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Der Israelit · 1928-02-09 · Heft 6 (9.2.1928) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 6 (9.2.1928)
Date
1928-02-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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9 Februar 1928 Kultussteuern. Halberstadt 6. Februar. Aus dem Büro des. Preußischen LMdesverbandes ges-etzestreuer Synagogengemeinden, Sitz Halberstadt/ geht uns folgende Mitteilung zu: Vom Preußischen Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung sind für das Rechnungsjahr 1928, ebenso wie in den Vorjahren, Richtlinien zur E r h e - b um g d er K i r chenst e u er von den Lo hn steuerpflichtigen erlassen worden. Gemeinden, die für diese Richtlinien ein besonderes Interesse haben, .werden ersucht, sich mit. dem Büro des Verbandes, Halberstadt, Rosenwinkel 18, in Verbindung zu setzen. Jahresversammlung des Kchochtimverbändes Bayerns. Nürnberg, 5. Februar. Am 29. Januar hielt der Schochttmverband Bayerns in Nürnberg seine zweite Mitgliederversammlung ab, zu der die dortige Adatz Jisroel in entgegenkommender Weise ihren Sitzungssaal zur Verfügung gestellt hatte. Um V2 3 Uhr er öffnete' der Vorsitzende, Neustädter-Bad Kissingen die Versammlung mit einem Danke gegender in die Worte:. -Schehejonu, Wetimonu, Wehigionu gekleidet war und begrüßte die zahlreich erschienen Mitgliederrecht, herzlich. An Hand des nun folgenden Jahresberichtes wurde mit lebhaftem bedauern festgestellt, daß die-verschiedenen Eingaben an den Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden und. das Ansuchen an die Herren Vabbmer um die erforderliche Unterstützung bei demselben, die Lage der Schochttm zu verbessern, .leider. Nicht den erwarteten Erfolg hatten. Es fand allgemeine Mißbilligung, daß z. B. ein Schachet mit 30 Dienstjahren in der Großstadt mit einer Arbeitszeit von 48 und mehr Stunden in der Woche nach Endstufe in der Gehaltsklasse 6 besoldet wird, während der junge Religionslehrer auf dem Lande, mit fünf Dienstjahren und fast gar keiner Arbeit, wie es heute auf dem Lande bedauerlicherweise der Fall ist, Gehaltklasse 7 bekommt, die-für den Schachet überhaupt nicht vorgesehen ist. Es würde deshalb einstimmig befchloss.en, neuerdings an den Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden, heranzutreten, damit auch die Schochttm endlich so besoldet werden, wie das hohe, heilige, schwere und verantwortungsvolle Amt der Schechitoh es verdient - . Aus den Erzählungen - verschiedener Kollegen ging hervor, daß bei der Anstellung von. Schochtim -niHt immer die erforderliche Umsicht waltet. Und daß häufig Michscholim zu befürchten sind, die uns Schochttm zwingen zu fordern, daß in Zukunft nur derjenige als. Schachet angestellt werden darf, der eine mindestens neunmonatliche praktische Ausbildung nachweist. Diese Forderung, die zweifellos auch das Ansehen der Schechitoh nach außen fördern Wird, dürfte auch unsere Ansprüche in materieller Hinsicht rechtfertigen. Wir wenden uns an alle, die auf 711102.achten und denen es aus Ueberzeugung darum zu tun ist,' ohne jedes Bedenken Koscherfleifch zu bekommen: unterstützet ' unsere Bestrebungen und lasset nur solche Leute als Schochtim zu, die gründlich ausgebildet sind; .man kann in sechs Wochen die Schechito nicht lernen. Ihr laufet Gefahr, os->vi 71^22 zu essen. Alsdann kam man auf die Schächtdebatte in Bayern zu sprechen. Es muß -als eine Schmach für die ganze zivilisierte Welt angesehen werden, daß man es im Frerstaate Bayern trotz der zugesicherten Freiheit in der Religionsausübung wagt, ein Fundament des Judentums anzugrelfen. Eine- Resolution, von Kollegen Lubinski in Schweinfurt verfaßt, soll dem Verband Bayerischer Jsraelltischer Gemeinden zugehen mit dem Ansuchen um entsprechende Weiter-lei tnng. Auch in diesem Punkte kam man überein,, daß in. allererster Linie die Verwendung von gründlich ausgebildeten, in jeder Hinsicht sicheren Schochttm, sowie' die richtige Bewertung derselben im eigenen Lager dazu beitragen werden, die In der heutigen Nummer ist auf S. 4 die photographische Wiedergabe des Bruchstücks einer in Rumänien ' zerrissenen Thorarolle enthalten. Da in diesem Bruchstücke aüsgeschriebene S ch e m a u s Vorkommen» muß die Mreffende Seite so