Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1928)
- Date
- 1928-01-19
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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19 Januar 1988 die Verwaltung angelegen sein läßt, da, wo es gewünscht wird, auch das Lernen im kleinen Kreise zu fördern. - ' - - Wir sind stets bestrebt, unser Programm, soweit es möglich ist, durch Neuerungen zu verbessern und irgendwelche Wünsche, die an uns herantretenzu erfüllen. Wir haben daher die Mitglieder gebeten, uns Anregungen zu geben, wie unser Programm, weiter ausgestaltet werden könnte. Dieser Bitte ist zu unserer Freude von einer Anzahl von Mitgliedern entsprochen worben. Wir konnten leider nicht allen Vorschlägen gerecht werden, teilweise könnten wir den Anregern klarmachen, daß das, was sie wünschten, bereits in unserem Programme vorhanden ist. Dagegen haben wir einen Kursus über Schriften Rabbiner Hirfchs yxr,.der als dringend notwendigempfunden worden war, neu eingerichtet, dessen Leitung Herr Dr. Ehrmann übernommen hat. - Besondere größere Veranstaltungen sind für das Berichtsjahr nicht zu . verzeichnen. Das und an rrivwin -Lernen ging in gewohnter feierlicher Weise von sich. Wie jedes Jahr stellte uns auch diesesmal wieder Herr. Sanitätsrat Dr. Hirsch in dankenswerter Liebenswürdigkeit seine schöne Suckoh zur Verfügung. Die Mitgliederzahl hat. sich nicht wesentlich verschoben, zeigt aber erfreulicherweise einen Aufstieg. Manches Mitglied wird uns dadurch zugeführt, daß sich solchen Personen, die leider Va« geworden sind, in unserem Verein so häufig Gelegenheit zum Kaddischsagen bietet. Leider hat der Tod auch unsere Reihen wieder nicht verschont. So würde uns Herr Samuel B amb er g er entrissen, der früher Mitglied unserer Verwaltung war und durch eifrige Mitarbeit unsere Bestrebungen wesentlich gefördert hat. Im Sommer verstarb unser langjähriger treuer Vereinsdiener Herr G r ü n b l a t t nach langer Krankheit. Er war wie kaum ein Anderer innig mit dem Mekor Chajim verwachsen und konnte sich erst entschließen seine ihm liebgewordene Tätigkeit aufzugeben!, als ihn sein hohes Alter und dadurch hervorgerufene Krankheit gebieterisch dazu zwangen. Ermachte die Interessen des Vereins vollständig zu den seinigen und war, da er selbst gut lernen konnte, bei sämtlichen Schiurim nicht nur als Beamter, sondern als aufmerksamer Teilnehmer zugegen. Obwohl er schon bei Lebzeiten eine Summe zur Errichtung einer Jahrzeitstiftung zur Verfügung gestellt hatte, wurde durch Beschluß der Verwaltung un- D er I s r o elit abhängig davon für ihn eine Jahrzeitstiftung bewilligt. Wenn er auch nicht mehr im Berichtsjahre erfolgt ist, so wollen wir doch heute des vor kurzem erfolgten Heimganges des Herrn Prof. Dr. I. H. B o n d.i Erwähnung tun. Prof. Bondi war früher Dozent in unserem Vereine und hat uns oft durch seine herrlichen wissenschaftlich hochstehenden Vorträge begeistert. Auch in dem mit dem Mekor Chajim eng verbunden gewesenen Vereine. Nachalas Zewi hat er sich an erster Stelle betätigt. Bei allen Dreien hat der Verein im Trauerhause einen Schiur lernen lassen. Es sei bei dieser Gelegenheit darauf hingewiefen, daß es der Verwaltung gelungen ist, aus noch zur Verfügung stehenden Mitteln des Jubiläumsfonds und durch hochherzige Spenden einiger Gönner ein hervorragend gelungenes Oelbildnis unseres großen dahingegangenen Räws Dr. S. Breuer “"st,- des Ehrenpräsidenten unseres Vereins, käuflich zu erwerben. Es soll eine Zierde unseres Vsreinslokales bilden. Der Preis ist noch nicht vollständig