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Der Israelit · 1928-02-09 · Heft 6 (9.2.1928) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 6 (9.2.1928)
Date
1928-02-09
Page
– (sequence 17)
Language
German
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V 1 Crzidjung and Lei;re. Pädagogische Beil age zumwUsraei c.v-cx. -rs Kuu-rs gesrhrstrrurr Mischer Kehrer Drutschlan-s. Die Mitglieder des Bundes gesehestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands werden gebeten, den Beitrag prr» 192S mit 5 Mark sowie die rückständigen Beiträge für die Jahre 1925,27 auf Postscheckkonto Nr. 5319 Eugen Ekklinger einzuzahlen. Es besteht die Absicht, die Pensionszahlungen wieder regelmäßig aufzunehmen, dies kann jedoch nur geschehen, wenn die Mitgliederbeiträge pünkstich eingehen. ' D e r.Vorstand. Beiträge zur Methodik des hebräischen Unterrichtes. Von Lehrer Jechiel Lichtenstein, Vex (Schweiz). Vorwort der Schriftleitung: Unsre Leser werden sich des vor mehreren Monaten erschienenen Artikels von Herrn Mittelschul-Konrektors Ein st ä d t e r „Ketzerische Ansichten über den hebräischen Unterricht" und der darnach folgenden Auseinandersetzung erinnern. Die uns zugekommenen „Leiträge" des Kouegen L i ch tenste.in konnten wcr damals aus technischen Gründen nicht mehr bringen. Wir glauben jedoch, daß auch heute noch das Interesse für die Methodik des hebräischen Unterrichts in gleichem Maße rege ist und beginnen darum in der heutigen Nummer mit dem Abdrucke nachfolgender Aroeit, sie der geneigten Aufmerksamkeit unsrer geehrten Leser empfehlend. - * * Die „ketzerischen Ansichten" des Herrn Mittelschul- Konrektors Einstädter haben nicht alle Leser dreser Blätter zu leibhaftigen Ketzern gemacht. Daß dem so sein wird, fühlte der geschätzte Verfasser selbst. Dies bewies außerdem die in der Nummer vom 3. Februar veröffentlichte Entgegnung, die schon auf - einige Schwachen jenes Artikels hinwies. Trotzdem dürften nachfolgende Ausführungen Anspruch auf Interesse erheben-, da sie beiden Auroren gegenüber eine selbständige Auffassung, des hebräischen Unterrichtes vertreten. Auch wir sind -uns recht wohl dessen bewußt, daß unsere Gedanken nicht allgemeine Zustimmung finden werden, stehen sie doch in bewußtem Gegensatz zu den in den meisten Schulen vertretenen methodischem Gepflogenheiten. Wir werden uns jedoch schon glücklich schätzen, wenn ein Bruchteil des vorgebrachren Materials als brauchbar befunden wird. Wir sind bescheiden genug, uns nötigenfalls zufrieden zu erklären, wenn diese Zeilen einen ehrlichen Widerspruch herausfordern und dazu beitragen, die Diskfufion über einige der wundesten Stellen des jüdischen Volkskörpers und -geistes in Fluß zu bringen. Denn wahrlich, der schlimmste Feind jeder zukunftsfrohen' Bewegung ist . die rostige Selbstgefälligkeit, die (Gott seis geklagt!) die meisten jüdischen Schulen am grellsten charakterisiert-. Indessen weiß jeder Eingeweihte, daß. ohne die Hefe der Unzufriedenheit keine Besserung kommt. Wir wissen Herrn. Einstädter Dank dafür, daß er mutig in einige schreiende Mißstände unserer Schulen hineingeleuchtet hat. Es ist leider nur zu wahr, daß heute „der größte Teil der Kinder ohne die Fertigkeit richtig zu lesen, ohne die Befähigung, die täglichen Gebete, mit Ausnahme der Hauptstucke, zu übersetzen, ohne die Möglichkeit der Thoravorlesung mit Verständnis zu folgen, die Schule verläßt." Jedoch haben die Wenigsten den Mut, den traurigen Sachverhalt, einzugestehen, der — offen gestanden — den Bankrott unserer Religionsschule bedeutet. Man bedenke: in den acht Schuljahren hcM das Kind mindestens 2 X 40 X 8 Unterrichtsstunoen. Selbst wenn' man annimmt, daß mehr als die nHälfte dieser 640 Stunden „geschwänzt" wurde, so' bleibt doch noch eine Restzahl, die dem in-dieser Zeit Erreichten gegenübergestellt, unter ihrer Wucht uns zu erdrücken droht. Derartige Wahrheiten, so niederschmetternd sie auch sein mögen, müssen unserer Lehrerschaft so lange in die Ohren geschrieen werden, bis daß sie erkennt, daß die in unseren Schulen -eingebürgerten