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Der Israelit · 1928-01-12 · Heft 2 (12.1.1928) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 2 (12.1.1928)
Date
1928-01-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 2 Seite 5 12 Januar 1928 Preußischer Landesverband gesetzestreuer Synagogengemeinden (Sitz HalberstadH. Halberstadt, 11. Dan. Aus dem Büro des Preußischen Landesverbandes ge setze Streuer Synagogengemeinden, Sitz $) alber stad t, geht uns folgende Mitteilung zu: Erfreulicherweise hat die Regierung die Staatsbeihilfen an die Gemeinden zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen zur Sorge für den Religionsunterricht für das Rechnungsjahr 1927/28 in diesem Jahre früher an die jüdischen Landesverbände überwiesen als im vorigen, so daß auch bei umsichtiger Prüfung der Verhältnisse der angeschlossenen Gemeinden die Auszahlung an sie kurz vor Ende des Kalenderjahres 1927 erfolgen konnte. Die Richtlinien der Regierung für die Verteilung sind dieselben geblieben, wie im vorigen Jahre. Vor allem gilt als feststehend, daß zwar eine Gemeinde beiden Verbänden angehören, aber nur von einem der Heiden Verbände Staatsbeihilfen erlangen kann. Die Leistungsschwache oder Leistungskraft der einzelnen Gemeinden wurde an Hand der ausgesandten und von den Gemeinden beantworteten Fragebogen fest- Lestellt. Vor Festsetzung der Beträge setzten wir uns ins Einvernehmen mit unseren Vertrauensleuten in den verschiedenen Provinzen, deren Mitarbeit und' zweckmäßige Hilfe sehr wertvoll war. Bei der Verteilung des Gesamtbetrages von Mk. 45.000 sind daraufhin 88 von den uns angeschlossenen Gemeinden berücksichtigt worden, wobei die Höchstsubvention Mk. 1500, die niedrigste Mk. 100 betrug. ' Die Staatsbeihilfen wirken sich in doppelter Richtung .aus: Einerseits können die schwer belasteten Gemeinden den Prozentsatz ihrer Steuer senken, andererseits ist dadurch die Möglichkeit gegeben, die Lehrergehälter aus -ein« erträgliche Höhe zu bringen. Mit besonderer Freude erfüllt es uns,' daß es uns in diesem Jahre gelungen ist, unsere Bemühungen um Errichtung von Bezirkslehrerstellen zu verwirklichen. Drei Bezirkslehrerstellen sind bisher begründet: Nämlich im Regierungsbezirk Kassel, in Westfalen und im Rheinland. Die Verhandlungen wegen Schaffung einer vierten sind aussichtsvoll. Die Verhandlungen wegen Begründung eines Bezirksrabbinats im Rheinland find leider noch nicht zum Abschluß gelangt. . Angarn. Ein Ruf aus tiefem jüdischem Herzen. B e r e g s a c z, 6. Jan. Der in der Tschechoslowakei und in Ungarn hoch angesehene, hier lebende Sohn des „Ksaw Sofer", Rabbi Salomo S o s e r, versendet ein Rundschreiben an Gemeinden und Private in Tschechoslowakei und Nachbarländern, in dem er mit Hinblick aus die entsetzlichen Vorgänge in Neurumänien alle, die sich als Juden fühlen und daher teilhaben am Schicksal ihrer betroffenen Brüder, zur Einkehr und Selbstbesinnung mahnt. Er weist auf die Ueberhandnahme der. Vergnügungssucht im jüdischen. Kreise hin, die dazu führt, daß altgeheiligte jüdische Sitten und Gebräuche gelockert und die Grenzen des Znius überschritten werden. Die furchtbaren Vorgänge seien ein Memento und mahnen zur Teschuwoh. Die Worte, aus wundem, warm schlagendem jüdischen Herzen kommend, werden mehr wirken, als mancher geharnischte Protest, den man in diesen Tagen aus gleichem Anlaß zu hören bekam. Polen. Die Tat eines Wahnsinnigen. Warschau, 8. Jan. Die, Vorgänge in Rumänien scheinen einen WarfchauerDüden namens Dimant in Wahnsinn getrieben zu.habeiUAm Sonntag morgen betrat er während des HHWchM' eine von Gläubigen vollgefüllte Kirche, trat unbemerkt an den Altar, und indem der Priester die MeW las, schrie er in den Raum: „Auge, Km Auge, MhM litnt; .