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Der Israelit · 1928-01-19 · Heft 3 (19.1.1928) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 3 (19.1.1928)
Date
1928-01-19
Page
– (sequence 21)
Language
German
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Hathora zu ebnen, neue Zellen für den Gedanken zu schaffen, die alten auszubauen. Wir sindaber auch von der Ueberzeugung durchdrungen, mit dieser Arbeit nicht nur der Keren Hathora, sondern die Thora selbst gekräftigt wird, und daß in den Herzen all derer, die wir zu Hachsokas Hathora anfeuern, auch die Liebe zum Limud selbst starke Förderung erfährt. Im einzelnen über alle die organisatorischen Maßnahmen zu berichten, würde ermüden. Das quälende Gefühl der Abneigung, das jeder Chronist gegen die Auszeichnung von erledigten Dingen empfindet" und das „der einzig sichere Beweis des Aufstiegs" ist, hält auch uns davon ab, ausführlich über all die geleistete Arbeit zu berichten, und so beschränken wir uns denn hier darauf, den verehrten Vorsitzenden! der einzelnen Länder den Dank für ihre opferfreudige Mitarbeit von dieser Stelle aus zuzurufen, und zwar geht dieser Ruf nach Deutschland an Herrn Oberrabbiner Dr. Spitzer und seinen unermüdlichen Helfer W. S. Jacobson, nach Holland an Oberrabbiner Vredenburg und Dr. Stein, nach der Schweiz an. Herrn Rabbiner Brom und die Herren Rosenzweig und Weinstein, nach Elsaß an Grandrabbin Weil, nach Rumänien an Oberrabbiner Zirelsohn, nach Dänemark an Rabbiner' Winkler, nach Norwegen an Rabbiner Lewitan, nach Newyork an Rabbi Dr. Jung, nach Germiston an Rev. Wyscheik und an die vielen änderen Mithelfer am gemeinsamen Werk. Neuland für unsere Zwecke urbar zu machen, ist auch versucht worden. Anläßlich der internationalen Mädchenschutzkonferenz, an welcher der Berichterstatter schon im Hinblick auf Bajs Jakob teilzunehmen sich verpflichtet fühlte, wurde Gelegenheit genommen, organisatorische Keime in London und Paris auszustremen. Konkrete Erfolge sind nicht ausgeblieben. 1 Eine größere T a g u n g hat in der Berichtsperiode in Amsterdam, im Dezember vorigen Jahres. stattgesunden, unter Vorsitz von Oberrabbiner Vredenburg, unter Teilnähme prominenter Persönlichkeiten, Rabbiner Fürst, Wien, Dr. Hildesheimer, Berlin, sämtlicher holländischer Oberrabbiner, Vertreter aller größerer Gemeinden und Lernvereine, Delegierten aus der Schweiz, London, Hamburg usw. Die Tagung hat nach dem Urteil aller Teilnehmer einen glänzenden Verlauf genommen: Sie hat ihren Zweck erreicht und dem Keren Hathora in Holland ein festes Fundament geschaffen, sie hat Interesse für unsere Arbeit auch in den Kreisen Fernstehender erzeugt, die Bemühungen unserer holländischen Brüder, Limud Hathora im eigenen Lande zu verbreiten, gekräftigt. Wir versuchten durch die Konferenz , auch die öffentliche Erörterung des. tiesschmerzlichen russischen Problems ins; Rollest zu bringen, köynen aber heute noch nichts Abschließendes berichten. U n s e r e Tagung darf an dieser Frage nicht vorübergehen. 2. Sub v e n t io n i e r u n g der J e schiw a us und an d erer ß eh r a nstalten. Aus dem Käsiabericht, den wir dem Zentralrat unterbreiten, geht hervor, daß durch den Keren Hathora in der Berichtsperiode 48 907 Dollar vereinnahmt und zum größten Teil, für Lehr- und Lernzwecke verausgabt wurden. Wie des öfteren hervorgehoben wurde, sind im wesentlichen , öret Gebiete der besonderen Fürsorge seitens der Zentrale bedürftig: Litauen (das sind die Gebiete um die Metropolen Kowno und Wilna), Polen und ^das ehemalige großungarische Gebiet (Slowakei, Rumänien und Ungarn). Es war natürlich nicht möglich, alle drei Gebiete befriedigend zu subventionieren. Wir heben dies in aller Offenheit hervor, um die Gebefreudgkeit der ganzen Judenheit anzufeuern. Es muß aber auch darauf hingewiesen werden, daß fortgesetzte Klagen der Meschulochim