Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1928)
- Date
- 1928-02-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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D e r Israelit . 2. Februar 1928 fünf Jahren jede Einwanderung von Personen aus Rußland, Tschechoslowakei, Litauen und Lettland verboten ist. Verfasser der Bill ist der Minister für Arbeit und Einwanderung Davis, von dem auch das. Quotengesetz stammt. Würden nun die erwähnten Länder beschließen, ihre aus den Vereinigten Staaten ' ausgewiesenen Bürger wieder aufzunehmen, so würde die Regierung der Vereinigten Staaten sofort mit der Abschiebung einer beträchtlichen Zahl von Juden namentlich aus Rußland, die ohne gültige Visa nach Amerika gekommen sind, beginnen. Viele dieser jüdischen Bürger wohnen schon viele Jahre in den Vereinigten Staaten, haben sich hier geschäftlich eingerichtet, mehrere von ihnen haben hier Ehen geschlossen. Das Gesundheitsamt der Vereinigten Staaten hat der Jüdischen Wandererschutz-Gesellschaft Hias mitgeteilt, daß es zwei Psychiater nach Warschau entsandt habe, um die gegen das dortige Konsulat erhobenen Klagen betreffend eigenartige Methoden bei der Prüfung der Intelligenz der Einwanderer zu untersuchen. * Beamte des Konsulates sollen, um die geistige Gesundheit und Reife jüdischer Einwanderungsbewerber zu prüfen, an diese ganz lächerliche Fragen gestellt Habens die geeignet waren, die Bewerber zu verwirren und lächerlich zu machen. Die Geprüften gerieten über solche Fragen in Verwirrung und Erregung und wurden dann als geistig unter Durchschnitt von der Einwanderung ausgeschlossen. Die Gesellschaft Hias hatte gegen diese eigenartigen Methoden beim amerikanischen Einwanderungsamt Klage geführt. Der in Detroit wohnhafte Autokönig Henry Ford kam in diesen Tagen nach Newyork und stattete Louis Marshall, dem Präsidenten des American Jewifh Committee, einen Besuch ab. Ford beriet mit Marshall über die Art, wie der noch heute betriebenen antisemitischen Propaganda Bevollmächtigter Fords zu begegnen sei. Es wurde auch über die Weigerung Theodor Fritfchs, den-Vertrieb der deutschen und spanischen, Ausgabe des „Internationalen Juden" einzustellen, gesprochen. Man glaubt, daß das Ergebnis der Unterhaltung ein völlig zufriedenstellendes sei. Die Fünftagewoche m Amerika. Newyork, 21. Dez. Die im Jewish Center abgehaltene Tagung des Verbandes orthodoxer Mischer Gemeinden i-n Amerika brachte als interessantesten Gegenstand eine große Rede des Präsidenten des amerikanischen Arbeiterbundes, William Green über die Fünftagewoche. Green sagte, die Fünftagewoche, deren Lurchdringen natürlich eine neue Aera für die Beobachtung des Sabbats und damit für di^ Erhaltung des orthodoxen Judentums in Amerika überhaupt einleiten würde, sei keine Theorie mehr, sondern eine Tatsache. Bereits genießen mehrere hunderttausende männliche und weibliche Arbeiter in verschiedenen Teilen Amerikas die Vorteile dieser Einrichtung. Oekonomische, humanitäre und soziale Gründe sprächen, so sagte Green, für die Durchführung und er sei überzeugt, daß aus diesem Grunde die Fünftagewoche sehr bald einen Siegeszug durch die ganze Wirtschaft Amerikas antreten werde. Der Gemeindebund, der die Wichtigkeit einer Lösung des Problems im Sinne Greens natürlich sehr deutlich erkennt, nahm eine Resolution an, in der die tatkräftigste Unterstützung des Arbeiterbundes in