Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1928)
- Date
- 1928-01-19
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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fieeansgegeßen von dct fandesoFganifüHon dev flgudas-Jisvoef in Denifefilond;4. Jahrgang Frankfurt a. M., K9- Januar ^28 / 26. Tewetb 5688 ~ Hummer 2 Das Winterprogramm -er agudistischen Ortsgruppen in Deutschland. Won einigen Ortsgruppen aufgefordert, einen Arbeitsplan für das begonnene Halbjahr aufzustellen, hat der Vorstand der Landesorganisation folgende Vorschläge empfehlend unterbreitet: I. Zusammenkünfte: Sämtliche Ortsgruppen sollten grundsätzlich beschließen, daß mindestens alle 14 Tage an einem bestimmten Tage eine Mitgliederversammlung stattfindet. Von dieser Regel soll nicht etwa deshalb abgewichen werden, weil gerade keim prominenter Redner zur Verfügung steht/ Dem Zusammensein ist der Hauptwert zuzuerkennen, damit die Mitglieder sich bewußt werden, daß ihre Ortsgruppe zu einer organischen Zusammenfassung der Jereim der Stadt sich, zu entwickeln die Aufgabe hat. Zur Förderung dieses Zusammengehörigkeitsgefühls erscheint besonders zweckdienlich eine regelmäßige, an jedem zweiten Sitzungstag wiederkehrende Aussprache der Mitglieder. Zu Gegenständen der-Besprechung werden am besten die aktuellen Ereignisse des jüdischen Lebens gewählt. Dieser Meinungsaustausch ist durch ein Referat einzuleiten, das z. B. Bemerkenswertes aus dem Inhalt der jüdischen Zeitungen zum Gegenstand haben kann. Eine Anzahl, auch jüngerer Mitglieder, wird bestimmt,/ die deutschen agudistischen Blätter zu lesen, auch solche des Auslandes,/ besonders den Warschauer „Jud" (Adresse: Skrynka Pocztowa,11; Bezugsgeld vierteljährlich Doll. 3.75 Mk. 15,75 und den „Kol Jisroel" in Jerusalem (P. O. Box 513; Bezugsgeld halbjährlich Mk. 8.—), und zwar bewußt zu dem Zweck zu lesen, daß der Ortsgruppe darüber Bericht erstattet wird. Auf dieser Grundlage würde also alle vier Wochen eine freie Aussprache sein. Wenn die Aussprachen Resultate von Bedeutung ergeben, so sind diese der Landesorganisation mitzüteilen, behufs evtl. Weitergabe an die andern Gremien der Agudo. An den andern Sitzungstagen könnten längere Vorträge über allgemeine Agudo-Probleme und sonstige jüdische Fragen gehalten werden. Themata, auch vorgearbeitete und ausgearbeitete, stellen wir gern jederzeit zur Verfügung. Dankbar wären wir auch für die Inhaltsangabe gehaltener Vorträge, um sie andern Gruppen zugängig zu machen. Bei Auswahl der Vorträge sollte besonders die Agudosierung der Mitglieder im Auge behalten werden., (Entstehung, Grundzug, Wesen der jüdischen Nation; die Verfassung der Agudas Jisroel und ihre grundlegenden Zwecke; die Alleinherrschaft der Tauroh bei allen jüdischen Anliegen und Bestrebungen.) Je nach den örtlichen Verhältnissen tritt an die Stelle einer internen Zusammenkunft mehr oder weniger häufig ein off e n t licher Vortrag, seies übermgudistische' Fragen, sei - es über allgemein jüdische Fragen, z. B. Erez Jisroel, Schächtfrage, Fürsorge für Jeschiwaus, Mädchenfchulwesen im Osten (Beth Jakob). -. II. Reben sonstigen Schiurim in Denach und Talmud (für Geübtere, die mehr Zeit zum Lernen haben, Das Jaumi) sind Mussar-Schiurim, etwa auf Grundlage von Messilas Jeschvrim (Hermon^Verlag, Frankfurt a. M., Schützenstr. 