Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 7 (16.2.1928)
- Date
- 1928-02-16
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2450495-2450501--74719-2532205- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sette 2 Nr. 4 Jungen, die Väter und die Söhne zusammenstehen. Daran wollen wir denken, um uns danach zu richten. Aber noch in einem anderen Sinne ist dieses Wort von Mofes, Aharons und Churs gemeinsamem Aufwärtsschreiten bedeutsam. Moses, meine Freunde, ist der Verkörperer des Gesetzes, er brachte uns Gottes Lehre, sie ist so mit ihm verbunden, er ist so eins geworden mit feiner Sendung und ihrem Inhalt, daß der Prophet uns zuruft: '12p nvs min rot- Und wenn Agudas Äisroel ihren letzten Sinn Und ihre tragende Idee in einem Menschen darstellen wollte, dann zeige sie auf den Größten unter den Sterblichen: sie, die durch die Thora konstituierte jüdische Gemeinschaft weist hin auf ihn, der diese Thora aus der Höhe uns brachte. Auf Moses weist sie hin, diese Agudo, die den uralten Begriff des bb2 zu neuem Leben wecken will, auf ihn, der seine schwer gewordenen Hände auf Steine stützte, indem er sprach: urxa nnby n'nx '2« *]K"i»sa pvw |i’2 so daß für alle Zeiten die Menschheit weißt: selbst der Größte unter den Großen muh sich als Glied des Ganzen, der Gesamtheit spüren (Taanis 11a). nun und bbD feiern in Moses höchste Blüte — und machen so Moses für alle Zeit zu 1121 nvvr Aharon und Chur steigen mit Moses zur Höhe, Aharon und Chur stützen seine Hände, von dieser Seite der eine, von jener Seite der andere, daß sie Treue sind, bis die Sonne untergeht. Aharon ist, nach dem jüdischen Volksmund, der Mann des Fried en s. Sanftmut ist ihm das Mittel, die Menschen der min nahezubringen, Chur ist der Eiferer für Gott, er kennt keine Rücksicht, keine Nachsicht, wenn es gilt, für Gott zu kämpfen. „Er kennt seine Brüder nicht, von seinen Söhnen weiß er nichts" — er kennt nur Gott, weiß nur von Gott. Wenn Mofes im Kampf mit Amalek ift, urtü in Moses der bunv* dem er sich verbunden weiß, dann stehen Aharon und Chur an seiner Seite. Dies, meine Freunde, soll für uns in der Agudas Jisroel eine Lehre fein. Gewiß, aus einem läßt sich nichts beweisen. Ich will ja auch nichts beweisen, sondern will nur Selbstverständliches ausfprechen. — Wenn unsere Agudas Jisroel leben soll, dann muß sie gestützt werden von denen, die Aharons Methode angenommen haben, genau wie von denen, welche Chur folgen. Die deutsche Orthodoxie, das wissen wir, ist in dieser Weise gespalten, in Richtungen, die in der Methode uneinig, im Ziele aber, davon bin -ich durchdrungen, einig sind: Moses schwer gewordene Hände, die das Gesetz halten, zu stützen, daß sie nicht sinken,-bevor Amalek besiegt ist! Beide Richtungen wollen nichts anderes als die Souveränität der nun in Jisroel. Daß beide dies, und nur dies wollen, habe ich in der Festschrift unserer Jugendorganisation nachzuweisen versucht. Ja, an dieser Souveränität der nun lassen wir nicht rütteln, selbst wenn man mich jüngst belehren zu müssen glaubte, daß dies ein Schlagwort sei, daß Gott souverän bleibt, ganz gleich, wie die Menschen zu Ihm stehen, zu Ihm und Seiner Lehre. — Gewiß, Gott herrschte schon, bevor noch irgend ein Geschöpf gebildet; erst aber, zur Zeit, da durch Seinen Willen das All geschaffen, dann erst war Sein Name „König"! — Warum ich Ihnen, meine Freunde, dies sage, warum ich vor Ihnen gewissermaßen ein Bekenntnis ablege? Auf der einen Seite behauptet man, seitdem die deutsche Aguda ihren Sitz nach Hamburg verlegt habe, habe sie ihren Kurs gewechselt, sie sei „umgeschwenkt", auf der anderen Seite hat man den traurigen Mut, die vom deutschen Landesvorstand bei Verlegung der Leitung nach Hamburg abgegebene Abklärung: „volle Verwirklichung des Uattowitzer Programms" als schöne, aber leere