seinen Bestrebungen auf Einführung der Fünftagewoche zugesagt wurde. Die Resolution erblickt in der Fünftagewoche ein Mittel, „die Sabbatbeobachtung unter den Juden zu fördern, ihnen die Teilnahme am Gottesdienst und am Unterricht am Sabbat zu ermöglichen und anstrengende Arbeitsbedingungen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu erleichtern." Bemerkenswert war an der Verhandlung der Gemeinde-Union noch ein scharfer Angriff Rabbi Herbert Goldsteins auf den in vielen amerikanischen Synagogen herrschenden Unfug des Züsammensitzens von Männern und Frauen beim. Gottesdienst. Der Bericht konstatiert, daß diese Praxis dem jüdischen Gesetze widerspricht. —'!Die Konvention beschloß die Errichtung eines nationalen Erziehungsausschusses. Es soll zu diesem Zweck eine Summe von Doll. 250.000 aufgebracht werden. Personalien. Rabbi Elje Meier Feiwelsohn V"2T* Kupischki, 26. Januar. Eine der seltensten Rabbinergestalten, wie sie in den letzten Jahren aus dem Zusammenwirken von Lernen und Selbstläuterung in der Schule des Mussar hervorgegangen sind, war Rabbi Elje Meier Feiwelsohn in Kupischki, der jetzt in jungen Jahren von seinem Wirkungskreis abberufen wurde. Einer alten Rabbinerfamilie entstammend, war er schon als Kind ein Jlui, und als Rabbiner in Amt und Würden eine anerkannte Autorität. Ein gottbegnadeter Redner und ein logischer Denker, dem die Welt und die modernen Wissenschaften und vor allem das jüdische Leben mit all seinen Problemen nicht fremd waren, diente er mit Wort und Feder der jüdischen Sache, wo er nur konnte. Man erinnert sich noch seiner herrlichen Ausätze über jüdische Fragen in verschiedenen gefetzestreuen jüdischen und hebräischen Zeitungen, in denen er u. y. auch die Jdeengänge von S. R. Hirsch dem Osten vermittelte. In seinem großen Werke „Nezach Jisroel" ist ein gut Teil seiner literarischen Lebensarbeit niedergelegt; es ist eine groß angelegte Geschichtsphilosophie zur Begründung der Agudas Jisroel-Jdee. Trotz seiner schwachen Gesundheit gönnte er sich keine Ruhe noch Rast, so lange es für Thora, für Judendie größten Hoffnungen auf die Agudas Jisroel und arbeitete an der Verwirklichung ihrer Ideale kräftig mit, ganz besonders aber zur Förderung ihrer Aufgaben in Eez Jisroel. Eine führende Rolle nahm er auch in der litauischen Agudas Harabbanim ein, wo er oft den Vorsitz führte. In der Jabnezentrale wirkte er mit größter Aufopferung zur Lösung der jüdischen Erziehunosprobleme im Osten. Wie er überhaupt, ein glühender Freund der Jugend, die kommende Generation nie aus dem Auge ließ. Das litauische Judentuin und mit ihm Klal Jisroel haben einen schweren Verlust erlitren. > rraxan. Leopold Betmann Meran, 30. Januar. Der Heimgang des wohl in den jüdischen Kreisen der ganzen Welt bekannten Hoteliers von Meran und St. Moritz, Leopold B e r m a n n, dürfte bei all denen, die ihm im Leben näher getreten sind, ein Gefühl persönlicher Teilnahme auslösen. Die Sonne, die von diesem ehrwürdigen Greis ausstrahlte, die Liebenswürdigkeit, mit der er jeden empfing und die väterliche Fürsorge, mit der er Alte und Junge gleichermaßen betreute — wer könnte dies alles vergessen, Aus Ungarn stammend, jenem Kreis, in dem unsere n-nn fest verankert liegt, zog 'er mit seinen Eltern anfang der achtziger Jahre nach Meran, wo der Vater ein Hotel erösfnete. Als im Jahre 1883 der Baron Willi von Rothschild zur Kur