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Der Israelit · 1928-01-19 · Heft 3 (19.1.1928) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 3 (19.1.1928)
Date
1928-01-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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■1 -r\ ta,-* Seite 6 Anträge abgelehnt. Clausus gegen Juden direkt nicht, mehr besteht, jedoch ist die Ordnung eine solche, daß die Gesellschaftskreise, denen die Juden angehören, erst in letzter Reihe für die Zulassung zum Studium in Betracht kommen. Budapest, 12. Januar. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses unterbreitete Abg. Dr. Farkas den Bericht des Unterrichtsausschusses über die Novelle zum Numerus Clausus- Gesetz. Dem Entwurf wurde die Dringlichkeit zugesprochen. Demnach wird das Haus schon in den nächsten Tagen den Entwurf verabschieden. Polen. Line stürmische Sitzung im Lohzer KeWorak. Lodz, 15. Januar. Die Sitzung am letzten Sonntag begann zunächst ganz ruhig mit der Annahme einer Protestresolution an den Völkerbund gegen die Pogrome in Rumänien, wobei immerhin die Zionisten nicht unterlassen konnten, gegen Weizmann und Sokolow Sturm zu laufen, die sich allgemein gegen den Satz im Proteste „gegen die rumänische Regierung, die die Pogrome vorbereitet und organisiert hat", aussprachen. Es folgten Anfragen, Auseinandersetzungen und Abrechnungen der Poale Zionisten mit der Verwaltung, der Poale Erez Jisroel mit dem „Bund". Vom Vorstände erklären Bendziner und Ruß, nachdem die Aguda und andere Parteien das Budget nicht genehmigen, müsse dieses vom Rate beschlossen und bewilligt werden. Die näherliegende Konsequenz aus der Ablehnung zu ziehen, und zu demissionieren, sehen sie sich vorerst nicht veranlaßt. Der Vizepräsident des Rates, Oscher M e n d e l s o h n , weist auf die Unhaltbarkeit dieser Erklärung hin. Wird, 'der Etat abgelehnt, so habe das Präsidium seinen Platz zu verlassen. Gelder für das von der Aguda gewünschte Budget wären genügend da, wenn man endlich an die Durchführung des Etats von 1926, d. h. Einkassierung der Gelder, Herangehen würde. Es entwickelt sich nun eine scharfe Debatte zur Geschäftsordnung, da der Vorsitzende es ablehnt, in eine Diskussion über die Vorstandserklärung einzugehen. Man protestiert gegen die Stellung der Budgetberatung auf die Tagesordnung, nachdem das Budget von der Mehrheit abgelehnt worden ist. Es wird abgestimmt, und der Vorsitzende erklärt, daß nur zehn Stimmen sich gegen die Tagesordnung erhoben. Es wird aber dem Vorsitzenden nachgewiesen, daß es e l f von der Aguda allein seien, wozu noch fünf Stimmen des „Bundes" und der P. Z. kommen. Agudavertreter protestieren entschieden und mit schärfsten Worten gegen die Irreführung und die Galerie greift in den Kampf ein. Die Tumulte arteten in Tätlichkeiten aus, und die Polizei, vom Präsidium rasch herangeholt, muh Ordnung schaffen und die Galerie räumen. Nach einer Unterbrechung der Sitzung wird eine zweite Abstimmung vorgenommen, die nun 13 Stimmen gegen das Budget ergibt. Die Bundisten haben sich inzwischen eines anderen besonnen und sich der Abstimmung enthalten. Da nun das Präsidium zum Budget' übergeht, verlassen alle Agudamitglieder zum Proteste gegen die Unrechtmäßigkeit der Verhandlung ostentativ den Saal. Per Akklamation wird nun das Budget von den Zionisten, die vollkommen unter sich bleiben, noch angenommen. Edelmann von den P. Z. erhebt flammenden Protest. Unter großem Lärm wird die Sitzung geschlossen. Die Opposition erklärt, gegen diesen Gewaltakt und die unerhörte Bevormundung die nötigen Schritte einzuleiten. Litauen. Ein Schlag der litauischen Regierung gegen den Rabbinerverband. Kowno, 5. Januar. Die litauische reaktionäre Regierung hat, nach einer kaum glaublichen Mitteilung des J.T. A., einen Entwurf veröffentlicht, der das folgende, bestimmt: Jede Synagoge oder jedes Beth Midrasch wählt alle drei Jahre afs Neue einen Rabbiner. Unter dem Vorsitz des Kownoer Hauptrabbiners Schapiro wird «ine aus 4 Rabbinern bestehende Kommission von der Regierung eingesetzt. Gegen diesen Entwurf, der eine Bagatellisierung und Herabsetzung des