gedeckt. Wir möchten daher die herzliche Bitte an unsere Mitglieder richten,,, auch ihrerseits durch freiwillige Gaben zur völligen Deckung der Kosten des Bildes beizusteuern und dadurch das Andenken des großen Heimgegangenen Meisters zu ehren. Das Berichtsjahr schloß mit dem 30. September. Seither hat das neue Winterprogramm bereits recht verheißungsvoll eingesetzt, so daß wir zuversichtlich hoffen können, daß unser Verein auch künftig von seiner alten Zugkraft nichts einbüßen wird. Möge ’",Y weiter unser Bemühen segnen. Die Woche. Aus dem Mekor Chajim. In Fortsetzung seiner Geschichtsvorträge über „Maharil" und „Rosch" spricht 'Herr Redakteur S. Schachnowitz diesen Sonntag, 6 Uhr, im Vereinslokale, Langestraße 18, über „Jakob baal Haturim und die Entstehung des Schulchan Aruch". Im v"V-Schiur des Herr Holpern (allabendlich 8,45 Uhr) wird diese Woche mit niawa 'oa begonnen. Cin 25jähriges Jubiläum im Mekor Chajinu Bei der Generalversammlung des Mekor Chajim am Sonntag, den 1. Januar, machten ältere Mitglieder des Vereins darauf aufmerksam, daß Herr Joseph S ä n g e r, der derzeitige Vorsitzende des Mekor Chajim, an diesem Tage aus eine 25jährige Wirksamkeit im Vorstände des Mekor Chajim zurückblicken kann. Bei der Berichterstattung wurde diese Tatsache auf Wunsch des Nr. 3 Sette j3 Jubilars verschwiegen. Teilnehmer nahmen aber den Anlaß wahr, Herrn Sänger zu feiern und ihm für seine unermüdliche Tätigkeit zur Förderung des Thoralernens im Rahmen des bedeutenden Lernvereins zu' danken. Herr Joseph Sänger trat am 1. Januar 1903 in den Vorstand des Mekor Chajim ein und war vom ersten Tage an in diesem Gremium der tätigsten einer. Seit dem Tode des unvergeßlichen Nathan Hamburger, also seit 4]/2 Jahren, steht Herr Sänger als Vor f i tz e n d e r an der Spitze der Vereinsleitung und ist auch diesmal wieder in Anerkennung seiner hohen Verdienste und seiner hingebungsvollen Arbeit für den Verein und seine hohen Ziele per Akklamation zum Präsidenten gewählt worden. Ein gefeierter Chassidrmrabbi in Frankfurt. Der in Ungarn und in der Tschechoslowakei hochgefeierte Rabbi Jecheskiel Mordechai W i s e l aus K. Polana weit zurzeit hier und hat sein Quartier bei Herrn Landau, Rückertstrahe 49, wo er für seine Anhänger zu sprechen ist. Am Sabbat wird er am Gottesdienst im Äeihause Obermain-Anlage 8 teilnehmen. Osljüdischer Verein Frankfurt am Main. Man schreibt uns: In wochenlanger, mühevoller Arbeit ist es einem provisorischen Komitee gelungen, die Basis zur Gründung einer ostjüdischen Organisation zu schaffen, in welcher sämtliche Richtungen Platz finden sollen. Am Samstag, den 28. d. M., 8 Uhr abends, findet in der S u p p e n a n st a l t, Theobaldstraße eine öffentliche ostjüdische Versammlung statt mit der Tagesordnung: 1. Verlesung der Vereinssatzungen, 2. Mitgliederbeitritt, 3. Wahl des Vorstandes. Zu dieser Gründungsversammlung werden sämtliche hier wohnenden Ostjuden eingeladen. Cenkralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Der Zsntralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens veranstaltet am Montag, 30. Januar d. I., aebnds 8 Uhr, im großen Saale des Zoologischen Gartens eine ö f f e n t l ich e Versammlung, in welcher Herr Dr. Norbert Einstein- Berlin über „Jüdische Wirtschaftsmacht?" sprechen wird. Im Anschluß an das Referat findet freie Aussprache statt. Akademische Ehrung. Wie alljährlich, verteilte auch in diesem Jahr« anläßlich der Reichsgründungsfeier (18. Januar) die Universität Frankfurt a. M. die Preise für die Wettbewerbsarbeiten, die