Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1928)
- Date
- 1928-01-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 3 Der 3 s r a e I i t 19. Januar 1828 rikanischen Juden, nicht schweigend vor dem Blute ihrer Brüder zu stehen, es ist aber auf der anderen Seite auch klug von ihnen, sich der Ansicht der Bukarester Regierung über die eventuellen Folgen eines solchen Eingreifens für die dortigen Juden, in der man nicht unbedingt eine Drohung sehen muß, nicht ganz zu verschließen. Wir wollen hoffen, daß schon die Absicht der Resolution und die Verhandlungen mit dem diplomatischen Vertreter Rumäniens, die ihren Niederschlag in den Kongreßakten finden, vollauf ihre Wirkung tun. Jüdische Wohlfahrtspflege. Die uns vorliegenden Dezember- und Januar- Hefte der von Adler-Rudel und Dr. Max Kreuzberger herausgegebenen Zeitschrift „Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge" enthalten mancherlei, auch für weitere Kreise interessantes Material. Berichte über das Schicksal der in den letzten Jahren nach Frankreich eingewanderten jüdischen Landarbeiter zeigen, daß in wirtschaftlicher Hinsicht eine leidliche Einordnung dieser Arbeiter erreicht worden ist, zugleich aberauch, daß eine weitere Einwanderung nach Frankreich für den Augenblick nicht mehr in Betracht kommt. Daß bei diesen Arbeitern von einer Aufrechterhaltung einer jüdischen Lebensführung keine Rede werde sein können, war jedem Kenner der Verhältnisse von vornherein klar, zumal es sich um eine ziemlich starke Zerstreuung der Einzelnen über ein großes Gebiet und nicht etwa um Gemeinschaftssiedlungen handelte. Nachdem Amerika seine Pforten fast gänzlich geschlossen hält, ist die Frage des „Wohin" für die ostjüdischen Auswanderer von ungeheurer Bedeutung. Das Material zu der Frage, mwieweit Südamerika als Einwanderungsland in Betracht kommt, ijr in den beiden Heften an mehreren Stellen veröffentlicht, insbesondere scheint Brasilien zu einem wichtigen jüdischen Einwanderungsland werden zu wollen. Wichtig hinsichtlich der Beschäftigung von Ausländern in Deutschland ist ein Hinweis auf einen aus dem Jahre 1926 stammenden Erlaß des bayerischen Landesarbeitsamtes, der sich gegen jede unnötige Schroffheit gegenüber der Anstellung ausländischer Arbeiter wendet. Das Januar-Heft ist gänzlich den Einrichtungen der produktiven jüdischen Fürsorge in Berlin gewidmet und gibt ein Bild der Tätigkeit des Berliner jüdischen Arbeitsnachweises, der Berufsberatung, der Brockensammlung „Peah", des jüdischen Werkheimes (in dem arbeitslose 'junge Leute während des Tages beschäftigt werden), der Darlehnskassen und, was am inter essantesten ist, der vor einitzen^Jahren errichteten Lehrwerkstätte für Herrenmaßschneiderei und der Nähstuben für erwerbslose Frauen. Die L e h r w e r k st ä t t e, die übrigens mit etwa 12 000 Mark jährlichen Zuschüssen arbeitet, ist gemein sam mit der Gesellschaft „Ort" im April 192^ errichtet worden, um dem fühlbaren Mangel an handwerklichen Lehrstellen abzuhelfen „und in besonderer Rücksichtnahme auf die Kinder aus gesetzestreuen Häusern, die am Sabbath nicht ar beiten dürfen, und für welche die Beschaffung einer Handwerkerlehrstelle mit großen Schwie rigkeiten verbunden war". Es wurden unter Leitung von zwei Schneidermeistern 32 Lehrlinge in die Werkstatt ausgenommen, davon sind zur zeit 15 in der Ausbildung, 6 haben ihre Gesellen Prüfung abgelegt und 11 sind als angelernte Ar beitskräfte entlassen worden. Am 15. Februar soll auf Veranlassung der „Hias" in Berlin die 3. jüdische Wanderungs konferenz zusammentreten. Die Tagesordnung sieht Referate über die jüdische Auswanderung im allgemeinen, über Auswanderung und Kolo nisation, über die Schaffung eines Finanzinsti tuts für Auswanderüngszwecke und über das Problem der Vorbereitung der jüdischen Aus wandsrer vor. Eine Lanze für Goldberg. Von Dr. B. Cohen in Schönlanke. Dem harten Urteil, das Herr Oberrabbiner Dr. Carlebach über die Goldbergsche