Methoden falsch sind, bis daß sie sich entschließt, mit üen Errungenschaften der moüernen pädagogischen Bestrebungen miizuichreiten. „Fortschritt!" keinesfalls Rückschritt sei die Losung. Damit bekennen wir uns zum Gegenteil der m genannten Artikeln vertretenen Ketzereien., Nur die vvll.ge Anwendung der Methoden des modernen Sprachunterrichtes auf das Hebräische kann dem bestehenden üebel steuern. Wenn als einer der Hauptgrunoe zur Erklärung der geringen Erfolge unserer jüdischen Schulen Zeitmangel angeführt wird, so muß diese Feststellung uns dazu anspornen, über das anüerswo Erreichre zun - Höchstleistung f o r t z u s ch r e i t e n, nichl aber die in jedem lebensvollen Sprachunterricht als veraltet verworfenen Ansichten auszuwärmen. Warum lolllen wir nicht mindestens das anerkannt Gute mchl- /udijcher Anstatten dankbarst freudig aufgreifen, sofern wir nicht Besseres an dessen Stelle zu setzen vermögen? Um nicht als weltfremder Utopist verlacht zu werden, betonen wir von vornherein, daß die Wege, die uns als Ideal vorschweben, leider nur in Ausnahmefällen gangbar sind. Feder Philologe wünscht sicherlich nich.s sehnlicheres, als daß die -zu unterrichtende Sprache jo gelehrt werde, als sei sie die Mutterjprache seiner nchuler. Wenn die höhere Gewalt der Tatsachen ihn oazu zwingt, diesen Weg aus Wunschland zu verlassen, jo folgt er nur widerwillig und versucht, so lange als nur irgendwie möglich, seiner Sehnsucht treu zu bleiben. Ist es nötig zu betonen, daß unsere Schulen himmelweit von diesem Jdealzustand entfernt sind? Wir sind auch keinesfalls so blind zu glauben, daß dieser — nach unserer festen Ueberzeugung — einzig richtige Weg von vielen Eltern und Lehrern eingeschlagen werden wird.... und sogar eingeschlagen werden konnte. Obwohl er zur vollkommenen Beherrschung der jüdischen Sprache m Wort und Schrift führt — und zwar nicht nur des im bei gewissen Leuten als zionistisch verschrieenen Mo-, dern-Hevräischen, sondern ebenso und vor allem der Spräche unserer Gebete und Propheten dieser Unterricht naturgemäß einen Willen zum Hebräischen, den die wenigsten Schüler und Eltern mitbringen. Von den Lehrern fördert er Kenntnisse, die leider nur m Ausnahmefällen anzutreffen sind; denn-schon in den Seminarien werden hinsichtlich der jüdischen Ausbildung ihrer Zöglinge schwere Fehler begangen. Außerdem wird dieser gerade Weg manchem Kurzftchtigen als Umweg erscheinen. Denn auch das sei zugegeben: diejenigen, die.gierig auf Beifall warten, können hier weniger mit der, oberflächlichen Menschen imponierenden großen Fahl durchgenommener Kapitel glänzen. Ein gediegener Sprachunterricht läßt die edle Frucht , langsam herancelfen; zur Zeit der Lese erst erkennt man seinen hohen Wert. So verlockend es nun erscheinen mag, diesen Unterricht zu skizzieren, so verzichten wir doch daraus, da es uns darum zu tun ist, praktische Arbeit zu leisten, und dies nicht nur im Interesse einer Elite, sondern vor allem zum Wohle des Gros unserer Jugend. Im übrigen bedarf es für den Kundigen keiner weiteren Erklärung. Ein derartig gestalteter Unterricht würde, sich Schritt für Schritt an die jedem von uns bekannten Methoden des modernen Sprachunterrichts anlehnen, beginnend mit dem Anschauungsunterricht bis zum Lesen, Diktat, Aufsatz, bis zur Lektüre und Literatur. Die Behauptung/ daß der Schüler nicht in erster Linie die Fertigkeit erhalten soll, hebräische Stücke zu lesen und zu verstehen, ,ondern eine vollkömmene Vertrautheit mit Tefillöh und Ehumisch empfangen soll, erscheint -uns als Verhängnis-, volle Verkennung, des Sachverhalts, als eine künstliche Konstruktion von Gegensätzen, die gar nicht existieren, oder zum Mindesten nicht absolut aufeinanderstohen müssen. Im Gegenteils Die Kunst des Lehrers wird die vermeintlichen feindlichen Brüder zu innigsten Freunden zusammenzuschweißen verstehen. Selbstverständlich würde der Sprachunterricht, auf jeder Stufe dem. Denken des Kindes angepaßt, ausschließlich jüdische Werke, biblische Stoffe zur Behandlung bringen. Indessen - umsonst mögen die