Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1928)
- Date
- 1928-01-19
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 2 Nr. 3 Der Israelit 19. Januar 1928 unser Gebet ausgesprochen werden kann, Damit wird unser Beten sinnlos. In diesem Punkte müßten m. E. alle Denkenden ihre Kräfte vereinen, um die echte Rangordnung wiederherzustellen und die Krone den wahren Königen zurückzugeben. Jahresbericht des Vereins Mekor Chajim e. V. für die Zeit vom 1. Oktober 1926—1. Oktober 1927 Erstattet auf der Generalversammlung vom 1. Januar 1928. Wenn man sich anschickt, einen Bericht über die Tätigkeit unseres Vereins im letzten Geschäftsjahr zu erstatten, dann drängt sich leicht der Gedanke auf, daß sich das Leben im Mekor Chajim immer wieder im Großen und Ganzen nach demselben nun schon durch eine lange Reihe von Jahren erprobten Programme abspielt, obwohl sich doch die Verhältnisse, soweit sie die Pflege des Thorastudiums betreffen, in den letzten Jahren im Westen und auch namentlich früheren Jahren diese Vorträge von Vereinsmit- Medern, und mit Vorliebe von jüngeren, gehalten wurden, so ist die Verwaltung schon lange davon abgekommen und läßt es sich angelegen sein, auch für diese rrnpv-Vorträge die beliebten uüd bewährten Redner heranzuziehen. Während der Sommermonate fanden die rrip»-Schiurim am -Nachmittag im Vereinslokale statt, und zwar war Herr Dr. W. Hof - mann als ständiger Dozent dafür gewonnen worden. Wie es sich von selbst versteht, konnte er an den Sommer-Sabbatnachmittagen nur eine kleine, aber treue Schar von Zuhörern um sich versammeln. Um so mehr gebührt ihm unser Dank für seine Mühewaltung, namentlich auch dafür, daß er es unternommen hatte, an den nrw-Nachmittagen des Winterhalbjahres an derselben Stelle regelmäßig Schiurim aus v'ri'ai abzuhalten. Ein gut besetztes Haus werden Sie auch wieder am -Vormittag bei den -Vorträgen des Herrn Dr. Elieser Posen finden. Auch hier ein Beweis, wie nötig dieser Schiur ist. in unserer Vaterstadt durchgreifend geändert Haben dochdurch ihn dieMugen Arnglreder haben. Es geht schon seit längerer Zeit durch9e^oret| viele zu den weite Kreise, besonders auch durch die jüdische regelmäßigen Zuhchrern , die nicht selbständig Jugend, das erfreuliche Streben nach Belebung ^nen/ -^e en^eii Jtcfi ^te ^mgend imh NoWirfimn ho« Thnrnftiihhims. Naben wir-notigen Kenntnisse der wichtigsten öw arteignen. Aber auch solche, die im Lernen wohl bewandert sind, besuchen diesen Schiur gern und mit Gewinn, denn sie werden wohl immer etwas mit nach Hause nehmen, was ihnen bisher noch nicht bekannt gewesen. Es bereitete der Verwaltung keine geringe Sorge für diesen Schiur, der eine lange Reihe von Jahren hindurch die Domäne unseres unvergeßlichen Herrn Rektors Falk V'Xt gewesen war, den richtigen Dozenten zu finden. Mit Freuden können wir feststellen, daß es Herrn Dr. Posen durch seine Vortragsweise und die gründliche Vorbereitung, die er gerade diesem Schiur widmet, durchaus gelungen ist, ihm seine alte Anziehungskraft zu erhalten. Und dem vielbeschäftigten Geschäftsmanne, der unter den heutigen Verhältnissen mehr als je mit seiner Zeit geizen muß, aber doch das Gebot n^i oai’-in mam erfüllen will, ihm ist bei uns die Möglichkeit geboten, jeden Tag noch vor Geschäftsbeginn wenigstens, einen kurzen Schiur mitanzuhören und seiner Pflicht dadurch zu genügen. An diesen Beispielen dürfte wohl gezeigt sein, daß unser Verein auch heute noch, wo sich die zum Thoralernen gegebenen Gelegenheiten erfreulicherweise so vermehrt haben, nicht nur eine. und Vertiefung des Thorastudiums. Haben wir doch erst vor kurzem herrliche Tage erlebt, die ernsten Beratungen gewidmet waren, wie unsere Thora und der Geist ihrer Gesetze immer weiter verbreitet und das Lernen noch mehr als bisher gefördert werden könnte. Es ist noch nicht so lange her, da war der Verein Mekor Chajim d e r-Lernverein in Frankfurt, und wenn wir heute um uns blicken, gewahren wir G. s. D., daß sich in unserer Stadt für den, welcher dem Thorastudium obliegen will, eine ganze Reihe von Gelegenheiten dazu erschlossen haben. Ist, so wird man fragen, das Bestehen des Mekor Chajim in unserer Kehilloh noch eine solche Notwendigkeit, wie sie es zweifellos früher gewesen ist? Schauen Sie, meine Herren, an