Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1928-01-19 · Heft 3 (19.1.1928) · page 20

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 3 (19.1.1928)
Date
1928-01-19
Page
– (sequence 20)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2450495-2450498--74656-2532139
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Teile 4 Nr. 2 Der 3 * * a i l i t Blatter 19. Januar 1928 arbeit geschaffen werden, die, wo es nötig ist, für die Durchführung ihrer Aufgaben besonderer, sachlich geschulter, besoldeter Kräfte bedienen. 4. Es ist zum Beschluß zu erheben, daß von sämtlichen bei der Agudo einlaufenden bestimmt normierten Mitgliedsbeiträgen ein fester Prozentsatz für die Palästina-Arbeit zurückgehalten wird, damit die Ausstellung eines Minimalbudgets möglich ist. 5. Wenngleich ein allgemein gültiges Schema für die Ausbringung von Mitteln für die Palästinazentrale nicht gegeben werden soll, so ist doch grundsätzlich darauf hinzuweisen, daß für die kulturellen Einrichtungen die Werbung bei der breiten Masse (durch Rausch Chaudesch- Spende u. d. g.) in Frage kommt, während für die wirtschaftlichen Aufgaben die Gewinnung einzelner potenter Persönlichkeiten durch persönliche Bearbeitung zu erstreben ist. 6. Es ist erstrebenswert, daß in Zukunft möglichst einzelnen Landesorganisationen bezw. finanzkräftigen Ortsgruppen die Verpflichtung zur Erhaltung ganz bestimmter Einrichtungen kultureller Art bezw. wirtschaftlicher Natur unter Selbstverantwortung übertragen wird. Begründung: Es wird auf diese Weise das Veranwortlichkeitsgefühl geweckt, und positive Mitarbeit nicht nur in geldlicher Hinsicht herbeigeführt. ■> Diese Anträge werden angenommen. Die Wirtschafts-Kommission ist mit ihren Beratungen noch nicht zu Ende. Es stellt sich heraus, daß es nötig ist, die Verhandlungen über Mcuhaneh Jisroel und über Olam und Madhar zwei getrennten Kommissionen zu übergeben und zwar soll ersteres in der Wirtschaftskommissioon weiterbehandelt werden, letzteres in einer Finanzkommission. Es wird befchllsten, durch die Presse und durch Rundschreiben die Erweiterung und Vergrößerung der Habaith Company Limited zu propagieren- und ferner Einzelkäufer., für den Boden in Olam und Madhar zu gewinnen, welcher zu besonders günstigen Preisen bis zum 15. Februar abgegeben werden soll. Im Zusammenhang damit referierte Herr Dr. Robert Weiß über di e p a l ä st i n e n - fische Wirtschaftskrise und ihre U e b e r w i n d u n g. Der Referent untersuchte zunächst die rein wirtschaftlichen Ursachen der Krise. Was den angeblichen Kapitalmangel anlange, so wären in den letzten zehn Jahren reichlich Kapitalien ins Land gekommen, es fei aber nicht geglückt, den Kapitalstrom systematisch einzufassen; die Millionen Pfunde der vierten Alijah sind zu einem sehr großen Teil in der arabischen Wirtschaft und bei den Importeuren und bei den Regierungskassenversickert. Eine gnmeingefährliche Bodenspekulation habe den Aufbau in Stadt und Land, maßlos verteuert. Die Einwanderung wurde hauptsächlich von halb- und ungeschulten Kräften bestritten und war unorganisch. Das Verkehrswesen war durch die bekannt schlechten Hafenverhältnisse, durch die hohen Eisenbahntarife und den entwicklungsfeindlichen Benzinzoll nicht in der Lage, die jüdische Ansiedlung ausreichend zu fördern. Die Maßnahmen der Betz ö r d e n insbesondere auf dem Gebiete der Zölle und Steuern hemmten die jüdische Ansiedlung, ja machten lange Zeit industrielle Neugründungen infolge der Zölle auf Maschinen und Rohmaterialien geradezu unmöglich. Es sei sehr bedauerlich, daß die Aufmerksamkeit des Jischuw und der in Palästina arbeitenden Organisationen zu sehr auf politische und