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Der Israelit · 1928-02-09 · Heft 6 (9.2.1928) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 6 (9.2.1928)
Date
1928-02-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 6 Sette 3 9 Februar 1828 lamit nur dem Schrecken von außen Verwirrung im Innern ymzufügen. - n»'rr v'innm. *?Dx^n pnn >Das werden auch die Liberalen und Nationalen sin der „Ostjüdischen Zeitung" nicht wollen. Bajs Jakobs Wesen und Werden. Ein kleines nettes Büchlein gibt uns die!K e r e n Hathora - Zentrale in Wien in die Hand, und es ist ein Wahrzeichen jüdischer Treue und jüdischer Opferliebe, legt in Wort und Bild Zeugnis ab von der ewigen Kraft des Sinaijudentüms, sich zu erneuern, wenn alles gebrochen und verloren schien und die alten Bahnen szu ewigen Zielen wiederzufinden. Gebrochen und verloren schien die Hoffnung auf eine Gewinnung" der jüdischen Frau und Tochter in Galizien wie im gesamten Osten für die Kenntnis und die Ideale des Judentums. Es lag im Wesen des Chassidismus, bei der größten Sorgfalt für die Erziehung der S ohne zur Tradition, die Töchter, im Vertrauen auf den Geist, der das jüdische Haus und die jüdische Gasse beherrscht, sich selber zu überlassen. Das Leben stürmte aber über diese Anschauung hinweg und führte zumeist die Töchter, dieweil sie im jüdischen Leben -nicht genug verwurzelt und verankert waren, auf Wege jenseits der jüdischen Welt- und Lebensanschauung. Man ist im letzten Jahrzehnte im Osten spät, aber nicht z u spät,erwacht, und weiß nunmehr, was^ von der jüdischen Erziehung der künftigen jüdischen Frau und Mutter alles für die Zukunft des Judentums abhängt. Die Frauen und Männer, die in richtiger Stunde mit der Weckarbeit begannen, werden mit der Geschichte dieser wundersamen Regeneration ewig verknüpft bleiben. Die Agudas Jisroel hatte bald ihre Pflicht erfaßt, an diesem Punkte mit aller Energie anzusetzen, und ihr Keren Hathora, mit Dr. Deutschländer an der Spitze, darf auf die bisherige Arbeit zurückblicken mit dem ermunternden Ruf für die nächsten Aufgaben: ,12^1 w2- Das schön ausgestattete Buch (Verlag der Keren Hathora-Zentrale, Wien 2, Leopoldsgasse. 26 j gibt Auskunft und bietet ein Rundbild über Entwicklung, dengegenwärtigen Stand und die Zukunftspläne des Bajs Jakob, in einer Chronik, informierenden Aufsätzen und Mitteilungen aus dem Lehrbetrieb der Schulen. Bilder zeigen die führenden Männer, die mit ihrem Mittun das Werk segnen, Unterrichtsstunden in höheren und untern Klassen, bis zu dem Lehrerseminar, in dem die Lehrerinnen ihre Ausbildung für ihre Lehrtätigkeit erhalten, und anderes mehr. . De r I s r a e l j t Es versäume keiner, der mit wachem jüdischem Sinn das Werden einer großen jüdischen Sache verfolgt^ diese Bajs Jakob-Schrift zu lesen. Zehn Jahre „©fanto“. (Schluß.) Endlich aber muß in diesem Zusammenhang noch ein anderes Moment, das oft, aber ebenso oft zu Unrecht, kritisiert wird, hervorgehoben werden, d. i. der Charakter der „Etania" als einer Heilstätte. Es ist die Aufgabe der „Etania", Patienten, bei denen nach einer Kur von einigen Monaten eine Heilung oder doch eine Wiederherstellung ihrer Arbeitsfähigkeit zu erwarten ist, aufzunehmen: darin liegt die Bedeutung, aber auch die Beschränkung der Aufgaben einer Heilstätte, wie sie die „Etania" in ausgesprochenem Maße darstellt. Sie ist weder eine Versorgungsanstalt für Unheilbare noch ein Rekonvaleszentenheim für Erholungsbedürftige. Das Prinzip jeder Heilstätte, nur solche Patienten aufzunehmen, die nach dem ärztlichen Zeugnis in kürzerer Zeit geheilt werden können, das in den meisteü anderen Sanatorien in Davos durchgeführt wird, muß auch in der „Etania" eingehalten werden, wenn sie überhaupt ihr Ziel erreichen will. Der Chefarzt, Herr Dr. O e r i, prüft denn auch alle einlaufenden Gesuche nach dieser Richtung' hin und beantragt je nach dem Zustand des Kranken und den Möglichkeiten einer Heilung dem Vorstand seine Aufnahme oder Ab-, Weisung. Mit Recht geht Dr. Oeri dabei von de^ Erwägung aus, daß falsches Mitleid, weit davon