Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 7 (16.2.1928)
- Date
- 1928-02-16
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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16 Februar 1928 rf-V. -r , -- -; m ..i .r.- ■ÜPTB D er Israelit Blatter Nr. 4 Sette S träte Wien-Krakau, Jeschiwo Montreux, Boden- Heimer-Paris, E. Schweizer-Metz, Kahen-Metz, Prediger' Weffinger-Bern, Schnitner-Endjngen, Rabbiner Dr. Weil-Pasel, Dr. Bohrer-Gällingen, Grandrabbjn Balitzer-Genf und viele andere. Sodänn ergriff Herr Direktor Dr. Leo Deutschländer zu feinem Bericht das Wort. Einleitend bemerkte der Redner, Naß gerade die Zahlreichen Begrüßungen, dasweitgehende Interesse des Auslandes an der heutigen Tagung zeigen. Besonderer Dank gebühre den Züricher Herren, die die Tagung so gut vorbereitet haben und in zweiter Linie der französischen Landesverwaltung, die seit ihrem Bestehen durch regelmäßige Spenden am gemeinsamen Werke mitarbeitet. Nun aber muß der Kreis der Arbeit sich über ganz Frankreich ausdehnen, der Redner hofft, daß gerade die heutige Tagung ein Markstein in der Entwicklung des Keren Kathora in den beiden Ländern werden wird. .Der Referent gibt einen fesselnden Ueberblick über die geistige Entwicklung der Judenheit und über Entwicklung des Keren Hathora in den Ländern feiner Tätigkeit. Das ehemalige Riesenreich Rußland, in dem vor dem Kriege über eine Million Kinder im altjüdischen Geiste erzogen wurden, weist einen schmerzlichen Rückgang auf und bedeutet zugleich eine krasse Gefahr für die jüdische Zukunft. Kein Mensch darf und kann an dieser furchtbaren Lage Vorbeigehen. Angesichts dieser Notlage haben auch Jehudim nicht orthodoxer Weltanschauung dem Keren Hathora gegenüber ihre Sympathie ausgedrückt. Durch Beispiele aus dem Leben der Juden in Kowno, Warschau und Wilna beleuchtet der Referent den Unterschied zwischen einst und jetzt. Durch das SHulwerk des Tarbuth und der Kulturliga, die mehr oder minder verhüllt, alles Religiöse aus ihren Schulen verbannen, wächst ein Geschlecht heran, das dem Heiligtum unseres Lebens oftmals feindlich gegenübersteht. Nur durch systematische Arbeit der gesetzestreuen Kreise ist es möglich geworden in Litauen und Polen einen Gesundungsprozeß einzuleiten. In den beiden Schulorganisationen „Jawne" und „Bes Jakob" sind bereits 20 000 Kinder erzogen worden. Die dringendste Gegenwartsaufgabe ist die Schaffung eines Lehrerinnenseminars in' Krakau, da hie bisherigen Räume hygienisch eine große Gefahr ölten. Die Kosten dieses Baues erfordern etwa 25 000 Dollar, wovon bisher die Hälfte aufgebracht ist. Aber nicht nur für das Schulwesen allein arbeitet der Keren Hathora, sondern auch die großen und kleinen Jeschiwaus aller Länder des Ostens feien in den Aufgabenkreis mit embezogen, ganz zu schweigen von den Gründungen eigner Talmud-Thoras in den westlichen Ländern. - Der Referent propagiert die Kehillausaktion, es dürften keinerlei Bedenken bestehen, bei der Thora für den Keren Hathora zu schnobern. In vielen Kultusgemeinden werde beim Aufrufen für den Keren Hajestod gespendet, der doch eingestandenermaßen thorawidrige Lehranstalten unterhalte. Wie sollte es da ein orthodoxer Gemeindevorstand verantworten können, im Anschluß an die Brocho für die Thora eine Spende für den Thorasonds zu verwehren, für den Fonds, dessen Gelder ausschließlich für Limmud und Chinuchzwecke verwendet werden. Der Referent gab dann ein ergreifendes Bild der heutjgeü Verhältnisse, aus dem die Delegierten die Erkenntnis gewannendaß eine vertiefte und verbreiterte Keren Hathora-Tätigkeit einfetzen müßte. Mit diesem Referat schloß die Vormittagssitzung. Nach der Mittagspause berichtete Herr A. W. R o s e n z w e i g über den Schweizerischen Keren Hathora, der nunmehr schon drei Jahre bestehe. Insgesamt seien in