über ungerechtfertigte Zurücksetzung ihrer Anstalten unbegründet und übertrieben sind. Der Keren Hathora hat niemals die Üebernahme des gesamten Budgets aller Jeschiwaus ins Auge ge aus diesem Grunde bereitwilligst unterstützt. Wir hatten dafür erwartet, daß sie bei der Kritik unserer Leistungen doch mehr Zurückhaltung üben. Während bei der letzten Berichterstattung .anläßlich der Zentralratstagung 1926 erhebliche Beiträge, etwa 30 000 Dollar, für litauische Jeschiwaus ansgewiesen wurden, hat die Zentrale diesmal mehr sür Polen gearbeitet, wohin mehr als 10 000 Dollar flössen. Oesterreich, Tschechoslowakei, Rumänien, Palästina wurden nach Möglichkeit bedacht. Während die materiellen Leistungen für das Schulwerk als solches Befriedigung bei den betreffenden Anstalten auslösten, fiel das Unterstützungswerk für die Jeschiwaus doch unzulänglich aus. Der Grund liegt nicht etwa am schlechten Willen der Mitglieder der Keren Hathora-Zentrale, die nach wie vor unablässig von der Sorge Um das Wohl der Jeschiwaus erfüllt sind. Um das Interesse für die. Jeschiwaus anzuregen, sind auch mit prominenten Führern der westlichen Judenheit, die außerhalb der Aguda stehen, Beratungen abgehalten worden, die auf Einberufung einer speziellen Jeschiwah- Unterstützungskonferenz hinauslaufen, über deren Wert die Tagung Beschluß zu fassen hätte. Um für die Zukunft günstigere Perspektiven zu eröffnen, haben wir uns mit Erfolg bemüht, das B ü ch s e n w e s e n in den verschiedenen Ländern einzubürgern; die Zentrale bewilligte einen außerordentlichen Kredit, um 10 000 Büchsen zu placieren. Es sei von dieser Stelle aus die dringende Mahnung an alle Landesverwaltungen gerichtet, dem einstimmigen Beschluß der Zentrale zu folgen und der Büchsenverteilung eindringliche Aufmerksamkeit zu widmen, denn nur von dieser Quelle sind regelmäßige Einnahmen zu erwarten, da größere Einzelspenden nur einmalig gegeben werden und infolge dex schlechten Wirtschaftslage immer mehr und mehr ausbleiben. 3 Pädagogische Arbeit. In erster Linie beschäftigt uns, wie bekannt, das Bajs Jakob-Problem und wir sind heute in der Lage, einen zusammenfassenden Bericht durch die vorliegende Broschüre „Bajs Jakob, sein Wesen und Werden" vorzulegen. Unsere Tätigkeit richtet sich nach den von der Warschauer Konferenz'1925 aufgestellten Richtlinien: a) Ausbau der Krakauer Anstalt zu einem den Anforderungen entsprechenden Lehrerinnenseminar durch gründliche fachliche Ausbildung (ein bis zwei Jahre statt der früheren drei Monate) und Werbung ausländischer Dozenten für diese Spezialaufgabe. b) Alljährliche Veranstaltung von zweimonatigen Fortbildungskursen für die bereits amtierenden Lehrerinnen. c) Schaffung von Lehr- und Lernbüchern für die: Bajs Jakob-Schulen.!■ d) Gründung eines Seminarheimes-in Krakau als Zentralstelle für die Leitung der gesamten pädagogischen und verwaktungstechnischen Bajs Jakob-Arbeitt Dementsprechend haben wir in der Berichtsperiode zwei Fortbildungskurse abgehalten, und zwar beide in Jordanow, an welchen im Jahre 1.926 98 Lehrerinnen, im Iahte 1927 76 Lehrerinnen teilnahmeN. Das Seminar leitete neben Frau Schenierer Frl. Judith Rosenbaum, feit Frühjahr 1927 Frl. Eva Landsberg, Breslau. Insgesamt wurden in der Berichtsperiode 68 Lehrerinnen ausgebildet. Es fei auch an dieser Stelle allen unseren Mitarbeitern für ihre opferfreudige Arbeit, die unter äußerst schwierigen Verhältnissen vollzogen wurden, gedankt. , pi-!; Gegenwärtiger Stand des ganzen Bajs Jakob-Welkes:' 88 Schulen mit mehr cils- 11000 Kindern. ' . n n lieber die Grundsteinlegung haben die jüdischen Zeitungen aller Länder berichtet. Sie fand unter großen Feierlichkeiten, in Anwesenheit zahlreicher staatlicher, städtischer und jüdischer faßt und wir haben die Arbeiten der Sendboten | Behörden im September d. I. statt. Wir haben Gelegenheit genommen, auf