Worte abzutun. Da möchte ich Ihnen, den- Jugendlichen, die Sie tanjibKT. die- Edlen find, Ihnen, den Trägern er Israelit Blatte der Zukunft, den Miterbauern der deutschen Agudo denn erklären: An der Spitze der deutschen Agudo steht im Hamburger Raw ein Führer, der den Begriff der „schönen Worte" nicht kennt, ein Führer, dessen Lebensmotto: „Wir kämpfen nicht aus Pr4 nzip, s 0 n - dern fürs Prinzip" ich Ihnen in Frankfurt erst vortrug, der auf seiner Warte steht, daß jeder, der nicht charakterlos ist, ihn ehrfürchter: dieser Mann verbeugt sich nicht, nicht nach rechts und nicht nach links, er beugt sich nur vor dem von ihm als wahr Erkannten,, als richtig Uebernommenen. Und er wird im Deutschen rabbinischen Rat, wie vor dem rabbinischen Rat der Welt, dessen bin ich gewiß, dafür eintreten, daß Aharon neben Chur nicht fehle, wenn es gilt, Moses zu stützen, den bhs und die den ^>2 durch die min zu tragen. Er wird dafür eintreten, daß, soweit es an uns liegt, Agudas Jisroel alle umfaßt, die zu ihr hinstreben, alle in ihrem Hause sich wohl und heimisch fühlen lassen wird, wie sie es in Kattowitz wollte und zugesagt hatte. — __ Ich möchte aber nicht mißverstanden sein: Dieser Ruf „Zurück nach Kattowitz" fließt nicht, das fei unzweideutig ausgesprochen, aus einer inneren Schwäche. Die von ihrem „wohlwollenden". Kritikus in Berlin erst jüngst wieder als „völlig bedeutungslos" gekennzeichnete Agudo lebt und wird — das konnte ich bei meiner jetzigen Rundfahrt durch Ihr schönes Bayernland feststellen — so manchem den Gefallen, schwach zu werden, — nicht tun. Dieser Ruf bedeutet auch keine Undankbarkeit gegenüber Männern, die der Agudas Jisroel ihre ideologische Fundierung gegeben — wir sind uns dieses Dankes bewußt und bleiben es —, er bedeutet auch selbstverständlich keine Stellungnahme zu dem Streit der beiden Größten, in deren Schatten sich die Epigonen flüchteten, er bedeutet nichts anderes als was er sagt: In Jgudas Jisroel hat alles Raum, das sich um Moses schart. Für eine solche Aguda, meine Freunde, lohnt sich der Kampf, für sie dürfen wir unseren Rücken den Pflügern und — Fluchern Hinhalten, für sie lohnt es sich — und nur sie befähigt uns — den Kampf mit Amalek aufzunehmen, sie führt uns zur Höhe, sie führt uns, und wandern wir auch noch Jahrzehnte durch die Wüste, ins gelobte Land unserer Sehnsuchtsie gibt uns wieder — den wahren ^ir- Tsguflg tzes Uerev-Hakhora der Schmelz und Frankreichs ln Zürich am 5. Februar 1928 (14. Schewat 5687). Zu der am Sonntag nach Zürich einberufenen Konferenz der Schweiz und Frankreichs des Keren Hathora waren unter anderem als Vertreter erschienen: Grandrabbin Dr. Weill- Kolmar, Rabbiner I. Levy-Obernai, Maitre Müller- Paris, M. Schwab - Mülhausen, Rabbiner Dr.. Brom- Luzern, Vertreter von Zürich, Baden, Luzern, Lengnaü, Montreux, Lausanne, Vevey, St. Gallen ferner Herr Konsul S. G u g g e n h e i m - Basel, der Vertreter des Wiener Keren Hathora, Direktor Dr. Leo D euts chland er, als Pertreter des Geschäftsführenden Ausschusses der Agudas Jisroel die Herren Jacob Rosenheim und Rabbiner Dr. Pinchas K o h n - Wien, ferner hatte die Jugendorganisation Vertreter entsandt, so daß insgesamt etwa 50 Delegierte anwesend waren. Um 10 Uhr eröffnete der Vorsitzende des Schweizerischen Keren Hathora Herr Rabbiner Brom die Tagung und begrüßte in warmen Worten alle Erschienenen. In seinen einleitenden Worten wies erlauf die hohe Bedeutung des Keren Hathora hin. Rach ihm ergriff Herr Rabb. Dr. T. L e wen st er n - Zürich das Wort, um die Versammlung namens ßes Pabbinats der Israelitischen ReligioHgesellschtzft Zürich wistkömmen zu heißen. Dattn ssirttch der Ber^eter ^des/Geschästsführenden Ausschusses, Herr Jacob P o s e nh e i m; der darauf hinwtes, daß' die Agudas 16. Februar 1828 Jisroel schon bei ihrem Entstehen