Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1928)
- Date
- 1928-01-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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-19. Januar 1928 Der Israelit Nr. 3 Seite 7 Gegen die Errichtung eines Lehrstuhls für Jiddisch an der Hebräischen Universität. Jerusalem, 5. Jan. Der „©bub Mogine Hasafah" (Legion zum Schutze der hebräischen Sprache) hat einen Ausruf veröffentlicht, ber sich in scharfer Form gegen den Plan ber Errichtung eines Lehrstuhls für , jibbische Sprache unb Literatur an dem Institut für judaistische Stubien ber hebräischen Universität zu Jerusalem wendet. .Auch außerhalb ber Kreise des „Gbub" äußert man starke Unzufriebenheit mit bem Beschluß ber Mainzer Tagung bes Verwaltungsrates bes Instituts, bie Stiftung eines amerikanisch-jüdischen Zeitungsherausgebers für Errichtung eines Lehrstuhls für Jibbisch anzunehmen. Man wenbet ein, baß ein solcher Lehrstuhl bie Position ber hebräischen Sprache als ber nationalen Sprache ber Jubenheit Palästinas gefährben könne. Unter ben Stubierenben ber Universität macht sich eine Bewegung geltenb, gegen bie Errichtung des Jiddisch-Lehrstuhls mit allen Mitteln, auch denen des Streiks, anzukämpfen. Die Aenderungen im Gememdegesehentwurf. Jerusalem, 3. Januar. Das Amtsblatt veröffentlicht eine genaue Ueberficht über die Aenderungen, die die Negierung auf Grund der inzwischen geführten Verhandlungen in dem im August veröffentlichten Texte des Gemeindgesetz-Entwurses vorgenommen hat. Die wichtigsten Aenderungen sind folgende: Während ursprünglich der Begriff der „Congregation" (Eda) als Gemeinschaft solcher Juden definiert wurde, die sich einer, besonderen Synagoge angeschlossen haben, heißt es jetzt im Einklang mit dem Antrag der Agudas Jisroel, daß Congregation oder Edah jede Gemeinschaft von Juden sei, die sich zusammengeschlossen haben, um ihre religiösen Angelege n h e i t e n z u regeln. Damit ist grundsätzlich der Kompetenzkreis der Congregation auf alle Gebiete des durch das Religionsgesetz geregelten Gemeinschaftslebens erstreckt und der ominöse Schein beseitigt, als ob es sich bei den selbständigen orthodoxen Gemeinden lediglich um Kultusgemeinschasten innerhalb einer großen Volksgemeinde handle. Eine Verbesserung ist es auch, daß zu den Aufgaben der offiziellen Gemeinde nicht mehr die Förderung der Erziehung und der Wissenschaft gehört, sondern die Förderung der Erziehung und der Religion. Der größte Teil der anderen Aenderungen bezieht sich auf die Sicherung der Rechte der Sefardim im Oberrabbinat und in sonstigen rabbinischen und weltlichen Behörden. Die bei den Wohltätigkeitsinstitutionen verlangte ausdrückliche Zustimmung zur Beaufsichtigung durch das Oberrabbinat ist deutlich dahin definiert, daß die Majorität der Vertreter der Aufficht zustimmen müssen. Klargestellt ist, daß Personen, die ihren Namen aus der Liste des Waad Leumi löschen lassen, so angesehen werden, als ob sie dem Waad Leumi niemals angeh ö r t hat te n. Endlich ist bestimmt, daß die Rechte von bestehenden Vereinen auf ihren Besitz an Stiftungen auch dann durch das neue Gesetz nicht berührt werde, wenn die Mitglieder der Waad Leumi-Gemeinschast angehören. Gemeindegefch und Auskrittsbewegung. Jerusalem, 10. Januar. Mit der Veröffentlichung des Gemeindegesetzes in seiner endgültigen Fassung hat auch die Regierung, die den Austritt der Thoratreuen aus der Kenesies Israel des Waad leumi zum Ziele hat, bereits mit voller Macht eingesetzt. Nach der eindrucksvoll verlaufenen Kundgebung . an der Klagemauer sind drei große Aufrufe, unterzeichnet der eine von sechzig, der andere von mehr als hundert der angesehensten Rabbinen und Thoragelehrten, erschienen, in denen erklärt wird, daß die Zugehörigkeit zu der auf thorawidriger Grundlage aufgebauten Waad Leumi-Gemeinde verboten sei und zum Zusammenschluß aller Gottesfürchtigen im Rahmen einer selbständigen Eda aufgerufen wird. Die Gegensätze zwischen Waad Hair Aschkenasi und den polnischen Kreisen, die sich zur Adas Jisroel Hacharedis zusammenschließen wollen, sind für den Augenblick in den Hintergrund getreten, da es sich zunächst darum