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Der Israelit · 1928-01-19 · Heft 3 (19.1.1928) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 3 (19.1.1928)
Date
1928-01-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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119. Januar 1928 Der I sraelit Völker — Schemoth— Länder — Welten. Er stellt ausdrücklich fest, Laß.nur (Goldberg 52/53) Len echten, unverfälschten Ur-Rassen der Menschheit solche transzendente Realität zugesprochen, .werden kann, während andere Völker, z. B. die Babylonier nicht den Namen „Volk", verdienen (das nichtgewesen'e Volk, Jest 23, 13) und infolgedessen ihre Götter beziehungslose, sinnlose , Götzen aus Holz und Stein sind; so und nicht -anders versteht Goldberg die Götter- und Völkerlehre des Pentateuchs. Infolgedessen erledigt sich von selbst die Frage des Rezensenten, ob denn Goldberg das Verbot des Mordes im Sinne des Pentateuchs für-ein örtlich beschränktes .Landesritual hält. Den Urvölkern außerhalb des Abrahamsstamms wohnte eben z. T. ein solcher Gottesbegriff nicht inne, der z. B. den Mord verbot. Ein eigener Einsall Goldbergs? /Der schärfste Trumpf des Rezensenten? Hören -wir, was die Ueberlieferung dazu meint: (n"bw nun) : Rabbi Schimon wurde gefragt, was denn die Erklärung bedeute, die unsere Weisen, zu td» 'i 83 gaben, nach welcher Gott die Thora zuerst mehreren stammverwandten Völkern angeboten und überall Abweisung erfahren habe,— wer denn die Großen der Völker gewesen seien, die zu jener Zeit über solche, Schicksalsfragen bei den Völkern, entscheiden konnten. Darauf habe 'Rabbi Schimon geantwortet: Zur geistigen Bereicherung Israels ist es geschehen. Gott ging zu den G e n i e n der Völker. Er rief Semael, den Genius Esavs: Willst du die Thora? Darauf Jener: Was steht darin? Gott antwortet:. Du sollst nicht töten! Der Genius Esavs antwortet: Töten ist meine Macht, Mars mein Glücksstern^ — söllichzugrunde geh en? Gib solche Lehre dem Jäkobsvolke. Ihnen sei sie gegönnt, und meine Erstgeburt dazu. So ist Gott ihnen, den Jakobskindern, „vom Seirlande her erstrahlt", •— hat ihnen Zustimmung und Bereicherung von dort gebracht. Dann bat Jener Gott: Erlaß mir die Annahme der Thora. 'Nimm von meinem Lichte, schmälere es und erleuchte davon Israel, damit es die Thora annehme. Dann rief Gott Rahab, den Genius Aegyptens: Willst du die Thora? Auch Rahab fragte: Was steht darin? Er erhielt die Antwort: Du sollst nicht ehebrechen. Da rief er aus: Wehe mir, wenn das mein Erbteil sein soll! Bin ich doch als "DTNjnD",,der Verzweigteste der Men schon" mit imgebändigtem Lebensdrang gesegnet; — gleiche ich doch selbst in pss den Fischen an Fruchtbarkeit, — soll ich zu-;g r u n d e g e h e n? Gott, gib Deine Thora dem Volke Hizchaks, denn meiner Ahnen (Jischmael) Geist ist dessen nicht fähig. Er erhält die Antwort: Du aber bist der Aeltere. Auch Rahab bietet Glanz und ' Krone, um die Thora an Israelweiterzugeben. Der. Sohar endigt mit einem Gleichnisse: Ein Arzt hat ein Lebenselixier erfunden und will es seinem Dohne vererben. -Er kann es aber nicht im Geheimen vollbringen und fürchtet, feine Diener /könnten den Sohn um das kostbare Gut beneiden und ihm nach dem Leben trachten. Da weiß er einen Rat. Er versenkt die kleine Flasche mit dem- Lebenselixier wohlvexschlyssen in eine größere, mit stechend scharf,., riechenden Essenzen gefüllte Flasche. Dann ruft er die Diener, um ihnen den kostbaren Schatz für ewig anzuvertrauen; Liese aber, über die stechenden DüfWerschreckt, geben dem Sohn des Herren die Flasche Eiker.und bitten ihn Und bestürmen ihn mit Geschenken ü-nd guten Worten: Nimm dieses Elixier; wir könnest es nicht verwahren! 