12, Preis Mk. 3.60) empfehlenswert. ' ' /. ■--■■■. ui.; Jeglicher Art sozialer Tätigkeit — Unterstützung Hilfsbedürftiger, Krankenfürsorge, Toynbee-Hallen, Wanderfürsorge, auch Kindergärten — sollen die Ortsgruppen systematisch ihre Tätigkeit zuwenden, evtl. m Verbindung oder Fühlungnahme mit andern Institutionen. ° . ■ IV. Angesichts der zentralen , Bedeutung des Schabbos muß überall der Errichtung von B e - r u f s b e r a t u n g s st e l l e n große Aufmerksamkeit geschenkt werden. Dabei ist auch die Berufsumschichtung der weiblichen Jugend gebührend zu berücksichtigen (z. B. Ausbildung als Krankenpflegerinnen und als Huastöchter.) I u - r ist i s ch e B e r a t u n g s st e l l e n sollten, besonders an Orten mit größerer ostjüdischer Bevölkerung, eingerichtet werden und vor allem die Erledigung von Patz- und Aufenthaltsbesorgungen in die Hand nehmen?^ v. An Orten mit Orts- und Iu gen d - gruppen sollten, mindestens dreimonatlich, gemeinsame Veranstaltungen beider Gruppen stattfinden. Ueberhaupt sollen enge Beziehungen zwischen Orts- und Jugendgruppe geschaffen werden, z. B. durch Austausch von Vorstandsmitgliedern. VI. Die Betätigung im Gemeindeleben, in Anpassung an die örtlichen Verhältnisse, ist dauernd im . Auge zu behalten. VII. Es ist Aufgabe der Ortsgruppen, dafür zu sorgen, daß den zentralen Organen der Agudo die nötigen Geldmittel zur Verfügung stehen. VIII. lieber die gesamte Tätigkeit ist von jeder Orstgruppe vierteljährlich an die Landesorganisation zu berichten. Solche Tätigkeitsberichte,-die dafür geeignet erscheinen, können in den „Blättern" veröffentlicht werden. IX. Bei der gesamten Tätigkeit der Ortsgruppen ist auf die Gewinnung der Ostjuden durchaus Bedacht zu nehmen (z. B. Vertretung im Ortsgruppenvorstand). Weitere Anregungen werden sich leicht ergeben, wenn die Ortsgruppen über das Winterprogramm in Briefverkehr mit uns eintreten, worum wir Sie bitten. * --- -gl, „üijr;7::n;s., . Die Palästina-Konferenz der Agudas Jisroel ln Berlin 2. und 3. Teweth am 26. und 27. Dezbr. Die Eröffnungssitzung am Alontag. . . Schon in frühen Morgenstunden sind die Konferenzräume im Hotel Atlas gut besucht. Gegen 10 Uhr eröffnet Herr Rabbiner Dr. Moses A u erb a ch die Konferenz und begrüßt als Vorsitzender des Berliner agudistischen Palästina- Kom^.ezs, chie Delegierten und Gaste. Hierauf wird. häKsPräsidium per Akklamation gewählt. Es sinö'ssewählt die Herren: Julius.Hbehänder, Dr. S. Ehrmann, Leo WresiHAer, FrayLfürt.m,j M., Stadtrat Jakob Toftnh e i m -WMschau, A. W. Rosen Dv'e i g - ZürjWStfldtrat H e b e r - Kalisch. NachqM GeschWsfuhrenden Ausschusses begrüßt .Herr Rabbiner Dr. Pinchas K o h n die Konferenz'und gibt seiner Freude darüber Ausdruck, daß er, direkt von Erez Jrsroel kommend, Mitteilen könne, mit welchem Idealismus die dort für die Aguda tätigen Menschen ihr Letztes und Bestes hergeben, um -den agudistischen Idealen in Erez Jisroel zu dienen. Vor allem hält Herr Dr. Kohn es für nötig, daraus hinzuweisen, daß die Konferenz der Frage der ausreichenden