Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1928)
- Date
- 1928-02-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 5 _ * , wirklich berechtigt, aus Verärgerung über eine solche Sicherheitsmaßnahme durch Gründung einer neuen Organisation, der Achduth, einen Keil in die deutsche Orthodoxie zu treiben und das Uebel, selbst wenn es als solches betrachtet wurde, damit zu verschlimmern, statt es durch Gelassenheit und Mitarbeit zu bessern? Das gelob e Land in Sibirien. In der jiddischen Tageszeitung „Emes", Organ der jüdischen Sektionen der kommunistischen Partei, veröffentlicht A. Tschemeriski, der Führer der jüdischen Sektionen^ und Mitglied der Regierungskommission für jüdische Landansiedlung K o m z e t, einen aufsehenerregenden Artikel über den in Regierungskreisen bestehenden Plan der Errichtung eines „Jüdischen Landes" 'n einer der landwirtschaftlich fruchtbaren und an Bodenschätzen reichen Gegenden Sibiriens. Tschemeriski weiß über dieses gelobte Land folgendes zu erzählen: Das Gebiet, das die besten Vorbedingungen, das „Jüdische Land" zu werden, besitzt, trägt jetzt den Namen „Birer-Vidschaner Rayon" und grenzt im Süden an den Amurfluß, im Norden an die Eisenbahn,< im Westen an den Fluß Chingan. Es mißt zwei Millionen Hektar, ungefähr soviel wie die Halbinsel Krim oder Palästina in den historischen Grenzen. Es leben in diesem Lande gegenwärtig 27 00.0 Menschen, also ein Mensch auf einem Quadratkilometer. Das Land besitzt eine fruchtbare Niederung von 1 400 000 Hektar guten landwirtschaftlichen Bodens, sowie Berg- und Waldmassivs, wo Möglichkeiten für Entwicklung intensiver Landwirtschaft und industrieller, vor allem bergindustrieller, Anlagen bestehen. Man wird schon in den nächsten Jahren 36 000 Familien landwirtschaftlich ansiedeln können. Nimmt man eine Einwohnerschanst von 50 Menschen auf einen Quadratkilometer als Norm, so wird hier Platz für eine jüdische Bevölkerung von einer vollen Million Seelen sein. Die klimatischen Bedingungen sind vorzüglich, es gedeihen dort Weizen, Reis, Hülsenfrüchte, Baumfrüchte, in guter Qualität, der Weinbau hat gute Aussichten. Die Ansiedlung einer Familie stellt sich dort bei freier Erde auf rund 2000 Rubel. Das Gebiet sei durch eine wissenschaftliche Expedition von Komzet, der erprobte Gelehrte angehörten, nach jeder Richtung hin erforscht worden, man könne das Land im Bewußtsein der ganzen Verantwortung für jüdische Siedlung empfehlen. Tschemeriski teilt mit, daß K o m z e t den Beschluß gefaßt hat, für seine Arbeit den Birer- Vidschan er Rayon im Fernen Osten zu. fort, eine aus der Illustration entlehnte Abbildung eines der beschriebenen Täfelchen zu Gesicht kam, war ich sofort betroffen von der großen Verwandtschaft der Schrift mit der sogenannten sinaitischen Schrift. Gemeint ist! damit die Schrift, mit der die unter der Pharaonin Hatschepsut (1501 bis 1480 vor d. ü. Zeitr.) und dem Pharao Thutmoses III. (1480 bis 1447 vor d. ü. Zeitr.) in den Minen der Sinaihalbinsel arbeitenden Hebräer ihre kleinen Bildwerke und Steintafeln beschrieben: haben. Man hat diese erst vor wenigen Jahren gefunden, in und bei den Ruinen des ägyptischen Tempels auf der Höhe von Serabit el Khadem, und hat inzwischen auch die Schrift auf diesen kleinen althebräischen Denkmalen, in der Hauptsache jedenfalls, entziffert. Mit Hilfe der hier gewonnenen Ergebnisse konnte ich die bloß mit Konsonannten geschriebene Inschrift auf dem Täfelchen ohne große Schwierigkeiten lesen. Es steht darauf: „Sakaph ist begraben (gn (u) z), der Sohn (bn) von Lahak (Lik?). Die Erinnerung (zeker) hat mich bewogen oder getrieben (ndan (j) mit Aleph)" — nämlich die Tafel aufzustellen. Man hat es hier also mit einer Totentafel oder Gedächtnistafel für einen Verstorbenen zu tun. Sie erinnert ihrem Inhalt nach stark an die Totentafeln am Sinai. Auch die Schrift der Tafel entspricht zu einem guten Teil noch unmittelbar der sinaitischen, und die Sprache kann man als aühebräisch bezeichnen. Hieraus habe ich geschloffen, daß in alter Zeit, am Ende der neolithischen Kulturperiode, die in so abgelegenen Gegenden wie der von Glozel besonders lange fortbestanden haben wird, frühestens um 1400 vor d. ü. Zeitr., eher einige Zeit später, Semiten aus der Sinaigegend (Kananiter oder Hebräer, oder