Rabbinerstandes beabsichtigt, hat eine Versammlung des Rabbinerverbandes protestiert. Der Verband hat der Regierung ein diesbezügliches Memorandum überreicht. Die Woche. Berlin. Nach längeren Vorbesprechungen konstituierte sich in Köln unter dem Namen .Jüdische Sonderschau der Pressa 19 2 6, Isop " e. V. ein Verein, der, als ausführendes Organ eines großen Komitees, auf der internationalen Presseausstellung in Köln in einem jüdischen Pavillon eine jüdische Sonderschau veranstalten wird. — Direktor Heinrich Stahl, Jacob Goldschmidt und Rabbiner Dr. Salomonski gelang es, m Landsberg a. d. Warthe ein geeignetes Grundstück mit Garten zu erwerben, auf dem nn neues, jetzt vollendetes jüdisches Al - ersheim aufgebaut wurde, das am Sonntag den 15. Januar eingeweiht wird. Das Haus hat bereits 50 Personen ausgenommen. Breslau. Am 11. Januar verhandelte das Große Schöffengericht Breslaus gegen den Studenten des Maschinenbausachs Wilhelm Genn e r t aus Ratibor und den Schlosser Paul Schönborn aus Breslau wegen eines versuchten Einbruchs in den jüdischen Friedhof in der Claaßenstraße. Dort waren im Dezember 1926 eine große Anzahl Grabsteine umgeworfen worden. Die Angeklagten bestritten, dre Täter zu sein und wurden freigesprochen, obwohl alle Umstände für ihre Täterschaft sprachen. Göttingen. Vom Schöffengericht wurde der völkische Agitator Verenger Elsner von Gronow, der in der von ihm geleiteten Buchhandlung Eremplare des „Illustrierten Völkischen Beobachters" zum Aushang gebracht, in denen die Bilder von angebliche:: Ritualmorden enthalten waren, an Stelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe von drei Wochen zu einer Geldstrafe von 300 Mark verurteilt. Leipzig. Wie das Presse-Büro des Leipziger Messe-Amtes mitteilt, werden während der Frühjahrsmesse 1929 in Leipzig zwei Pavillons zu sehen sein, die die jüdische Kolonisation der Gegenwart veranschaulichen: ein von der Zionistischen Exekutive _ errichteter Palästina-Pavillon und eine von der staatlichen russischen Kolonisationsgesellschast Komzet arrangierte Ausstellung, die das jüdische Kolonisationswerk aus der Krim illustriert. Warschau. Am 11. Januar nachts verstarb in B i a l y st o k der Vizepräsident des Zentralkomitees der zionistischen Organisation Polens, Dr. Noah D a v i d s ö h n. — Im Jahre 1927 wanderten 1179 Juden aus Polen nach Palästina aus. 1926 betrug die Zahl der Palästinawanderer aus Polen 6809, 1925 war diese Zahl 17 731, 1924: 7987, 1923: 3100, 1922: 3052, 1921: 4636, 1920: 2081. Die Gesamtzahl der in den Jahren 1920 bis 1927 aus Polen ausgewanderten Juden beträgt 46 576. — Der Redakteur der Wilnaer jiddischen Tageszeitung „Tog", Salman Reisen, Herausgeber des Lerikons der jüdischen Literatur, wurde zu zwe: Monaten Gefängnis verurteilt, weil er in seinem Organ das Gesetz über die Zwangssonntagsruhe vom jüdischen Standpunkt bekämpst hat. .London. Soeben erschien die erste Nummer des „Jewish Echo", der ersten und bisher einzigen jüdischen Zeitung Schottlands. Sie erscheint wöchentlich in Glasgow. Gens. Im Juni 1928 tritt die Mandatskommission des Völkerbundes in Genf zu ihrer 13. Session zusammen. In dieser Session wird u. a. auch der Bericht der englischen Regierung über die Verwaltung Palästinas i. I. 1927 behandelt werden. Riga. Dis Regierung nahm in ihrer letzten Sitzung die Einbürgerung von 60 aus Rußland stammenden, jetzt in Lettland wohnenden Juden vor. Jerusalem. In einer gemeinsamen Sitzung des palästinensischen Komitees des Judaistischen Institutes der Jerusalemer Universität und des Lehrkörpers dieses Institutes wurde emmüUg beschlossen, die Angelegenheit des jiddischen Lehrstuhls vorläufig zu verschieben; es sollen zunächst hebräische Lehrstühle für biblische Wissenschaft, jüdische Geschichte und jüdische Philosophie errichtet und besetzt werden. Rumänien. Abermals Pogromhetze in Rumänien. Bukarest, 2. Jan. An: Sonntag, den 1. Januar morgens, als die christliche Bevölkerung von Jassy aus den Kirchen strömte, machten zahlreiche antisemitische Agitatoren Versuche, die Bevölkerung zu einem spontanen Angriff auf die Juden aufzuhetzen. Sie verteilten antisemitische