Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1928)
- Date
- 1928-01-19
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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IS Januar 1928 Kraft ausbiete, um weitere Persönlichkeiten zur Mitarbeit für diese wirtschaftlichen Aufgaben zu gewinnen. Es sei gewiß in allererster Linie ein religiöses Gebot, Kapitalien in Erez Jisroel zu investieren. Aber abgesehen von diesem religiösen Charakter hält Redner , es auch vom wirtschaftlichen Standpunkt aus für geboten, einen Xeil seines Kapitals in palästinensischem Boden festzulegen und dadurch zum Teil unvorhergesehenen Erschütterungen europäischen Wirtschaftslebens zuvor zu kommen. Er fordert die Teilnehmer der Konferenz auf, nicht auseinander zu gehen, ohne positive praktische Arbeit geleistet zu haben . \ Rabbiner Dr. Hoffmann - Breslau weist auf den Gegensatz zwischen den Kolalim hin, welche ausschließlich für religiöse Bedürfnisse sorgen, nicht aber für wirtschaftliche. Um aber auch für diese die nötigen Mittel zu erhalten, sei es nötig, die Basis zu verbreitern. Woher stammen denn, fragt Redner, die Mittel der. Zionisten? Keineswegs aus zionistischen Kreisen, sondern aus den großen Masten vermögender indifferenter Juden, welche durch die geschickte Propaganda der Zionisten zum Geldgeben veranlaßt werden. Dieses Beispiel müßte Agudas Jisroel nachmachen. Man soll versuchen, in praktischen Fragen mit dem C eu t r a l - V e r e i n deutscher S t a a t>s b ü r g e r j ü d i s ch e n Gl a ubens zusammenzuarbeiten, welcher Erez Jisroel-Liebe hat, wenn er auch Gegner der Zionisten fei. Man solle ferner auf kulturellem Gebiete versuchen, mit dem M i s r a ch i zusammenzuarbeiten. Der Misrachi sei nach dem letzten Kongreß in anderer Stimmung, so daß man sich leicht mit ihm verständigen könne. Dr. C a l v a r y - Berlin erklärt, daß die Vermutung von Herrn Dr. Hoffmann bezüglich der Kolalim in keiner Weise zutresse. Die palästinensischen Angehörigen des alten Jischuw sind keineswegs Leute, die nur lernen. Das haben wir uns nur so lange von anderen Leuten sagen lasten, bis wir es selbst glaubten. Von diesen alten Jischuw-Juden wurde Petach Tikwah, die größte Kolonie gebaut; von diesen alten Jischuw- Juden wurde der größte Teil der heutigen Neustadt von Jerusalem gegründet. Mit einem zionistischen Nationalismus, dem das religiöse Judentum eine Privatangelegenheit ist, können wir in keiner Schattierung etwas zu tun haben. Rabbiner Dr. - L e w e n st e i n - Zürich bezweifelt, ob die Ausführungen des Herrn Rabbiner Dr. Hoffmann in den Rahmen der Palästina-Konferenz gehören, da die von Herrn Dr. Hofmann berührten Punkte schon in die Politik der Agudas Jisroel gehören, deren Richtlinien lediglich vom Zentralrat resp. Rabbinischen Rat zu bestimmen seien. ' Der Vorsitzende stellt fest, daß die Ausführungen von Herrn Dr. Hofmann nur darauf ausgehen, klarzulegen, auf welche Weise die Palästinaarbeit der Agudas Jisroel' am besten gefördert werden könne. Er bittet deshalb, in der Diskussion fortzusahren. van L e e u w e n - Rotterdam spricht die Ansicht aus, daß wir nicht warten können, bis zu gemeinsamen Wirtschaftsgründungen; wir müßten vielmehr die Jnititaive unsererseits ergreifen und versuchen, durch gesunde wirtschaftliche Projekte Menschen aus allen Lagern zu gewinnen. Herr Dr. E h r m a n n erwidert Herrn Dr. Hofmann, daß ja, wie Herr Dr. Hofmann selbst weiß, in Breslau anläßlich der Adar-Aktion eine Zusammenkunft von agudistischen und misrachistischen Vertretern stattfand und hierbei von dem Vertreter der Agudä der Vorschlag ausging, ein selbständiges orthodoxes Schulwerk zu gründen, welches weder agudistisch noch misrachistisch, sondern einfach orthodox heißen möge. Die Aguda verzichte gern auf Prestige und auf ihre