^ahn. Das habt ihr für dic^^ögrome in MumaniUfi".. Darauf fing er an, mit eiMEHumpfen j^WhstaNd äuf den Altar zu schlagen, daß d'iesersinMücke zerbrach. Eine unbeschreibliche Aufregung bemächtigte sich der Beter, welche sich nach dem ersten lähmenden Entsetzen mit Fäusten auf den Attentäter stürzten. Er wurde blutüberströmt aus der Kirche herausgeführt und ein großes Polizeiaufgebot mußte zu feinem Schutze I , Der I s r a e l i t eintret-en, daß ihn das anwachsende Volk nicht lynchte. Die Menge nahm eine drohende Haltung gegen die Juden aus der Straße an, und es ist bei dieser Gelegen- Die Woche. Berlin. Ein Zeitungsvörkäuser, der den Münchener „Völkischen Beobachter" mit einer Karrikatur von Polizeivizepräsidenten Dr. Weiß mit der Üeberschrist „Der jüdische Herrscher von Berlin" ansgerufen hat, wurde zu einem Monat Gefängnis verurteilt. — Der verantwortliche Redakteur der Bruhnschen Wahrheit, Dr. Fritze, wurde wegen Beleidigung des ebenfalls deutschnationalen "'Generals a. D. von Livonius, den er „einen Handlanger der jüdischen Wucherer" genannt hat, zu 250 Mk. Geldstrafe verurteilt. Gegen Bruhn selbst kann, vorerst nicht vorgegangen werden, da er sich im Schuhe seines Reichstagsmandates besindet. — Die Büroräurne der Zentralwohlsahrtsstelle der deutschen Inden, soweit sie sich bisher in Berlin C. 2. Rosenstr. 2-4 befanden, sind am 1. Januar 1928 nach Berlin N. 24, Orantenburgerstr. 69, 2. verlegt worden. Fernsprecher Amt Norden 127 70. Dort befindet sich auch die Geschäftsstelle des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände sowie der Arbeitsgemeinschaften für Jüdische Tuberkulosenfürsorge " und Jüdische Gesährdetenfürsorge. — Eine neue Friedhossschändung wird - gemeldet, und zwar in Greifenhagen, wo auf dem jüdischen Gräberfelde eine große Anzahl von Grabsteinen zerstört wurden. Auch die Friedhofshalle wurde erheblich beschädigt. — Die zweite Zivilkammer des Landgerichts II hat aus formellen Gründen die Ausschließung der Juden aus der Berliner . Sektion des Alpenvereins für ungültig erklärt. — Die Mädchenschule der A d a tz Iis - r o e l ist als Lyzeum staatlich anerkannt, der Ausbau eines Oberlyzeums genehmigt worden. Breslau. Der bekannte Landgerichtsrab P i e t s ch , der sich im Prozesse Erichsen, in antisemitischem Sinne sehr hervorgetan hat, ist seines Amtes als Untersuchungsrichter enthoben worden. '— Ein Jüdisches Mu - . seum soll in Breslau für Schlesien und die Ostmarken eröffnet werden. Der Plan ist umso beachtenswerter, als im ganzen deutschen Osten sich keine Sammelstelle für jüdische Raritäten befindet. Pf>n. Aus Bromberg kommen . beunruhigende Nachrichten über anhaltende Terrorisierung von Juden durch polnische Banden. In jüdischen Gejchäftslokalen werden Erkerscheibsn eingeschlaaen, jüdische Passanten werden angegriffen. Alle Ausschreitungen gehen von einer Stelle aus ,die die Polizei bisher noch nicht feststellen konnte oder wollte. Bukarest. In der Grivica-Gaffe zu Bukarest, boten Studenten eine Thorarolle zum Kaufe an. >Die Juden kauften sie und übergaben sie, da sie unbeschädigt ist, der Bukarester jüdischen Gemeinoe. Warschau. Wie alljährlich, waren auch dieses Jahr Vorstand und Rabbinat der Warschauer Gemeinde zur Neujahrsc o u r beim Präsidenten der' volnischen Republik M o s c r c k t rinqeladen und von ihm in ein längeres Gespräch über die Verhältnisse der Gemeinde gezogen worden. — Einem Vertreter der ITA. in Berlin teilte Herrn Professor Bal a b a n mit, daß demnächst in Warschau eine Ho ch s ch u le für Wissenschaft des Judentums eröffnet werden soll. Es ist abzuwarten, von welchem Geiste diese Hochschule geleitet sein wird. London. Die I e w i s h Historial Socie.ty of England Organisation beabsichtigt die Einberufung eines internationalen Kongresses jüdischer Historiker nach London für ■ den Sommer 1928. — Auf der Liste der am letzten Reujahrstag Geadelten figurieren drei Juden, und zwar Myer Adams Spielmann, Charles Samuel Nathan und Frederick D. Lllgard. Alle drer haben sich für den Staat verdient aemacht und nehmen auch regen Anteil an jüdischen Fragen. Newyork. Im amerikanischen Repräsentantenhaus wurde eine Resolut'on eingebracht, für den verstorbenen jüdischen Philantroven und Botschafter in Konstantinopel, Oskar Strautz ein Denkmal zu errichten. — In Los Angelas in Kalifornien erscheint seit kurzem eme Tageszeitung in jiddischer Sprache. Jerusalem. Von den 4403 Büchern, die im November in I der Nationalbibl'o 'hek gelesenH wurden, waren 141.8 Proz. hebräisch, 24.4 Proz. deutsch. 10 Proz. jiddisch. 9 Proz. russisch. 