Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 2 (12.1.1928)
- Date
- 1928-01-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 Sette 3 MW 12. Januar 19^8 2er I s r a e l i t -sonst an Struktur und - Lehrplan der Jerusalemer Universität nichts auszusetzen hätte, nicht den .geringsten Anlaß zur Beunruhigung und Gegnerschaft. Vo« innen heraus. Bon Wendavid. Heiße Not istck, strengstes Pflicht-, tiefstes Mitgefühl, die mich zwingen, im Chore der Suchenden, Tastenden, Helfenwollenden meine Meinung zu sagen, selbst auf die Gefahr hin, daß mein Plan unausführbar, falsch oder gar utopistisch ist. Man sehe sich nur die 'jüdischen Blätter Deutschlands oder'anderer Länder an, und man wird erkennen, in welch gewalttätiger Weise und auf stillem Wege eine Abschnürung der Juden von allen Errverbsmöglichkeiten geplant und .geübt wird, deren Verwirklichung die furchtbarste Katastrophe für > die deutschen Juden — und nicht nur für diese allein — bedeutet, oder sie .zur Auswanderung zwingen würde. Schlimmer noch als die öffentlichen Beschimpfungen, Beleidigungen, Prügelszenen und die merkwürdigen Urteile mancher Richter ist die daneben hergehende leise, aber systematisch und konsequent geübte .Tätigkeit sowohl Einzelner als eigens zu diesem Zwecke gebildeter Organisationen, d?e Äe Abdrängung der Juden von jedem freien Erwerb und ihre Ausschaltung aus den zahlreichen großen und kleinen Beamtenkörpern betreiben. Die Rot wächst mit jedem Jahre, die Auflösung der Ilemen jüdischen Landgemeinden spricht eine beredte Sprache, die Flucht in die Großstadt vermehrt das bereits dort vorhandene jüdische Proletariat," und dieses geht mit den Flüchtlingen als Juden und Menschen unrettbar zu Grunde. Wer das Leben der Juden vor 4, 5 Dezennien kannte, wer da weiß, daß die Mehrzahl derselben sich auskömmlich ernährten, in erster Linie durch Handel, dann aber auch durch Land- und Gartenwirtschaft, und Handwerk in beschränktem Maße, jedoch so, daß fast jede. Familie ihren gesamten Bedarf an-Gemüse und Kartoffeln selbst pflanzte und erntete,-jeder sein Obst für den Winter im Hause, feine eingemachten Sachen im Keller hatte, viele auch ihren Bedarf an Rauchfleisch und Wurst durch Schlachtung selbst aufgezogenen oder gekauften Viehes, für das Jahr [ deckten, wer sich erinnert, wie dort, in frischer, gesunder Luft, die Menschen kräftig und stämmig heranwuchsen und in der Lage waren, für ihre geistigen, und rituellen Belange durch Einrichtung jüdischer Volksschulen, Anstellung von Rabbinern, Lehrern, Kantoren usw. zu sorgen, alle rituellen Einrichtungen zu schaffen, und wer da weih, daß die „jüdischen Abgaben" der Landbewohner größer waren als. die des Städters und diese auch gern und willig getragen wurden der wird mit Wehmut auf die Vergangenheit und mit Schrecken in die Zukunft schauen. Es ist anzuerkennen, daß aus diesem Verantwortungsgefühl heraus ein Tasten und Fühlen und Suchen, ein Wollen und Streben, auch unsrer geistigen und wirtschaftlichen Elite, nach Bessergestaltung der Gegenwart und trübe erscheinenden Zukunft hervorgegangen ist. Und doch — besieht man sich alle diese wohlgemeinten Absichten bei Licht — was ist das Ergebnis? Auf den Versammlungen werden Beschlüsse gefaßt, und darauf, hingewiesen, daß da und dort, auf diesem und jenem Gebiete Not herrscht, ' irgend einem Unternehmen durch Finanzierung geholfen werden k ö n n e , und dann, als ultima ratio, stärkere Beteiligung an den Wohlfahrtseinrichtungen, also Almosen. Das mag alles gut und schön sein, aber — zumal alle diese Quellen früher oder später versiegen — ein Entrinnen aus der Not, ein dauerndes Besserwerden, ein Aufbau, eine organische Entwicklung des Selbständigwerdens sind sie nicht, und alle Opfer an Geld, Zeit, Arbeit usw. sind schließlich umsonst gebracht. Wie kommen wir aus dem Dilemma heraus? Ein Notstand, in seiner Art nicht minder wichtig, als der wirtschaftliche, kann uns vielleicht den rechten Weg zeigen. Wer Mitglied einer auf streng jüdischer Basis gegründeten und geleiteten Gemeinde ist, weiß durch eigene und