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Der Israelit · 1928-02-09 · Heft 6 (9.2.1928) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 6 (9.2.1928)
Date
1928-02-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 6 De r Israelit 9. Februar 1928 der eben erwähnten Kurse Schwierigkeiten begegnen sollte, wäre durch Inserat oder direkte Befragung durch die zuständigen Rabbiner festzustellen, ob nicht einzelne Lehrer in ihren Gemeinden unter Bewährung von Prä mien seitens des Bundes sich zur Ausbildung der jungen Leute in obigem Sinne bereit finden würden und auch Baalebattim dazu heranziehen könnten: Als ein brauchbarer Vorschlag wurde auch die An regung des Herrn Ludwig Loewönhaupt-Kitzingen er achtet, daß geeignete Schiur-Vorträge für bestimmte Sabbate und Feste seitens der einzelnen Rabbiner in die lehrerlosen Gemeinden behufs Vortrags gesandt werden mögen und, wenn möglich, auch geeignete Bücher aus einer leicht faßlichen religiösen Literatur zur Ver fügung gestellt werden könnten. Freudigst würde es begrüßt werden, wenn auch Mitglieder der V. j. A an Sonntagen, eventuell auch einmal an Sabbaten zur Ermöglichung einer Tefilloh bezibur, der Thora-Bor lesung und eines Schiur-Vortrages hin und wieder Land gemeinden aufsuchen würden. Die Aguda Jugendorga nisation, die zum größten Teil junge Kaufleute um schließt, die sich bei ihrem Arbeitsverhältnis gerade für Sabbat und Sonntag nicht gut frei machen können, ohne dies wesentlich durch Bearbeitung der Jugend für die Zukunft eine Besserung herbeiführen will, kann für die praktische Not, die oben geschildert ist, weniger in Betracht kommen. Ern Punkt konnte leider bei der vollständigen Aus füllung der Beratungszeit nicht mehr behandelt werden die Frage der Ansässigmachung eines Sophers Bayern, an dem es zurzeit nahezu ganz fehlt. Winke und Angebote nach dieser Richtung wären der Leitung des Bundes gesetzestreuer Gemeinden ganz besonders erwünscht. Wir können nur den Wunsch hegen, daß die gut besuchte — sie zählte 55 Teilnehmer — und von einem wahrhaft jüdischen Geist erfüllte Versammlung und ihre Verhandlungen gute Früchte im Interesse der Wiederbelebung des religiösen Sinnes auf dem Lande zeitigen mögen. Jedenfalls trat ein erfreulicher Idealismus der Lehrerschaft zutage, der die besten Hoffnungen auf ein Gelingen der Bestrebungen des Bundes and der Versammlung rechtfertigt. Schweiz. Schweizerisch-französche Keren Hathora-Konferenz. Zürich, 5. Februar Unter starker Beteiligung von Delegierten aus frer ganzen Schweiz und aus Frankreich fand heute hier eine Keren Hathora-Konferenz statt, zu der, anläßlich der gleichzeitig stattgehabten Sitzung der Politischen Exekutive der Agudas Jisroek, auch eine Anzahl Mitglieder der Leitung, unter anderen Herr Dr. Pinchas Kohn- Wien, erschienen waren. Die Verhandlungen während des Tages wurden vom Vorsitzenden des schweizerischen Keren Hathora, Rabbiner Dr. Brom- Luzern geleitet. Die Vertreter des schweizerischen und des französischen Keren Hathora erstatteten Berichte über die bisherige Tätigkeit, die mit Energie fortgesetzt und insbesondere in Frankreich stark erweitert werden soll. Am Abend fand unter Vorsitz von Oberrabbiner Dr. Lewenstein- Zürich eine von zahlreichem Publikum besuchte große öffentliche