Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 6 (9.2.1928)
- Date
- 1928-02-09
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 2 Nr. 2 DerLrrsel it .ehrt, daß es eines. Mehr auch niicht bedarf. Es kann aber gar nicht eindringlich genug betont werden, daß das Jüdisch-Deutsche dem grundlegenden hebräischen Unterricht erst in großer Distanz folgen darf. Hinsichtlich der allgemeinen Notwendigkeit eines fleißigen Schreibens während der ganzen Schulzeit, sowohl seitens des Lehrers als auch seitens der Schüler, präzisieren wir unsere Ansicht dahin, daß die Menge der verbrauchten Krerde und Tinte einen verläßlichen Maßstab für die Anschaulichkeit, also auch für die Güte des hebräischen Unterrichtes bildet. Die Periode des Ueberganges von der Grundstufe (Lesen und Schreiben) zur ^efitwh und zum Eh umeich er>cyeint uns die beoeuiungsvoufte der ganzen Schulzeit. Sie stellt höchste Anforderungen an das Können des Lehrers. Schon die ^loffauswahl bietet Schwierigkeiten. Aus religios-erzieyerischen Gründen nimmt man gegewöhnlich zuer,l die bedeutendsten Gebetsstücke durch, ohne zu überlegen, daß gerade die dort enthaltenen abstrakten Begriffe („Gnade", „Helligkeit", „GrhÄbenhett" u>w.) die Dencrraft der Sieben- und Achtjährigen übersteigen. Wir wagen die Behauptung, dag Ruasicylen der Ehrlichkeit Goir und Menichen, nicht in letzter Linie aber auch den Kindern gegenüber, uns gebieten, eben derartige Partien bis zur Erweiterung des kindlichen Horizontes und Gewinnung eines gewitzen Wortschatzes zuruazustellen. Der dadurch entstehende Verlust ist geringer als man im erste» Moment glauben kannte. Wir sagten es schon, sehen uns aber verpflichtet, es zu wiederholen: slno wir selbst weitsichtig genug, so dürfen wir selost von den nervösesten Vapas, im veruhlgenden Bewuglsein, nach einem wohtüurchvacyten, für die ganze Schulzeit berechneten Plan zu arbeiten, ein wenig Geduld verlangen. Die Rcuur macht keine Sprünge; auch dann nicht, wenn unvernünftige Erzieher es' wünschen. Der alle Grundsatz, daß man vom Leichten zum Schweren und vom Rayey zum Enlsernven sorl,chreilen müsse, gilt auch far jüdische Kinder. Wer inhaltsleere Worte wiederholen laßt, wird wohl Papageien dressieren können, schwerlich aber arbeiisfroye, begeisterte und begeisternde Menschen zu erziehen verstehen. Welcher sei nun doch der zunächst zu wählende Stoff? In Anlehnung an das oben Gesagte gestehen wir offen, daß wir am liebsten sähen, wenn es möglich wäre, Anfchauungsunlerrlcht in hebräischer Sprache zu treiben. Da dies jedoch für den weitaus größten Teil unsrer Schulen nicht in Betracht kommt, so handelt es sich eben darum, Kompromisse zu schließen, um zu retten, was zu retten ist. Leicht faßlich, wie auch ohne sprachliche Schwierig, ketten sind neben den 012 3 und manchen das ji'pki3 iso- sowie sämtliche erzählenden Partien des Ehumisch. Da aber tut sich eine methodische Frage ersten Banges auf, die wir in den Mittelpunkt dieser Ausführungen stellen möchten: wie soll der belreffende Stofs durchgenommen werden, Durch interlineare Uebersetzungen sagen die einen, durch Beifügung der Uebersetzung in gleicher Linie behaupten die andern. Bon drmer Seite Hort man: Gebt dem Schüler ein Ehumisch in gut deutscher Uebersetzung in die Hand, so daß er gezwungen ist, die verschiedenen hebräischen Ausdrucke, trog der von der deutschen Satzstellung abweichenden Konstruktion, selbst herauszuschälen. Der vielstimmige Chor einigt sich in einer gemeinsamen Note: sie heißt Uebersetzung. Gerade diese aber verwerfen wir, da wir in ihr den Grund allen Uebels zu erkennen glauben. Psychologisch gesehen, ist die Uebersetzung ein unnötiges, ja störendes Glied zwischen Begriff und Wort. Außerdem, wer vom Hebräischen ins Deutsche übersetzt, verurteilt jenes, dauernd Fremdsprache zu bleiben. Es dürfte indessen selbst den eifrigsten Verteidigern der Uebersetzungsmetyode nicht verborgen