Namensnennung, wenn nur die Sache gewahrt bleibe. Diesen.Vorschlag hat die Aguda schon vor, Jahren der Leitung des Misrachi gemacht; der Misrachi hatte ihn damals abgelehnt. Auch jetzt hat der Breslauer Misrachi — wie die Zeitungsberichte melden — auf der Misrachi- D e r Israelit Blätter Konferenz in Berlin den Bescheid erhalten, daß diese Sache noch nicht spruchreif sei; also nicht an der Aguda liege es, wenn ein gemeinsames Werk aller orthodoxen Juden in Palästina noch nicht errichtet fei. Was wieder das Zusammengehen mit dem Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens anlangt, so sei darauf hinzuweisen, daß in dem neuen, soeben erschienenen, sehr lobenswerten Buche des Syndikus des Centralvereins, Herrn Dr. Alfred Wiener, ausdrücklich in sympathischen Sinne aus Agudas Jisroel hingewiesen wird.. Es sei auch sicherlich .zu hoffen, daß weiterhin zur wirtschaftlichen Betätigungin Palästina ein Zusammenarbeiten mit dem Centralverein ermöglicht werde. Den Vorsitz übernimmt Herr Trockenheim- Warschau. Herr Julius Holländer- Frankfurt a. M. führt folgendes aus: Erez Jisroel wird nicht aus dem Handgelenk aufgebaut. Wir können uns nicht damit begnügen, entweder für Chinuch oder für den Aufbau der Wirtschaft zu sorgen. Der Chinuch muß zunächst gerettet werden, ehe wir an neue Aufgaben gehen. Ich kann mir nicht denken, daß die Schilderung der Lage durch : Herrn Dr. Chrmann und Herrn Glückman-Porusch bezüglich des Schulwerks spurlos an den Teilnehmern der Konferenz vorübergehen könne. Ich betone ausdrücklich, damit mir niemand, wenn ich jetzt für die Wirtschaft eintrete, etwa den Vorwurf macht, daß mir für unsere palästinensischen Schulen kein warmes Herz schlägt. Auf wirtschaftlichem Gebiete ist es relativ wenig, was die Palästina-Centrale bisher zuwege gebracht hat, aber es ist doch ein Anfang. Bis jetzt ist es ihr möglich gewesen, alle Verpflichtungen, die sie unterschrieben hat, zu erfüllen und ich hoffe zuversichtlich, daß die allgemeine Wirtschaftskrise doch ihren Höhepunkt, oder richtiger ihren Tiefpunkt überschritten hat und wir mit Vorsicht und Ruhe unter Beratung von erstklassigen Fachleuten Aussichten auf wirtschaftliche Erfolge haben werden. Vor allem wird es aber nötig sein, daß die uns nahestehenden Kreise derartig erfaßt werden, daß sie selbst sich wirtschaftlich in Erez Jisroel betätigen. Es handelt sich vor allem darum, jetzt die Privatinitiative zu erwecken. Folgen wir dem Ausspruch des Gerer Rebben, ein Drittel seines Vermögens in Erez Jisroel anzulegen; wieviel Unglück und JamMer wäre unseren polnischen Gesinnungsgenossen erspart geblieben, wenn sie diesen Rat des Gerer Rebben befolgt hätten. Gewiß, ohne Idealismus, Optimismus und Geduld geht es nicht. Aber jede große wahrhaft jüdische Sache verlangt das Nämliche. Wir werden mit Gottes Hilfe nicht nur, wie bisher, durchhalten können, sondern auch vorwärts schreiten. Herr Koppel S p i r a - Antwerpen betont die Wichtigkeit, die Jugend zur Mitarbeit herangugiehen. Wir dürfen nicht durch Untätigkeit die palästinozentrischen Kreise bei uns selbst ab - stoßen. Herr Julius Holländer teilt mit, daß Herr Dr. Siegfried Oppenheimer, der zu seinem Bedauern am Besuch der Palästina-Konferenz verhindert ist, ein mietfreies Büro für die Palästina-Centrale in Frankfurt«. M. gestiftet habe. Die Konferenz spricht ihren Dank aus. Herr T r o ck e n h e i m verliest eine Reihe von Begrüßungsschreiben und schließt die Plenarsitzung um 6 Uhr nachmittags, ersucht die Kommissionen, ihre Beratungen zu beginnen. Dienstag, den 27. Dezember 1927. 