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Der Israelit · 1928-01-12 · Heft 2 (12.1.1928) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 2 (12.1.1928)
Date
1928-01-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 2 vorige Woche veröffentlichten Bericht blieb der Passus versehentlich weg — von Oberrabbiner Hirsch namens der holländischen Landesorganisation der Antrag gestellt werden, die Gründung eines großen interterritorialen „Keren h a s ch a b b o s" (neben Keren hathorä und Keren hajischuw) zu beschließen oder seine Gründung der Kenessio gedaulo zu empfehlen. Mit diesem bedeutsamen Antrag ist der Weg über die Landesgrenzen hinaus zur Zusammenfassung aller jüdischen Kräfte für die Lösung des Sabbatproblems gewiesen, und wir hoffen, daß auch dieser Weg beschritten wird. Aber zunächst gilt es einmal die latent vorhandenen Kräfte in den einzelnen Ländern zu wecken und sowohl nach der persönlichen, wie nach der organisatorischen und finanziellen Seite, die Voraussetzungen zu schaffen, auf Grund deren dann ein weltumspannender Sabbatfonds wirksam werden kann. lDochenrundschau. Der Hausstreit der Zionisten in Polen um den Minderheitsblock. Man weiß es schon lange: Der Zionismus in der früheren Donau-Monarchie, zu der auch Galizien gehörte, war weniger palästinozentrisch, denn irgendwo auf Erden. Die Losung hieß hier nicht so sehr Zion, als vielmehr nationaler K a t a st e r. Man wollte in erster Reihe jüdische Nationalität im Lande sein, und im Parlamente, neben den vielen anderen Nationalitäten, die dort vertreten waren. Im russischen Polen lag schon die Sache wesentlich anders. Dort hatten Minderheitsnationalitäten wenig zu sagen, die Juden besaßen vollends keine Möglichkeit, nationale Rechte geltend zu machen. Dort waren Zion und Zionismus keine Wahlparole, sondern eine Sehnsucht, ein Ziel jenseits des Golus, das man im Wirtslande täglich und stündlich in steigendem Maße zu spüren bekam. Die Umgestaltung der geographischen Karte nach dem Kriege wischte den Strich zwischen Galizien und Kongreßpolen, zwischen Lemberg und Warschau weg. Es gibt nur noch ein ge¬ D e r 3 s r a e ,l i t 12. Januar 1928 eintes Polen, dem Galizien als Provinz einverleibt ist. Die inneren teilweise tiefgehenden kulturellen und politischen Streitigkeiten zwischen den Polen Polens, des früheren Deutschlands und vormaligen Oesterreichs, bedingt durch differenzierte Kultureinstellung und eine Geschichte von einigen Jahrhunderten, färben ein wenig auch auf die jüdischen Dinge ab. In Posen und Schlesien ist in diesem Belang nicht uninteressant der Konflikt zwischen einheimischen und von östher ein gewanderten Juden in Königshütte, der, wie man hört, nun eine leidliche Lösung unter erträglichen Verhältnissen für beide Teile bekommen soll. Noch interessanter sind die weitgehenden Differenzpunkte in der Wahlpolitik zwischen O st g a l i z i e n und K o n g r e ß - polen, deren letzte Wurzeln doch in den eigenen Verhältnissen und der eigenen Einstellung dieser beiden Gegenden in der Vorkriegszeit zu suchen sind. In Galizien, vorab in Ostgalizien, kennt man das parlamentarische Leben seit Jahr und Tag, man weiß dort ganz genau, was man von den sogenannten Minoritätsblocks zu halten hat, man weih aus langjähriger Erfahrung, daß der Jude in diesen Blocks hochwillkommen ist, solange er Wahlhilfe und Schlepperdienste leistet, aber in dem Momente von den Wahlbrüdern im Stiche gelassen wird, wenn Regierung und Regierungsparteien bei der Abrechnung mit der Opposition sich den Juden zuerst als Zielscheibe vornehmen. Man lehnt in jüdischen, auch zionistischen Kreisen Ostaaliziens, den Minoritätenblock glattweg und unter allen Umständen ab. Man will, wie