sein, daß im guten fremdsprachlichen Unterricht andere Wege eingejchlagen werden. Dort wird, so weit als möglich, die direkte Methode angewandt. Da nach Lage der Dinge diese bei uns wenig Verteidiger finden wird, so sprechen wir uns dahin aus, daß die Uebersetzung durch die Erklärung abgelöst werde, etwa in der von Raschi verfolgten Art. Aufschreiben von Vokabeln, wie für die entsprechenden Texte besonders verfertigte Vokabularien keiften hierbei natürlich wertvolle Dienste. Jedoch bald nach der Beherrschung der Elemente der Grammatik, gebe man dem Schüler ein leichthandliches, gutes Wörterbuch. Jetzt erst beginnt der Aufstieg: am Anfang stolperig und reich an Hindernissen, macht der Weg mit jedem Schritt vorwärts mehr Freude, im Bewußtsein der kräftezeugenden, befreienden Arbeit. . . bis daß der herrliche, glückspendende Gipfel erreicht ist. Wüßten wir nicht, daß diese Methode auch anderswo mit Geschick angewandt wird, so würde der Anblick eines im Hochgefühl des Erfolges frohen jungen Menschen genügen, um jeden von der turmhohen Ueberlegenheit dieses Verfahrens über den geistlosen und geisttötenden Uebersetzungsmechanismus zu überzeugen. Die im Wörterbuche sich eng beieinander findenden Stämme erleichtern das Auffinden von für jeden Sprachunterricht besonders wertvollen Wortfamilien und von sonst kaum geahnten Zusammenhängen. Das erscheint uns die sinngemäßeste Uebertragung des Prinzips der Arbeitsschule auf unsere Verhältnisse. Denn das Wörterbuch wendet sich in ganz anderem Maße als die allzu bequeme Uebersetzung an die Selbsttätigkeii des Schülers. Und gegen diese Auffassung des Grundgedanken' Vr Arbeitsschule wird wahrlicy niemand den Vokwurf wagen, daß sie sich in Spielereien ergehe und wertvolle Zeit vergeude. Gehts auch am Anfang langsamer als man es in 99 Prozent unserer Schulen gewohnt ist — das unbekannte Wort findet man natürlich schneller in der beigedruckten Verdeutschung als im Wörterbuch —^ so kommen nach äußerlich sichtbarem Erfolg haschende Eltern auch bald auf ihre Rechnung und zwar in einem Maße, das ihren kühnsten Träumen gerecht wird. Drum, jüdische Lehrer, gebt Euren Schülern gute grammatische Kenntnisse und Wörterbücher in die Hand. Mit diesen zwei treuen Führern ausgestattet, lasset sie vertrauensvoll die Hallen jüdischen Wissens' durchwandern. Man spricht in letzter Zeit auch viel vom Bibellesen und versteht darunter die Forderung, anstatt den Schülern nur eine biblische Geschichte zu bieten, ihnen eine deutsche Bibel in die Hand zu geben, damit die Jugend die Heilige Schrift nicht nur in Auszügen, sondern in ihrer Totalität kennen lerne. In der Tat: warum sollten jüdische Kinder allerhand Märchen, Jndianergeschichten, Reisebeschreibungen und deutsche Klassiker lesen — nur nicht das Buch der Bücher? Liegt da nicht eine schwere Unterlassungssünde unserer Erzieher vor, die es vernachlässigen auf den unvergleichtcchen.literarischen Wert der Bibel zu verweisen, so daß unsere Buben und Mädels mit Freude nach ihr greifen. Denn auch das sei nachdrücklichst betont, nicht durch runzeligen Ernst, sondern durch helle, tatenerzeugende Begeisterung gewinnt man die opferbereite Mitarbeit junger Menschen. Wie aber wäre es, wenn wir unsere Schüler dazu brächten, die herrliche biblische Geschichte in der hebräischen Bibel zu lesen? Wir meinen das so, daß anstatt genaueste Uebersetzung zu fordern, man sich mit dreivenel und selbst mit halber Genauigkeit zeitweise begnügte, nur um die Kinder nicht wochenlang mit demselben Abschnitt zu langweilen, um in ihnen das wonnige Bewußtsein zu wecken, daß sie vorwärts kommen, daß die Bibel kein Buch mit sieben Siegeln ist und keinesfalls für sie bleiben darf. Das Wort mag ruhig aus dem Zusammenhang erraten werden. Wenn 5er Begriff heute noch nicht klar genug ist, so wird er es durch wiederholte Lektüre morgen schon werden. Ist das nicht die Methode, nach der