Pamphlete und riefen: „Tod den Juden, den Feinden des Christentums und Rumäniens!" Ein . Teil der Menge ließ sich von den Agitatoren leiten und überfiel die jüdischen Passanten,, von denen mehrere blutig geschlagen wurden. Be: einem ^Versuche, einen Sturm auf die jüdischen Geschäfte auszuführen, wurde die Menge von der Polizei zurückgehalten und zerstreut. > , Aus allen Universitätsstädten Rumäniens treffen Meldungen ein, wonach die Aufregung unter der Studentenschaft wegen Verurteilung der neun studentischein Plünderer und Synagogenschänder durch das Bukarestei Militärgericht bis zur Siedehitze gestiegen ist. Bekanntlich hat die Vereinigung christlicher Studenten ein Kommunique herausgegeben, in welchem eine allgemeine studentische Trauer für die Dauer von 20 Tagen angeordnet und an alle christlichen Studenten appelliert wird, sich von allen öffentlichen Vergnügungsveranstaltungen sernzuhalten. Die Zeitung „Lupta" schreibt, die Regierung befinde sich jetzt in einer kritischen Situation. Nachdem sie ihre anfängliche Drohung, mit aller Strenge gegen die Unruhestifter vorzugehen, nicht wahr gemacht hatte^ kehren die Studenten jetzt den Spieß um und drohen der Regierung. - Das offizielle Organ der nationalen Bauernpartei „Drepratea" teilt mit, die offizielle rumänische Presseagentur Orientradio sei vom Reuterschen Büro offiziell verständigt worden, haß Reuter infolge falscher Berichterstattung der rumänischen Presseagentur über die siebenbürgischen Studentenausschreitungen die Berichterstattung über Neurumänien an das ungarische Korrespondenzbüro übertragen habe. Die Agentur Orientradio soll zuerst gemeldet haben, daß bei den Ausschreitungen nur zwei Fensterscheiben zerschlagen worden seien. Reuter soll Orientradio gleichzeitig mitgeteilt haben, daß er, wenn die Agentur mit der unzuverlässigen Berichterstattung fortsahre, sich gezwungen sehen werde, auf ihre Dienste ganz zu verzichten. Die Schänder des Friedhofes von Pialra Neamtze gefaßt? Bukarest, 12. Januar. Einige Zeitungen teilen mit, es sei der Polizei gelungen, 20 Personen zu verhaften, die mit der Verwüstung des jüdischen Friedhofs von Piatra Neamtze in Zusammenhang stehen. Unter den Verhafteten befinden sich einige Studenten, der größte Teil der Verdächtigten gehört nichtstudentischen Kreisen an. Da aber festgestellt wurde, daß an dem Abend, an welchem.die Schändung des Friedhofs geschehen ist, ein Studentenball stattfand, so liegt die Vermutung nahe, daß der ganze Plan von Studenten ausging. Auf dem zerstörten Friedhof von Piatra Neamtze spielen sich täglich erschütternde Szenen ab.' Die Judenschaft der Umgebung pilgert zu dem Friedhof und weint an den zerstörten Gräbern ihrer Toten. Der Rabbiner von Piatra Neamtze, Löbel, hat telegraphisch den Patriarchen Miron Christen um Schutz der religiösen Einrichtungen der Juden gebeten. Im Hinblick auf die Zerstörung des jüdischen Friedhofes in Piatra Neamtze haben die Behörden in Jassy eine strenge Ueberwachung des dortigen Friedhofes angeordnet. Der ganze Friedhof ist von Gendarmenposten umstellt. Zwei Individuen, die in der Nacht über die Umzäunung zu steigen versuchten, wurden festgenommen. Palästina. Endlich. — Vorbildlicher sozialer Sinn. Jerusalem, 10. Januar. Am 4. Januar ist den Lehrern endlich ihr Juni- und Juli-Gehalt gezahlt worden. Von j e tz t a b soll regelmäßig jeden Monat das monatliche Gehalt bezahlt worden. Wann einmal die noch fehlenden fünf Monate zur Auszahlung kommen, weiß man nicht. Auch die 140 Lehrer, denen gekündigt worden war, unterrichten. Die anderen Lehrer haben trotz ihrer eigenen sehr schwierigen pekuniären Lage zu ihren Gunsten auf 10 Prozent des Gehaltes verzichtet, um st« auf diese Weise mit durchzuschleppen. Wahrlich, würden die Juden des Galul eine solche Opferbereitschaft für Palästina betätigen. Me sie ein Teil der Juden Palästinas mit Selbstverständlichkeit tagtäglich betätigt, — das Problem des jüdischen Aufbaues an Palästina wäre längst gelöst. Nr. 3 D e r Israelit 19. Januar 1928 Das bedeutet, daß ein Numerus ■ T-irr-—mir TT~ ~i s-.' 75>?»»» inV i SSSäm

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