als Lösung der von den Fakultäten gestellten Preisfragen eingereicht wurden. Der Preis der rechtswissenschaftlichen Fakultät fiel an Herrn stud. iur. Ernst N e b e n z a h l, einen ehemaligen Schüler der Hirsch-Realschule (später der Musterschule), dessen Arbeit vom Rektor besonders gewürdigt wurde. Schneidersche Thoralehranstalt Jeschiwah. Die Verwaltung der Schneiderschen Thoralehranstalt zu Frankfurt a. M. gibt hierdurch bekannt, daß an Stelle von Herrn Nowak nur die Herren Jacob B r o d z k y und S. M a l o w beauftragt sind, Beiträge und Spenden in Empfang zu nehmen. Aus Wiesbaden. Am Sonntag, den 15. Januar veranstaltete die Agudas Jisroel Ortsgruppe Wiesbaden im Hotel Kronprinz einen Vortragsabend, der erfreulicherweise eine sehr starke Besucherzahl aüfwies. Viele Mitglieder und Gäste waren erschienen, um den geistvollen Redner des Abends, Herrn Dr. S. Ehrmann, Frankfurt a. M. ungeschmälerten Grundsätze des alten orthodoxen Judentums beruht und sich lebenskräftig entfaltet. Insbesondere war es die Schule, deren Begründung sich die begeisterten.Bestrebungen unserer Gesellschaft zuwandten, die ihr . feindlichen Bestrebungen fast eures »halben Jahrhunderts hatten ihre Zwecke nur dadurch mit solchem beklagenswerten Erfolge erreichen können, 'daß sie sich'des Jugendunterrichts als Monopol bemächfigte, die Begründung orthodoxer Unterrichisanstalten mit obrigkeitlicher Hilfe hintertrisb, und so eine ganze Heranwachsende Generation negalio und positiv ln ihren Grundsätzen und für ihre , Grundsätze sich heranbilden konnte. Negativ, indem sie dem Heranwachsenden Geschlecht alle Selbstkenntnis des. jüdisch-religiösen Schrifttums entzog, und so sich einen durch Unkenntnis widerstand- und widerspruchlvsen willfährigen Acker für ihre Pflanzungen schuf. Positiv, indem sie nun in die urteilslosen Gemüter der Jugend die Grundsätze und Anschauungen ihrer auf Nichtachtung des väterlichen Religionsgesetzes basierten Lebensrichtung pflanzten. Unsere Gesellschaft begriff daher von vornherein, daß nur durch Begründung einer UnterrichtsaUstalt, in welcher die Quellenkenntnis des jüdischreligiösen Schrifttums/Hand in Hand mit allen Anforderungen der höheern 'bürgerlichen Bildung gewissenhafte und gründliche Pflege erhält, den vorhandenen Gebrechen entgegengewirkt und dem Bekenntnis der Gesellschaft wieder / Boden und Zukunft gewonnen werden könne. Gleichzeitig mit dem Bau/eines Gotteshauses wurde daher die. Gründung 'Mer höheren Bürgerschule für die Jugend gesetzestreuer jüdischer Eltern unternommen. Und das in reiner Absicht unternommene Werk erfreut sich Unter Gottes Beistand einer bereits durch die Jahre konsolidierten Gedeihens. Welche materiellen Opfer unsere Gesellschaft so für geistige und sittliche Kommunalzwecke mit durchaus freiwilliger Hingebung bringt, wollenIBo. Ercellenz aus dem inAnlag/F überreichten Rechenschästsbericht des abgelaufenen. Jahres zu ersehen geruhen. Unsere Gesellschaft hat die Genugtuung, daß der wohltätige Einfluß ihrer Strebungen sich weit über das Weichbild ihrer Vaterstadt hinaus erstreckt, und, wie einst von hier aus mit Anfang des Jahrhunderts der Geist der Neologie, insbesondere über Süddeutschland sich verbreitete/so auch ihr Streben für die Erhalrung und Stärkung des väterlichen religiösen Judentums zum weckenden Muster in weiten Kreisen geworden und bereits erfolgreiche Nachahmung gefunden. - 'Auch unsere bisherige Regierung unterließ es nicht, unseren Bestrebungen Beifall und Anerkennung zu zollen. ' Nur hinsichtlich eines Momentes konnten wir ungeachtet unserer immer wiederholten Gesuche einen unseren Wünschen und, -wie wir aufs tiefste überzeug!