zu wecken, ist aber nicht der Zweck der vorliegenden Betrachtung. Hoffnungslosigkeit darf bei uns nicht Platz greifen. Es galt, die Schwierigkeiten und Probleme in aller Schärfe aufzuzeigen, die sittliche Krise, die unsere jüngere Jugend (wie die geistige die ältere) bedroht, ungeschminkt darzustellen, um all denen entgegnen zu können, die mit leeren Worten, wie „das muß sich eben austoben" oder: „es ist nicht so gefährlich" über diese Klippen elegant hinweggleiten wollen. Lindsey macht in dem oben zitierten Buche auf das Elementare und Umstürzende dieser Krise aufmerksam. Auch er stellt sich die Frage: „Was tun?" und beantwortet sie mit dem Rat, die Kultur in ihrem edelsten Sinne den jungen Leuten so einzuimpfen, daß sie das Sittliche freiwillig und ehrlich und wahrhaftig lieben und ergreifen. Lindsey sagt: „Kultur würde die einzelnen befähigen, stetig und gleichmäßig zu sehen wie durch ein inneres Licht, wie wünschenswert, wie möglich, wie praktisch und selbst leicht es ist, zu jenen menschlichen Rechten zu stehen, die offensichtlich höher sind als nur die primitiven, die ihrer Primitivität wegen unserer vielseitig entwickelten Zivilisation nicht mehr genügen können." Man kann nicht mehr Worte über einen schlechten Vorschlag machen. Denn gerade Lindseys Buch zeigt, wie stark das Triebleben in der heutigen Jugend, genährt und aufgepeitscht durch die heutige Zivilisation und Lebensform, sich geltend macht, und eben diese elementare Gärung Von der Krone der Thora. Die drei Ringe oder Reifen, die in unserem Wochenabschnitte für Altar, Tisch und Heilige Lade vorgesehen sind (am '17, deuten, nach der Erklärung der Weisen, auf die drei Kronen, von denen auch schon die „Sprüche der Väter" uns zu melden wissen. Cs sind: die Priesterkrone, die Königskrone und die Krone der Thora. Der goldene Ring um den Altar versinnbildlicht die Priester kröne. Der Tisch: es ist das Königtum, das eine Krone trägt. Der goldene Reifen um die Lade deutet auf die Krone der Thora hin, der Thora, die den heiligen Inhalt der Heiligen Lade bildet. Danach versteht man, daß, im Gegensätze zu den anderen Gegenständen des Heiligtums, deren Anfertigung Moses obliegt — rvwi — von der Bundeslade gesagt wird: um Sie sollen sie unfertigen, sie alle, Israel in feiner Gesamtheit und jedes Glied der Gemeinschaft für sich. Um die Priesterkrone zu tragen, muß man dem Priesterstamme angehören, die Königskrone war im Grunde nur einer Dynastie gegeben, die Krone der Thora ist aber frei für Jedermann, ein „Erbe der Gemeinde Jakobs", frei und Eigentum aller, wie die Wüste, die allen gleich gehört. vr>ixn bzb ipsn. Daher um alle sollen sie Hand mit anlegen bei der Herstellung der Bundeslade, die die Thora, das heilige Gemeingut des heiligen Volkes, in sich birgt. Der Israelit soll durch vernünftige Erwägungen über die heutige Zivilisation zum Schweigen gebracht werden? Vielleicht sieht die Jugend es für möglich an, über „wünschenswert, praktisch, leicht" erscheint es ihr sicherlich nicht, inmitten einer solchen Zivilisation mit all ihren" Auswüchsen rein und sittlich zu bleiben, abgesehen davon, daß ihr Recht, sich auszuleben, ihr durchaus nicht „offensichtlich" minderwertig erscheint. Nun bringt Lindsey ein Beispiel, wie er sich die Sache denkt. „Es ist verhältnismäßig leicht für einen Feuerwehrmann, bei einem Brand sein Leben zu wagen, um andere Menschen zu retten, denn er handelt nach den festen Regeln, nach der Kultur — könnte man sagen — seines Berufes. Seine Erziehung hat diese Kultur geschaffen, dieses innere Licht, das