kulturelle Fragen konzentriert war, so daß ein gemeinsames Vorgehen wenigstens in wirtschaftspolitischer Hinsicht nicht zustande kam. Die Folge solcher mangelhaften ökonomischen Voraussetzungen war, daß die Krise alle Wirtschaftszweige des Landes, mehr oder weniger erfaßt hat. Bei der Industrie ist noch als erschwerend hinzu, gekommen, daß allzu viele Betriebe ohne Kapital, ohne Fachkenntnisse und ohne ausreichende Absatzsicherungen eröffnet worden sind. Ferner habe ein ungesunder Ueberfluß an kleinen und kleinsten H andelsfirmen geherrscht. Die ganze Entwicklung trug einen anarchistischen Charakter, es war kein systematischer Aufbau, sondern ein wüstes Durcheinander und Gegeneinander. Nunmehr seien aber B e s s e r u n g s s y m ptome vorhanden, die richtig verstanden und ausgewertet, die Hoffnung auf eine Ueberwindung der Krise zuließen. Es sei annehmen, daß nachdem der Bericht der Expertenkommission vorliegen wird, die Zionisten' versuchen werden, die Finanzierung einer jüdischen Siedlungsanleihe für rein wirtschaftliche Zwecke in Angriff zu nehmen. Der Anleiheweg, wie ihn Dr. Rup p in vorschlage, sei nach der Ansicht des Referenten der einzig richtige Weg, um durch konstruktive Wirtschaftsarbeit die Voraussetzungen zur politischen und kulturellen Arbeit im Lände zu schaffen, gleichgültig von welcher Weltanschauung auch immer ausgegangen werde. Der ökonomische Rahmen der Landwirtschaft sei allen Siedlungsbestrebungen, den zionistischen ebenso wie den anderen g e m e i n s a rrt. Daraus müssen Konsequenzen gezogen werden. Die Breslauer Zentralratstagung und die Keneffio Gedauloh haben die Möglichkeit einer rein wirtschaftlichen Kooperation mit Andersgesinnten für die Aguda offen gelassen. Es wäre nach Ansicht des Referenten an der Zeit, diese Frage einer erneuten Prüfung zrr unterziehen. Was das Bodenproblem anlange, so hätten sich durch den Preisdruck die Verhältnisse gebessert. Es sei aber als nächste Arbeiten auf bodenpolitischem Gebiete -die Verständigung sämtlicher landkaufenden Gesellschaften und ein gemeinsames Vorgehen bei der Regierung bezüglich Staatsländereien zu fordern. Auf dem Gebiete des Verkehrswesens sind durch die Hafenbauten und anderen Arbeiten Besserungsanzeichen gegeben. Auch die Behörden hätten durch Zoll- und Steuerreformen die Situation etwas erleichtert, es fei dies aber nur ein Anfang, der nur durch gemeinsames Vorgehen aller Kreise des Jischuw in der wirtschaftspolinschen Hinsicht weitergefördert werden könne. So schwerwiegend auch die Differenzen im Jichuw, insbesondere in religiös-kultureller Hinicht, seien, die allen gemeinsame wirtschaftliche Not sei zu groß, als daß nicht wenigstens in diesen rein ökonomischen Fragen eine Einigung und ein gemeinsames Vorgehen den Behörden gegenüber anzustreben wäre.. Auf l a n d w i r tchaftlichem Gebiete haben insbesondere die O r a n g e n p l a n t a g e n sehr erfreuliche Fortchritte gemacht. Die wirklichen -Industrien les Landes, die die Krise überlebt haben, insbeondere auf dem Gebiete der Zement-,- Streichholz-, Strumpf-, Schokolade- - und Mazzothfabrikation, haben schöne Erfolge aufzuweisen, so.daß man für diese Unternehmungen von einer vollendeten Konsoldierung sprechen kann. . Die allgemeine Besserung der Wirtschaftslage komme auch in der letzten palästinensischen Handelsbilanz zum Ausdruck. Die Arbeitslosigkeit drücke nach wie vor das jüdische Siedlungswerk, aber die Krise habe ihren Höhepunkt bereits überschritten und wenn das jüdische Volk, insbesondere seine Finanzkreise Erez Jisroel gegenüber nur einen Bruchteil jener Aktivität aufbringen werden, die sie für irgend eine exotische Anleihe einzustellen bereit