- sind, eine unserem Rechte entsprechende Erledigung nicht erlangen. Ungeachtet uns die selbständigen Korporationsrechte zuerkannt sind, ungeachtet wir mit bedeutendsten Opfern alle jüdischen religiösen Zeremonial-Anstalten selbständig schaffen müßten und erhalten müssen, vor allem, ungeachtet das Bekenntnis der jüdischen Neologie. sich , im entschieden ' konträren Gegensatz zu unserem dem göttlichen Gesetze treugebliebenen Bekenntnis verhält und die beiden Bekenntnisse prrnz piell durch eine viel weitere Kluit von einander als irgend eine der verschiedenen Konfessionen innerhalb der christlichen Kirche von einer andern getrennt sind/ ungeachtet somit die Kultus- und Lehranstalten der Neologie nicht nur für unsere Mitglieder in keiner Weise benutzbar sind, sondern aus Grundsätzen basieren und Zwecke verfolgen, deren Anerkennung und Förderung für uns, nach/unseren tiefsten Ueberzeugungen, in höchstem Grade gewifsrnsvidrig sein müssen, werden unsere" Mitglieder gleichwohl bis zur Stunde nochgezw ungen, zu gleicher Zeit Mitglieder der neilooen/hiellqen israelitischen Gemeinde zu sein und ihre Mitgliedschaft, sowie die Aberkennung. und Förderung jener- 'neölogen Anstalten und Bestrebungen durch Beiträge faktisch zu betätigen!! Ja, es konnte bis jetzt kein Jude BAÄg'er in Frankfurt werden, ohne in die neologe israelitische.Gemeinde als Mitglied einzutreten. Nicht, daß unsere bisherige Regierung das Illegale, allem Prinzips des Rechtes und der Gewissenachtung Widersprechende dieses Zwanges nicht anerkannt hätte. Steht doch nicht nur überall sonst, sondern auch hier in Frankfurt selbst ein solches Faktum als völlig vereinzelt da. Kein sonstiger Frankfurter Bürger wird gezwungen, einer Konfession als Mitglied anzugehören und zu deren konfessionellen Anstalten zu steuern, denen er seinem Religionsbekenntnis e noch fremd ist. Am allerwenigsten werden irgendwo die treugebliebenen Bekenner einer Konfession gezwungen, dem Religionswesen der von derselben Abgefallenen als beitragende Mitglieder anzugehören, zumal wenn diese Treugebliebenen 'genötigt worden sind, ein selbständiges Gemeinwesen auf der alten Basis zu gründen und mit schweren Opfern zu erhalten. Es hat daher die bisherige. Negierung auch unseren Anspruch auf paritätische Gleichstellung mit der hiesigen Jsr. Gemeinde und demgemätze Befreiung von den Beitragslasten zu deren Kultus- und Lehrangelegenheiten de > jure als völlig begründet anerkannt, jedoch aus Gründen, die sich unserer Einsicht entziehen, es noch immer nicht als an der Zeit erklärt/diesem anerkannten Rechte praktische Folge zu geben. Unterm 23. Jan. vorigen Jahres hatte dieselbe endlich in dem unter Anlage G in Abschrift anliegendem Erlasse diese unsere Berufung als nunmehr nicht weiter zu verschieben erklärt. Wir wagen daher Ew. Crcellenz erleuchteter Einsicht und hohem Rechtsgesühle unsere Angelegenheit mit. der ehrerbietigsten Bitte nahezulegen. Die völlige Trennung unserer Religionsgesellschaft von irgend einem Verbände mit der hiesigen israel. Religionsgemeinde und in konsequenter Folge dessen die Befreiimg unserer Mitglieder von allen und jeden Beiträgen zu den Kultus- und Lehrangelegenheiten bei unserer nunmehrigen Regierung zu vermitteln. - Sollte hinsichtlich des Hospitals und des Begräbniswesens unsere Zusammengehörigkeit noch ferner beliebt werden, so sind wir, wie wir dies in mehreren wiederholten Eingaben an die frühere Regierung erklärt, dazu bereit,