Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1928)
- Date
- 1928-02-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Teile 6 Nr. 5 Der Israelit 2. Februar 1928 „Adas Jisroel" ist. Der wesentliche Inhalt des Schiedsgerichtsurteils ist dahin zusammenzufassen, daß die Gemeinde t r e n n u n g untersagt, die Einheitlichkeit der Gemeinde aufrecht erhalten, den Anhängern von Rabbi Anschel Katz jedoch erlaubt wird, auf ihre Kosten das oben genannte Bethaus zu erhalten und innerhalb dieses Bethauses ihren geistigen Führer als 1211» an» aufzurufen, wie überhaupt das genannte Bethaus die alleinige Domäne des Rofch Besdin bleibt. Sowohl dem Oberrabbiner als dem Rosch Besdin wird das Recht zugestanden, eine Jeschiwoh selbständig zu erhalten und zu leiten. Hoffentlich wird nunmehr der lang entbehrte Frieden allmählich wieder in die Gemeinde einziehen. Eine Wendung im Munkaczer Gemeindestreit? B r a t i s l a w a, 27. Januar. Der Vorstand der orthodoxen Gemeinde in M u n - k a c z hat sich erfreulicherweise bereit erklärt, zur Schlichtung des inneren Kampfes, der bekanntlich zur Gründung einer „neologen" Gemeinde aus 48 Beizer Chassidim geführt hat, ein aus 5 Mitgliedern bestehendes rabbinisches Schiedsgericht, von beiden Parteien gewählt, anzuerkennen. Angesehene Führer bemühen sich, die Belzer Partei zur Annahme dieses Vorschlages zu bewegen, zumal auch der Munkaczer Oberrabbiner selber zugesagt hat, sich der Entscheidung eines dreigliedrigen Besdin zu unterwerfen, wenn der Rabbi von Belz die Klagepunkte persönlich formuliert und Oberrabbiner Duschinsky aus Hust den Vorsitz dieses Besdin übernehmen will. Fortdauer des antijüdifchen Kurses in der Türkei. K o n st a n t i n o p e l, 15. Januar. Gemäß der Forderung der öffentlichen Anklage hat die türkische Nationalversammlung vor kurzem beschlossen, daß gegen die im September 1927 von der Anklage aufwieglerischen antistaatlichen Verhaltens beim Begräbnis des vom Türken Osman Bey ermordeten jüdischen Mädchens Elsa Riego sreigesprochenen neun Juden das Gerichtsverfahren aufs Neue eingeleitet werde. Die Gerichtsverhandlung hat gestern begonnen und wird bis zum 26. Januar andauern. Die Anklage lautet auf Beleidigung der türkischen Republik; darauf steht in der Türkei Gefängnisstrafe bis zu drei Jahren. — Der Mörder der Elsa Niego befindet sich noch immer zur Beobachtung seines Geisteszustandes im Hospital. (I. T.A.) paläftma. Erbauung einer staatlichen landwirkfchastlichen Schule für Inden in Palästina. Jerusalem, 15. Januar. Mit der Erbauung einer Landwirtschaftsschule für Juden aus der Hinterlassenschaft von Sir. E. S. Kadoorie wird schon in ganz kurzer Zeit begonnen werden. Sir E. S. Kadoorie hat bekanntlich 120 000 Pfund für Zwecke der Förderung der Landwirtschaft in Palästina hinterlassen: die Regierung hat die etwas unklare Bestimmung im Testament so gedeutet, daß die Hinterlassenschaft den Bürgern Palästinas ohne Unterschied des Glaubens zugute kommen soll und hat bestimmt, daß aus den Mitteln Kadoories zwei Landwirtschaftsschulen, eine für Araber, eine für Juden, errichtet werden. Die für die jüdische Jugend bestimmte Landwirtschaftsschule wird in der Nähe der Kolonie Mescha im unteren Galiläa erbaut. Agronom Krause, der Direktor der Landwirtschaftsschule in Mikwe Israel, ist in das Baukomitee oer Mescha-Schule berufen worden. Die Arab Agency wird wieder aktuell. Jerusalem, 15. Janaur. In Kurzem wird der siebente palästinensisch-arabische Kongreß abgehalten werden. Es verlautet, daß dieser Kongreß eine von Grund aus neue arabische Politik einleiten wird. Es soll unter der großen Mehrheit der Araber die Bereitschaft bestehen, ein