4- Da habenwir die Völker und ihre'Genien mit ihren besonderen Volksritualen. Daß ^. von heutigen Völkern die jüdische Lehre solche Unter-- schiede nicht behauptet, weiß auch Goldberg, unU um so mehr ist zu verwundern, daß er die PröI pheten, die doch fast alle nach der allgemeinen Völkexverschmelzung des assyrischen Weltreichs lebten und wirkten, für.: ihre -Verwerfung des GöttergeLankens tadelt. -Jedenfalls aber ist der Rezensent chm hierinnichtgerecht geworden.' Auch die vorsintflutliche Verderbnis ist kein Gegenbeweis; lag diese doch nach Unserer Ueberlieferung hauptsächlich in der Mischung aller Geschöpfe untereinander. ... ' Es ist übertrieben, daß wir uns, wie Rezensent meint, „ohne Bereicherung an Wissen im Einzelnen" von diesem Buche abwenden; me-isterhaft sind- Goldbergs Deutungen zu Jakobs Engelkampf, zu Perez Ussa, zum Tode Nadabs, Abihus und der Kahatiden, zur Am.ale.kserzahlung und zur Chartumim- Frage. Die Entgleisungen Goldbergs rühren alle von seiner Unkenntnis aller überlieferten Erklärungen außer Raschi her. Daß er bis zur Leidenschaftlichkeit antiorthodox ist, soll nicht verkannt werden. Das ändert nichts an der Tatsache, daß er uns im Kampfe gegen die unverwüstliche, sich „Prophetenreligivn" nennende Kritikerschule unschätzbare Dienste leistet, keine falsche, apologetische Scham kennt und sicher bei zunehmendem jüdischen Wissen auch auf dem Wege zu echter Emuno voranschreitet. stomspMenreil * Nachrichten. Deutsches Reich. Deutsche christliche Geistliche gegen Antisemitismus. Berlin, 11. Januar. - „Deutsche Volksidee und Deutschvölkische Idee" lautete das Thema eines Ausspracheabends, zu dem der Centralverein deutscher. Staatsbürger jüdischen Glaubens am Dienstag, den 10: Januar, nach/ dem Stadt. Lichtspielhaus in Neukölln besonders Herren des geistlichen und Lehrerstandes, aus Groß-Berlin eingeladen hatte. Der Vortragssaal war von über 500 Damen und Herren dicht gefüllt. Dr. Bruno Glaserfeld, der Vorsitzende des Landesverbandes Groß-Berlin, verlangte eine ehrliche Aussprache; man rede in Deutschland viel zu viel aneinander vorbei. Rektor Exner gab der Ansicht Ausdruck, daß wir nicht durch den deutschvölkischen Gedanken zur inneren Befriedigung in Deutschland kommen können; nicht auf die Abstammung, nicht auf die Haarfarbe und die Nasenform komme es an, sondern auf die Wertigkeit des Menschen. Dr. Pechoeski von der Phi-li; M-elanchton-Kirche stellte sich der Versammlung als religiöser Sozialist vor. Seine Freunde lehnen die Schändung und Aechtung eines Menschen, wie das beim Antisemitismus der Fall sei, als unchristlich ab. Pfarrer Metzner von der St. Eduard-Kirche widersprach den deutschvölkischen Ideen vom Standpunkt des katholischen Christen. Dr. Ludwig Holländer, der Direktor des Centralvereins, wandte sich gegen die unberechtigten Vorurteile, mit denen auch heute noch gebildete deutsche Volksgenossen ihren jüdischen Mitbürgern gegenüberstehen. Die kleine Minderheit der deutschen Juden könne sich, allein, nicht mit genügendem Erfolg hiergegen zur Wehr , setzen. Der gute Christ sollte mit dem guten Juden in gegenseitiger Wertschätzung am Aufbau des Vaterlandes arbeiten. — Eine mehr als einstündige Aussprache beendete den Abend. Versuche mik elektrischer Betäubung im Berlin« Schlachthof. - Berlin, 17. Januar. In Verbindung mit der vor einigen Monaten ü landwirtschaftlichen Ausschuß des Preußischen Landtage tattgehabten Aussprache über den Antrag des Berline Tierschutzvereines auf Verbot des betäubungslose: Schlachtens, fanden gestern im BerlinU Sch.lachthos ähnlich wie vor kurzem in München, VMüch« mit de Anwendung des Weinbergschen elektrisch^, Betäubungs Verfahrens, an Schlachttieren -statt. Erschienen wäre: alle führenden Vertreter der AntischächMwegung form eine, große Anzahl behördlicher Persönlichkeiten, auä Beauftragte des Landwirtschaftsministeriums. Von