Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1928)
- Date
- 1928-02-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 Seite 3 I 2, Februar 19L.8 lübernehmen, durch intensive Bearbeitung nicht Isabbatseiernde Betriebe für die Einstellung sab- Ibathaltender Angestellter zu gewinnen. Die IHauptaufgabe muß aber die Erschließung n e u e r eruf sm ö gl ichk e i ten sein, und wenn I dieselbe mit der erforderlichen Intensität ange- I packt wird/ bin ich überzeugt, daß günstige Er- I gebnisse erzielt werden können. Um nur Einiges I herauszugreifen: es müßte zu ermöglichen fein, lauf m i t t l e r e n Beamtenposten Sabbat b e fr eiun g durchzusetzen. Loyale Kommunalverwaltungen werden es sicherlich nicht im Prinzip. ablehnen, im Verhältnis zur Bevölke-- rungsziffer jüdische Beamtenanwärter anzunehmen, und es ist Sache der Beratungsstelle, diejenigen Verwaltungszweige festzustellen, bei > welchen sich Dienstbefreiung am Sabbat etwa bei gleichzeitiger Dienstbereitschaft am Sonntag am leichtesten durchführen läßt. Auch bei den Verkehrsverwaltungen, bei welchen ohnehin auch im Innendienst Sonntagsarbeit geleistet werden muß, müßten Leute unterzubringen sein. Natürlich kann es sich, zumal im Anfang, nur um vereinzelte Bewerber handeln, die genau auf ihre persönliche und sachliche Qualifikation geprüft werden müssen ,denn es gehört neben sonstiger Eignung auch viel Takt dazu, als Jude und zumal als frommer Jude derartige Posten nicht allein auszufüllen, sondern auch weiteren Gesinnungsgenossen den Weg dahin zu ebnen. Dann gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Berufe, die in der Hauptsache zu den sogenannten freien Berufen zu zählen sind, und die seither von unseren Kreisen noch kaum in Betracht gezogen wurden. In den letzten Jahren haben sich allerorts z. B. zahlreiche Steuerberater niedergelassen, die sich außerdem als Bücherrevisoren, Treuhänder und dgl. betätigen/man findet kaum fromme Juden unter ihnen, obgleich der Zustrom zu diesem Berufe beweist, daß er einem Bedürfnisse entspricht. Auch volkswirtschaftlich geschulte?räfte sind gesucht, und man wird gerade bei der Umschau nach geeigneten Persönlichkeiten für die Leitung dieser Beratungsstellen merken, wie wenig sie in unseren Kreisen zu treffen sind. Technische Berufe/ Bau- und Innenarchitekten u. a. m. lassen sich leicht in Selbständigkeit ausüben und gestatten dadurch SabbatheiUgung. Außer zur Ausbildung sindhierbei größere Summen nicht erforderlich, denn es muß immer danach getrachtet werden, .neue Aspiranten so viel als möglich von dem überfüllten kaufmännischen Beruf abzuziehen, dessen Aussichten sich so verschlechtert hüben- Lebensstellungen sind heute wieder viel schwerer zu erlangen, und die Möglichkeit einer Selbständigmachung ist durch die große Kapitalarmut, die in Wahrheit noch (ILnbinkeru gegen Fiscalor). Das Berliner Landgericht hatte sich dieser Tage w iederum m t einem Prozeß gegen die Piscator-Bühne wegen der Aufführung des „Rrsputin" zu befassen. Bekanntlich hat, wie wir schon mitgeteilt haben, der russische Bank'er Generalkonsul Dimitri Rubinstein eine einstweilige Verfügung erwirkt, die verbot, daß in dem «tück ein Träger seines Namens auftritt und als ein verabscheuungswürdiger Typ dargestellt wird. Der Name Rubenstein ist inzwischen in Orenstein umgewandelt worden, der Dialog auch an einigen Stellen gemildert. Der gestrige Termin handelte über die Aushebung der einstweiligen Verfügung, gegen deren Berechtigung Piscator sich wandte. Die Rechtsanwälte G.onemann und Dr. Klee erklärten als Sachwalter Rubinsteins, daß kein lebendiger Mensch sich gefallen zu lassen brauche, aus der Bühne als Spion charakterisiert und mit dem Ausdruck .Halunke" belegt zu werden, und daß es vor allen Dingen unerträglich^ist, daß in dem Stück Rubinstein in einer lasziven Szene Rasputin den Rot gibt, den Zaren durch die Zarin beiseite schiffen zu lassen. Es habe mit Freiheit der Kunst nicht das Geringste zu tun, wenn eine Persönlichkeit, die allen diejen politischen Vorgängen völlig fern stand, mit solchen, ihn in den Augen der Welt herabsetzenden Tatsachen belastet, aus der Bühne dargestellt wird. Es fei übrigens frhr wahrscheinlich, daß die vor kurzem in Paris erfolgte Verhaftung Rubinsteins, der inzwischen wieder aus freien Fuß gesetzt ist. auf