Welt anschauung fällt, kann ich nicht beipflichten. Es ist viel Echtjüdisches in chr, vieles, das gerade bei uns Ehrfurcht und^ nicht Spott auslösen sollte. Gewiß ist auch Goldberg nicht mit Ehr furcht an die Gestalten der Propheten herange treten, hat die uns heiligen Gestalten des Salomo und des Maimonides arg mißverstanden und herabgewürdigt. Aber wir wollen nicht Gleiches mit Gleichem vergelten, und dies um so weniger als es Goldberg eben gelungen ist, prophetisch tiefe Gedanken der Thora ohne Anlehnung an die Propheten, wenn auch von fern und nur unklar nachzuahnen. Der Gedanke, daß Gott, unser Gott, der „Gott der Götter" ist, zieht sich durch den ganzen Pentateuch und auch dievon Goldbevg so mißachteten Prophetenbücher. Zwar wird überall seitens unserer Midraschim ausdrücklich dem Gedanken widersprochen, daß etwa irgendwelche erschaffenen Mächte an der Erschaffung und Gestaltung der Welt, mitbeteiligt waren. Dennoch ist unseren Weisen der Unterschied nicht entgangen, der im Pentateuch zwischen der Er- Bescheidenheit, die Demut des wahren Talmid Chochom, die ja nur Verdienst ist für den wahrhaft Großen. Ueberragenden, diese rührende Bescheidenheit war erster Einbruch den' jeder von diesem so gütigen liebenswürdigen Manne empsing, der wirklich jeden, Bittsteller und Besucher, mit der Güte des großen -Menschenfreundes ausnahm. Dieser 'Demut entsprach seine Zurückhaltung in'der Erfüllung der Pflichten und Bräuche, die über das Maß des von den Weisen und Rabbinen als Norm Gesetzteln hinausgehen. Er war zu bescheiden, um sich ein anderes Maß zuzugestehen, als anderen. Aber innerhalb dieser Norm war sein Tagewerk Gottesdienst von frühester Morgenstunde, die den schon Siebzigjährigen noch als ersten im Bes Hakneses fand ,bis zur nahen Mitternacht, die ihn bei seinen Folianten traf. Und sein Gebet war, was sein Leben: Ehrfurcht, Demut, Hingabe. €>ö war er einer der Wenigen. — Uns anderen, den Vielen, bleibt wohl Kampf und Entscheidung nicht erspart. Aber es stärkt zu wissen, daß Kampf nicht Letztes ist und Entscheidung nicht Scheidung bleiben wird, zu wissen, daß eine letzte Harmonie ist und Vollendung der Wirklichkeit erreichbar. Des sind uns die wenigen Bürgen. Unter ihnen Chanoch Hakohen Ehrentreu r _________ Ein jüdischer Kalender. Der Verein „Freunde der Taubstummen-, Iedide Jlmim, in Berlin hat für das Kalenderjahr 19.'8 einen jüdischen Abreißkalender herausg-geben, der eine glückliche Auswahl des Bildf-muckes mit tadelloser künstlerischer Ansstattuna verbindet. Der - Kalender kostet zuzüolich Porto Mk. 2.80 im Minimum, doch ist der Gebesreudigkeit der Empfänger keine Grenze gesetzt. Es bedarf kaum eines Hin-?;?v : :n .rn: jJ n weises, welches unendliche ivn mV’öA diese jüdische Taubstummenanstalt, die einzige in ganz Deutsch land, für die Unglücklichen bedeutet, die ohne pädagogische und medizinische wohldurchdachte Fürsorge kaum zum wahrhaften geistigen.'Leben erwachen, können, und die durch eben diese Fürsorge zu nutz-' licken Gliedern der jüdischen Gemeinschaft-yerange bildet werden. Der Mitgltedsbeitrag des Vereins, ist Mk. 5 jährlich. Die immerwährende Mitgliedschüft kann durch Zahlung von Mk. 300 erworben werden. Gaben nimmt das Bankhaus Gebrüder Ginsberg. Berlin ~W 8, Jägerstratze 13 auf Post scheckkonto Nr. 32313 (für Freunde der Taubstummen) entgegen. (Ansky's „Dybuk" in Zludapefler Hheatern): Zwischen dem staatlichen Operetten-Theater und dem „Neuen Theater" in Budapest brach ein Konflikt über das Recht der Erstaufführung von Anski's dramatischer Legende „Dybuk" aus. Beide/Theater bereiten die Aufführung vor. Das staatliche Operetten- Theater hat das Aufführungsrecht von Anski's Wittwe und Erben erworben. Die Direktion des .Neuen Theaters" steht aber auf dem Standpunk', daß die Erwerbung eines Aufführungsrechtes gar nicht nötig sei. da Anski russischer Staatsangehöriger war und zwischen Litcharn und Rußland keine Autorenschutzkonvention