nach St. Moritz wollte, wo man koschere Verpflegung noch nicht kannte, ersuchte er Leopold Bermann mit ihm zu reisen und für diese zu sorgen. B. folgte dieser Aufforderung und gelegentlich dieses Aufenthaltes in St. Moritz erwarb er auf Anraten des Barons von Rothschild das Haus, das als Hotel Edelweiß heute überall bekannt ist. Dieses sowie das Hotel Chamischootzor in St. Moritz. (Bermann unter seinen Gästen.) Bellgria in Meran wußte er zu. Heimstätten der Erholung zu machen, für arm und reich. Manch einer fpeiste wochenlang an der Tafel mit, an dem er sich die msa von O’miK flown im wahrsten Sinne. verdiente. Und in jedem dieser Häuser hatte er sich ein ovwa ms eingerichtet und mit der Liebe ausgestattet, die aus seiner tiefen vrrv' strömte. Dort stand er bis vor wenigen Jahren als im und rrvip und als und es war eine Freude, diesen damals schon Siebzigjährigen zu hören und in seiner hj-d zu beobachten. Und in seinen Mußestunden saß er über einem Sefer, sich freuend, wenn einer seiner Gäste ihm Gesellschaft leistete oder gar mit ihm disputierte. Nun ist er in Meran am mb v"v nach einigen Monaten schweren Leidens hinübergegangen in das ns "n die ehrwürdige Gattin, die ihm im Leben treu zur Seite stand und drei Kinder zurücklassend. Möge v"2pn ihnen Trost sein und die Kraft geben, den Geist des Heimgegangenen in feinen Häusern lebendig zu erhalten. * * * Ferner wird uns aus Meran geschrieben: Heute verschied hier nach langem mit Geduld und Vertrauen auf Gott ertragenem schweren Leiden das Nr. 5 Seite 7 Seniormitglied unserer Gemeinde und Eigentümer der allerorts rühmlich bekannten Hotels Vellaria, Meran und Edelweiß, St. Moritz, Leopold B er m a n n, im Alter von 74 Jahren. Der Verblichene leitete Jahrzehnte hindurch das von feinem Vater Josef Bermann f. A. gegründete rituelle Hotel Starkenhof und gründete später, vor ca. zwei Dezennien das Hotel Vellaria, welches eines der vornehmsten Etablissementsin seiner Art ist. — Sein schlichtes Wesen, Zuvorkommenheit, wahre Frömmigkeit und bedeutendes jüdisches Wissen verschafften ihm die Freundschaft aller, die mit ihm in Berührung kamen. Er leitete seine Institutionen, welche allen rituellen Verlangen Rechnung tragen, in streng traditionellem jüdischen Sinne und wirkte auch selbst in seinen eigenen Bethäusern als Vorbeter. Er hat auch zum Emporblühen unserer jungen Kultusgmeinde, der einzigen im Alto Adige, eifrigst beigetragen und ist stets Förderer aller jüdischen Bewegungen und Institutionen, Unterstützer aller Bedürftigen gewesen, die niemals sein Haus unbefriedigt verließen. Schon schwer leidend, hat er die Leitung des Gottesdienstes stets besorgt und sein Unternehmen in bezug auf rituelles Gebühren gewissenhaft beaufsichtigt. Er hinterläßt eine tiefgebeugte Familie, seine Gemahlin, die ihm jederzeit in unermüdlicher Arbeit zur Seite stand, seinen Sohn, dem er die Leitung des Unternehmens in seinem Sinne einschärfte und zwei Töchter. Wir alle, die sein Wesen und Wirken kannten, werden seiner stets in Ehre gedenken. rrasan- Aufsetz (Bayern), 29. Januar. Am °wi m» verschied plötzlich unerwartet Frau Babette Schloß im Alter von 74 Jahren. Noch vor wenigen Wochen war es ihr vergönnt, an der Feier des 80. Geburtstages ihres Gatten, mit dem sie über ein halbes Jahrhundert vereint war, teilzunehmen. Als Lehrerstochter einer angesehenen echt jüdischen Familie zu Goßmannsdors