Lehrerbe s o l d u n g in den agudistischen Schulen in Erez Jisroel ihre ernsteste Aufmerksamkeit widme. Mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß die Palästina-Zentrale in ihrer bisherigen Energie nicht erlahme, sondern sich bewußt sei, welch unendliche Bedeutsamkeit dem Palästina-Ausbauwerk zukomme, schließt Redner feine Begrüßungsworte. Herr Julius Holländer, welcher die Vormittagssitzung leitet, konstatiert, daß Delegierte aus Palästina, Amerika, Polen, Tschechoslowakei, Litauen, Deutschland; S ch w e i z, Holland, Belgien, England und Oe st erreich erschienen sind und schlägt vor, zunächst den allgemeinen Bericht und den. Bericht der einzelnen Landesorganisationen auf die Tagesordnung der Vormittagssitzung zu stellen. Es folgt dann der Tätigkeitsbericht 5 6 8 7/88, erstattet von Herrn Dr. S. E h r - mann. Redner schildert zunächst die durch die Wirtschaftskrise verursachten Schwierigkeiten bei der Tätigkeit der Palästina-Zentrale: Zur Zeit der 4. Alijah wurde die Palästina-Zentrale, besonders durch die osteuropäische Landesorganisation veranlaßt, große Bodenkäufe vorzunehmen, da ein direkter Heißhunger nach Boden in Erez Jisroel zu stillen Aufgabe der Aguda wäre. Die Palästina-Zentrale kam dieser Anregung nach und erwarb große Komplexe im Emek (Machaneh Jisroel, Olam und Madhar), welche s ämtliche auf den Namen der Agudas Jisroel in das Grundbuch eingetragen sind. Für Bodenkauf und Bewirtschaftung des Bodens sind im Jahre 1926 gegen Mk. 400.000 eingegangen; hiervon Mk. 48.000 für Keren Hajischuw. M a ch a n e h Jisroel wurde gegründet und bis auf 1800 Dunam Boden an einzelne Agudisten verkauft. Die Mittel zur Kolonisierung von Machaneh Jisroel wurden vom Keren Hajischuw den einzelnen Käufern vorgestreckt. Als diese dann aber nicht in der Lage waren, die Summen zurückzuzahlen, geschweige denn den Boden weiter zu kolonisieren, mutzte sich die Palästina-Zentrale daraus beschränken, die 1800 Dunam Bode-n, welche noch nicht an Einzelbesitzer verkauft waren, allein weiter zu bebauen. Dank der Munifizenz der Herren Dr. Emil Hirsch, Isaak R u ß b a u m, Halberstadt und Leo W r e s ch n e r , Frankfurt a. M. ist es gelungen, diesen Komplex bis zur Stunde nach fachmännischer Beratung zu bewirtschaften und Herr Isaak Nußbaum hat es in hochherziger Weise übernommen, nunmehr in den nächsten Wochen eine Reise nach Erez Jisroel anzutreten, um dort für die weitere Besiedelung der 1800 Dunam den Besiedelungsplan festzulegen. In Olam und Madhar ist ebenfalls der gesamte Komplex kuschanmäßig auf Agudas Jisroel übertragen, ist aber nach dem ursprünglichen Vertrag noch bis zur Vollzahlung des bisher ratenweise geleisteten Kaufpreises mit einer Hypothek des arabischen Verkäufers belastet. Verhandlungen mit diesem arabischen Verkäufer in den letzten Wochen haben erfreulicherweise dazu geführt, daß n a ch Z a h l u n g d e r n ä chst e n Rate im März 1928 mehrere tausend Dunam hypothekenfrei werden. Der Besiedelung dieses Bodens durch die/Käufer steht schon jetzt nichts mehr im Wege. Vor allem legte Redner Wert darauf, festzustellen, daß entgegen den von gegnerischer Seite verbreiteten Gerüchten nicht ein Dunam