Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1928-02-16 · Heft 7 (16.2.1928) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 7 (16.2.1928)
Date
1928-02-16
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450495-2450501--74715-2532201
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Sette 2 Nr. 7 De r Israelit 16 Februar-1928 oder schriftliche Meldung bis zum 22. Februar im Sekretariat der Realschule (Del.: Carolus 46 436) Am Tiergarten 8, gebeten. Einweihungsfeier in der Jüdischen Haushaltungsschule. Zur Einweihung eines neuen großen Lehrsaales hatte die Jüdische Haushaltungsschule ihre Freunde und Gönner auf Sonntag, den 5. Februar eingeladen und mit diesem Fest gleichzeitig eine Chamifcho-ohor-Feier verbunden: Nachdem Herr Rabbiner Dr. Donath, dem die Einführung der Schülerinnen in "die religiönsgesetzlichen Vorschriften, obliegt, dem altehrwürdigen Brauch des Chinuch habajis folgend, das Haus eingelernt hatte, dankte er den Gründern, besonders den Frauen, die heute noch an der Spitze der Verwaltung .stehen, für das Werk, das in 30jähriger rastloser Arbeit geschaffen und stets gefördert worden, in Anwendung des Talnmdwories: cnn r-ra nnan „So jemand ein neues Haus sagt: w'nnv um seinem Schöpfer zu huldigen." Ein baut, wie soll er seinem Schöpfer dafür danken. Er hellklingender Mädchenchor begrüßte mit dem schön oorgetragenen „Schölom alechem" die zahlreich erschienenen Gäste, die freudig überascht waren von dem Ausmaß und der schlichten Schönheit wie Stattlichkeit des lichtdurchfluteten Saales. Dann gab Frau Emma Mainz, die Mitbegründerin und langjährige Vorsitzende der Anstalt einen historischen Rückblick auf die Entstehung und Entwicklung der Anstalt, die ihr Wirken als Ausbildungsstätte für den Beruf der weiblichen Hausangestellten in einer Mietswohnung in der Töngesgasse begann und denbald stark vergrößerten Betrieb in das ihr von der Familie Rothschild in hochherziger Weise überlassene Haus Fahrgasse 146 verlegen konnte. Neue Wege, neue Erziehungsausgaben, wie Einrichtung einer Schulküche für jüdische Volksschülerinnen, Vergrößerung des Heimes für berufstätige junge Mädchen, verlangten gebieterisch nach' Eigenem Besitztum, das in dem heutigen zweckentsprechend umgebauten Haus, früheren Schwesternhaus der Jüdischen Gemeinde gefunden und in den. traurigen Tagen des Kriegsbeginns bezogen wurde. Trotz schwerer sorgenvoller Jahre erlahmte die Anstalt nie in ihrem Streben neue Arbeitsgebiete zu schaffen, wie die Einrichtung einer Mittelstandsküche, die Errichtung von Kursen zur Ausbildung von Anstaltsbeamtiniben; und gerade die schwer errungene Erkenntnis des Krieges, daß die wirtschaftliche Tüchtigkeit der Frau, schulmäßig erlernt, der Familie und damit dem Volkswohl zugute kommt, brachte der Schule immer mehr Schülerinnen aus allen Kreisen und weiter Würdigung ihrer Tätigkeit und vor allem seitens der Behörden die staatliche Anerkennung als öffentlich anerkannte Haushaltungsschule. An Beispielen aus Ialmud und Thora zeigte die Rednerin, daß Wünschen und Streben der Jüdischen Haushaltungsschule stets im Einklang geblieben waren mit den ältesten Ideen des Judentums.' Es war ihr Bestreben jeder Zeit, aus der jüdischen Frau eine echte Esches chajil zu machen, und ein wohlverdienter Lohn aller Arbeit und Mühe sei dieser Tag der Einweihung des neuen Lehrsaals, dessen Bau von den Schulbehörden gefordert worden