handelt, eine möglichst große Zahl von Charedim innerhalb der gesetzlichen Frist zur Austrittserklärung zu veranlassen. Ein Aufruf trägt von ausländischen Rabbinen auch die Unterschriften der Herren Oberrabbiner Steinberg- Brody, Oberrabbiner Reich-Budapest und Oberrabbiner Sack-Riga. Vom Belzer und Wischnitzer Rebbe sind gesonderte Aufrufe im gleichen Sinne erschienen. Personalien. Trauerfeier für Bruno Galewski Berlin, 2. Januar 1928. Am Sonntag den 1. Januar a. c. fand in der Synagoge Pestalozzistraße eine Trauerfeier für Herrn Bruno Galewski statt, bei der eine lange Reihe von Rednern die seltenen Eigenschaften, die großen Verdienste des Heimgegangenen um die Sache der Orthodoxie innerhalb der jüdischen Gemeinde würdigten und ihm dankbares Andenken gelobten., Neben ben Rabbinern Dr. Meier Hildesheimer, Dozent Rabbiner Dr. Moses Auerbach und Rabbiner Dr. Emil Levy kamen die Herren Moritz A. Loeb, Geheimrat Dr. I. Stern, Dr. Jsi Kahn und Hermann Aaron zu Wort, welche im Namen der jüdischen Gemeinde und der verschiedenen orthodoxen Verbände sprachen, denen Bruno Galewski ^xt an leitender Stelle angehörte. Den Abschluß bildeten herzliche Worte der Dankbarkeit und des wehmütigen Abschiedes, gesprochen vom Schwiegersöhne des Verstorbenen, Herrn Rechtsanwalt und Notar Dr. Marcus Cohn aus Basel. Mit Bruno Galewskr ist ein Mann von besonderer Prägung allzu früh dahingegangen. Nur wer die Eigenart der Berliner Jüdischen Gemeinde kennt, die bei der weltanschauungsmäßigen Verschiedenartigkeit ihrer Mitglieder und bei der mannigfachen Nuancierung des religiösen Denkens den Willen, eine Einheit zu bilden, nur schwer erklärbar macht, kann die Art des Arbeitens von Bruno Galewski richtig beurteilen, die, obwohl sie zeitlich gesprochen, nur eine kurze Spanne umfaßt, dennoch viel Gutes erreicht hat Als er vor ca. 20 Jahren seinen Posener Heimatsort Pleschen verließ, stand er in den besten Mannesjahren. Er brachte von dort die Liebe zur jüdischen Gemeinschaft, den altern niwp -Geist und die in der Großstadt selten geworbene Fähigkeit, mit, ein nnnsa nax ’anxa pow ein Mann zu sein, ber seine reichen Fähigkeiten, bie Klugheit und Liebe zu allem Jüdischen in selbstloser Weise in den Aufgabenkreis eines Gemeindeparneß stelle. Auf seinen stetigen, ber aller Friedfertigkeit unbeirrbaren Willen der alten Treue zum jüdischen Gesetz innerhalb der jüdischen Gemeinde aufs neue Eingang zu verschaffen, sind auch die unbestreitbaren Erfolge zurückguführen, die seine Arbeit zur Besserung der jüdischen Verhältnisse, namentlich aber der Kaschruth-Angelegenheiten auszuweisen hat. Früher sprachen gegen die Berliner Jüdische Gemeinde vom gesetzestreuen Standpunkt aus nicht nur Bedenken prinzipieller Natur, die ja immer vorhanden sein werden, so lange die liberale Leugnung in einer Gemeinde als gleichberechtigtes Judentum anerkannt wird. Vielmehr konnten auch praktisch die Institutionen und Kaschruth-Angelegenheiten keinem Juden genügen, der auch nur einigermaßen min und Mizwaus als Verpflichtung für sich anerkennt. In dieser praktischen Hinsicht hat lich in der Nachkriegszeit eine wesentliche Besserung vollzogen, und es bleibt das Verdienst von Bruno Galewski ^xr, die Kaschruth-Verhältnisse in der Jüdischen Gemeinde auf eine ganz neue Basis gestellt zu hyben. Eine genauere Schilderung würde den Rahmen dieser kurzen Würdigung überschreiten, sie gehört in die Geschichte der jüdischen Gemeinde und würde die interessante Tatsache feststellen, daß seit vielen Jahrzehnten, sicherlich aber seit den 60er Jahren zum ersten Mal wieder vor der Vorsteherschaft der jüdischen Gemeinde tn der Person des Heimgegangenen Herrn Galewski *>"xt die Stimme eines orthodoxen Juden vernommen und in dieser leitenden Körperschaft der jüdischen Gemeinde die Forderungen des gesetzestreuen Judentums vertreten wurden, so wie Herr Moritz Loeb, der treue Weggenösse des Heimgegangenen die Forderungen des gesetzestreuen Judentums im Kreise der Repräsentanten nachdrücklich betont. Hier sei nur kurz aus die eine Tatsache hingewiesen, daß im Jahre 1920 als der Heimgegangene den Vorsitz in der Kaschruth- Kommission übernahm, 2 oder 3 Aufseher