Verhältnis der loyalen Zusammenarbeit mit der Regierung zu schaffen unter der Voraussetzung, daß die Regierung das im Jahre 1923 von ihr gemachte und von den Arabern abgelehnte Angebot der Schaffung einer Arab Agency nach dem Muster und den Grundsätzen der Jewish Agency jetzt erneuert. Der sechste arabische Kongreß wurde noch im Jahre Die Woche. Berlin. Die Sanatoge n - Werke geben eine' Erklärung ab, daß die Anschuldigung der „Welt am Montag", sie würden grundsätzlich keine Juden in ihre Betriebe anstellen, vollkommen aus der Luft gegriffen fei. Im Gegenteil feien Juden an hervorragender Stelle.im Betriebe tätig. — Zum 70. Geburtslage Prof. Otto Baumgartens ist daran;u erinnern, daß Baumgarten im Abwehrkampfe gegen den Antisemitismus in den vordersten Reihen steht. Erst vor kurzem nahm er in einer Broschüre „Kreuz u n d H a k e nkreuz" scharfe Stellung gegen die äntisemitischen Treibereien und alle, die sie fördern. — In dem Zivilprozeß des Herrn Dimitri Rübe n st e i n gegen P i s c a t o r hat das Gericht entschieden, daß der Piscator-Bühne untersagt bleibe, die Person Rubinsteins auf die Bühne zu bringen. Hamburg. Auch hier hielt der Hilfsverein der deutschen Juden eine große Versammlung ab, auf der Dr. Wischnitzer und der Sekretär der Hamburger Abteilung, Herr Chassel, große Reden hielten. Auch Herr Marburg ergriff das Wort und appellierte -an die Anwesenden, das Hilfswerk im Osten möglichst zu unterstützen. München. Das Jugendgericht in Gerolzhofen verurteilte einen Friseurgehilfen, dem die Schändung von Grabsteinen auf dem dortigen jüdischen Friedhose nachgewiesen wurde, zu zwei Monaten Gefängnis. Ein Lehrling, der ihm dabei Hilfe leistete, erhielt vier Wochen Gefängnis. Warschau, Die B u dg e t k o m m i ffi o n des Warschauer Stadlrates beschloß ohne viel Debattieren, ein Schächtverbot für die Stadt Warschau beim Magistrat zu beantragen. Man darf hoffen, daß der Magistrat über diese Forderung zur Tagesordnung übergeht, dennoch herrscht in der Warschauer Judenheit ob dieses Versuches größte Erregung. Bukarest. Drei Studenten, die bei den Unruhen zwei Italiener, die' sie für Juden hielten, schwer mißhandelten, erhielten * vom Kriegsgericht 10 bis 20 Tage Gefängnis zudiktiert. Die Prozesse in Großwardein und Klausenburg wurden abermals vertagt. Dort sind wirkliche Juden mißhandelt worden, und da hat die Justiz keine Eile. Riga. Der lettländische Ministerrat hat den Seymdeputierten Rabbiner N u r o k zum Mitglied des Verwaltungsrates der lettländische n Staatsbank ernannt. Nurok ist Vorsitzender der Vereinigung der Minderheitendeputierten im lettländischen Seym. — Moskau. Mit Billigung der Ortsbehörde wurde in B a c u eine I e f ch i w a für die kaukasischen Bergjuden eröffnet. Laut statistischen Daten leben gegenwärtig in Kaukasien etwa 50 000 Juden, davon 10 000 sogenannte Vergjuden, 25 000 grusinische und 15 000 europäische Juden, Rom. Der Sekretär der afghanischen Gesandtschaft in Rom, Renee L e v i, ein Jude, wurde vom Papst mit dem Orden von Papst Gregor dem Großen, dem höchsten vatikanischen Orden, ausgezeichnet, und zwar aus Anlaß des Empfanges des Königs von Afghanistan durch den Papst. Nervyork. Am Dienstag, den 31. Januar vollendet Nathan Strauß fein 80. Lebensjahr. Neben zahlreichen anderen großen Wohlfahrtswerken hat Nathan Straus in der ganzen Welt die Organisation für Milchentkeimung geschaffen und dadurch das Leben von Hunderttausenden Säuglingen, die sonst zugrunde gegangen wären, retten helfen. Straus hat in P a l ä st i n a ein Gesundheitszentrum für alle Einwohner ohne Unterschied der Rasse und Konfession geschaffen. Jerusalem. Der polnische