behandelt werden, wie Bruchstücke von Tesittos, Chümofchim, usw. Wir machen hierauf i-ün> ausdrücklich aufmerksam. Der I s r a e l i t Nr. 6 Seite S Schechitoh der Außenwelt als das vorzuführen, was sie uns in Wirklichkeit sein soll. Alsdann erstattete der Kassierer, Herr Lubinski den Rechenschaftsbericht, der ergab, daß unser junger Verband eine Notwendigkeit bedeutet, was aus der Tatsache, daß 30 Mitglieder in demselben oertveten sind, zu ersehen ist Reicher Dank entlohnte seine gewissenhafte Arbeit,; / . Einige Anträge zwecks Äenderung der Statuten wurden angenommen. Mit großem Beifall wurde die Gründung einer Unterstützüngskasse durch den Vorsitzenden ausgenommen,- der hervorhob, daß der Verband nichts nur Arbeitsziele, sondern auch die Brüderlichkeit fördern soll. Mit einem Dank für den Vorsitzenden schloß die Versammlung, die als nächsten Tagungsort Treuchtkingen bestimmte. Berlin. In V u r g st ä d t (Sachsen) haben drei Schulknaben im Alter von 11, 9 und 8 Jahren auf dem alten- Friedhof an der Chemnitzer Straße etwa 100 Grabstätten zerstört, indem sie die Leichenstetne umwarfen, die Grabfiguren zerschlugen und die Schrifttafeln.zertrümmerten oder vonden Steinen Herunterrissen. — Die Hauptversammlung des CentralverÄns deutscher -Staatsbürger jüdischen Glaubens findet am Sonnabend, den 11., Sonntag, den 12., und Montag, den 13. Februar 1928 im Plenarsitzungs- - saal des Reichswirtschaftsrates, Bellevuestr. 13, statt. — Aron H i rsch, der Seniorchef der Firma „Hirsch Kupfer und Mefsmgwerke A.-G." beging am Montag, den 6. Februar seinen siebzigsten Geburtstag. Cassel. In Hartmutsachsen (Hessen) wurden in diesen Tagen mehrere völkische Bauernsöhne festgestellt und der Staatsanwaltschaft zugesührt, die im Jahre 1922 die Grabstätten . des jüdischen Friedhofes. zu Harthmutsachsen verwüstet und die Grabsteine zertrümmert hatten. Bukarest. Das Kriegsgericht in Klausenburg verurteilte vier Studenten als Anstifter von antisemitischen Unruhen in Großwardein zu je zwei Monaten Gefängnis. Vier andere Studenten wurden freigesprochen. Budapest. Der neue Kardinal-Fürstprimas von Ungarn, Dr. Justinian S e - I redi, empfing in seiner Residenz zu Esst er gram eine jüdische Deputatton unter Führung des dorttgen Oberrabbiners Dr. Armin Spiegel. Auf die an ihn gerichtete Begrüßung sagte er u. a.: „Memals werde ich es zulassen, daß von der Arbeit am Wähle .unseres Vaterlandes irgend jemand aus konfessionellen Gründen ausgeschlossen wird." Lemberg. Nach rumänischem Muster wurden auch an der hiesigen Universität jüdische Studenten .von ihren polnischen Kommilitonen überfallen und mißhandelt. Der Rektor erließ eine scharfe Warnung und legte den Parteien nahe, ihre Konfliktsälle dem Rektorat zur , Entscheidung zu bringen. In Tel Awlw wurde der Grundsttin für das Straus-Gesundheit sz e n t r u nr gelegt. Die Behörden waren alle vertreten.' Auch Sir Alfred Mond, der sich zurzeit in Palästina aufhält, wohnte der Feierlichkeit bei. Newyork. Die l: Jo in t-Campagne in Amerika hat bisher 10 Millionen Dollar erbracht. Seit Oktober'würde eine Million zusammen- ' gebracht. — Anläßlich seines ach tzigsten Geburtstages, über den wir bereits berichteten, machte Nathan Straus weitgehende Stiftungen für alle jüdischen Äohlthätigkeits- ' zwecke, auch - für den Aufbau in Palästina. Berlin. Fritsch, dem von Ford die Ver- .Breitung des antisemitischen Werkes „Der internationale Jude" untersagt wurde, verlangt oon Ford eine Abfindung von 40000 Mark. Es ist dem Herrn egal, wie er das Geschäft macht, mit oder ohne das Buch. Vom Bunde geseheslreuer Gemeinden. Vorsitzende, Rabbiner Dr. Stein-Schweinfurt, setzte in seinen einleitenden Worten das Problem, um das es sich handelt, auseinander «und forderte die Teilnehmer zur Diskussion auf, bei der im Sinne des Wortes nsiwi., pyr> a'-ia der Nachdruck auf ersprießliche Vorschläge und rettende Tat^gelegt werden möge, nicht auf rhetorische Ausführungen.