Versammlung statt, in der die französischen Delegierten sowie die Herren Botschko-Montreux, Dr. Deutschländer-Wien und Jacob Rosenheim-Frankfurt a. M. referierten. Ausführlicher Bericht folgt in den „Blättern". Palästina. Das Ringen um die Gemeindebildung in Palästina. Jerusalem, 2. Februar. Wie man sich auch zu den infolge der Veröffentlichung des Gemeindegesetzes begonnenen inneren Kämpfen stellen möge, eines ist sicher: sie haben eine gewaltige Aufrüttelung des ganzen jüdischen Lebens innerhalb der Bevölkerung hervorgerufen und das Interesse für die Form des Aufbaus der jüdischen Gemeinschaft auch in solche Kreise hineingetragen, die sich um solche Dinge, wie um die leidige Politik überhaupt, bisher wenig gekümmert haben. Es regnet eine Fülle von Aufrufen, in denen eine starke Leidenschaft und dabei ein gründliches Eindringen in die Materie zum Ausdruck kommt. Einige Proben werden auch die Diaspora interessieren. In einem neueren Aufruf hat' die Zentrale der Agudas Jisroel noch einmal die religiösen Gesichtspunkte zusammengestellt, die den Austritt zur Pflicht machen. Sie wendet sich dabei gegen den Versuch des Waad Leumi, das Gesetz als harmlos und religiös unschädlich darzustellen und sagt: „Die Freien in ihrem Schutzkampf für das Gemeindsgesetz des Waad Leumi setzen ein unschuldiges Gesicht auf, so daß der Fremde meinen könnte, irgend ein Kibbuz von Mizwoth-freudi'gen Juden, die die Ehre der Thora wollen und ihr Leben für die, Ehre des Rabbinats hinzugeben wünschen, hätte das Gesetz geschaffen, um „Thora zu verbreiten und Mizwoth- Ersüllung und religiöse Bräuche". Das soll also heißen, daß ihnen nicht nur die Religion wertvoll ist schließt der Aufruf, „die Ehre Gottes, daß sie nicht entweiht werde, die Ehöe unseres heiligen Landes in der Welt, steht auf der Wacht zur Zeit der Gefahr, schützt unsere Institutionen, daß sie nicht in die Hände der Freidenker fallen". Selbstverständlich wird in den Aufrufen auch das Moment des S t e u e r z w a n g e s betont, das die Gefahr einer Heranziehung orthodoxer Juden für alle möglichen unreligiösen Zwecke mit sich bring:. Man darf mit einiger Spannung einer Erklärung des Oberrabbiners Kuk entgegenfehen, die noch immer ausgeblieben ist. Allerdings hat Oberrabbiner Kuk einstweilen Vollmacht gegeben, den seinerzeit von ihm Unterzeichneten Beschluß nochmals zu veröffentlichen, worin erklärt wird, daß und nicht .nur das Rabbinat teuer, sondern daß sie i die Beteiligung von Frauen an den auch religiöse Bräuche durch Vermittlung des Waad Wahlen religionsgesetzwidrig sei, und Leumi und durch ihr Gemeindegesetz verbreiten wollen, daß sich kein jüdischer Mann aus diesem und alle diejenigen, die behaupten^ daß das Gesetz dje Hand erhebt gegen die Thora Mosches, sind nur Verbreiter lächerlicher Anklagen gegen fromme und gerechte Menschen. Man kann nicht wissen, ob ihre Schwäche schon so groß geworden ist, daß sie gezwungen sind, sich solcher Worte zu bedienen, die doch nur Lächeln erwecken können und einen Schluß auf den Tiefftand der Gesinnung des Schreibers zulassen. Aber wenn sie schon auf diese Stufe gelangt sind, so ist es doch nicht überflüssig, noch einmal alle Einzelheiten zusammenzustellen, auf Grund derer Gaonim und Zadikim Israels entschieden haben, daß die