entfernt, dem Einzelnen zu helfen, sowohl ihm als auch den - anderen, die für die ,Mania" wirklich in^Betracht kommen, nur schaden müßte. Die maßgebenden Prinzipien der ärztlichen Leitung hat der Chefarzt im Jahresbericht von 1921-22 ausführlich niedergelegt: „Wenn sich schon aus dem Zeugnis des einweisenden Arztes ergab, daß der Zustand des Lungenkranken die Kur im Hochgebirge mit ihren großen Anforderungen an die Widerstandsfähigkeit des Patienten auch im Interesse des Kranken verbot, habe ich mich nicht gescheut, dem Hilfsverein in Zürich die Abweisung des Gesuches zu empfehlen. „Jedes Gesuch wird unvoreingenommen und genau geprüft, schon aus dem Grunde, weil der Hilfsverein ja nicht eine einmalige Geldunterstützung gewährt, sondern die Patienten sechs bis zehn Monate und noch länger in der „Etania" verpflegen muß, bevor sie entlassen werden können, und dies natürlich verhältnismäßig höhere materielle Opfer erfordert. Wenn auch in der „Etania" selbst kein Unterschied zwischen arm und reich gemacht wird, so ist doch bei' den beschränkten Mitteln, die dem Hilfsverein zur Verfügung stehen, ohne weiteres klar, daß die Aufnahme unbemittelter Kranker in hohem Maße von den Geldeingängen und dem Ertrag aus den Zahlungen der bemittelten Patienten abhängt. Niemand würde es mehr begrüßen als die Leitung des' Hilfsvereins, wenn ihre Mittel es ihr gestatten würden, allen für die „Etania" in Betracht kommenden Gesuchen zu entsprechen. Die ärztliche Behandlung der Patienten in 'der „Etania" ist mustergültig. Die ärztliche Leitung ist ihrer schweren Aufgabe, wie schon die ausgezeichneten Heilerfolge beweisen, in hervorragendem Maße gewachsen. Bei aller Freiheit, die den Patienten gelassen wird, wird doch streng darauf geachtet, daß die ärztlichen Anordnungen strikte befolgt werden, da eine erfolgreiche Kur sonst ausgeschlossen ist. Die über Erwarten guten Heilerfolge sind, wie der Chefarzt versichert, nicht zuletzt auch dem starken Willen des jüdischen Kranken, geheilt zu werden, und feiner erhöhten Folgsamkeit den Vorschriften der Aerzte gegenüber zuzuschreiben. So rundet sich das Bild, das die „Etania" bietet, zu einer wahrhaft jüdischen Heilst ä t t e, die nicht ihresgleichen hat in der ganzen Welt. Wie groß die Achtung und die Bewunderung sind, die alle Besucher, insbesondere auch diejenigen aus dem Ausland, vor dieser Institution empfinden, wie stark vor allem der Eindruck ist, den das harmonische jüdische Zusammenleben, das manchem Kranken in weitgehendem Maße die Familie ersetzt, auf jeden von ihnen eusübt, dafür legen die Beiträge, die diese Festschrift enthält, beredtes Zeugnis ab. Der Hilfsver-.in hat sein Ziel erreicht und gehalten, was er, bei der Gründung der „Etania", in seinem Jahresbericht vom Jahre 1918 feierlich gelobte. * * * Wir haben zur Orientierung über die „Etania" den Aufsatz aus der Schrift teilweise wiedergegeben, der mit seinen Aufzeichnungen und Daten uns die Anstalt im konkreten Bilde zeigt. Was wir noch dazu zu sagen haben, ist wenig und viel. Es ist bisher die einzige jüdische A n st a l t d i e s e r A r t auf dem Erdenrund, und es ist eine Pflicht für Gesamtisrael, ihr so, viel tätiges Interesse als irgend möglich zu zeigen. Die „Etania" unterstützen, fördern, ausbauen helfen, heißt: Familien ihre Väter und Ernährer wiedergeben; Eltern ihre Kinder, die Hoffnungen ihres Lebens und vielleicht Stützen ihres Alters retten; jüdische Menschenbrüder und Schwestern die Kraft und den Meines Feuilleton. Die Vedeukung der Familie des Hofjuden Aaron Abraham Beer für die Gefchichke Ofifriesiands und der Stadl Aurich. Zum Jahrzeit am 20. Schemat. Dargestellt nach den Akten des Staatsarchivs Aurich u. Hannover. Von Jos. Heymann, Frankfurt a. M. (Urenkel, des Beer). Das natürliche Band z rischen dem einzelnen und der Volksgesamtheit ist - seine Familie; sie ' übernimmt es, dem einzelnen den Dolkscharakter auszudrücken und in ihren Familiengliedern Glieder des Volkes zu erziehen. Wo also aus solchen Gott geweihten Familien ein Volk besteht, wo der Gottesgeist in reicher, reiner . Ströj mung alle Familien beseelt, da ist des j Volkes Bild: segensvoller Baum, — . Wurzel und Krone: Gott und Gesetz: 1 . — in gesegneten Familienzweigen des Ganzen verjüngtes Bild wiederholend, und doch nicht sich lossagend, vielmehr die Kräfte jedes einzelnen wieder dem ganzen zuführend; da steht jedem einzelnen die Familie als Bürge und Gewährleistung für Bestimmung und Lebensaufgabe; da wird Volksgeist Familien ge'st, des einzelnen Weihe ist zur Familie und wie die Familie '. dem Volke verpflichtet ist, so ist's der einzelne der Familie:. S. R. Hirsch Chaurew § 715. Manche interessante Geschichtsepochen bleiben in ewigem Dunkel verhüllt, bis es gelingt dank 'mündlicher 1le-,berliefernng m einzelnen Familien die Dämmerung zu lichten und fü ein klares Bild des betreffenden Zeitabschnitts zu gewinnen. Wie S. R. Hirsch £5 so treffend sagt: Geschichtliche Tatsache ist Offenbarung der Tauroh durch Gott, geschichtliche Tatsache die Erwählung Jißroels durch Gott zu Trägern und Verwirklichern der Tauroh. Aber jedq geschichtliche Tatsache kann nur im Augenblick ihres Geschehens erfaßt werden; den spätern, «die auf dieselbe Tatsache ihr Leben aufbauen sollen, muß sie verbürgt überliefert werden (Caurerv § 714). So wird eine Folge von Geschlechter Träger und Erfüller des heiligen göttlichen Willens. Wenn es unseren Ahnen infolge des schweren Drucks dunkler Jahrhunderte nicht gegönnt war, den Gang der Ereignisse schriftlich auszuzeichnen, so sollten wir wenigstens, die wir doch lichtere Zeiten erleben,.wenn wir die Geschichte durchforschen, uns zum Bewußtsein bringen, daß wir ein Glied in der Kette von Geschlechtern sind, ein Glied der Ueberlieferungskette in Sprache, Erfahrung. und Wissen, der Kette, deren Ringe Jahrhunderte sind. Als Träger und Erfüller des Gottesgesetzes im eigenen Leben, als Vertreter und Denkmal für dieses Gesetz gegen außen, sind wir zum Volk berufen worden. So ist es. ein unsichbares Band — die heilige Flammenglut des göttlichen Sinaigesehes — das uns mit unseren Vätern verbindet. Du aber, Jißroels Jüngling, Jungfrau Jißroels, auf deine Väter und Mütter blicke hin! Sieh wie sie Jahrhunderte herab Schmach und Höhn, Elend und Tod duldeten, die Seele aushauchend, sich glücklich priesen. Tauroh und Taurohgeist rein den - Enkeln vererben zu können;— wie sie durch alle Länder, durch alle Zeiten wandernd, in jedem Lande, in jeder Zcht nur ihrer Tauroh lebten, und. nicht untergingen, und lebten, ja leben in der durch sie erhaltenen Tauroh, leben in dem Leben, das dir noch!aus der Tauroh erblühen soll. Dann schlage sie auf, die Tauroh,— lerne sie, begreife sie, begreife deinen ewigen Mensch —Jißroel-Beruf und reihe dich in deiner Zeit, trotz deiner Zeit, mit deiner Zeit, mit allem was sie versagt der Erfüllung ewiger Tauroh." Chaurew § 73. Bei dem Versuch der Sammlung des Qullenmate«- rials über die Wirksamkeit S. R. Hirschs in E m d e n stieß ich auf Akten meiner Ahnen und Urahne!» und es gelang mir, genealogische Zusammenhänge, die lange Zeit verhüllt waren, zu lichten. Im 17. Jahrhundert haben wir noch keine genaueren Ueberlieferungen über die Lebensverhältnisse der Juden Ostfrieslands, erst in der Mitte und gegen Ende dieses Jahrhunderts liegen uns Urkunden vor, die zu einigen Schlußfolgerungen Berechtigung geben. So ist die ganze Judenansiedlung in Aurich aus' den Anschluß an die Privilegierung eines einzelnen Juden als Hofjuden zurückzuführen. Den Inhalt dieser Privilegien bilden die sog. Schutzbriese oder Generalprivilegien. Aus diesen geht hervor, daß die Juden in Ostfriesland noch zur Zeit des einheimischen Fürstengefchlechts der Cirkfenas das Privileg erhalten haben, einen Landesrabbiner zu halten. Er führt den Titel eines „Landesparnaß". Es steht ihm die Gerichtsbarkeit erster Instanz über alle Juden Ostsrieslands zu. Allerdings gibt es von dieser Gerichtsbarkeit des Landrabbiners und Landparnaß, der in Aurich seinen Sitz hat, zwei Ausnahmen. Einmal hatte die Gemeinde Emden das Recht der Anstellung

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