die Darstellung auf der Picatorbühne und die Charakterisierung, die er dort gesunden hat, zurückzusühren sei. Die Stellung von Schadenersatzansprüchen müsse Vorbehalten bleiben. Demgegenüber wies der Vertreter Erwin Piseators, Dr. Goldbaum, darauf hin, daß die Piseatorbühne das Recht haben müsse, vor Persönlich- Der Israelit viel tiefgreifender ist, als man sich selbst in Wirtschaftskreisen bewußt ist, gegen früher ganz bedeutend erschwert. Arbeitet doch unsere Wirtschaft zu einem sehr großen Teil mit ausländischem Geld. Trotzdem wirh es auf absehbare Zeit noch dabei bleiben müssen, für einen großen Prozentsatz der in den Beruf Tretenden oder einen Erwerb Suchenden im kaufmännischen Beruf Unterbringung zu suchen. — Auch der Zugang zur Landwirtschaft, so überaus begrüßenswert er ist, bedeutet im jetzigen Stadium zum erheblichen Teil, noch eine Geldfrage, wird also nur verhältnismäßig Wenigen offen stehen. Immerhin wird aber auch diesem wichtigen Punkt seitens der Beratungsstellen besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden sein. Aus diesem Aufgabenkreis erhellt, daß diese Organisation, um ersprießlich arbeiten zu können, schon allein durch die Personalaüsgaben erhebliche Mittel erfordern wird, aber ich halte dafür, daß nur etwas erreicht werden kann, wenn von vornherein ganze Arbeit geleistet wird. Es wird schwierig sein, die Mittel zur Unterhaltung zunächst einer Mindestzahl von Beratungsstellen aufzubringen, aber wenn die Sache richtig aufgezogen wird, glaube ich, daß der Aufwand sich lohnen wird. In Anbetracht dessen, daß die zu lösenden Aufgaben in hervorragender Weise Sache der «Gemeinden sind, sind diese und die Gemeindeverbände auch in besonderem Maße zur Bereitstellung der Mittel heranzuziehe-n. Wer über soll nun Träger der Organisation selbst sein? Ich verkenne nicht, daß wir bereits an einer Hypertrophie von orthodoxen Organisationen -leiden, aber trotzdem sehe ich keinen besseren Weg, 'als eine besondere Organisation für diese Aufgabe ins Leben zu rufen, einmal weil nur eine 'solche, die mit keinen anderen Aufgaben belastet .tft, die nötige Stoßkraft und die nötige Konzentration aufbringen kann, ohne welche es nür halbe -Arbeit geben würde, und dann um alle Kreise,;denen die Sabbatheiligung am Herzen liegt, umfassen zu können. Ich denke an die Gründung eines Verbands, etwa mit dem kurzen Namen „Sabbathilfe",' dem sich sowohl Verbände wie Gemeinden — alle Gemeinden — und Vereine und Privatpersonen anschließen sollen. Ihn sollen alle unterstützen und fördern, die die Bedeutung des Schabbos begreifen; auch solche Kreise, die im praktischen-Leben ihm schon entfremdet sind, aber seine ideellen Werte würdigen, können ihre Unterstützung leihen. Nur auf breitester Basis und in umspannendstem' Rahmen kann, wird aber auch mit Gottes Hilfe das hohe Ziel erreicht werden. ketten mit so bewegtem Lebenswsndel zu warnen. Er erinnerte daran, daß Rabinstein in Berlin Besitzer der »Bank von Beneckendorf und Hindenburg" gewesen sei. die später als ..Merkurbank" in den Besitz der Barmats überging. Im Uebrigen habe Rubinstein in Rußland eine Rolle gespielt, die ihn zur Persönlichkeit der Zeitgeschichte mache, mit Persönlichkeiten der Zeitgeschichte aber dürfe sich die Bühne befassen. Als Zeuge wurde dann Leo Lania, Mitglied des dramaturgischen Rates der Piscatorbühne. vernommen. Leo Lania bat sich der Berliner Zeitschrift „Das Tagebuch" ausführlich über Rubinstein und seine Vergangenheit geäußert. Er gab an, ein Großneffe Rubinsteins zu fein. Rechtsanwalt Gronemann wies noch besonders daraus hin. daß die Umwandlung des Namens Rubinstein in Orenstein auf der Bühne keineswegs Unkenntlichmachung bedeute, zumal einer der Schauspieler gelegemlicb auch sagte: „Orenstein. oder wie der Kerl sonst beißt". Rechtsanwalt Dr. Klee betonte, daß, welche Stellung man auch immer zum ancien Regime in Rutzl md etnnehmen möge, es für einen lebendigen Menschen auch heu e noch eine furchtbar diskreditierende Sache fei. (vorausgesetzt, daß er der russischen kommunistischen Partei nicht angehört), wenn man auf der Bühne ibm nachsagt, daß er den Rat gegeben habe, den Zaren zu-beseitigen, wobei es im Zweifel gelassen werde, ob die Beseitigung nicht durch Mord erfolgen soll. — Die Entscheidung des Gerichtes wird in den nächsten Tagen