man es in der guten alten Kaiserzeit getan hat, selbständig als Nationalität ins Parlament einziehen, dort in möglichstem Anschluß an Regierung und Majorität seine jüdischen Interessen vertreten und sich in keinem Falle an irgend eine Politik festbinden, die nur dazu da ist, Anderer Kastanien aus dem Ofen zu holen. In Warschau, wo man noch in den Flitterjahren einer jüdischen Parlamentsfraktion schwelgt, sieht man die Dinge mehr von der romantischen Seite an. Das Prinzip spielt hier eine Rolle, und wenn es auch etwas kostet. Die Minorität muß der Minorität helfen. Gegebenenfalls auch unter Preisgabe naheliegender eigener Interessen. Gerade in Warschau hatte man Gelegenheit, den guten Willen der Regierung zu erkennen. Warum nun alle Versuche zu einer letzten restlosen Verständigung mit den Polen gefährden? Weil es das Prinzip der Minoritätenpolitik verlangt. Das ist die Meinung von Grünbaum und Freunden in Warschau, dem in L e m b e r g Dr. R e ich Et der weit ge-- sünderen Ansicht von der Unzweckmäßigkeit des- . Mittuns an der Opposition' anderer Minoritäten: gegenübersteht, ,; . Es mag fein, daß sie in Galizien durch die Weigerung, Warschau Gefolgschaft zu leisten, etwas weniger Mandate erringen werden. Aber auch auf diese Gefahr hin glauben sie es in Galizien verantworten zu können. Es kommt Dicht so sehr auf die Zahl der jüdischen Vertreter im Parlamente an, als vielmehr auf die Atmosphäre^ m der sie sich für die jüdische Sache durchzusetzen haben. In dieser Gewißheit würden wir es sehnlichst wünschen, daß Warschau etwas von Lemberg lernt. Man versteht es wohl, daß die Agudisten Polens die zionistische Blockpolitik nicht: mitmachen. Und dennoch Jiddisch! In der Mainzer Tagung des Verwaltungsrates der Jerusalemer Universität wurde, /wie berichtet, dem Kanzler der Universität, Dr. Mag n e s, aufgetragen, die Errichtung des- Lehrstuhles für Jiddisch in die Wege zu leiten. Wie nun die I. T. A. zu berichten weiß, hat daraufhin Herr David Schapiro in Newyork die in Aussicht gestellten 100 000 Doll, für diesen Zweck voll zur Auszahlung gebracht. Die Errichtung des Lehrstuhls wird somit ohne Sammelaktion durchgeführt. ■ Also haben die Proteste der Lehrer und- Hebraisten in Jerusalem nicht gefruchtet. Man hat sich über das ganze Getue im protestfrohen Jerusalem glatt hinweggesetzt. So ganz glatt eigentlich nicht, denn man gab in Mainz Dr. Magnes den Auftrag, bei der Durchführung des- Planes Takt und Vorsicht zu gebrauchen und Reibungen mit den Gegnern möglichst zu vermeiden. Ohne daß uns diese empfohlene Vorsicht eine besondere Sympathienote für die Universität im Ganzen abringt, möchten wir' doch der Hoffnung: Ausdruck geben, daß dieses Bremsen in dem von uns vor kurzem an dieser Stelle angedeuteten Sinne auszulegen fei. Man betreibe anden Universität und nirgendwo Jiddisch als Kult um seiner selbst willen, keineswegs auf Kosten des alten oder neuen Hebräisch, wie es die fanatischen Jiddischisten im Osten tun. Jiddisch im Sinne einer Volkskunde, als eine Wissenschaft vom Leben und Treiben, den seelischen Regungen und Gemütswerten von, Millionen, die einmal jiddisch sprechen und in Jiddisch ihre besten und jüdischsten Gedanken denken, bietet, wenn man deinige jenem Müßiggänger geben; mag er selbst arbeiten und sich mit Wenigem begnügen." So lassen sich die Reichen auf die eine oder die andere Weise betören, verhärten in Eigensucht ihr Herz und kümmern sich um die Armen nicht. Aber was tut Gott, der Herr, der ein Vater der Armen ist und für dieselben sorgen muß? Er läßt eine Krankheit oder sonstiges Mißgeschick über das Haus des Reichen hereinbrechen, und dann sieht sich dieser veranlaßt, Spenden an die Armen zu verteilen, damit