diesen Jahren nach dem Kassabericht 30 000 Frank vereinnahmt und verausgabt worden. Die einzelnen Kommissariate Zürich, Luzern, Baden, Lugano und Basel arbeiten regelmäßig und systematisch. Es seien einige Vorträge auswärtiger Referenten gehalten Wochen, üm den Keren Hathora-Gedanken zu stächen und zu vertiefen. Auch die Büchsenaktion sei im letzten Jahre besser durchgeführt, auch lasse der schweizerische Waisenfonds der Ägudäs Jisroel auf feine Kosten einige Lehrerinnen bei Bajs Jakob ausbllden. In der Diskussion forderte zunächst Herr Konsul Guggenheim-Basel eine wirksamere Propaganda und zwar nicht Nur für die beiden hier vertretenen Länder, sondern auch für Italien, das unbedingt herangezogen werden müßte. Ferner müsse bei allen traurigen und freudigen Anlässen allen Brüdern und Schwestern der Keren Hathora ins Gedächtnis gebracht werden. Die Zeitungen müßten chäufiger Berichte bringen. Maitre Müller-Paris betonte, daß die westliche Judenheit von den traurigen Zuständen des Ostens, über die Dr. Deutschländer gesprochen habe, viel zu wenig wisse, um sich zur Hilfe bereitzustellen. Man solle genau statistische Aufstellungen machen, und sie vor allem denen zur Kenntnis bringen, die Interesse für den Keren Hathora haben. Ueber alledem dürfe man aber nicht vergessen, daß es auch im Westen wichtige Fragen der Thoraerziehung gebe und er propagiert die Gründung einer Thoralehra n si a l t i n F r a n k r e i ch. Dr. med. Rob. Guggenheim-Luzern fordert ebenfalls mehr Propaganda für die Fernerstehenden. Als nächster beleuchtet Herr Rabbiner Brom das Verhältnis der Agudas Jisrooel zum Keren Hathora. Redner gibt die unzureichenden Leistungen des Keren Hathora im Hinblick auf die großen und berechtigten Forderungen zu, die aber nicht durch eine zu geringe Propagierung zu motivieren fei, sondern damit, daß es viel leichter sei, einen Hurrapatriotismus für einen Nationalismus zu erzeugen, als wahre Begeisterung für die Thora. Einer Aufforderung zu irgend einem Vergnügen komme man viel eher nach als einer Aufforderung, die Entbehrung verlange, und Thora und Keren Hathora fordern von uns im wesentlichen große Opfer. Der Keren Hathora kann sein Ziel nur dann erreichen, wenn auch die innere Begeisterung für die Thora und die Verwirklichung ihrer Gesetze im Leben wachse. Herr M. Sch w a r z - Basel bekennt, daß er nach den Ausführungen des Herrn Dr. Deutschländer einsehen müsse, daß auch er weit mehr noch für den Keren Hathora tun müsse, obgleich doch das Basler Kamisfariat in manchem erfolgreich gearbeitet habe. Er verlangt eine regelmäßige Orientierung der Presse und auch eine erhöhte Propaganda in der Presse. Wenn der Keren Hathora auch eine, gesonderte Verwaltung habe, so dürfe er seine Mutter, die Agudas Jisroel, darum nicht verleugnen. Der Redner regt die Gründung kleiner Lehranstalten auch im Elsaß an. Herr Max M a n n e s schlägt die Kooptierung neuer Mitglieder ins Züricher Kommissariat vor, die sich verpflichten müßten, regelmäßig wenigstens monatlich einmal zur Beratung zusammenzukommen. Herr I. Goldschmidt - Zürich wünscht, daß öfter aufklärende Reden über den Keren Hathora in beiden Ländern gehalten werden. Herr B o tschk o - Montreux spricht mit seiner gewohnten Begeisterung über die Gründung der Jeschiwo Mortreux und fordert in schwungvollen Worten eine ideelle Unterstützung seiner Bestrebungen. Herr Dr. Deutschland e r gibt in seinem ausführlichen Schlußwort zunächst die gewünschten Aufklärungen über Möglichkeit und Umfang der Keren Hathora-Propäganda und stellt mit Genugtuung fest, daß durch diese Konferenz eine Festigung des Keren, Hathoras in beide n Ländern angebahnt sei. Er schlägt vor in nicht allzuferner Zeit eine Konferenz in der Südschweiz abzuhalten, in der auch dann Italien vertreten sein wird. Mit einem herzlichen