und unterstützt wurde, und die in jüngster Zeit eingetroffene Bewilligung der Einrichtung einer Sonderklasse zur Ausbildung für jüdische technische Lehrerinnen. Herr Regierungsbaumeister Fritz Nathan, der Erbauer des Saales, trug den aufmerksamen Zuhörern seine Ideen von der neuen Art des Bauens vor, die er in diesen Räumen nach Möglichkeit verwirklicht hatte. Herr Stadtschulrat Dr. Barth beglückwünschte die Jüdische Haushaltungsschule auch im Namen der Städtischen Schulbehörden und des Stadtmagistrats und betonte in sehr anerkennenden Worten die Tätigkeit der Jüdischen Haushaltungsschule und das gute Einvernehmen der Schulbehörden mit der Anstalt, insbesondere wies er darauf hin, daß er immer wieder Ausländer und Durchreisende, die zu Studienzwecken Unterrichtsanstalten besuchen wollen, die Jüdische Haushaltungsschule als Musteranstalt ihrer Art zur Besichtigung empfehle. Im Namen der Jüdischen Gemeinde und der Logen überbrachten die Herren Bloch und May Gratulation und gute Wünsche für weiteres segensoolles Gedeihen der Anstalt. Den heiteren Teil des Abends eröffnete ein launiges Lied, das die Vorzüge des Saales pries und dem ein Zwiegespräch einer Südländerin mit einer Hessenländerin folgte, die beide Früchte ihres Landes in selbstgefertigten Chamischo-oßor-Körbchen zum Kaufe anboten. Die Krone des Abends bildete ein Weihefestspiel, von Frau Jda Wolf verfaßt, das in künstlerischen Bildern, von den Schülerinnen der Jüdischen Häüshaltungsschule davgestellt, und in wohlgebundenen Versen eines Chronisten die einzelnen Szenen verbindend, uns die jüdische Frau im Wandel der Jahrtausende zeigte. Wir sahen. Sara im Zelt, den Teig für die Engel mischend, die Esches chajil im Kreise ihrer. Mägde, dann die uns allen wohlbekannte Gestalt der ' Glücke! von Hameln, die von. ihrem' schicksalsreichen Leben erzählt und . das Schlußbild zeigte uns die Jugend der Jüdischen Haushaltungsschule, bei ihrer vielfachen Tätigkeit im neuen Lehrsaal. - Ein Ruichgang durch das schöne, Werall renovierte Haus lieh die Gäste die zweckmäßigchr -und schönenÄrbeits-. Wohn- und Schlafräume sehen, die mit den letzten Errungenschaften der modernen Technik und Erfindungen ausgestattet, den Schülerinnen die mannigfachsten . Möglichkeiten zur gründlichen Ausbildung, sowohl für die Berufstätigkeit als auch für die eigene Haushaltführung schaffen. Schön gedeckte Tafeln, vollbesetzt mit süßen und scharfen Leckerbissen aller Art, die von den Schülerinnen elbst bereitet worden waren und schon durch ihr appetitliches Aussehen einladend wirkten, vereinigten die Gäste zum gemütlichen Verweilen. In dem Bewußtsein, daß die frohe Mädchenschar, die hier zum Lernen vereint ist, bei aller Jugendlichkeit und allem Frohsinn doch voll und ganz von der Aufgabe erfüllt ist, für das Wohl der Familie und der jüdischen Allgemeinheit zu arbeiten und zu wirken, schied man 'befriedigt von dieser gastlichen Stätte. ' _ I. M. Festgollesdienst in der Israelitischen Mannerkrankenkasse (Kippe-Slub). v Am wv-vv a morgens 8,10, findet in der Synagoge der Israelitischen Männerkrankenkasse (Kippe-Stub') in der Rechneigrabenstraße anläßlich des 190jährigen Bestehens dieser Anstalt ein Festgottesdienst statt. Zenlralwohlfahrksskelle der deutschen Juden. Der Verein Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Tuberkulose'unter den Juden, Frankfurt a. M., Langestraße 30, veranstaltet eine für den Absatz innerhalb jüdischer - Kreise in Preußen ministeriell genehmigte Lotterie, deren Ergebnis zur Errichtung einer- Tuberkuloseheilstätte für jüdische Männer verwendet werden soll: Die Errichtung einer solchen Heilstätte entspricht einem überaus dringenden Bedürfnis. Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden und die bei ihr bestehende Arbeitsgemeinschaft Jüdische Tuberkulosefürsorge richten an alle ihr angeschlossenen Wohlfahrtsstellen und Organisationen die Bitte, das Zustandekommen des bedeutsamen Werkes durch regste Beteiligung am Absatz der Lose weitgehend fördern zu wollen. Die.Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden wird in der Verwaltung des aus dem Ergebnis der Lotterie zu schaffenden Tuberkuloseheims vertreten fein. Wegen Uebersendung von Losen und Auskünften wende man sich unmittelbar an den obengenannten Verein in Frankfurt a. M,. Langestr. 30. Die Freitagabende der Agudas Iisroel. Unzählige junge Leute werden es mit Bedauern vernehmen, daß die Freitagabende der A. J.-Jutzendgruppe sich nun dem Ende zuneigen, sie werden aber noch mindestens bis zur Purimwoche andauern, und ist buch den Einheimischen noch Gelegenheit geboten, sofern sie es bisher versäumt haben, sich das herrliche Bild in der Sabbatstube der Aguda, die je am Freitag abend mehr denn hundert, zurbeist auswärtige junge Leute, die sonst kaum wüßten, wohin sie mit dem Sabbat im Herzen sich an diesem Abend begeben sollten, bei Licht und Liedern, bei geistiger und leiblicher, Erfrischung vereinigt. anzusehen. Die Freitagabende hatten diesen Winter ihr festes Gepräge angenommen. Eine eigene Kommission sorgte für die nötigen Redner, für die Bewirtung und regelt alles nach bestimmten Richtlinien, so daß alles aufs- Beste klappte. (Man benutzte aus Raumgründen das Vereinslokal des Mekor Chajim.) Einzelne Gäste trugen Sologesänge vor, im Chore wurden die üblichen Semirüus gesungen. Dann erhob sich ein Dozent oder «in älteres thorakundiges Mitglied und sprach Thoraworte aus der Sidra, oft in humoristischen Wendungen, oft mit gegebenen Nutzanwendungen, ohne aufdringliche Moralisierung. Alles trägt familiären vertraulichen Charakter, ist auf warmjüdische Gemütlichkeit abgestimmt. Die A. J.-Jugendgruppe darf diese Freitagabende sich als großes Aktivum buchen. Die kommenden Freitagabende werden den Abschluß, entsprechend dem Anfang und Verlauf der Saison harmonisch gestalten. Und nächstes Jahr werden wir n“sn wieder, mit neuen Erfahrungen und Ideen, auf dem Plane fein. Möge es uns, gegönnt sein, in der Zwischenzeit, unsere jungen Freunde -auch. bei den Schiurim und Vorträgen zusehen. ' Neues aus der Agudas Iisroel-Iugendgruppe. Samstag .mittag 12 Ahr hält .Herr Herz'Ha Ich ery in den Räumen der Aguda,' Schwanenfträße> äüsMnlaß. von - im Rahmen dxs^Daf Jomi einen hälachi^en Vortrag über lrn'p na'rnv»; «X An diesem Freitag abend sprechen die Herren Dr. Robert Roths chi ld, ErMst L e h m an n, /Bernhard Heidingsfeld'ünd A, Selig. Am Dienstag, den 21. Februar, abends - 8,30 Uhr findet das Jährzeitslernen für' Herrn Kommerzienrat' Louis Feist i>"r statt. Am Mittwach, den 22. Februar, abends 8,30 Hält der '»p tp unter Leitung des Herrn Herz Holpe rn einen Sijum auf .iV'rvrraa, ab. - »Das Buch der Natur und feine Lehren für unser jüdisches Leben." Auf Einladung der hiesigen Orts- und Jugendgruppe der Agudas Iisroel sprach Herr Rabbiner