sie für ihn beten und Gottes Barmherzigkeit für ihn erwecken. Wenn die Reichen verständig wären, so müßten sie doch einsehen, daß es besser sei, sich von selbst der Armen zu erinnern, ihrer zu gedenken, wenn man noch in ungetrübtem Glücke lebt, wo man dann nicht erst von Plage und Krankheit heimgesucht werden müßte. Auf diese drei Arten von hartherzigen Menschen und auf das Törichte ihrer Handlungsweise wird — wie der Schemen Rokeach in sehr witziger Weise bemerkt in folgenden Schriftversen hingewiesen. Es heißt in der Schrift: „Hüte dich, daß nicht ein nichtswürdiger Eine homiletische Deutung des Rabbi Eleafar Low. genannt Schemen Rokeach. Nach einer Darstellung von Rabbiner Dr. Lazar Münz. Mitgeteilt anläßlich seiner Jahrzeit am 24. Tebeth. „Verschiedene Gedanken", sagt Rabbi Eleasar, „steigen in der Brust der Menschen aus, um sie von der Uebung mildtätiger Werke abzuhalten. Zu dem Einen spricht der Jezer Hora: „Die Tage des Alters nahen, Gedanke in deinem Herzen aufkomme, indem du sprichst: heran, du kannst nicht mehr mift solcher Kraft und „Rahe ist das siebente Jahr, das Jahr des Verfalls, und Energie, wie früher, deinen Geschäften obliegen; du Jes ist dein Auge mißgünstig gegen deine dürftigen Brümußt darum das, was du hast, für deine Bedürfnisse der, daß du ihnen nichts gebest, und er würde über dich in der Zukunft aussparen.". Einen Andern, der noch jzum Ewigen rufen und es wird dich Strafe treffen, nicht dem Greisenalter nahe ist, sucht der Jezer Hora z Geben sollst du ihm und laß dein Herz kein Leid empauf eine andere Weise zu betören: „Siehe, die Zeiten! finden, wenn du ihm gibst." (5. V. M. 15, 9—10). sind jetzt schlecht, und wenn du auch reich bist, so be-j Diese Schriftworte sagen, vor den nichtswürdigen" Gesinden sich doch deine Gelder in fremden Händen und jdanken warnend, die im Herzen aufkommen: „Nahe s” - <r> -' eb ente Jahr"; nahe ist, so denkt mandas siebente Jahrzehnt meines Lebens, ich _ . .... .ich muß sparen, um nicht im Alter zu dar- Geld in seiner eisernen Truhe liegen hat und in keinen ben, ich kann darum nicht wohltätig sein. Das ist die Geschäftsverbindungen steht, sucht der Jezer Hora mit jerste Art — „Nahe ist das Jahr des Verfalls", andern Worten beizukommen: „Warum solltest du das «Der Andere meint: meine ausstehenden Schulden köninen verfallen, ich bin dann selbst ein armer, geschlagen j ner. Mann, ich muß darum das, was ich besitze, zui sammenhalten und kann für die Armen nichts tun. Das sit die zweite Art jener törichten Reichen. — „Und -es ist dein Auge mißgünstig gegen deinen dürftigen Bruder"; das ist die dritte Art jener hartherzigen Menschen, die dem Hilfsbedürftigen unbe-- gründete Vorwürfe machen, ihn als arbeitsscheu und träge schelten und so die Pflicht, dem Bedrängten beizustehen, in mißgünstiger Weise von sich wälzen. — „U nd er würde über dich zum Ewigen, rufen und es würde dich Strafe treffen!"' das heißt: dann würde er deinetwegen zu Gott flehen, wenn Strafe und Mißgeschick dich trifft; du würdest dann, vom Unglück betroffen, Spenden an die Armen verteilen müssen, damit sie durch Beten und Flehen Gottes Barmherzigkeit für dich -erwecken. — „Geben soll st du ihm und laß dein Herz k ein Leid empfinden, wenn du ihm gib st." Dag will sagen: Gib ihm aus freiem Antriebe, dann wirst du dir jenes bittere Herzeleid ersparen, das dich erst zum Spenden veranlassen müßte. I. M. Kleines Feuilleton. Aus dem Testamente des «Rösch-. (Zürn 600. Todestage des Rabenu Ascher ben Jeschiel .seinem ö”n mniirr entnommen). * (Fortsetzung). Schiebe eine Mizwotat nicht hinaus und führe sie ungesäumt, sobald dir die Gelegenheit geboten ist, aus.

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