man feine Muttersprache erlernt? Oft mag es auch so fein, daß selbst, wenn das Kind kein der hebräischen Vokabel äquivalentes deutsches Wort findet, es ohne weiteres den biblischen Ausdruck fühlt und ihn zu verstehen glaubt, — daß aber ist in unfern Augen der größte Gewinn, die Krönung des Unterrichtes, wenn der Schüler sich ins Hebräische hinet ndenkt, hineinfühlt. (Schluß folgt.) Die «Ehemaligen Kölner" in Frankfurt a. Al. am 25. Dezember 1927. Die geborenen Pessimisten behielten diesmal nicht Recht. Denn sie, die alles gern schwarz sehen, hatten dem diesjährigen Zusammensein der „Ehemaligen Kölner" ein schlechtes Prognostikon gestellt. Da saßen ihrer etliche zusammen im oberen Raume des Kaffee Hauptwache und warteten auf neue Ankömmlinge und fürchteten, noch nicht einmal ein Minjan zusammenöekomMen zu Können. Es kam aber doch anders. Nach und nach füllten sich die Räume und es ward zu eng das Haus. Es waren mehr als fünf Minjonim, welche dem Rufe des Kollegen Apt-Pattensen gefolgt waren. Nicht nur aus der alten Kaiserstadt am Main und ihrer näheren und ferneren Umgebung waren sie gekommen, nein, auch andere Gegenden unseres Vaterlandes hatten ihre Vertreter geschickt. Da trafen wir einen, mit dem wir zusammen vor mehr als 30 Jahren die Schulbänke in der St. Apernstrahe gedrückt, der oben in Ostfriesland seit einem Menschenalter wirkt und schaffet. Aus dem schlanken Jüngling von Anno dazumal war ein stattlicher Fünfziger "mit recht ansehnlichem Embonpoim geworden. Da sahen sich Kollegen wieder, die seit Jahrzehnten einander aus den Augen verloren hatten. Und mit den unserm Gesichtskreis seit lange Entschwundenen erschien wieder vor uns unsre güldene Jugendzeit Wir tauchten unter in das Meer unsrer eignen Vergangenheit. Die Lehrer unsrer Seminarzeit traten vor unser geistiges Auge: Dr. Plato Schwarzschild W Der Vorsitzende Apt-Pattensen, der auf einmütiges Verlangen auch im kommenden Jahre die Geschäfte der Vereinigung zu führen bestimmt ward, verlas einen Brief, den der vor wenigen Wochen verschiedene Direktor Dr. Carlebach eine Stunde vor seinem Ableben an Apt als den Vorsitzenden unserer Vereinigung gerichtet. Mit tiefer Ergriffenheit vernehmen die Anwesenden, daß der Brief, von dem Direktor der Sekretärin diktiert, keine Unterschrift trug: Der rrm 1 a hatte allzuschnell und allzufrüh dem irdischen Wirken Dr. Carlebachs ein jähes Ende gesetzt. Apt berichtete erner über Ereignisse aus dem Kreise unsrer Mitglieder. Wir hörten von dem Schicksalswege, den der eine und andere unserer Kollegen gegangen, Erfreuliches und Trauriges. Mancher, der mit vollen Segeln hinaus ins rische, freie Leben gesteuert, ruht in kühler Erde oder st an Klippen und Untiefen gescheitert; andere haben es zu ansehnlicher Position gebracht. Viele unserer Weggenossen wirken der im Seminar empfangenen Intention entsprechend als- Pioniere des Judentums in großen und kleinen Gemeinden. Die besonders zahl- •__ v. Februar 1928 - reich erschienenen Jungmannschaften beiderlei Geschlechts sorgten dafür, daß es bald zu muntrer Unterhaltung kam. Aber auch wir Alten jm grauen Haar blieben nicht zurück und erzählten von heitern Jugendstreichen aus unsrer Seminarzelt. In dieser Stunde wurden' wir alle wieder jung. So vereinigten sich alle Altersstufen, von dem Kollegen, der schon nach Jahrzehnte langem Wirken in der Schülstube die wohlverdiente Ruhe genieht, bis hinab zu dem Zwanzigjährigender noch ein ziemlicher Neuling im Berufe ist, um eine Stunde fröhlichen Beisammenj eins zu genießen. Die. Mitternachtsstunde war nicht mehr fern, als man sich trennte mit dem Wunsch«: ' Auf Wiedersehen in Frankfurt a. M. in den Pfingstferien des Jahres 1928. Protokoll der Leschurum-Aersammlung. Fulda, 22. Dezember 1927. Am heurigen Tage fand unter dem Vorsitze des Kollegen' Gans- Niederaula im Saale der Schah- Cyevre hier die Generalversammlung des „Jeschurun" slari. Der