verkündet werden. Die zweite Nummer des pKarv Organ für die gefetzestreue Jugend in Litauen, ist erschienen. Sie enthält auf der ersten Seite einen Aufruf für Wochenrundschau. Bekenntnisse einet schönen Seele. Der Warschauer Korrespondent des „Jewifh Chronicle" veröffentlicht in seinem Blatt ein Interview, daser mit dem Vicepräsidenten des polnischen Misrachi, Dr. S. Feldmann, gehabt hat, und das so bemerkenswerte Geständnisse über di-? Tendenzen der misrachistischen Organisation in Polen enthält, daß die Oeffentlichkeit sich/dcr Kenntnisnahme dieser Erklärungen unter keinen Umständen entziehen kann. Dr. Feldmann sagte wörtlich folgendes: „Der Misrachi steht auf der Grenzlinie zwischen Zionismus und Orthodoxie. Er verwirft nicht die religiösen Empfindungen des Juden, aber er besteht nicht auf einer blinden Gefolgschaft gegenüber den religiösen Einzelheiten. Der Misrachi ist die l i b e r a l e Partei unter den Juden und gewinnt von überall her Mitglieder. Die Tage der Orthodoxie — fo fährt Dr. Feldmann fort— sind vorbei. Das Judentum muß die wissenschaftlichen Ergebnisse der Zivilisation anerkennen. Die jüdische Religion kann sich «dem Fortschritt nicht entziehen, den die -Welt seit den Tagen des Talmud gemacht hat. Auf der anderen Seite hat der Jude große und tiefe religiös« Gefühle und edle Traditionen, die man jnicht verschwinden lassen darf. Es gibt viele Juden besonders unter der Mittelklasse, die nach einem gewissen Kompromiß suchen zwischen der alten Orthodoxie und der neuen Irreligiosität. Sie können nicht mehr blind glauben, aber ebenso wenig können sie einer Partei folgen, welche vergißt, daß die nationalen und religiösen Empfindungen der Juden nicht geteilt werden dürfen. Die orthodoxe Partei verlangt zuviel Religion, die zionistische zu wenig. Der Misrachi steht in der Mitte und strebt darnach, alle Aspirationen der jüdischen Seele zu befriedigen. Der Misrachi hat Kolonien in Palästina und ist im Begriffe, weitere zu gründen. Er schafft sich keine besonderen Siedlungen wie diejenigen der Aguda. Er sucht zu vereinigen und nicht zu trennen." ' Nach dieser feierlichen Deklaration des Misrachi zur liberalen Mittelpartei, die eine weit gefährlichere Spielart der religiösen Reform darstellt als das offene „Richtlinien"-Iudentum, werden es aufrichtig fromme deutsche Misrachisten und Gemeindeorthodoxe wohl psychologisch würdigen, wenn die polnische Landesorganisation der Agudas Jisroel an dem berühmten Paragraphen 4 als wertvoller Sicherung des religiösen Charakters der Aguda mit solcher Zähigkeit festhält und für ihr e i g e n e s Land noch weit darüber hinausgeht. War es die Olim-Idee, dem sich eine Art Begründung und Empfehlung in einem Artikel unter dem Titel ppn ’ftjy-nT’TV anscbließt. In der Rubrik nsxan Vs? werden aktuelle Erscheinungen der letzten Wochen, u. a. die Agudatagungen in Berlin, Frankfurt und Warschau besprochen. Herr Dr. Deütschländer widmet einen Artikel über die Psalmen seinem Lehrer Bachmann zu dessen 70. Geburtstag (Backmann V'st ist inzwischen verstorben). Weitere Ariikel behandeln Erziehungssraaen, das Verhältnis zwischen Thora und Leben (Rabbiner A. S. Heller), Exegetisches und Symbolisches in der heiligen Schrift (R. Grstfchkin). mttn lipv» benennt sich ein Aussatz, der sich wie ein Gebet, ein Aufschrei zu Gott um SSilfe lieft. Den R st bilden Mitteilungen aus dem Lehrerseminar in Telschi, Berichte über die Vorgänge in der jüdischen Welt, Bekanntmachungen und Nachrufe. Unter dem Strich finden wir das uns von früher her schon bekannte Feuilleton n'vnvn von Rabbiner I. Weinberg. Man steht, die Herausgeber haben ihre Aufgabe erfaßt und wissen, ihr mit Geschick und Geschmack gerecht zu werden. Die Redaktion liegt in den Händen des Herrn I. Smulewitz in Telstai. Herausgeberin ist die Organisation „Zeire Israel in Litauen". (Hebräische Inschriften in Glozel?) Der bekannte Schweizer Archäologe Dr. Volten äußert sich zu den Funden von Glozel fti Frankreich, um deren Echtheit oder Nichtechtheit ein so großer Streit entbrannt ist. lieber di« Echtheit der Stein- und Tontäfelchen, schreibt Dr. Volten, entscheiden die Inschriften, die man noch recht gut lesen kann; ihre Schrift, ihre Sprache und ihr Inhalt waren von einem Fälscher nicht zu erfinden. Als mir Ende des Jahres 1927, fährt Dr. Volten