Handelskonsul in Palästina, der frühere jüdische Sejmdelegierte Dr. Hausner, gab in seiner Wohnung zu Haifa ein Fest zu Ehren des polnischen Generalkonsuls in Jerusalem. Letzterer erklärte in seiner Ansprache, «r sei erfreut, Juden und Araber am Aufbau des Landes beteiligt zu sehen und könne Palästina die Unterstützung seines Landes versichern. — Die CookTouristen-Company hat einen wöchentlichen Luftverkehr zwischen Kairo und Jerusalem eingerichtet, von dem, wie sie hofft, die Touristen im Frühjahr reichlich Gebrauch machen werden. — Entgegen anderslautenden Berichten, wird nun mitgeteilt, daß Juden nach wie vor zu den Vätergräbern in der höhle Machpelah nicht zugelassen werden. Der oberste Rat der Moslemiten dementiert offiziell die Nachricht, wonach er seine Zustimmung zu einer Aufhebung der Sperre gegeben hätte.— 1922 abgehalten, die Einberufung des siebenten Kongresses muhte wegen der unaufhörlichen Meinungsverschiedenheiten unter den palästinensischen Arabern und der Rivalität unter den einzelnen arabischen Gruppen, von denen mehrere die Autorität der von Muza Kasim Pascha geführten Palästinensisch-Arabischen Exekutive bestritten, immer wieder verschoben werden. Eine Anzahl neuentstandener arabischer Parteien trat energisch gegen die von der arabischen Exekutive befolgte Politik einer Nichtzusammenarbeit mit der Regierung auf und forderte die Schaffung engerer Beziehungen zur Administration. Die Ausirittsbewegung in Palästina. Jerusalem, 19. Januar. Die Jerusalemer Polizei achtet mit äußerster Schärfe darauf, daß keinerlei Rechtswidrigkeiten und Ausschreitungen bei der stark einsetzenden Agitation für und wider den Austritt Vorkommen. So sind einige junge Misrachisten, die den agudistifchen jungen Leuten .bei der Sammlung von Unterschriften entgegentraten und ihnen Listen mit Austrittserklärungen entrissen, zu 22 Tagen Gefängnis und Geldstrafe verurteilt worden. Erdbeben und Heuschrecken. Jerusalem, 19. Januar. Am Mittwoch, den 18. Jckbuar, gegen 8 Uhr morgens, wurde in Jerusalem ein leichter Erdstoß verspürt. In der Erinnerung an das letzte katastrophale Erdbeben geriet die Bevölkerung in einen Zustand der Panik; sie beruhigte sich aber, als keine weiteren Erdstöße folgten. Schaden wurde nicht angerichtet. Die Regierung von Palästina hat Vorbereitungen zur Bekämpfung einer Palästina drohenden Heuschreckenplage getroffen. Gewaltige Schwärme verheeren das Gebiet längs der Grenze zwischen Aegypten und dem Sudan, und es besteht ernste Gefahr, daß die Schwärme die Richtung auf Palästina einschlagen. Die Witterung. T e l - A w i w, 16. Januar. Seit Beginn des Winterhalbjahres sind hier nur 182 Millimeter Regen gefallen, während es im vergangenen Jahr bereits mehr als das Doppelt« war. Der Januar gilt als der kälteste Monat im Jahr; diesesmal ist es so warm, daß man bisher an den meisten Tagen im Freien sitzen kann. Amerika. Amerikanischer Brief. Die Davisbw. — ÄnteMgenzprüfrrng. — Henry Ford. N e w y o r k, 16. Januar. Dem Kongreß der Vereinigten Staaten wurde heute eine Bill zur Beschlußfassung unterbreitet, die besagt, daß das Quotengesetz gegenüber, denjenigen Ländern für die nächsten fünf Jahre keine Geltung habe, die ihre aus den Vereinigten Staaten ausgewiesenen oder von der Einwanderung zurückgewiesenen Bürger nicht mehr wieder aufnehmen. Eine Annahme dieses Gesetzes durch den Kongreß würde bedeuten, daß für die Dauer von vrtraueiwacfie ift die Wähl eines erftklafflgen und einwandfreien \s^> Hautpflegemittels. (xüvparjiM dem täglichen Wafchwaffer zugefetzt erfrifcht, reinigt, klärt und befähigt die Haut aus eigener Kraß gefund und fchön zu fein. Heinrich Mack Nachf., Ulm a. D.