einen über die verlockenden Perspektiven sich I reuen, umsonst mögen die andern uver diele Träumereien eines Weltverlorenen hochmütig oder mitleidig die Achseln zucken, niemand ist mehr ms Schreiber dieses oäoon überzeugt, daß bei den ovwalienden Verhältnissen iues: im Gotus) das pädagogische Schlaraffenland dem weich des Märchens angehorr. Auf den Boden der Wirklichkeit zurückgekehrt, versuchen wir nun einige Winke für die verschiedenen un,erer Schulen in erster Linie interessierenden Unterrichtszwelge zu geben. Am wenigsten einzuwenden ist gegen me gebräuchlichen Lesetehrmelyoden, die sich im großen und ganzen die Errungenschaften der modernen Faoagogik zu eigen gemacht haven. Wir können aber nicht umhin, unserer Verwunderung Ausdruck zu verleihen, dag jo wenig aus korrekles Lesen Gewicht gelegt wirü. Mutz denn unfern Lehrern in Erinnerung gevracht werden, was jedermann weiß, daß laut Mischnah und Rambam man nicht xxv ist, wenn man >m und n-n und NI v'pva, und S1-» miteinander verwechselt? Zwar ist diese strenge Regel in erster Linie sürs jw gesucht. Das soll aber keinesfalls heißen, daß man sonst nach Herzenslust scymmpen darf: V"> und?po 18T und ixi,', 127 und 127 sind durchaus nicht gleichwertig. Da es an guten Ausgaben der Tefiltoh und des csyumisch (wir sagen nicht der Bibel!) mcht fehlt, jo mangelt es scheinbar nur am konsequenten Wollen oder an der Ueberzeugung, daß es sich hier um hochwichtige Dinge handelt. Bei den vorhandenen Lehrmitteln bieter nur das x.v einige Schwierigkeiten, die aver selbst für Anfänger nicht als auzu groß zu bezeichnen find. Zur "Erleichterung des Lehrbetriebes und ,ozusagen zu je.ner Mechanisierung in dieser Hinsicht, wurden wir anregen, daß man anstatt Gebetbücher zu veröffentlichen, die gewissenhaft die Zeilenzahl nagen, diese mit verschiedenen Typen für die zwei a’xizr oeroilem j sehe, etwa derart, dag für vas 02 das bisherige Zeichen so fordert belbehatten, während für das vi «m Strichpunkt ge- - - wählt würde. Wer in den ersten Schuljahren zu genauem Lejen angehalten worden ist und später durch die Grammatik die fundamentale Bedeutung des kennt, mag gar nicht mehr anders als richtig zu lesen. Außerdem fallt es bekanntlich schwerer, sich von eingewurzelten Fehlern zu befreien — namentlich dann, wenn diese von der Umgebung gar nicht als solche gewertet werden — als vollkommen neu zu lernen. Ein weiterer sich schwer rächender Fehler wird schon in den ersten Schulwochen dadurch begangen, daß das Lesen vom Schreiben getrennt wird. Wissen unsere Lehrer denn nichts davon, daß diese beiden Zweige in den allgemeinen Schulen parallel unterrichtet werden? Aber auch die Lautiermethode genügt uns nicht mehr. Wir fordern die L e s e s ch r e i b m e t h o d e. Wer sich nicht an diese hält oder sonstwie den Schreibunterricht in das erste Semester verlegt, der lenkt von vornherein den hebräischen Unterricht auf falsche/um nicht zu sagen unnatürliche Bahnen. Im günstigsten Fall werden dann Drucker, aber keinesfalls Menschen, die Hebräisch schreiben können, erzogen. Denn in den meisten jüdischen Schulen wird das wenige, das zur Veranschaulichung an die Tafel kommt, nicht geschrieben, sondern gedruckt. Und wenn geschrieben wird, so ist es beileibe nicht Hebräisch, sondern ausgerechnet Jüdisch-Deutsch, das in der Folge, zum Leidwesen aller am Hebräischen. Interessierten, auf den Unterricht in dem einzig wichrigen vip.i'siV^ störend einwirkt. Der Schüler glaubt jeden A-Laut durch jeden W-Laut durch v wiedergeben zu müssen. Dieselben Lehrer, die nicht aufhören, über Zeitmangel zu klagen, finden genug Muße, um die nur zu sehr bekannten fünf lithographierten Hefte in monateraubender Arbeit schreiben zu lassen. Bei rationellem Schaffen, genügen indessen einige Stunden zur Erlernung sämtlicher Schriftzeichen. Wem nun gar viel am golushaften Jüdisch-Deutsch gelegen ist (tatsächlich ist uns jede Aeußerung. jüdischen Lebens teuer), der mag ihm eine, höchstens ^wei Stunden widmen. Die Erfahrung mstmEmsmsasmmma

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