geboren, erzog sie ihre Kinder als vorbildliche Mutter zu tüchtigen und frommen Jehudim mit aufopfernder Liebe und Hingebung. Freundlich und zuvorkommend war sie allezeit gegen alle Personen ohne Unterschied ihrer Abstammung, so nahm sie sich ganz besonders der Armen und Bedrückten an. Ob trauriges oder freudiges Ereignis in der Gemeinde sich zutrug, immer war sie beflissen, ihre innigste Teilnahme zu bekunden. Wie sie sich auch für das Gemeinwohl bereitstellte, so war sie im Gegensatz für sich sehr bescheiden und anspruchslos. Unter allgemeiner großer Beteiligung der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung fand die Beisetzung zur ewigen Ruhestätte statt, an der Herr Rabbiner Dr. Salomon- Bayreuth in ergreifender Rede die seltenen Vorzüge dieser rühmte. Herzliche Worte des Dankes für die Familie widmete noch der jüngste Sohn der Verblichenen zum Abschiedsgruß. wsin. Klausenburg, 19. Januar. Der Rosch Besdin der hiesigen orthodoxen Gemeinde, Rabbiner Jakob Meie». Wald irx: ist am 13. Teweth unerwartet dahingeschieden. Er hat seit Jahrzehnten eine segensreiche Tätigkeit als Leiter der Schaß-Chewra ausgeübt und ist als wahrer Zadik und Talmid Chochom in der Gemeinde und weit über diese hinaus verehrt worden. Er hinterläßt eine Witwe und acht unversorgte Kinder. rraxin. Hamburg, 11. Jan. Herr Hugo Mainz, Hamburg, der zu den Mitbegründern des Vereins zur Förderung ritueller Speisehäuser e. V. gehörte und seit der Begründung des Vereins ununterbrochen ein Vorstandsamt bekleidete, hat im vergangenen Jahre fein Amt niedergelegt. Aus diesem Anlaß beschloß das dem Vorstand 'angegliederte Rabbinerkollegium, Herrn Hugo Mainz eine besondere Ehrung zuteil werden zu lassen. Am letzten Tage des Chanukah überreichte das Rabbinerkollegmm in Anwesenheit des Vorstandes Herrn Mainz eine in hebräischer Sprache abgefaßte Dankadresse, die die Verdienste des Herrn Mainz um den Verein und damit um Hebung des Kaschruth in den jüdischen Speisehäuser in treffenden Worten schildert. Se. Ehrw ß Herr Oberrabbiner Dr. Carlebach, Altona, hielt eine An- | spräche, die die hingebungsvolle Mitarbeit des Herrn d Mainz m sinnigen Worten schildert, und erklärt, daß der f; Vorstand auch fernerhin bestrebt sein werde, dem Beispiel | des Herrn Mainz zu folgen. Der Gefeierte, der durch die ihm zuteil gewordene Ehrung sichtlich überrascht und ß erfreut war, sprach dem Rabbine"kolleginm und dem Vors, tand seinen Dank aus und versichern, daß er auch fer- Z uerhin die Tätigkeit des Vereins mit dem bisherigen Z Interesse verfolgen werde. K Dieburg, 16. Jan. Die Wahl des Herrn Mar | Baer i. Fa. Kahn und Baer, hier, in die Industrie- und $ Handelskammer, Offenbach a. M., ist vom Ministerium i bestätigt worden. ’ Budapest, 19. Jan. Das Königliche Tribunal verur- § teilte den Redakteur Abonyi Gyula zu Gefängnis- und ß Geldstrafe wegen einer scharfen Kritik an einem unter dem L Titel „Lehren" erschienenen antisemitischen Buch des Dr. Purassa. Das Gericht kam zu der Verurteilung, weil § der Verfasser, trotzdem die Tendenz seines Buches offen- \ ichtlich antisemitisch ist, doch hie und da den Patriotismus i der Juden hervorhebt, also die übermäßige Kritik nicht § verdient habe. § Vermischtes. Bafel, 30. Januar. Die Jüdische Genoosienschasts- | Metzgerei in Basel, Friedrichstraße 24, teilt uns mit, daß sie eine völlig unabhängige Institution, durch Herrn