einem der Winterfreitagabende nach Beendigung des Gottesdienstes in den Hörsaal unserer Synagoge, und Sie werden selbst die Antwort auf unsere Frage finden. Wie könnte man die Zeit bis zum Beginne des Sabbatmahles wohl besser ausfüllen als durch einen belehrenden Vortrag über den jeweiligen Wochenabschnitt! Hier - kommt unser Verein einem direkten Bedürfnisse der Mitglieder entgegen, denn oftmals erweist sich der Saal als zu klein für die zahlreiche Hörerschar. Wenn in wenn auch prominente, Lernvereinigung unter vielen anderen ist, sondern so wie früher als eine der unentbehrlichen Einrichtungen unserer Kehilloh angesprochen werden muß. Unentbehrlich auch insofern, als Mitglieder, die schon tiefer in das Talmudstudium eingedrungen sind, sich aber einen besonderen Lehrer nicht halten wollen, bei uns Gemorohschiurim mitnehmen können, und zwar zu Zeiten, die ihnen mit Rücksicht auf ihre berufliche Tätigkeit bequem liegen. Wir denken an die beliebten, gut besuchten Schiurim. des Herrn Rabb. D. Jos. Breuer, ferner an diejenigen der Herren Dajan P o s e n, Dr. Ek. Posen , Herz H a l p e r n und S o f f e r. Es ist uns eine angenehme Pflicht, allen unseren verehrten regelmäßigen Herrew-Dozenten für ihre hingebungsvolle Tätigkeit den herzlichsten Dank abzustatten. I_ . Man kann schließlich mit Recht zu dem eisernen Bestände unseres Lehrprogramms^ wenigstens was die Sommerzeit betrifft, auch die Midraschvorträge am Sabbath 1 Stunde vov Nacht rechnen. Sie haben dank der trefflichen Redner, die wir dafür gewinnen konnten, einen solchen Anklang gefunden, daß man sie nicht mehr missen mag. Zu den 2'»' nahmen wir Veranlassung, besondere Vortröge halten zu lassen, die imit der festlichen Zeit in Beziehung standen.. An den vier Sonntagen des Elulmonats hielt Herr Rachelfohn tiefgründige Vorträge üben die nvn ^-Widdui. Auch sonst wurden unsere Mitglieder wieden durch besondere außerhalb des Rahmens unseres gewöhnlichen Lehrplanes liegende Vorträge erfreut. Es fehlten nicht die meisterhaften Geschichtsvorträge des Herrn Redakteur S chm ch - nowitz, der außerdem seinen m niL»-Schiur, den er an zwei Vormittagen der Woche hielft beendet hat und statt dessen nnümehr dik vorlernt,' auch nicht die tiefschürfenden Reden des Herrn Emil G o l d s ch m i d t. Herr Dr. A. M e r z b a ch hatte einen Vortragszyklus überden Propheten Amos übernommen, den er in hervorragender Weise durchführte. Es würde' zu weit führen, wollte man alle besprochenen Themata, die sämtlich das rege Interesse eines dichl gedrängten Zuhörerkreises fanden, im Einzelnen aufführen. Doch möchten wir nicht verfehlen den sämtlichen Herren Rednern, die sich uns in so liebenswürdiger Weise zur Verfügung gestellt haben, nochmals den herzlichsten Dank für ihre genußreichen Ausführungen auszusprechen. Nicht unerwähnt bleibe ferner, daß es sich Mn Schreiben von Rabbiner S. R. Hirsch für die Israelitische ReligionsgeseNschafk an die Behörde.*) (Aus Anlatz der Jahrzeit am 27. fernes mitgeteilt.) Ew. Ercellenz! Der ehrerbietlgst Unterzeichnete Vorstand der israel. Religionsgesellschaft wagt es, Ew. Ercellenz mit einer Bitte zu nahen, deren wohlwollende Gewährung die wesentlichsten Interessen der von ihm vertretenen Gesellschaft in hohem Grade berührt und zugleich von der erleuchteten Einsicht und dem hohen Gerechtigkeitssinne Ew. Ercellenz sowie der hohen königl. Regierung, als deren Vertreter wir Sie zu begrützen die Ehre haben, nach unserer zuversichtlichen Hoffnung die beredtesten Fürsprecher finden dürfte. Es ist im geheiligten Namen des Rechts, um dessen endliche Verwirklichung, sowie der nicht minder geheiligten Gewi smsfreiheit, um deren endliche volle Gewährung wir bitten möchten, datz wir zuvörderst die Bitte wagen, Ihnen, Ercellenz, unsere Angelegenheit in möglichster Kürze vortragen zu dürfen. Das religiöse Bekenntnis, auf dessen Boden unsere Religronsgeselischast steht, ist kein anderes, als das alte, von den Vätern überlieferte gesehestreue Judentum, das man, seitdem sich im Gegensatz zu ihm eine die Autorität des biblischen wie des tradierten Gesetzes negierenden Neologie auszubilden begonnen, zur Unterscheidung das „orthodoxe" zu nennen pliegt. Wie überall im ganzen deutschen Vaterlande war *) Das Original in der Handschrift von