durch die Erfahrung anderer ein wehmütig stimmendes Klagelied zu singen. Greifen wir einige Beispiele heraus. Zu den täglich : notwendigen Lebensmitteln gehören unter anderen:. Milch, Butter, Käse — ich habe hier, wie weiter nicht betont zu werden -braucht,! jüdische Großgemeinden im Auge. Die Preise der Milch sind bei dem Milchhändler fast doppelt so hoch' als bei dem Erzeuger, eine Klage,' die Nicht nur bei den jüdischen Konsumenten angestimmt wird. Hierzu kommt nun noch der Mehrpreis, der von den jüdischen Händlern erhöben wird, uyd ähnliches gilt von den anderen Lebensmitteln. Es ist zuzugeben!, daß das Kaschrut' Mehrkosten verursacht, aber durchaus nicht in dem Maße',' wie die Händler Preise verlangen. Wenn man bedenkt,' daß es sich hier zumeist um Mittelstands- und geringe Familien handelt, so wird man wohl nicht einwenden, daß die wenigen Pfennige Mehr pro Liter keine Rolle spielen.' Der tägliche Verbrauch von mehreren Litern Milch, von Butter, Käse, Backwaren, von P'eßüchwaren, Mazzoth, Wein usw. läßt die Pfennige zu Mark und diese mit 365 multipliziert, zu Hunderten von Mark anschwellen. Alljährlich um die Sukkothzeit Erbitterung und Klage über die unberechtigt hohen Preise für Lulaw und Ethrog, deren Verkauf in die Hände weniger Händler gelegt ist. Dazu kommen noch persönliche Zurücksetzungen, auch Verunglimpfungen, denen der Käufer im Laden des jüdischen Händlers ausgesetzt ist. Was war-und ist die Folge? Viele beziehen ihre Waren aus anderen Geschäften, und viele, die die hohen Preise nicht erschwingen können, aber nicht in Gewissensnöte kommen wollen, versagen sich die Anschaffung der notwendigsten Lebensmittel. Vielleicht sind diese Mißstände ein Fingerzeig, wie aus all diesen Nöten herauszukommen ist und wie gleichzeitig ein Aufbau und eine Gesundung der jüdischen Wirtschaft ermöglicht werden kann. Von innen heraus, von der jüdischen Notlage in ihrem gesamten Umfang muß der Heilungsprozeß ausgehen und. zurückwirtend eine Gesundung und Erstarkung des jüdischen Wirtschaftslebens herbeiführen. Ich nehme noch einmal das schon angeführte Beispiel: die Milch und die Milchprodukte. Die Milch wird unter Aufsicht einer beglaubigten Person in der Molkerei eines benachbarten Dorfes, woselbst der Vertrauensmann seinen Wohnsitz hat, zumeist ein bis zwei Eisenbahnstunden« von der Großstadt entfernt, eingemolken und täglich zur Stadt geschafft und den jüdischen Händlern abgeliefert Dieselben vertreiben auch die weitab von ihrem Wohnsitz unter bewährter Aufsicht hergestellte Koscherbutter mit gutem Erfolg. Wie nun, wenn von der Großgemeinde, von einer Genossenschaft oder sonst einer Vereinigung eine Molkerei auf dem Lande gegründet und der Betrieb der Milchwirtschaft und Butterherstellung in die Hand genommen würde? We,in sich das Unternehmen als lebensfähig erweisen würde — und warum sollte es nicht — so würden Butler und Milch auch nichtjüdische Kundschaft finden — immer vorausgesetzt, daß die Vertrauenspersonen streng darauf achtendaß keine Verwässerung der Milch stattfindet. Es könnten sich weiterhin daran anschließen: Geflügelmastzucht, Eierbewirtschaftung, und vielen Personen, die dort ihren Wohnsitz zu nehmen hätten, könnte Arbeit und Brot gegeben werden. Es würden sich weiter nach und nach anschließen: Gartenbau^ und Obstzucht, Imkerei, Korbflechterei, Kistenanfertigung, Bäckerei, die den Hauptbedarf für Sabbat und Feiertage Herstellen könnte, Mazzotbäckerei, Schokoladenfabrik, Einrichtung zur Herstellung von Marmeladen, . Nimm es nicht gering mit dem Segensspruch über den Neu m o n b, es ist uns damit gegönnt, einmal im Monat die Scheckina zu begrüßem Falle mit deinem Tun bei den Menschen nicht auf und errege nicht ihren Spott: Es. ist Menschenart, das Gute an ihrem Nächsten zu.vergessen und zu verschweigen, dagegen das Tadelnswerte hervorzuheben. ' , ' > Empfange nie einen Menschen mit unfreundlichem. Gesichte. Hast du sonst nichts, so schenke ihm ein gutes Wort. Schaue..,nicht neidisch zu denen hinauf, die es besser haben, sondern zuftieden zu denen hin, denen es