- Die Debatte bewies auch in der Tat den Wunsch zu helfen und war von einem erfreulichen Geiste gekennzeichnet, der schon aus der Rede des ersten Redners, des Herrn Lehrers Brückheimer-Marktbreit ersichtlich war, der hauptsächlich den Nachdruck auf die Tättgkeit der Lehrer der Filialstellen legte, die mehr, wie bisherihre Zeit ausnützen müßten und «s sich nicht genügen lassen dürsten, nur einmal in der Woche zu unterrichten, sondern auch bereit sein sollten, mindestens einmal im Monat, vielleicht an einem Sonntag, evtl, auch einmal an einem Sabbat, wenn sie in der Hauptgemeinde vertreten sind, auch-einen Schiur-Vortrag zu halten. Aber auch solche Vertreter des Lehrerberufes, die keine Filialen haben, denen ihre Tättgkeit so viel freie Zeit lasse — und bei den meisten Religionslehrern dürfte das der Fall sein — sollten es als train tvdt betrachten, sich für lehrerlose Gemeinden im Sinne der gemachten Ausführungen zur Verfügung zu stellen. Diese Anregung war sicher auf einen fruchtbaren Boden gefallen: denn eine von einem der anwesenden Herrn Lehrer sofort in Umlauf gesetzte Liste förderte 14 Namen von Herren zutage, die in diesem Sinne sich zur Verfügung zu stellen, bereit erklärten. Diese Liste soll alsbald in dem Sinne ergänzt werden, daß sämtliche -lehrerlose Gemeinden in Bayern eruiert und die übrigen Herren Lehrer aufgefordert werden sollen, die von ihnen in obigem Sinne zu versorgenden Gemeinden zu nennen. Einmütig war man der Ansicht, daß das anregende und erfrischende Thorawort doch wenigstens von Zeit zu Zeit oorgetragen werden muß, wenn nicht eine völlige geistige Versandung und religiöse Stagnation -eintr-eten soll. Selbst die Ermöglichung der Tesrlloh bezibur hin und wieder muß als Wohltat empfunden werden. Am schlimmsten freilich sieht es mit der Thoraoorlefung in lehrerlosen Gemeinden aus und nur wenige Gemeinden sind in der glücklichen Lage, einen würdigen, sachkundigen Privatmann in ihrer Mitte zu haben. Demgemäß war es die Meinung der Versammelten, daß nach dieser Richtung besondere Fürsorge Platz greifen muß,.damit nicht wieder reliigöse Unzuträglichk-eittn sich Herausstellen und nVeaV 711213 nn2i 7102 geschehen. Die Herren Lehrer sollten schon um deswillen, damit sie auch -einmal, ohne ihre Seele mit drückender Beklemmung belastet zu fühlen, über einen Sabbat verreisen können, darauf bedacht sein, junge Leute und Knaben, die bereits ’» msn sind, zu r-ucip ^s?3 auszubilden und schon während des Jahres immer wieder -einzelne Parschijos durch sie vortragen zu kaffen, vielleicht gerade die in die Ferien fallenden Abschnitte mit ihnen zu -erlernen. Um dieses Ziel zu erreichen, müßte künftig davon Abstand genommen werden, dem Barmizwoh nur mechanisch seine Parschoh beizubringen, sondern es müßte eine gründlich« Unterweisung in den co'vpvi riir» erfolgen, die den Jungen in den Stand setzt, sich selbst für eine weitere Thoraoorlefung vorzubereiten. Kahn- Westheim regte direkt an, das Erlemen der Krias Hathora in den offiziellen Unterricht zu verlegen. Ganz im Sinne der in Kitzingen gefaßten Beschlüsse soll auch versucht werden, durch ein Inserat festzustellen, ob es möglich sein sollte, in vom Bunde aus an einem zentralgelegenen Orte zu veranstaltenden, unter sachgemäßer Leitung stehenden, auf einige Wochen sich erstreckenden Kursen junge Leute zu Baale tephilloh, Baale krioh und Baal« thekioh Heranzubilden. Zur Erhaltung und Erleichterung des religiösen Lebens auf dem Lande sollte auch in Erwägung gezogen werden, ob nicht religiös geeignete junge Leute zur Ausführung der riv'nv Tiisijm herangebildet werden könnten. Falls der Punkt W ü r z b u r g, 29. Januar. In Verfolg der bei der letzten Versammlung^ des Bundes gesetzestreuer Gemeinden in Kitzingen gefaßten Beschlüsse und Resolutionen, die sich mit der Behebung der religiösen Not in den Landgemeinden befaßten, und zugleich auf Wunsch der Agüdas Jisroel Jugendgruppe, Sitz Nürnberg, die sich bei der Erfüllung dieser Aufgaben zu, beteiligen wünscht, hatte die Vorstandschaft des Bundes auf den heutigen Tag. eine größere Versammlung von Interessenten einberusen. In weitem Umfange hatten sich., dt«, Teilnehmer, .besonders.auch - Lehrerkreife, eingefunden, was hiermit dankoar anerkannt wird. Der Wochenkalender. v. 11. - 18 Febr. 19%. < v. 20. —27. Schewat 5688. Samstag 11 V2V •< 2Ö ^7171' Sonntag 12 -. ,r 21 r •' Montag 13 . y 22 vienstag Febr 14 23 t• - Mittwoch 15 24 Donnerstag 16 25 freitag 17 26 i § 47arisch Ebaudesch Benschen Mauled Montaa morgens Zamstag 18 27 a 1 Uhr 65 Minuten. sa

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