ihn niemals zweifeln läßt über das, was er zu tun hat, und es ist möglich, ja unvermeidlich, daß er etwas ausrichtet, was dem rohen Instinkt der Selbsterhaltung genau entgegenläuft." Gewiß, der Feuerwehrmann handelt nun allerdings so todesmutig schon bevor er diesen Beruf ergriffen hat! Ein zaghafter, nur sich selbst kennender und wollender Mensch, wird schwerlich diesen Beruf ergreifen. Seine altruistische Tat ist also nicht allein eine Folge seines Berufes, sondern sein Beruf eine Folge seines Altruismus, seiner Opferfähigkeit und Opferwilligkeit für andere. Trotzdem bleibt richtig, daß G e - wöhnung — wie sie in beispielloser Intensität unsre jüdische Erziehung zur Meldung von Jssurim und Uebung von Mizwos bietet — das m ä ch t i g st e H i l f s m i tt e l im Kampfe gegen den Jezer Hora bildet. Lindseys Buch enthält aber an anderer Stelle einen Satz, der erst recht wert wäre, in den Mittelpunkt der Erneuerungsmethode gerückt zu werden. „Glaube", sagt er, „ist etwas Urnatürliches und Triebhaftes ... der religiöse Trieb ist so stark und so tief verwurzelt wie der Geschlechtstrieb." So wenig uns diese Formulierung behagt, so müssen wir uns doch klar machen, was das heißt. Da ist ein Mann, der in langjähriger Praxis die Verwilderung der heutigen Jugend unter der Gewalt des Geschlechtstriebes kennengelernt hat. Entgegen der Behauptung der Anhänger der ethischen Kultur, die die Religion als von außen kommendes Motiv ablehnen, stellt dieser gründliche Kenner der jugendlichen Psyche sogar für Amerika fest: Der religiöse Trieb ist so tief verwurzelt im Menschen wie jener st arte Trieb,der die ganze Sittlichkeit unserer Jugend zu vernichten droht. Wir wollen die Konsequenz daraus ziehen. Was die Bundeslabe sonst noch von den anderen heiliAen Geräten auszeichnet, ist, daß sie nach ungraden, halben Massen angefertigt wird. w« '2m w-i»rr 13m ’sm tont Halb ist unser Wissen und wird es stets bleiben, solange es dem menschlichen Blicke nicht gegönnt ist, die Hülle in Natur und Offenbarung zu durchbohren. Und wenn wir alles gelernt und durchforscht haben, da stehen wir doch wieder am Anfang. Wie Moses, der am letzten seiner Tage, nachdem er in aller Dinge Grund geschaut hatte, doch betet: nil-'nn nns „Du hast erst angefangen Deinem Diener zu zeigen Deine Größe usw.-." Dachten vielleicht die Massoriten an dieses Niezuendelernen, als sie anordneten, daß die Worte sni nn-r im dritten Buch Moses in der Thorarolle so geschrieben werden, daß mit dem ersten ptt eine Zeile ausgeht und mit dem anderen eine neue Zeile beginnt! em Man hat geforscht, man glaubt, es erforscht und damit zu Ende gekommen zu sein, man weiß und kann schon alles und schließt befriedigt das Buch. Aber nicht doch! Schon die neue Zeile beginnt wieder mit einem wn- Weiter forschen, weiter lernen, wir sind der Wahrheit noch nicht nahe gekommen, sind noch am Anfang. Immerhin, die Krone der Thora leuchtet uns allen entgegen, gibt sich uns hin. Wir wollen sie tragen in Tat und Lehre! Das ist der Sinn des ■nm im Kapitel der Heiligen Lade. »Maawlr hastdroh." Manches, was noch vor Jahrzehnten etwas Selbstverständliches war, ist im Laufe der Zeit mehr oder weniger außer Uebung gl kommen, auch bei denen, die zu den Frommen gezählt werden oder _13. Februar 1928 Wir wollen dem riiX'is das rvsnax entgegensetzen, bis sich die ganze Kulturhypochondrie an den Häusern und Familien Jaakauws gebrochen haben wird! ", 23 Mochenrundschcm. Untaugliche Mittel. 