gelegentlich die Schlächtereien der jüdischen Gemeinde zur Inspektion aufsuchten, daß die Rabbiner dem Gemeindevorstand nur auf Anfragen Gutachten abgeben durften, während sie selbst mit primitiven selbstverständlichen Forderungen nicht durchdringen konnten. Nun sind es zur Zeit 7 orthodoxe Rabbiner, die das Kaschruth überwachen, denen als Beamte 33 Schomrim unterstellt sind. Andere wichtige Schöpfungen, wie der Bau von neuen Mikwoaus, rote die Schaffung der. Schächterschule, sind ebenfalls der Initiative des Entschlafenen zu verdanken. Der Zuzug aus dem Osten bot dem Heimgegangene^ reichlich Gelegenheit, die brüderliche Gesinnung allen Mitjuden gegenüber zu bekunden. Es verdient kurz hervorgehoben zu werden, daß der früher vorhandene, und in vielen Gemeinden noch heute bestehende Gegensatz von Ost und West im Berliner Gemeindeleben im Verschwinden begriffen ist, und daß Männer, die vom Thorageiste erfüllt find, zur Geltung kommen können, unbekümmert - darum, wo ihre Wiege gestanden hat. Ueber die Gemeinde hinaus hat Galewski innerhalb des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, dessen stellvertretender Vorsitzender er war, für die gleichen Ideale gekämpft und damit die Lage der gesetzestreuen Judenheit besonders in finanzieller Hinsicht zu festigen vermocht. Vor allen Dingen war er ein Mann, bei dem Wort und Tat übereinstimmten, eine Ehrlichkeit des Wollens zeichnete ihn aus und sein Wesen krönte eine tiefernste Frömmigkeit, die ihn als Jüngling in das Haus des Löbäuer Rabbiners führte, dessen Tochter' seine Gattin wurde, diese Frömmigkeit, die auch durch die '•ot belohnt wurde, seine 4 Kinder zu frommen, ehrlichen a>Yin» heranwachsen zu sehen. Wenn man zusammenfassend das Leben des Heimge-. gangenen beurteilt, fühlt man sich an den bekannten ü"a ha») tnm Ausspruch erinnert, der uns lehrt - - - pan paa rr^ nn pan D’nn Wer die Thora und die Künder des Thorawortes liebt und ehrt, den belohnt maan mit der freudigen Genugtuung, gottessürchtige Kinder, gelehrte Söhne und Schwiegersöhne um sich zu sehen. Ihr Wirken aber ist von nachhaltiger Bedeutung, ihr Leben hat für die Dauer der Zeiten segensreiche Kraft zum Besten der jüdischen Gesamtheit. Möge der Heimgegangene aus der vi»pn«oi>p in die er nun eingezogen ist, mit Befriedigung auf sein irdisches Wirken blicken und in reichem Maße die Saat zu Früchten reifen sehen, die er in seinem zu früh beendeten Dasein ausgestreut. n"axan* Adolf Bachrach Marburg, 16. Jan. Unsere Gemeinde klagt um einen ihrer Besten: am vorletzten Freitag verschied nach langem, sehr schwerem und mit übermenschlicher Geduld ertragenem Leiden Adolf Bachrach im 48. Lebensjahre. Er war lange Jahre Mitinhaber der Firma A. S. Bachrach, die von seinem 'el. Vater in Neustadt (Main-Weserbahn) gegründet und dann nach Marburg verlegt worden ist. Die Firma stieg unter seiner klugen und charaktervollen Mitleitung zu immer größerem Ansehen empor, und auch er selbst erfreute sich allgemeiner Wertschätzung bei Juden wie Nichtjuden infolge seines großzügigen, offenen Wesens, seiner Güte und ferner geradezu sprichwörtlichen Mildtätigkeit, mit der er so vielen Bedrängten Hilfe gebracht hat. Besonders in der schweren Kriegszeit und den darauffolgenden Jahren hat er so manche Not gestillt, wohl keiner, der bei ihm anklopste, verließ sein Haus, ohne Unterstützung in Rat und Tat empfangen zu haben. Diesen menschlichen Tugenden entsprachen die jüdischen bildete er doch als Jude und Mensch eine unlösliche, harmonische Einheit, eine Persönlichkeit im besten Sinne. Sein großes Geschäft war am Sabbat streng geschlossen, zu den liebsten Besitztümern, die er sein eigen nannte, gehörte die beinahe zärtlich gehütete eigene Sefer-Thora, die er am Simchas-Thorafeste in stolzer Freude in der Synagoge herumtrug. „Simchas Thora, Freude an der Thora" war überhaupt ein bezeichnender Ausdruck seines Lebens, und wie konnte er diese Freude auch den Kindern vermitteln, der jungen Generation unserer Marburger Gemeinde, die er an den Thorafesten besonders beschenkte f?eodoi»fr || Die Markender Tangermünder Schokoladenfabrik Neu aufgenommen Alleinvertrieb durch die Firma aa