noch schlechter geht. Zo r.n verwirrt die Sinne und macht den Weisen zu einem Narren. Schweig en ist die beste und wirksamste Waffe gegen Feinde und Beleidiger. Vorab hüte man sich, sich in fremde Streitigkeiten einzumischeu. Die Parteien werden Frieden schließen und du wirst die Feindschaft beider tragen. Schätze keinen Menschen gering und verachte kein Ding, denn jedermann hat seine'Stunde, und jedes Ding seinen Platz. . Wohltätigkeit bewirkt Leben in Liebe und Ehren. Man versÄrme keinen Tag, eine kleine Gabe anTlrme zu verabreichen, abgesehen von dem Zehnten, dem man von seinem Einkommen gibt. Die über dem Almosen stehende Chesedtat übe man Lebenden und Toten. Armen und Reichen gegenüber. Sei froh,und zufrieden, mit dem. was Dir Gott beschieden hat. Dein Vertrauen bleibe unerschüttert und geize nicht mit den Ausgaben, für Sabbat und Festtage. Die Ehrungen, die du mit Speis und Trank und Kleidern dem-Sabbat erweisest, gehen auf-Kosten dessen, der uns den. Sabbat und die Feiertage!zur Ruhe und Freude gegeben hat.. ‘ Erwache mit dem Morgen zum Dienste des Schössers und achte auf Reinheit der Hände und des Körpers, wenn dein Gebet in Reinheit zu Gott emporsteigen soll: v Der Gottesgegenwart, deren du dich bei beim Gebete erfreut hast, bleibe dir tagsüber in Haus und Geschäft, in Handel Und Wandel bewußt. "y;; (Fortsetzung folgt). (Aas Hcho der Wontreurer IeschiwaH in Ungarn). In einem Artikel in der Zsido-Ujsag, Budapest, drückt Herr Rabbiner Welz, Budapest, seine Begeisterung über die Gründung der Jeschiwa in Montreux aus. Rabbiner Welz führt unter anderem, aus: .Diese Ieschiwagründung erregte in den breiten Kreisen Europas als Unikum großes Aufsehen. Aus der Geschichte des Schweizer Judentums ist uns bekannt, daß in diesem Staate die Juden stets großer Bedrängnis ausgesetzt waren. Dieses als Freibeitsstaat berühmte Land hat sich lange gesträubt. den Liberalismus, auch auf die dort wohnenden Juden auszudehnen: es dürsten etwa 65 Jahre sein, seitdem die Juden dort ihre Emanzipation erreichten.; Dagegen ist uns bis jetzt noch keine^Mitteilung geworden, daß zwischen den Himm?lansteigend2n, weltberühmten Alpen dieses Landes Thora gepflegt und gelernt wird, die Thora, die uns vom Sinaiberg verkündet wurde und auf die der Prophet Häbakuk sagte: „Es wurden zerschmettert die gewaltigen Berge und die Hügel der Welt müßten sich bücken'. Es war ein sehr kühner Versuch des Herrn R. Bötschko, in diesem höchkulturellen Lande mit seinen zahlreichen Universitäten auch eine Pflanzstätte der Thora zu gründen. — In diesem Zusammenhänge erinnere ich mich unwillkürlich eines Ausspruches, des Rabbi Mausche Alschich über den Thoravers: "Mm riwn m öd1? inrD"> der folgendermaßen lautet: ..Am Ende der Gölusnacht wird sich die Thora auch nach solchen Gegenden verpflanzen, in denen früher derselben keiner Erwähnung getan würde". Rabbi Alschich ist ein Schüler des Verfassers des SchulchanAruch, Rabbi Josef Caro, und hat im 16. Jahrhundert gelebt. — Cs ist wirklich charakteristisch für die Größe unserer Thora, wie wir eine vor ca. 400 Jahren in der Stadt Safed im heiligen Lande gegebene Erklärung aus einen Vers derselben mit' einem heutigen Ereignis in Verbindung bringen können. Möge göttlicher Segen über dieser Jeschiwa und ihrem Lande walten. (Wenorah). Das neueste Heft der „Menorah", Jüdisches Familienblatt für Wissenschaft, Kunst nnd Literatur, Wien I., Zelinkagasse 1' (Preis des Jahresabonnements Mk. 12), bringt unter dem Titel Tobias Levy (1851-1914) die Geschichte vom glanzvollen Ausstieg des Enkels des Wilnaer Melamed Ludwig Lew i sohn i Autor der bekannten Bekenntnis-Bücher „Gegen den Strom" und „Israel" erzählt hier vom Widerstreit zwischen der jüdischen Tradition des Elternhauses und den Einflüssen von Schule ünd Universität. Erinnerungen aus dem Weltkriege erzählt I. Jabotinsky unter dem Titel: ..Vom Nil zum Jordan". Es ist die einzig berechtigte Uebertragung der vor Jahresfrist erschienenen Aussätze über die Geschichte der jüdischen Legion im „Morgen Journal" in New-2)ork und * SM*? r-—,y;