besteht. — Auch eim Standpunkt! . . zählung von der Erschaffung der Tiere und der von der Erschaffung des Menschen bemerkbar ist. Die meisten unserer Weisen haben diese. Beobachtung unterdrückt, um nicht heidnischen Anschauungen Anknüpfungspunkte zu geben; andere jedoch haben frei zugestanden: An der Erschaffung vieler Geschöpfe-war nur eins der aus dem unendlichen Gott emanierten' Prinzipien, an der des Menschen aber sie alle in ihrer Gesamtheit beteiligt gewesen; daher cnx twi'sy Teilwirkungen aus der Summe der Weltkräfte und außerweltlichen, persönlichen W altungsweisen, die wir Gott nennen, gelten auch unseren Weisen als reale, wenn auch dem höchsten, .sie alle Umfassenden Urprinzip unterordnete Mächte. Tatsächlich hat Goldberg diese Unterordnung der „Götter" unter Gott viel zu wenig betont; gewiß hat ihn seine an sich nicht unberechtigte leidenschafliche Ablehnung des heute üblichen Parade- Monotheismus zu dieser Verdunkelung der pentateuchischen Gotteslehre verleitet. Es ist aber durchaus kein eigener Einfall Goldbergs, im Ritualgesetz einen Kampf des wahren Gottes gegen alle jene Mächte zu sehen. Ich will hier gar nicht auf die tieferschürfenden Gedanken eingehen, mit welchen die kabbalistisch gerichteten Erklärer den Sinn der Reinheitsgesetze der Thora zu ergründen suchen, sondern nur auf die der breitesten Öffentlichkeit zugänglichen Schriften S. R. Hirschs Hinweisen, in welchen ein großer Teil jener Gesetze als Kampf gegen das den Menschenwillen seiner Freiheit beraubende Prinzip der Natur- und Triebmächtevergötterung erklärt sind. Ob man das mit diesen Worten sagt, oder ob man einen Blick in die kosmische Stellung erwähnter Mächte tut/ — das ist zwar ein methodischer, aber kein prinzipieller Unterschied. Gewiß, — bei Goldberg -tritt bis zum Verschwinden die ethische Prävalenz Gottes als des alle solche Mächte umspannenden, daher freien Menschenwillen regierenden Gottes, des n»n zurück. Wir dürfen aber auch nicht in den gegenteiligen Fehler verfallen und jenen Mächten alles Reale absprechen. Oder ist etwa das orvsn^ : oxsx tei uoaj 031*3X31 „Sie alle wurden in der von ihnen erstrebten Form erschaffen", kein Midraschwort? Soweit zum erstenin Nr. 46-erschienenen, allgemeineren Teil der Earlebachschen Rezension. Da dieser Teil sich in allgemeineren Feststellungen erschöpft, so läßt er sich auch schwer im einzelnen richtigstellen. Die gewichtigsten sachlichen Bedenken bringt Herr Oberrabbiner Dr. Carlebach erst im zweiten Teile seiner Rezension in Nr. 47; doch wird er auch da m. Er. dem Verasser nicht gerecht. . Punkt 1 bezüglich Tiererschaffung s. o.; aus n, 7 und 19/ ü’pVN /T iX'i ist nichts, zu schließen, ^/ks.sich dort um das Jnbeziehürtgbrin^en der /Tiere-ziim Menscheü handelt! Bezüglich. bs,nn psr msE ist/Carlebach im Recht. / //' stusikt 2 bezüglich Dpferlehre ÄoldbeAs. Die leberbewertung des Tieropfers' ist ein schwerer Mißgriff GÄdbergs und fein Versuch,, /daraus die Kajinsgefchichte zu erklären/ haltlos! Aber der Rezensent hätte auch die richtigen Elemente der Opferlehre Göldbergs hervorheben müssen. Ist denn der Gedanke noch von keinem jüdischen Weisen ausgesprochen worden, daß gerade die den' Heiden als heilig und unverletzlich geltenden Tierarten uns als Opfertiere geboten wurden? Punkt 3 bezüglich Landesritual. Goldberg betrachtet alle Thoragesetze als Mittel dev Wechselwirkung zwischen Gott, Mk und Land Israel/ . Er macht dabei auch nicht Halt , vor den ii'3ni? i'3w mir». . den allgemein menschlichen Pflichten, die uns von Gott auferlegt würden. Auch ihre Uebertretunig wird nach Göldberg nicht aus moralischen,: sondern, aus I egen die Elohim acherim gerichteten polemischen^ 1 iründe Mit Strafe in der Thora bedroht. Diese' 1 Aohim acherim beherrschen (Goldberg 14 ff.) dievvölker der Menschheit, ein jeder ein Volk, dsis einem Wesen entspricht, und ein Land, das zu liefern Wesen den geeigneten Boden abgibt. Goldberg stellt eine Gleichung auf:. Götter —