S. R. Hirsch befindet sich in der reichen Hirschsammlung des Herrn Joseph Sänger i. Fa. Sänger u. Friedberg, Frankfurt a. M. auch hier in Frankfurt bis zum Jahre 1608 dieses „orthodoxe" Judentum das einzige jüdische Religionsbekenntnis, das in unangetasteter Geltung die Seele des jüdischen Gemeinwesens bildete. Wi^. mannigfach verkümmert auch die politische Stellung der Juden war, für die innere Entwickelung ihres religiösen Eqmeindelebens gewährte' ihüen der Staat volle Autonomie. Synagogen und Schulen, sowie überhaupt die zur Erkenntnis und Verwirklichung des religiösen Gesetzes erforderlichen Institute und Institutionen .genossen „einer staätsseitlg ungehinderten, ja, soweit oberherrlich notwendig, anerkannten und geschützten Pflege. Mit dem Einzug der primatorischen Zeit begann hier in Frankfurt für die Bekenner dieses von der Bibel und den Traditionen der Väter noch ferner, sowie deir staatlichen Anerkennung nach autzen getragenen, seine Existenz nach Jahrtausenden zählenden Judentums ein Märtyrertum, das bis zum Jahre 1850 unausgesetzt, jedoch leider erfolglos für historisches Recht und Gewissensfreiheit zugleich die schwersten Kämpfe zu bestehen hatte. War doch Frankfurt überhaupt ein Herd, von dem aus die Neologie sich über den ganzen Kreis, insbesondere der süddeutschen Judenheit, verbreitete. Hier aber, an dem Mittelpunkt dieser dem gcsehestreuen Judentum den Krieg kündenden Richtung, wußte sie leider selbst die Autorität und den Arm der Obrigkeit für die Förderung ihrer Zwecke zu gewinnen und nicht nur Synagoge und Schule zu fruchtbaren Pflanzstätten ihrer Anschauungen zu nmwandeln, sondern auch den dem väterlichen Religionsgesetze noch treugebliebenen Gliedern die Erfüllung ihre Gewi'srnspflichten in Erkenntnis und Ausübung ihrer religiösen Obliegenheiten, sowie.in Erziehung ihrer Kinder für das ihnen von..ihren Vätern ererbte Bekenntnis durch provozierte obrigkeitliche Matznahmen unmöglich zu machen.. - . . , - .. . : ’ Den näheren Nachweis dieser Vorgänge bitten wir durch Ueberreichung zweier Druckschriften unter Anhang A und B überreichen zu dürfen. Ew. Ercellenz werden aus diesen Schriften die Ueberzeugung gewinnen, datz hier gegen die Bekenner des geh setzestreuen Judentums in einer Weise vorgegangen worden, die in den religionsgeschichtlichen Annalen aller Zeiten wohl kaum eine Parallele finden dürfte, die. aber in dem Jahrhundert der Rechtsachtung. und der Religionsfreiheit sicherlich als Unikum dasteht. Nie und nirgendswar es dem neu. entstandenen Religionsbekenntnisse gestattet, den der väterlichen Religion Treugebliebenen diese Gewissenstxeue zum Verbrechen zu istache'n, sie in. der Betätigung dieser Gewissenstreue gewaltsam zu hindern, ja, sie noch zur Mitbegründung und Unterhaltung der für die Propaganda des Abfalls errichteten Kultus- und Lehranstalten fiskalisch zu nötigen. Im Jahre 1850 endlich fand sich die Regierung bewogen, den dem gesetzestreuen Judentum treu Gebliebenen zu bewilligen, sich als eine besondere Genossenschaft für die Befriedigung ihrer religiösen Bedürfnisse zu konstitüieren und unter dem Namen „Israelitische! Religionsgesellschaft" die für diesen Zweck erforderlichen Anstalten ins Leben zu rufen, ihnen auch im Jahre 1854 und 1864 die Korporationsröchte zu erteilen, wie dies aus den Anlagen C, D, E f erhellt. Als unsere Gesellschaft einst zur' Fortsetzung des alten hiesigen jüdischen Gemeinwesens zusammentrat, hatte sie in buchstäblichem Sinne dieses ganze Gemeinwesen wieder neu zu schaffen. Tabula rasa war in den 40 Jahren Her Alleinherrschaft der Neologie mit allen für ein gesehestreues jüdisches Lebens unentbehrlichen Institutionen gemacht worden. 'Nicht eins einzige Anstalt war dem gesetzestreuen Judentumverbliebest^ Alles war neu zu begründen. Mit erner ansrkennungs'werten, opferfreudigen Begeisterung gab sich unsere Gesellschaft, trotz ihrer änfcstlgs nur geringen Zahl dieser großen Aufgabe hin, Md nach wenigen Jahren hatte sie eine neue Synagoge, effl neues.Frauenbad gebaut, eine eigene FleisHhalle gestiftet, eine stelle Schule gegründet, Rabbiner/ Lehrer, Vorsänger, Schächter usw. angestellt und so aus völlig eigenen Mitteln in achtunggebietender Weise ein selbständiges religiöses Gemeinwesen wieder geschaffen, das auf dem