sind, dann werde der Aufbau in vorsichtiger Form und . .unter gründlicher Berücksichtigung der Lehren der etzten. Jahre wieder fortgesetzt werden können. Voraussetzung aber sei eine Einigung a.l l e r b e t e i l i g t e n K r e i s e.... vo e tt ig sten-s i n w ir t scha f t s p o l i t i s ch e r Hin sichft Sei einigermaßen gutem Willen wird die .einige jüdische Wirtschaftsfront geschaffen, ryerden können. Im Anschluß an dieses Referat wird folgender Antrag Dr. E h r m a n n und Dr. Weiß angenommen: - , Die wirtschaftliche Entwicklung des Jischuw, im Lande verlangt jetzt ganz besonders: - a) H. e r a b s e tz u n g d er Veranlagung - für Besitzsteuer (Wirko) in Fällen von Eigentumsübertragungen., -1 . . b) Herab s e tzun g der Gebühren für Ei ge ntums titel (Kuschane), c) st e u e r l i ch e E x l e i ch t e r u n ge n für landwirtschaftliche - Sielungen (Oscher, Wirko), ' ' d) Befr etun g n euer Fab ri k en von der Besitzsteuer, •, - . e) Maßnahmen zu einer raschen Durchführung der Bestimmungen von Artikel ö des Mandates betr, S t a a t s l ändereien, f) aktivere Unterstützung von Hände l u n d I n d u st ri e, g) beschleunigte Durchführung der jetzt in Angriff genommenen Arbeitsgesetzgebung, h) - angemessene B e sch äftigung j ü d i - scherArbeiter zu angemessenen Lohnsätzen bei Regieru-ngsunternehmungen, i) angemessene Zuweisungen aus öffentlichen Mitteln für die ärztlichen und sani t är en E r f o r d er - nisse des Jischuw. Die Konferenz ersucht den Geschäftsführenden Ausschuß, der palästinensischen Regierung diese Resolution-möglichst als gemeinsame Forderung des gesamten Jischuw zur Kenntnis zu bringen. * Herr Henry D. We il l beantragt, das amerikanischen Aguda-Komitee zu ermächtigen,, die Verantwortung für die Aguda Land and Building Co. voll und ganz zu übernehmen Der Antrag wird befürwortend der Finanzkommission überwiesen. Ein Antrag Möller- Breslyu, der Palästina-Centrale ein Vertrauensvotum auszufprechen, wird einstimmig angenommen. Besonderen'Dank spricht die Konferenz — auf Anregung. Nustbaum - Halberstadt —. den Herren Dr. Oppenheimer und Dr. Ehrmänn aus. Von Seiten des V o r fi tz ende n wird mib einem warmen Appell an die Konferenz-Teilnehmer zur Mitarbeit und zum Hiinaustragen der auf der Palästina-Konferenz gewonnenen Eindrücke in ihre Gruppen und Lapdesorgänisationen äufgefordert. D i e K o n f e r e n z w i r. d n a ch m i t t a g s um ’AB Uhr ges ch l o ss e n. Bericht der Keren-Halhora-Zenkrale. Erstattet für die Tagung, des Zentralrätes der Agudas Jisroel, Berlin', Dezember 1927. Nach seinem Statut ist der Keren Hathora verpflichtet, der Plenarsitzung des Zentralrates über seine Tätigkeit Bericht zu erstatten. Die Leitung unterzieht sich dieser Pflicht um so freudiger, als sie von dem Bewußtsein getragen, isft in schwerer, kritischer Zeit dem Gedanken des Keren Hathora mit Energie gedient zu haben und in der Ueberzeugung, daß sein Streben, wenn auch nicht, in allen Zweigen, so doch auf manchem Gebiet, von Erfolg gekrönt war. Gemäß seinem Programm erstreckte, sich die Arbeit des Keren Hathora in der Berichtsperiode, die etwa eineinhalb Jahre währte (von der Zentralratstagung Berlin, Juni 1926 bis zur gegenwärtigen) auf drei Gebiete: 1. Ausbau der Organisation des Keren Haihora, ft 2. Subventionierung der Jeschiwaus und anderer Lehranstalten,. 3. Pädagogische Arbeit für das Schulwesen., - > 1. Ausbau der O r g a n i s a t i o n: Die , Organisierung des Keren Hathora in den Ländern des Westens ist nicht allein Mittel zum Zweck. Gewiß ist es ein erstrebenswertes Ziel, durch organisatorische Maßnahmen den Weg des Keren

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.