einen Thorafond habe schaffen wollen, und daß nun diese Idee durch den Keren Hathora verwirklicht werde. Heute, wo der Keren Hathora ein so reiches Wirkungsfeld habe, könne er das einigende Band aller jüdischen Brüder werden, um gemeinsam für; Limmud Hathaurö zu wirken. Sodann begrüßte Rabbiner Levy- Obernai die Versammlung. Er sprach zugleich im Namen des französischen Landesverbandes, vor allem auch im Namen seines verdienstvollen Leiters, des Herrn Grandrabbin Dr. Weilll- Kolmar, der zu Beginn der Tagung noch nicht anwesend sein, konnte,. Gleichzeitig überbringt er die wärmsten Wünsche des Herrn Rabbiner Dr. Brun s chw ig aus Straßburg, der selber leider am Erscheinen verhindert ist. Er drückt den Wunsch aus, daß auch in Frankreich, der einstigen Wirkungsstätte Rafchis und der Tosaflsten, bald durch die Arbeit des Keren Hathora wieder blühende Thoralehranstalten entstehen mögen. Er gibt einen Ueberblick über die Geschichte des französischen Keren Hathora, der 1924 in Straßburg gegründet ward und der durch zielbewußte Arbeit seither etwa 100 000 Franken restlos ohne Spesen dem Keren Hathora abgeführt hat. Außerdem habe man viele Sendboten von den verschiedensten Jeschiwaus unterstützt und insbesondere den Pietrokower Raw bei seiner erfolgreichen Aktion in Frankreich zugunsten der LubÜner Jeschiwoh wertvolle Hilfe geleistet. Besonders zu erwähnen fei, daß auch in den kleinsten Gemeinden, dank der Mitarbeit der Rabbinen und der Gemeindevorsteher, der große Gedanke des Keren Hathora eingewurzelt sei. ' ' Namens der Israelitischen Religionsgesellschaft Zürich spricht Herr E t t l i N g e r. Er wünscht der Tagung allen Erfolg und unter Zugrundelegung eines Posiuks aus der dieswöchentlichen Sidroh spricht er in geistvollen und beredten Worten von der hohen Aufgabe des Keren Hathora. Nach ihm spricht der verdienstvolle Organisator der Konferenz, zugleich als Vertreter des Züricher Keren Hathora-Kommissariats, Herr A. W. R 0 s e n z w e i g. Matan Tauroh sei das Symbol der heutigen Tagung, so etwa fiihrte er aus, wie dort die Einmütigkeit des jüdischen Volkes vorhanden gewesen sei, so hoffe er, daß gerade durch den Keren Hathora die heute verloren gegangene Einmütigkeit wieder hergestellt wird. Nach ihm spricht der Vertreter der Jugendorganisation, Herr E. Ste rnb uch in begeisterten Worten über den tieferen Sinn gerade des Zeitpunktes dieser Tagung. Auch der Ort der Konferenz sei richtungweisend, hier wo eine lebendige Jüdischkeit seit Jahren und insbesondere in der Jugendzu finden sei. Er weist auf die im vergangenen Jahre erfolgte Gründüng der I e s ch i w 0 i n M 0 n t r e ux, die ein verheißungsvoller Anfang einer neuen Glanzepoche jüdischen Lernens sein möge. Lebhaft begrüßt, ergreift Herr Advokat M ü l l e r - Paris das. Wort. Er bringt zunächst sehr herzlich gehaltene Schreiben des Herrn Rabbiner Langer- Paris und des Kommandanten Lippmann- Versailles zur Verlesung, der am Erscheinen beruflich verhindert ist. Letzterer übermittelt der Konferenz einen detaillierten Plan zur Vertiefung des Lernens und zur Aktivierung des jüdischen Lebens in Frankreich. Maitre Müller gibt in beredten Worten feiner Hoffnung Ausdruck, daß der Keren Hathora Paris, heute nur eine schwache Pflanze, bald erstarken wird, um tatkräftig am gemeinsamen Ideal mitzuarbeiten. Dann verlas der Vorsitzende einen Teil der zahlreich eingangenen Briefe und Telegramme. Unter anderem haben ihre Grüße entboten: Der Rabbinische Rat der Agudas Jisroel gez. Oherrabbiner Fürst-Wien, die Rabbis, von Ger, Czortkow und Sydagora, der Geschäftsführende Ausschuß der Agudas Jisroel gz„ Wolf Pappenheim, die Ländesvepwältüngen des -Keren tzathora, von Deutschland.: gez.: Oberrabbiner Dr. S. Spitzer-Hamburg- Holland tzez- Oberrabbiner Vredenbürg "und' Dr. Stein- Büjs MkobWen-