8,6 Proz. 8 englisch, 3,7 Proz. französisch. Wien. Der be- I kannte Leopold H i l s n e r, das Opfer des ■> Polnaer Ritualmordprozesses, ist gestorben. » heit mit Dankbarkeit zw verzeichnen, daß der betreffende Priester der Klosterkirche in feiner Toga, wie er gerade von der Kanzel kam, mitten in der Menge erschien, sie beruhigte und beschwor' von Gewalttätigkeiten gegen Unschuldige abzusehen. Jakob Dimant, ein 45jähriger, wenig bekannter Mann, stellte sich, woran man vom ersten Augenblick an nicht zweifelte, als geisteskrank heraus. Trotzdem hört die Hetze in der antisemitischen Presse nicht auf, umsomehr, als die Behörden und Gerichte die Sache ernst nehmen und den Mann in Haft halten, um ihm den Prozeß zu machen. „Unser Wort." Lemberg, 6. Jan. In Lemberg und Kolomea erscheint seit einiger Zeit ein Wochenblatt, das, vollkommen auf religiösem Standpunkte stehend, das Wissen um die jüdischen Dinge in der. Welt seinen Lesern in bester Weise vermittelt. Die uns vorliegenden Nummern enthalten warme und informative Aufsätze über die Agudaberatungen in Frank- 1 furt a. M. und Berlin, die Konferenz der Chassidimrabbis in Lemberg u. v. m. In einer längeren Artikelserie bespricht Dr. Salomon Birnbaum, Hamburg, die Religion in der modernen Philosophie. Herausgeber des Blattes ist Dr. Benzion Feßler. Die Redaktion befindet sich in Kolomea, Sobieskistr. 8. Die Rabbinerkonferenz in Lemberg. Lemberg, 8. Jan. Wie bereits kurz mitgeteilt, waren am Dienstag 250 Rabbiner und Chasiidimrebbes aus allen Gegenden Galiziens in Lemberg beisammen. Im Kincsaalpalast, in dem die Konferenz stattfand, kamen zu den Rabbinerdelegierten noch etwa 2000 Gäste und Zuschauer hinzu. Eine ganze Polizeiabteilung war aufgeboten, um den Andrang abzuwehren und die Ordnung vor und in dem Saale aufrecht zu erhalten. Die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden, sowie der jüdischen Kehila in Lemberg waren vertreten. Im Mittelpunkte der großen Persönlichkeiten, die der Konferenz Glanz und Autorität verliehen, stand der Bebzer Rebbe als Initiator der Ganzen. Um ihn herum gruppierten sich die Rabbis von B o b o w, Tutin, Tarnopol, Jaroslaw u. v. m. Auf der Tagesordnung der Verhandlung standen folgende Punkte: 1. Protest gegen das sogenannte Pilsudskidekret in Sachen der Gemeindeorganisation, speziell gegen den geplanten religiösen Oberrat; 2. Stärkung des religiösen Lebens; 3. Gründung einer Agudas Harabbonim in Galizien. Nach der Eröffnungsrede des Rabbiners aus Stanislau, Rabbi David Hurwitz, begann die Reihe der Begrüßungen von seiten der Behörden und der Kultusgemeinde. Ein Vegrüßungstelegramm kam auch. vom Bildungsminister in Warschau und von vielen Rabbinern Polens. Es wurden dann Huldigungstelegramme an den Staatspräsidenten und Marschall Pilsudski abgesandt. In diesen Telegrammen wird das Streben der Regierung, den Juden alle Bürgerrechte zu sichern, anerkannt und das Versprechen abgegeben!' die jüdische Bevölkerung aufzufordern, mit allen gegebenen Mitteln die jetzige Regierung zu unterstützen. Die Konferenz habe die Aufgabe, ein Zusammenarbeiten der jüdischen und christlichen Bevölkerung für die Interessen und die Entwicklung der polnischen Republik zu ermöglichen. Im. Einvernehmen mit der jüdischen Tradition sei die jüdische Bevölkerung bereit, die derzeitige Regierung bedingungslos zu unterstützen. Oberrabbiner K o r n i tz e r aus Krükau referiert dann in längeren Ausführungen über die Notwendigkeit des Zusammenschlusses aller Rabbiner Galiciens und Polens. Es wird darauf eine Prot e st r e s o.1 u t i o n gegen die Judenv erfolgungen lln Rumänien einstimmig angenommen. ' ' .;u.h In das Präsidium werden nun-, sechs-' Rabbiner, und Hwar die Rabbiner aus Krakau, Tarnopol, Skowino, Dombrowo, Stanislau und Probüsne.gewählt. Als Laienmitglieder treten in die LekturMAbusch Wahl und David S.ch're'ibe r ein. - ^WD- Am Mittwoch beginnt -der zweite BKyandlungstag unter Vorsitz von Oberrabbiner Kornitzer mit einem Referat des Tarnopoler Raw über das Gemeindegefetz. Er lehnt den religiösen Oberrat, in dem zur Hälfte unreligiöse Männer sitzen werden ,als größte Gefahr für das po l nische I u d e n t u m a b.

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