Verfasser des Gesetzes die Hand erheben gegen die Thora Mosches." Es folgt dann eine ausführliche Darstellung der fünf Gründe, unter Wiederabdruck der seinerzeit erlassenen Entscheidung vom Nissan 5686, die den Austritt aus jeder Gemeinde zur Pflicht macht, die nicht das jüdische Gesetz als maßgebend für sich anerkennt. Nach dem bereits früher erwähnten von dem ganzen Rabbinat des Oberrabbiners Kuk — nicht von diesem selbst — Unterzeichneten Aufruf, der den A u stritt zur Pflicht macht, ist ein weiterer Aufruf dieses Kreises, unterzeichnet vom Provisorischen Komitee der Adas Jisroel Hacharedis, erschienen, in dem die Kreise des Misrad Harabanuth nochmals mit aller wünschenswerten Deutlichkeit den Austritt aus der Gemeind« des Waad Leumi als religiöse Pflicht proklamieren. „Die Stunde der Entscheidung", so beginnt der Aufruf,, „die Stunde der Klärung ist gekommen. Nun gilt es, durch unsere Tat zu beweisen, daß uns die Saat, die unsere Väter gestreut, noch heute teuer ist, und daß die Thora, für die wir seit Jahrhunderten unser Leben hingegeben haben, auch heute noch auf uns rechnen kann, wenn wir ihre Existenz bedroht sehen. Die Stunde ist gekommen, in der wir beweisen können, daß wir nicht unsere Kostbark eit der Herrenlosigkeit und der Verachtung preisgeben, daß wir unsere religiösen Interessen, die die Seele unseres Lebens bedeuten, nicht Männern anverrauen werden, die in dieser Beziehung unzuverlässig sind, oder die ihnen gar den Rücken gekehrt haben. Die Stunde ist gekommen, da jeder Mann und jede Frau in Jerusalem, deren Herzen noch ein jüdischer Funken glüht, verpflichtet ist, k l a r-"u nd offen vor aller Welt u erklären, daß wir das Banner unserer Thora, das uns am Sinai anvertraut wurde, schützen, daß wir eine eiserne Mauer darstellen wollen, gegen jeden, der Thora und Heiligtum zerstören will. Die Stunde ist gekommen, da wir den Gesetzgebern, die dieses Ge m ei n d e g es e tz geschaffen haben, eigen werden, daß sie sich in uns geirrt aben, wenn sie glauben, daß wir damit in verstanden sind, alle unsere Heilig - ümer den Freidenkern in die Hand zu eben, damit sie nach ihrem Willen schalen und walten können. Wenn unser Standpunkt der Regierung klar geworden sein wird, so unterliegt es keinem Zweifel, daß sie ihr Versprechen erfüllen, unsere Rechte schützen und das Gesetz in einer Weise umändern wird, daß es unserem G e i st e entspricht. Alles dies können wir festtellen und in Erfüllung bringen, indem wir unsere Unterschrift dafür geben, daß wir austreten aus er Gemeinde des Waad Leumi. Rettet", so Grunde an der Wahl zur Asse sath Haniroch a r i m beteilig e n dürfe. Es scheint also, daß Herr Oberrabbiner Kuk wiederum einen Mittelweg einschlägt, den Austritt perhorresziert, aber eine Nichtbeteiligung an den Wahlen proklamiert. Personalien. Frau Solomon BJoifV"XT- Köln, 6. Februar. Mittwoch, am 10. Schewat hauchte eine . Frau ihre reine Seele aus, deren 81 jährige Wallfahrt hinieden ein wahrer Dienst am jüdischen Heiligtum gewesen ist. Als Tochter des Lehrers Königshöfer in Wellhausen in Mittelfranken 1847 geboren, atmete sie schon früh die Luft des Beth Hamidrosch ein. Ihr Vater war ein Duzfreund des alten Würzburger Raws R. Seligmann Baer Bamberger W- Seine beiden Söhne ließ er in früheren