Dr. Ansbach e r - Wiesbaden über vorstehendes Thema. Zwei Bücher liegen vor den Äugen des jüdischen Menschen aufgeschlagen, das Buch der -min und das Buch der Natur. In beiden hat Gott seine Weisheit und Allmacht offenbart. Auf drei Grundfesten hat er feine Welt aufgebaut,, auf 'iVen vavo Hör* Ebenso wie m der min finden sich diese Vorbedingungen für den Bestand der Welt auch in der Natur verwirklicht. Die höchste Z u v e r lä s s i gk eit (nnk) . gewahren wir beiden Himmelskörpern, die unbeirrtihrer gottgegebenen Bestimmung getreuden Willen ihres Schöpfers erfüllen,. gewahren wir bei der Erde, die Jahr um Jahr ihren. Ertrag gibt, der ,'p die strenge R ech tli ch k eit,, die nichts anderes als die praktische Verwirklichung der theoretischen Wahrheit ist, findet in der Natur ebensoihren Ausdruck wie die Harm o n i e t-cnXp), das Zusammenwirken aller Naturkräfte, die ohne Konflikt, jede an der Stelle, an die sie Gott gesetzt, ihren Anteil an dem Bestand der Welt haben. Freude und Optimismus lehrt uns die Natur; denn sie zeigt unsjedes Jahr neu das Wiedererwachen aus langem Todesschlaf, — Mut UN d Aüsdauer, wenn wir das zarte Hälmchen sehen, die starke Erdrinde durchbrechen, Ge - nügsamkeit, Einfachheit predigt der schlichte Vlätterschmuck der Bäume.; - Alle diese Eigenschaften müssen von dem jüdischen. Menschen, der dem von der min gesteckten Ziele entgegenstrebt, erworben und im Lebenverwirklicht MerdeM^ und nicht nur im Leben des Einzelnen, so ndern/H^WM ders auch im jüdischen. Gemeinschaftsleben. Jede'-MM zelne dieser Eigenschaften bildet aber auch einen Prö^' grammpunkt der Agudas Iisroel und aller derer, die ehrlich bei ihr Mitarbeiten wollen. Redner erblickt inder/Förderung dre Äulim-Jdee eine der hervorragendstenKAufgäben der Agudas Jisro el. Wir müssen unsere/Jugend dahin erziheen, daß. sie die materiellen Momente där geistigen Werten unterordnet. Die erste Kenessto Gedaulo brachte uns ^den Keren Hatauroh und den.Keren Hajischüw, möge diebevorstehende neben dem Ausbau der apy ma -Bewegung einen Keren Haschabbos schaffen, der die Förderung und Erleichterung am . nvan? zu seiner Aufgabe erhebt. Die außerordentlich eindrucksvollen Ausführungen des geschätzten Redners schlossen mit einem Appell an jeden einzelnen Agudisten, nicht alle Arbeit den Führern zu überlassen, sondern seinerseits die hohe Aufgabe materiell und ideell nach Kräften zu fördern, um das gewaltige Ziel der Einigung aller mrv zum Wähle des- Xnv m. G. H. herbeizuführen.. Reicher Beifall lohnte die geist- und gemütvollen, gedankenreichen Ausführungen. Der Vorsitzende der Ortsgruppe, der die Versammlung -leitete,gab seinem Bedauern darüber Ausdruck, daß trotz- 700 persönlich ergangenen. Einladungen nur eine-geringe Anzahl der hiesigen Agudisten erschienen waren,, so daß der wunderbare Appell gerade die, die der Aufrüttelung bedürfen, nicht erreicht hat. v Staatliche Aufbauschule für Hessen-Nassau. Man schreibt uns aus Schlüchtern: Es wird hier die Errichtung einer staatlichen Aufbauschule für Hessen-Nassau — die erste für die weibliche Jugend in der Provinz — geplant. Aus der Tatsache des interkonfessionellen Friedens in unserem Städtchen und der entschiedenen großen Bedeutung, Neu aufgenommen HD3 Neu aufgenommen Alleinvertrieb durch die Firma '; ,v J. Anton Alexander, Berlin NO. 18, Landsbergerslr. Ql

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.