7 Die Bewegung zum Abfall vom Judentum — rnay kann schon füglich von einer Bewegung sprechen — gibt nun auch den Liberalen in Wien sehr zu denken. In der Wiener israelitischen Kultusgemeinde hat sich der sogenannte Landesschulra t mit der Frage befaßt, und es kam, wie itnmer, zu scharfen Auseinandersetzungen zwischen zionistischen und nichtzionistischen Gemeinderäten. Nicht.so, als ob die Liberalen die Bewegung begrüßten, nein, der „Positivismus", wenigstens in der Idee und in der Phrase, ist heute Mode bei den bewußten. Liberalen in Europa und in Amerika und selbst-- verständlich auch in der Stadt an der Donau. Alle Parteien sind sich darüber einig, daß der Seuche irgendwie Einhalt geboten werden müsse. An dem „Wie" scheiden sich die Geister. Dr. R a d i s ch als Wortführer der Liberalen empfiehlt als Universalmittel gegen Taufe und Mischehe das liberale Judentum mit seinem Reformismus. Alles Unglück komme daher, daß das Wiener Judentum in all seinen Institutionen „in den konservativen Formen" steckengeblieben sei. Die Folgen seien Gleichgültigket, Entfremdung, Abfall und Taufe. Einen großen Zeugen — der sich nicht mehr dagegen wehren kann — ruft er für seine Anschauung an, den verstorbenen Oberrabbiner Dr. Chajes, der zuletzt nur noch im liberalen Judentum die Rettung gesehen hätte. Von zionistischer Seite wird diese Ansicht stark bekämpft. Als einziges Rettungsmittel wird der Zionismus empfohlen und was damit zusammenhängt: Hebraismus, nationale Erziehung usw. Und indes die weisen Herren miteinander, hadern, wächst die Austrittsliste mit jedem Tage weiter an. Wir erinnern uns dabei des schönen Wortes des greisen Verfassers des „Chofez Chajim": Der Kranke liegt da, so krank, daß er Krankheit sich zu ihnen zählen. War es sonst selbstverständlich daß in jedem jüdischen Haus Jeder vom ,-m» 12 an bis zum ältesten Vj?2, am Freitaa die n*nD „maawir" war, so gehört heute die Betätigung, dieser nix» zu den Ausnahmen. Mein seliger Vater, ein rühriger Viehhändler, kam am Freitag nachmittag immer frühzeitig nach Hause, um 11237» rmo zu sein. Unvergeßlich bleibt mir, als ich in den 80er Jahren in der Nürnberg-Fürther Pferdebahn einen Jehudi sitzen sah, der in aller Gemütsruhe aum inrri Kip» B’iw sagte. Schon die Gmoro (**y nn 111212) bemerkt: inni inj?» D'w.nax.i »37 ■prvpßns tn* d*?ij7^ BIAIN. und fährt fort: naxn 037 iwtns trte»n fev ■tot 1? f'2'18» »Regelmäßig sage man die Sidros gleichlaufend mit dem Vorlesen in der Gemeinde... denn, wer solches tut, hat ein langes Leben zu erwarten." Ausdrücklich aber wird uns diese mx» im n"K jrty zur Pflicht gemacht. nvsi '0 daselbst ist diesem jh ein ganzer Abschnitt gewidmet. Im Rahmen dieser Ausführungen geht es nicht an, alle dort berücksichtigten Eventualitäten hier zu verzeichnen. Es sei nur kurz daraus hingewiesen, am Freitag die rmo zweimal im Urtexte und dann (vi^rr) maifl zu sagen. Ob jeweils eine ganze .iVis (eine nmns oder ,1»1NV, nicht aber, was man landläufig .ivis d. h. ’jp nennt) mit zugehörigem emin oder nacheinander pivsfür pivs zu lesen ist, darüber differieren die Ansichten. In unseren Gegenden bat man sich m. W. für letzteres entschieden. (Liehe darüber juff 21V ’n in B"n *jii irre unö mo .11112) Einfaches einmaliges Durchlesen der ,mv ist an fick jedenfalls etwas Gutes, entspricht aber keinesfalls dem eigentlichen pi in diesem Falle. Irum [feine [strich Folg halbi Wen nur sollte j letzte punl geset zurzl stube einei stärk verst ( Haje im nicht ausi ihm als Ww kunc setze in e Ge nalc schr. und frül von rati das ~Be§ von mal doxi Hab dur Be! und wol den wei

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