Jahren die Preßburger Jeschiwah, die damals unter dem Chatam Sofer stand, besuchen. Diese Tatsache allein genügt, um den Geist zu kennzeichnen, an dem sich auch die Tochter bildete. . Dem geistesverwandten Gatten ihrer Wahl Salomon Wolf folgte sie nach Köln und baute mit ihm ein Haus für min und rmv auf. Vor 35 Jahren ging ihr Gatte ihr den Weg in die Ewigkeit voraus und so löste sie die schwere Aufgabe, ihre große Kinderschar zu erziehen, Nichts Schweres ist ihr erspart geblieben. Zwei Töchter und einen Sohn mußte sie vor sich ins Grab sinken sehen. Aber doch blieb sie aufrecht, bis die Natur ihren Zoll verlangte. Im glücklichen Bewußtsein, nur.-Kinder zu hinterlassen, die alle durch nmv sich auszeichnen, in Taurohwissen hervorragen und geachteten Namen in der jüdischen Öffentlichkeit sich erworben haben, war sie die Bescheidene, in Milde und Güte sich stets gleichbleibend, ergeben und zufrieden. Sanft wie sie war, ist sie hinübergeschlummert in die Ewigkeit, um nach arbeits- und sorgenreichem Leben den Sinn ihres Wirkens in. der Welt der Wahrheit zu schauen, um im Glanz der Heiligkeit zu erstrahlen, die sie in Selbstheiligung hier erstrebt hat. Kindern und Enkeln, Neffen und Nichten bleibt sie ein unvergeßliches ragendes Vorbild für ttefe in Wertung des Kernes, und nicht der Schale, in Verständnis der verborgensten Rätsel des Menschenlebens, die das von jüdischem Geist erleuchtete Auge eindeutig und klar erkennt. maxan- Die Bestattung Leopold Bermanns yxj. Hieran, 6. Februar. Aus Meran wird uns noch gechrieben: Montag, den 23. Januar, fand hier die Beerdigung Leopold Bermanns unter zahlreicher Beteiligung der ganzen Stadt Meran und der hier weilenden Kurgäste, ohne Unterschied der Konfession, statt. Rabbiner Josua G r ü n w a >l d - Meran schuderte in einem Nachrufe das vorbildliche . jüdische Leben des Heimgegangenen, seinen unermüdlichen Fleiß, seine Ausdauer und fein segensreiches Wirken im Interesse des rituellen Lebens und des Judentums im allgemeinen, wie auch speziell zum Wöhle der Kultusgemeinde Meran, wodurch er sich das ehrende Andenken aller sicherte. •muxan künzelsau. 5. Februar. Am 16. Februar jähvt sich zum ersten Male der jüdische Todestag des am 25. Schewat 5687 verschiedenen. Religionslehrers Selig W i ß - mann b'-xi Künzelsau. Da im vorigen Jahre an dieser Stelle eine ausführliche Schilderung feiner Persönlichkeit und seine's Wirkens unterblieb, fei dies jetzt nachgeholt. Selig Wißmann wurde am 1. Mai 1869 als Sohn des Rabbiners Salomon Wißmann?>"xr ihr Georgensgemünd (Bayern) geboren. Schon mit dem sechsten Jahre war er Vollwaise geworden, so daß er bei> seinem Onkel Rabbiner Löb Wißmann ^"xt Schwabach, erzogen wurde. Mit großem Eifer widmete er sich an der dortigen Talmud Thora-Schule dem Studium unserer heiligen Schrift und nichts bereitete ihm mehr Freude als Tag und Nacht forschen zu können. Nach dreijährigem Be-- uch des Israelitischen Lehrerseminars Würzburg trat er in noch jugendlichem Alter eine Hilfslehrerstelle in der Gemeinde Thüngen an, wo er seine Kenntnisse im Jüdischen bei. Hauptlehrer Eschwege der jetzt in Frankfurt weilt, erweiterte. Dort lernte er auch seine künftige Gattin kennen, die ihm auf allen seinen Wegen

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