Angehörige anderer semitischer Stämme) nach Glozel gekommen sein müssen, sich hier auf einem Terrain, wo früher Menschen mn praläothischer und neolithischer Kultur gewohnt hatten, Der Israelit sichern und Maßnahmen zur Organisierung der Arbeit in diesem Rayon noch im laufenden Jahre zu ergreifen. Man wird , mit seinem Urteile noch abwarten müssen, bis man Näheres über dieses neue Projekt erfährt. Zehn Zahre „Etania-. Zum zehnjährigen Bestehen der Lungenheilanstalt „Etania" in Davos hat der „Hilfsverein für jüdische Lungenkranke in der Schweiz" eine schöne Jubiläumsschrift erscheinen lassen, die, reich ausgestattet mit Artikeln und Bildermaterial, ein klares Bild von der Anstalt und ihrer Leistung gibt. Wir geben im folgenden einen der oriew tierenden Aufsätze im Wortlaute wieder: In herrlicher Gebirgslage, inmitten der schneebedeckten Alpenwelt, liegt in anmutigem, rings von - schützenden Bergen umschlossenem Wiesental der Weltkurvrt für Lungenkranke, Davos. Schon feit vielen Jahrzehnten durch seine Heilwirkung bekannt, nahm Davos mit der Eröffnung der Bahn Landquart—Davos im Jahre 1890 einen raschen Aufschwung. Das weltentrückte Hochtal verwandelte sich mit einem Schlage in den großen, ununterbrochen von Heilungsuchenden 'aller Länder und Erdteile ausgesuchten Kurort. Mit der Einsicht der Aerzte, daß hier in der kalten trockenen Gebirgsluft die Lungenkrankheiten besser heilen als im sonnigen Süden, verband sich die Erkenntnis, daß nicht an sich schon eine gewisse Höhenlage genüge, um einen Heilerfolg sicherzustellen, sondern daß Davos es dem Zusammenspiel einer ganzen Kette von für die Heilung der Lungentuberkulose günstigen Bedingungen verdankt, wenn seine Heilerfolge alle anderen in den Schatten stellen. Neben dem ausgesprochenen Hochgebirgscharakter liegen die wesentlichen Vorzüge von Davos in der intensiven Sonnenbestrahlung, dem fast völligen Fehlen von Nebeln, der großen Trockenheit und einer bis sechs Monate anhaltenden, vor Staub schützenden Schneedecke. Es bildet für jeden Neuangekommenen die große Ueberraschungwie unabhängig von der Jahreszeit und der zufälligen Witterung der Körper sich in Davos fühlt und wie wenig er unter der Kälte oder der Hitze zu leiden hat. Der Patient kann, ohne die nachteiligen Folgen eines Temperatursturzes, übermäßiger Luftbewegung usw. fürchten zu müssen, zu jeder Jahreszeit den größten Teil des Tages im Freien zubringen. Als ein weiterer Vorteil kommt hinzu, daß Davos dank seiner Höhenlage die Blutbildung schon des gesunden, mehr und i schneller noch die des kranken Menschen anregt i niedergelassen und von da aus mit der Umgegend Handel getrieben haben. . j Dr. Volten hält die Meinung für unrichtig, daß die i Funde von Glozel uns in die älteste neolithische Zeit iversetzen und schließt seine Studie in der „Neuen Züricher Zeitung": Das ganze Rätsel von Glozel besteht darin, daß hier zwei verschiedene Kulturen zusammen- J gestoßen sind, die der' einheimischen Bevölkerung, die noch ganz die neolithische war, und die höhere jener semitischen Handwerker und Händler aus dem Sinaigebiet, die bereits mit Kupfer- und Kupferarbeit und mit der Schrift bekannt waren. (Verbrechen im Walde.) Bei einer in Ellrich stattgefundenen Treibjagd wurde durch ein Stück Wald abgetrieben. Fabrikant Tepper erlegte in diesem Trieb einen guten Sechserhirsch. Der Hirsch hatte am linken Hinterlauf eine starke Drahtschlinge, die sich oberhalb der Schalen vollständig festgezogen hatte. Der Hirsch hatte vor Schmerzen den Lauf geschont, deshalb waren die beiden Schalen ungefähr zehn Zentimeter lang gewachsen. Durch die Strangulation hatte sich auch das 'Geweih abnorm gebildet. Die rechte Stange zeigte Gabelbildung. Man kann diese erbärmliche Art des Wilderns nicht scharf genug verdammen. Läßt sich doch wieder erkennen, welche großen Schmerzen das arme Tier erleiden mußte, ehe es — nur durch Zufall — zur Strecke gebracht wurde. — Was sagen unsre schächtfeindlichen Tierschützler dazu? (Darf eine jüdische Gemeinde einen Juden aus Palästina verbannen?) Die jüdische öffentliche Meinung Palästinas ist durch den folgenden Vorfall in starke Erregung geraten: ein vor etwa sechs Jahren aus Ungarn 2. Februar 1958 und auf diese Weise mit der Heilung dös Lungenleidens auch ihre häufigste