3. Teweth 5688. Vorsitzender Herr Leo Wreschner - Frankfurt a. M. Herr Rabbiner Dr. Moses Auerbach berichtet, daß die Chinuch-Kommiffion in bezug auf das Programm lediglich zu dem einen Resultat gekommen sei, daß das Programm nur in Uebereinstimmung mit Rabbi Chaim Sonnenfeld und den übrigen zuständigen rabbmischen Autoritäten in Palästina «ausgestellt werden Nr. 2 Seite 3 dürfe. Er dürfe aber nicht durch Mittelspersonen, sondern in direkter Fühlungnahme den rabbinischen Autoritäten durch die Palästina- Centrale das Programm vorgelegt werden. Es wäre beispielsweise töricht, etwa zu behaupten — wie dies die Leute um Rabbi Sonnenfeld tun —, daß Rabbi Sonnenfeld ein Verbot für hebräischen Unterricht fordere. Er, Redner, wisse aus eigener Erfahrung, daß das nicht der Fall sei. Wir haben keine Veranlassung, uns irgendwie mit den Jiddifchisten zu identifizieren. Es muß ferner offen ausgesprochen werden, daß die meisten Eltern, wenn sie auch selbstverständlich eine Erziehung im Sinne von Thora und Jiro fordern, sie doch auch den Wunsch äußern, daß ihre Kinder für das praktische Leben vorbereitet werden. Man müsse beiden Richtungen gerecht werden und es wären deshalb zwei Typen von Unterrichtsanstalten zu schaffen: solche in denen ausschließlich Thora unterrichtet wird und solche, in denen auch Realien im Programm ausgenommen sind je nach deU Wünschen der Eltern. Natürlich ist dazu Geld nötig und trotz der zweifelsohne vorhandenen Mängel fei das bisherige Schulwerk mit allen Mitteln zu fördern. Nur dann wäre es möglich, es zu verbessern, wenn die Geldmittel aufgebracht sind; ganz besonders .gilt dieses für die Mädchenschulen. Die Mädchenschule in Safed ist ausgezeichnet, sie bedarf lediglich größerer Geldmittel. Die sefardischen Schulen in Jerusalem sind auch anzuerkennen. Für die aschkenasischen Kinder in Jerusalem sei bisher durch Mangel an Mitteln viel zu wenig geleistet worden, in Tel- Aviv müsse ein Fachmann als Leiter angestellt werden. Herr W r e s ch n e r spricht Herrn Dr. Auerbach für seine Ausführungen herzlichen Dank aus. Herr Dr. E h r m a n n nUst darauf hin, wie in Wirklichkeit auch die Programmfrage eine Geldfrage ist. Die Tatsache, daß wir aus den Beth Jaakauw-Schulen in Polen eine Lehrerin für eine Mädchenschule in Jerusalem gewinnen konnten, hat bereits auch das geistige Niveau der Schule wesentlich gehoben. Es wird die Resolution gefaßt, daß mit erhöhten Kräften an der Propagierung der Rösch Chaudesch-Spende gearbeitet wird, und daß auch im Monat Adar eine Aktion zu Gunsten des Schulwerks durchgeführt wird. Namens der Organisations-Kommission legen die Herren Dr. Segall, Rabbiner Dr. Silbe r b e r g" Und Josef L e w i n s k i folgende Anträge vor: 1. Von der Leitung der Palästina-Centrale ist beim Centralrat der Agudas definitiv darauf hinzuwirken, daß schleunigst eine Durchorganisierung der Gesamtagudo erfolgt, um die Grundlage für eine praktische Propaganda-Arbeit für Palästina zu leisten, die organisch in die Organisation eingeglieder-t werden muß. Begründung: Das Nebeneinanderbesteheu zweier und nach verschiedenen Gesichtspunkten aufgebauten zentralen Körperschaften bedeutet bei der Knappheit der zur Verfügung stehenden finanziellen und ideellen Kräfte eine untragbare Belastung der gesetzestreuen Judenheit. 2. Gleichzeitig ist die Aufstellung eines Programms für eine rationelle Arbeit in Palästina auf wirtschaftlichem und kulturellem Gebiete erforderlich, das geeignet ist, breiten Kreisen der Judenheit die Möglichkeit einer Mitarbeit zu geben. Begründung: Das Programm darf nicht zu großzügig sein, weil es sonst keine praktische Durchführbarkeit besitzt und deshalb von vielen Seiten abgelehnt wird. Es darf aber andererseits nicht zu klein sein, weil es sonst zwar für einen Verein, aber nicht für eine Weltorganisation paßt. 3. Es ist dafür Sorge zu tragen, daß nach Erfüllung der beiden obengenannten Forderungen bei sämtlichen zur Agudo gehörigen Instanzen (Weltzentrale, Landeszentrale, Ortsgruppe) besondere Abteilungen für die Palästina-