Dankeswort an alle Erschienenen und dem Hinweis darauf/- daß die Zentrale nur dank der Mitarbeit aller Kommissariate weiter arbeiten könnte, schließt der Vorsitzende, Rabbiner Brom, die Stziung, indem er bemerkt, daß Pas Bewußtsein, sich einer Gottesaufgabe mit ganzem Können und Wollen zu weihen/der tiefste Dank fei. Vor dem Schlußwort wurden die nachstehenden Resolutionen angenommen: .1. Resolution Konsul Guggenheim- Basel und Dr. R. G u g g e n h e i m - Luzern: Die Keren Hathora-Tagung der Landesverwaltungen Frankreichs und der Schweiz nimmt mit Dank die Berichte der Keren Hathora- Zentrale, der Landesverbände Frankreich und der Schweiz entgegen. Sie richtet einen warmen Appell an alle jüdischen Gemeinden, Verbände sowie an alle Brüder und Schwestern, das heilige Werk des Keren Hathora durch regelmäßige Spenden zu stützen. Die Tagung begrüßt insbesondere die Schaffung eines weitverzweigten jüdischen Schulnetzes in den östlichen Ländern als wirksamstes Mittel, um dem Niedergang jüdisch-religiösen Lebens zu steuern und somit eine glückliche Zukunft des jüdischen Volkes vorzubereiten. Mit der Hilfe für den Osten müsse die Stärkung der Thora und des Thoralernens im eigenen Lande verbunden werden. 2. Resolution A. W. R o s e n z w e i g - Zürich: Alle jüdischen Gemeinden Frankreichs und der Schweiz sollen ersucht werden, an allen Krias Hatauroh-Tagen für den Keren Hathora in den Synagogen spenden zu lassen. 3. Anregung Eiß u. a.: Es sollen in Bälde Konferenzen in Strahburg, Paris für Frankreich sowie in der Südschweiz (Lugano oder Locarno) für die Schweiz, Italien und Frankreich veranstaltet werden. «Unsere Einstellung zu Erez Israel." - Von Isekir Munk in Asrankfyrt a. W. Das Referat, das Jacob Landau auf dem letzten Bundestag der A. I. I. O. hielt, liegt nun im Druck vor. Die Teilnehmer an dieser Tagung wissen, unter welchen äußeren Umständen das Referat auf dem Bundestag verhallte; wie die Zeit und die Stimmung dem entsprach, was die Gemoro für die Beschäftigung mit nichtjüdischen Studien vorschreibt: eine Zeit, die weder Tag noch Nacht. Dieses niederdrückende Bewußtsein, ist ein Punkt, der auf der Tagesordnung bloß aus Pietät, aus Achtung für verschollene Ideen steht — dieses Bewußtsein steigert sich ins Trostlose, wenn die Erinnerung zurückschweift um zwei Jahre, zum vorletzten Bundestag der A. I. I. O. iw Würzburg. Deutlich steht in der Erinnerung die „machtvolle Kundgebung für '"K"' die Reden Dr. P. Kohns und Jacob Röfenheims, stets wieder von begeistertem Tumult unterbrochen, und es drängt sich auf die Lippen: imr? p v'vVn p i'rn Sinnlos ist es, Tatsachen zu verschweigen oder zu bemänteln. Haben wir Fehler gemacht, so wollen wir sie erkennen, um aus ihnen zu lernen. Es ist nicht.zu leugnen: *"K spielt in der Ideologie der A. I. I. O. nicht mehr die Rolle, die es vor zwei Jahren spielte. Warum? Hat sich die 'nwa geändert? Ist die Notwendigkeit, dort aufzubauen, nimmer so groß? Läßt es sich nun in n2in bester leben? Was hat sich geändert? Gewiß, die Wirtchaftslage hat sich dort verschlechtert. Aber ging man denn der guten Wirtschaftslage wegen hin? Oder vielmehr — da ja in Wirklichkeit kaum jemand hinging — propagierte man darum die Wenn man vor zwei Jahren begeistert für war, was hat denn so abgekühlt? Oder — auch diese Frage sei gestellt — war man vielleicht nur darum so begeistert für '"X vor zwei Jahren, weil Dr. P. Kohn und Jacob Rosenheim so begeisternd dafür sprachen? Und warum sprachen sie damals dafür, und nicht heute? Und wenn nun auch heute beide Redner sich für '»"K so eingesetzt hätten, wäre man auch für '"X begeistert gewesen? Ist denn die Begeisterung der Jugend für irgend ein Ziel nichts als eine Folgeerscheinung der jeweiligen Jntereffiertheit der Führer? Wozu dann von „u n s e r e r Einstellung zu