jüdi cher Seite waren u. a. Herr Rabbiner Dr. Munk-Berlir md Herr' Dr. med. Lieben-Prag anwesend. Die Ver >uche ergaben, daß die Tiere gleich nach Einführung der - Nr. 3 Seite 5 elektrischen Stromes zusammenbrechen, bewußtlos werden und im Zustande der Bewußtlosigkeit geschächtet werden konnten. Vom jüdischen Standpunkt aus ist jedoch festzustellen, daß das plötzliche Niederstürzen des Tieres berechtigten Anlaß zu der Befürchtung gibt, daß sehr leicht Knochenbrüche, auch innere Verletzungen stattfinden können. In letzterer Hinsicht wurde bei dem Berliner Versuche in der Tat eine Verletzung festgestellt. Die Krise in der Berliner Gemeindeverwaltung. Berlin, 16. Januar. Die außerordentliche Erregung, welche durch die Verwaltungspraxis der volksparteilichen Einstimmenmehrheit in der Repräse'ntantenversammlung heroorgerufen worden ist, spiegelt sich in den Presseäußerungen wieder, in. der neuesten Nummer der Jüdisch-liberalen Zeitung enthalten sind. Dr. W. Breslauer tritt für eine Gemeindepolitik der „guten Nerven" ein, lehnt aber den Versuch einer Verständigung mit der jüdischen Volkspartei als aussichtslos ab. Mit der gesetzestreuen Richtung, wie sie früher bestanden habe, habe man zufammenarbeiten können. Jetzt aber sei der einzige Vertreter der konservativen Richtung in der Repräsentanz in völlige Abhängigkeit von der jüdischen Volkspartei geraten und scheide daher fiir die Liberalen als Vertragspartner aus. Auch die Mittelpartei sei vollkommen im Banne der Volkspartei. Noch energischer äußert sich Moritz Rosenthal, der eine Blütenlese der von der Volkspartei in der Gemeindevertretung angewandten Kraftausdrücke gibt und sich vor allem dagegen wendet, daß national-jüdische Agitatoren auf die Berliner Kanzeln gebracht werden. Eine Vergewaltigung der Liberalen stelle die Entsendung Dr. Klees in -die Jca, der Wechsel des Waisenhausdezernats u. a. dar. Die Liberalen müßten die Gründung einer liberalen Sondergemeinde ins Auge fassen. Daß es soweit kommt, ist indessen kaum anzunehmen. Ungültigkeitserklärung der Leipziger Gemeindewahlen. - L e i p z i g, 13. Januar. Die am Sonntag, den 27. November 1927 stattgefun-denen Wahlen zur Repräsentantenversammlung der Israelitischen Religionsgemeinde in Leipzig sind vom Wahlprüfungsgericht in einer am 11. Januar 1928 getroffenen Entscheidung für ungültig erklärt worden, Die Straßburger Religiynsgesettschaft. Straßburg, 17. Januar. Am letzten Sonntag fand die diesjährige Generalversammlung der hiesigen Israelitischen Religionsgesellschaft, die jetzt Communante Jsraelite Ets Chajim heißt, statt. Aus dem Bericht des Präsidenten sei an dieser Stelle nur erwähnt, daß die Gemeinde über 130 Mitglieder zählt und seit dem Kriege um rund 50 beitragzahlende Personen zugenommen hat. Infolgedessen wird in absehbarer Zeit mit einem Neubau oder Umbau der Synagoge gerechnet werden müssen. Zu Beginn der Versammlung wurde in ehrenden Worten des vor vier Monaten verstorbenen früheren Rabbiners der Gesellschaft, Joseph Buttenwieser W und seiner ebenfalls im vergangenen Jahre Heimgegangenen Gattin gedacht. Das aus dem Vorstand ausscheidende Mitglied, Herr Leopold Levy, wurde wiedergewählt. Angarn. Die Abänderung des Numerus Clausus in Ungarn. Budapest, 11. Januar. Der Unterrichtsausschuß des ungarischen Parlaments hat heute die Regierungsvorlage über die Abänderung des Numerus Clausus angenommen und alle auf Verschärfung der Prozentnorm für Jutzen ausgehenden Wochenkalender. v. 21.-28. Jan. 1928. > v. 28. Tebethbts 6. Schewat 5888. Samstag 21 28 Mauled Sonntag mittags t Uhr 11 Min. 16 Sekunde» Sonntag 22 29 Nontag Jan. 23 IQV 1 »nn.&KV- '' Dienstag 24 2 - . i - Mittwoch 25 3 Donnerstag 26 4 - ' ". " -• Freitag 27 5 Samstag 28 6 tu

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