schriftlichem Wege, aber auch in vielen Fällen durch persönliche Einwirkung Bajs Jakob-Komitees zu gründen und hoffen, daß diese durch den Vertrieb der durch den Künstler Uriel Birnbaum verfertigten Bausteine an der Vollendung unseres Werkes Mitwirken werden. Daneben haben wir eine Reihe von Zimmerstiftungen zu Ehren des Gedächtnisses bekannter verstorbener Persönlichkeiten errichtet (Bettstiftungen zu 50 Dollar, Zimmerstiftungen zu 100, 250, 500, 1000 Dollar), über die wir in der Broschüre (Seite 53) berichtet haben. Gegenwärtig ist Rabbiner T. Horowitz für unser Werk in London tätig, und man bringt ihm in allen Kreisen der englischen Judenheit verständnisvolle Förderung entgegen. Wir hoffen im Laufe des Jahres den Bau zu einem glücklichen Ende zu führen. Die pädagogische Fürsorgearbeit wurde im Februar dieses Jahres zum erstenmal auch auf Litauen und Lettland ausgedehnt, und zwar veranstaltete die Organisation „Javne" eine große Erziehungskonferenz, an welcher etwa 100 Delegierte aus dem ganzen Land teilgenommen haben. Der Keren, Hathora war durch die Herren Oberrabbiner Dr. Carlebach, Altona, Dr. Hildesheimer, Berlin, Botschko, Montreux und' den Referenten vertreten. Javne unterhält eine große Anzahl von Volksschulen, drei Mittelschulen und ein Lehrerseminar und erzieht viele tausend Kinder. Die Konferenz hat einen imposanten Verlauf genommen und in der jüdischen Bevölkerung des Landes starken Widerhall geweckt. In den Empfängen beim Staatspräsidenten wurde das religiöse Erziehungsprogramm dargelegt durch zahlreiche Besuche der Chinuchanstalten selbst, durch Konferenzen mit den Lehrern und Schulverwaltungen für die innere Festigung der Schulen Sorge getragen. In Lettland galt unser Besuch vornehmlich dem großen Erziehungswerk, das unter dem Namen „Thora me derech Erez" in Riga begründet ist. Auch hier wurde neben pädagogischen Konferenzen mit der orthodoxen Lehrerschaft Fühlung mit den staatlichen Behörden gesucht und in einer Audienz beim Ministerpräsidenten und Unterrichtsminister das Erziehungsideal der Agudas Jisroel beleuchtet. Oberrabbiner Dr. Carlebach hat in seinem sehr interessanten Bericht darauf hingewiesen, daß es für den Keren Hathora keine günstigere Betätigung gibt, als die Beeinflussung des Erziehungswerkes, natürlich nur im Einverständnis mit den örtlichen rabbinischen Autoritäten. Er schreibt: „Noch sind in den Ländern des Ostens alle Dinge im Fluß. Was sich jetzt durchsetzt, sein Daseinsrecht aufweist, wird bei der endgültigen Regelung der Dinge nicht übergangen werden können. Es ist auch unzweifelhaft, daß der Osten auf dem Chinuchgebiet unsere HUfe fordert. Der Name S. R. Hirsch hat Klang bekommen in den dortigen Ländern. Man. führt ihn dort im Munde als den Josua ben Gamla der Gegenwart, als den großen Erzieher. Diese Stimmung kam der Arbeit des Keren Hathora'zugute und das Echo der Keren Hathora-Arbeit in Litauen und Lettland war ungeheuer, sie zwang zur Achtung, sie fand eine Resonanz selbst bei den Gegnern. Diese Konferenzen und Besuche waren für Litauen und Lettland ein großer Anfang, der Gutes für die Zukunft in sichere Aussicht stellt." Wir streifen 'jetzt nur noch in Kürze unseren Versuch, in systematischer Weise der Mädchenerziehung in anderen Ländern eine Heimstätte zu bereiten. In Wien wurde eine Bajs Jakob- Schule errichtet und fand ein Ausbildungskurs für Lehrerinnen statt. In der Slowakei stehen eine Anzahl von tüchtigen Kräften mit uns in Verbindung, um die Erfahrung anderer Länder für dieses Gebiet nutzbar zu machen. Ganz unmöglich ist es im Rahmen der vom Präsidenten uns zur Verfügung gestellten Zeit ausführlich über Keren Hathora-Arbeit einzelner Landesverwaltungen zu berichten, die selbständig ihren großen Aufgaben Nachkommen. Deutschland hat, wie bekannt, in umfassender Weife die Arbeit

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