Vorsitzende eröffne:« um ilF/« Uhr die Ver- ,ammlung und richtete Worte der Begrüßung an die Gaste und Kollegen. Herr Dr. Cayn dankte für die-Begrüßung und bringt gleichzeitig verschiedene, aus rituelle Vorschriften sich vezieyenoe Anfragen zur Besprechung. Herr Dr. Herz, als Vertreter der Synagogen-Geme-nae dankte ebenfalls für Einladung und Begrüßung, oeconte das Jnterege, das er persönlich der Schule und oem Lehrelstande enlgegenbringe und wünschte der Versammlung bei ihren Beratungen segensreichen Erfolg. — Ja Sem nun folgenden Jahresbericht weist der Vorsitzende darauf -hin, oaß der Verein nunmehr 30 Jahre gesteht und datz vor «trugen Wochen das legte von den Gründern des Vereins noch lebende Vorstandsmilglied — Herr Spiro- Fulda — das Zeitliche gesegnet habe. Dem letzten Willen des Verstorbenen entsprechend, sah oer Vorsitzende' von der Widmung eines lungeren Nachrufes «v und betonte in kurzen Worten den schweren Vertust, den der Verein erlitten. — Die Versammlung hatte sich zur Ehre des Verstorbenen von den Sitzen erhoben. — Außerdem gedachte der Vorsitzende des Konrektors H i r s ch be r g - Frankfurt, VorstandsmilgUed des Vundes, der in diesem Jayre sein 40jähr,ges Dienstjubiiäum feiern konnte. Der übrige Teil des Jahresverichres handelt von dem Beschluß der Israel. Leyrerronferenz Hessen, sich dem Lehrerverband unter der Bedingung anzu,chli«tzen, daß die vom Jeschurun oorge- ,cytagenen und von der Konferenz angenommenen Kaui-eten in die Statuten des Verbanoes ausgenommen werben. Ferner bemängelt der Vorsitzende in seinem Berichte, datz der Keren Hatauroh, sowie andere orthoüoxe Verbände den Bund nicht genügend finanziell unterstützen, so daß das Ersche,>.en des Bundesorgans in o'rage gestellt sei. — Schließlich weist der Vorsitzende auf die geradezu verletzende Behandlung hin, die die Leyrerverrreiung gelegentlich der Sitzung, die das Vorsteheramt über die Aenderung des Judengesetzes abycelt, erfahren habe. Bei der nun folgenden regen Diskussion, an der sich die Herren Oppenheim -Rhina, ©ans*Niederaula, Möller- Fulda, S ch u st e r - Großkrotzenburg, Ber linger - Burghaun und der Unterzeichnete beteiligten, wurde einerseiis der Wunsch ausgefprochen, daß' die orthodoxen Verbände — Landesverband und Keren Hatauroh — der Lehrerschaft mehr ideelle Unterstützung zuwenden, anderseits wurde betont, daß mit § 4 der Statuten des Jeschurun resp. 8 5 der des Bundes der Bund und der Jeschurun stehen und fallen.. Dr. C a h n verliest das vom Bund eingeholte .Gutachten des Herrn Rabbiner Dr. Munk, das dähingeyt,' daß die Aufhebung jener Paragraphen nicht angängig fei. Dr. Cahn selbst hält die Gefahren für-die Emunoh, die der Anschluß an den Verband zur Folge haben kann, jetzt nicht für kleiner als früher. ' Es wurde der einstimmige Beschluß gefaßt, daß vor der nächsten Versammlung der I. L. K. H. .'noch eine Jechurun-Bersammlung stattfindet'. -Der nächste Punkt der Tagesordnung war die Ersatzwahl des Vorstandes. Der Vorsitzende Gans und der Unterzeichnete Kassier und Schriftführer Sonn legten ihre Mandate nieder, so daß eine Zuwahl von 3 Vortandsmitgliedern stattfinden mußte. — Das Resultat war die Wiederwahl der bisherigen Vorstandsmitglieder Gans und Sonn und die Zuwahl des Kollegen Oppenheim -Rhina. Die Gewählten nahmen die Wahl an. Der Vorstand besteht also aus folgenden vier Mitgliedern: Gans, Sonn, Schuster und Oppenheim. Der Kassenbericht, von dem Un^rzeichneten erstattet, bot kein günstiges Bild. Das Vermögen des Vereins hat in diesem Jahre nicht zugenümmen, weil kaum nennenswerte Spenden eingingen und die Mitglieder mit der Zahlung der Jahresbeiträge vielfach sehr säumig ind. Der Kassier richtet einen Appell an die Mitglieder, die Kasse durch Beiträge zu stärken. Das Referat mußte wegen plötzlicher Erkrankung des Referenten ausfallen. 1 Der Vorsitzende schloß um 2 Uhr die Versammlung. Sonn, Schriftführer.