Begleiterscheinung, die Blutarmut, beseitigt.' Alle diese Gründe haben aus Davos den Lungenheilkurort der Welt par excellence gemacht, und es wäre ein aussichtsloses Unterfangen, wollte ' man anderswo künstlich die Bedingungen schaffen, mit denen die Natur Davos in so reichem Maße beschenkt hat. Es versteht sichendlich von selbst, daß die „Stadt im Gebirge", wie Davos bezeichnet wird, auch über alle gesellschaftlichen und bildenden 'Einrichtungen einer solchen verfügt. Im nördlichen Hang zwischen Davos-Dorf und Davos-Platz erhebt sich, nahe dem grünen Wald, ein stolzer Bau, die Heilstätte des Hilfsvereins für jüdische Lungenkranke in der Schweiz „Etania". Ihre Lage ist eine vorzügliche; windgeschützt, ruhig und etwas erhöht. Hinter dem Hause erstreckt sich gegen Norden der breite Waldrücken der Schatzalp, rechts und links ist freies Gelände, und der herrliche Ausblick ins Tal und auf die Alpen ist unverbaubar. Die breite Front des früheren Hotel „Excelsior", das im Jahr 1913 erbaut wurde, liegt gegen Süden, so daß die Mehrzahl der Zimmer die für die Lungenkranken günstigste intensive Sonnenbestrahlung vom frühen Morgen bis in den späten Nachmittag hinein besitzen. Sämtliche Südzimmer verfügen über breite gedeckte Liegehallen,, und das Parterre enthält eine allgemeine Liegen halle für die Bewohner der Nordzimmer. Die Zimmer sind ausnahmslos hell und mit allen Annehmlichkeiten in einer Weise ausgestattet, daß. der bedrückende Eindruck von Krankenzimmern glücklich vermieden ist. Die Fenster sind zweiteilig, mit Oberlicht, und die Wände mit abwaschbaren, also hygienischen, Tapeten bedeckt. Alle Zimmer sind trocken und durch eine Warmwasseranlage heizbar, und in jeder Etage befindet sich ein in weißen Wandplatten gehaltenes Badezimmer mit eingebautem Bad und einer Warm- und Kaltwasserleitung. Das Parterre weist die geräumigen, doch freundlichen Speise- und Gesellschaftsräume auf und enthält auch den Raum für die Synagoge. An sanitären und hygienischen Einrichtungen ist die „Etania" den größten Davoser Weltsanatorien durchaus ebenbürtig und verfügt auch über ein modernes Röntgenkabin^tt. Mit der Villa' „Winterheim", die in erster Linie für lungenkranke Kinder reserviert ist, zusammen bietet die „Etania" Raum' für mehr als hundert Patienten. So sehr auch alle Vorteile von Davos, die günstige Lage und Ausgestaltung des Hauses für die Errichtung einer Heilstätte sprachen, für die Schaffung einer jüdischen Heilstätte bedurfte es einer tieferen Rechtfertigung. Die Erkenntnis in Palästina eingewandter jüdischer Schneider Chaim Blum hatte einer Frau ins Gesicht gespuckt; dafür belegte ihn der jüdische Magistrat der Stadt Haifa mit einer Geldstrafe von ll/2 Pfund und verfügte seine Ausweisung aus Palästina. Die Ausweisungsverfügung hat unter der Judenschaft Palästinas großen Unwillen hervorgerufen, man wendet ein, daß ein Jude nicht aus Palästina verbannt werden dürfe. Gegen die Ausweisungsverfügung wurde Berufung eingelegt. (Die Juden in Afghanistan.) Die Weltreise des Königs Amanullah von Afghanistan hat auch das Interesse für die in diesem mittelasiatischen Lande lebenden. Juden geweckt. In Afghanistan leben rund 5000 Juden. Sie wohnten früher alle in Heirath, jetzt findet man jüdische Gruppen in Khandar, Mimona, Mouzari-chevis, Anchei und in anderen kleineren Städten. In ihrem Aeußeren sind die Juden Afghanistans von der übrigen Landesbeoölkerung nicht zu unterscheiden, sie führen auch die gleiche Lebensweise, meist beschäftigen sie sich mit Handel. Man findet mehrere junge Juden, die ihre Ausbildung in Europa genossen haben. Der jetzige König unterhält die besten Beziehungen zu den Juden seines Landes. Die Juden Afghanistans stammen von jenen Marannen ab. die vor etwa 90 Jahren Persien verlassen haben, um ihrem jüdischen Glauben weiter leben zu können. In Kabul leben noch 30 jüdische Familien, die von den alten einst vertriebenen Juden Afghanistans abstammen. Einige von ihnen sind sehr reich, man nennt sie die „alten Kabuler Familien". Das afghanische Volk selbst hält sich für einen Abkömmling des jüdischen Stammes Benjamin, die Afghanen nennen sich auch Benjameniten. Die Juden Afghanistans sind gute Patrioten ihres Landes: im letzten Krieg gegen England kämpften sie in den Reihen des afghanischen Heeres.