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Der Israelit · 1928-01-05 · Heft 1 (5.1.1928) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 1 (5.1.1928)
Date
1928-01-05
Page
– (sequence 17)
Language
German
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■ 7.:L.... l_e. 4-m ‘Dtättev fievausgegeBeit Don dev fandesovgantfatfon dev Jlgudas-Jisvoet in Deutfefilatid 14. Jahrgang Frankfurt a. M., S. Januar ,-28/ \ 2. Teweth 5688 _Nummer \ Die Tagung des Zentralrates der Agndas Zisroel in Berlin. Dl e n s t a g n a ch m i t t a g. Nachdem in den Abendstunden des Montag und während des Dienstags der Geschäftsausschuß unter Zuziehung der -Politischen Exekutive seine Beratungen beendet hatte, wurde die Zentral r atss itz un g Dienstag nachmittag um 5 Uhr durch den Präsidenten, Sejmabgeordneten Oberrabbiner Lewin - Rzeszow mit einer längeren Ansprache eröffnet. Der Vorsitzende stellte mit Genugtuung fest, daß diesmal fast sämtliche Landesorganisationen der Einladung Folge gegeben und prominente Vertreter nach Berlin gesandt haben. Anknüpfend an die erhebende Feier der Grundsteinlegung des Bajs Jakob-Seminars, die vor drei Monaten einen großen Teil der Aguda-Führer in Krakau vereinigt habe, gab der Vorsitzende der Hoffnung Ausdruck, daß auch die heutige Tagung, unter dem Zeichen hoffnungsfroher Weiterentwicklung der Aguda als Organisation sowohl, wie ihrer einzelnen Institutionen auf kulturellem und wirtschaftlichem Gebiete stehen werde. Die außerordentlich reiche Tagesordnung zwinge zur Einschränkung, und wenn^auch der Kritik an dem Geleisteten oder nicht Geleisteten keine Grenzen gezogen werden sollen, müsse jedoch bedacht werden, daß im Vordergründe die Erzielung positiver Beschlüsse stehen müsse. Die Bildung des Bureaus ergab die Wahl der^Herren Oberrabbiner L e w i n - Rseszow, Rabbiner Dr. Munk- Berlin, Oberrabbmer Dr. S p i tz e r-Hamburg> Oberrabbmer H i r s ch- Zwolle und Dr. Nathan V i r n bäum- Berlin zu Vorsitzenden, der Herren Harry G o o d m a n- London, Meier Lewen si e i n - Zürich und A. S. Fri e d m a n n - Warschau zu Schriftführern. Den G e, s ch. ä f t s b e r i ä) t, soweit es. sich um politische- und organisatorische Arbeit handelte, erstattete der Vorsitzende des Wiener Geschaftsausschustes, Dr. PinchasKohn. Er weist darauf hin, daß über den Inhalt der Arbeit durch die Presse und die Mitteilungen des Geschäftsausschusses der Zentralrat sowohl, wie die weitere Oeffentlichkeit so genau unterrichtet sei, daß längere Erörterungen unnötig seien. Es handle sich vielmehr lediglich um die Erwähnung der einzelnen Sparten der Tätigkeit als Grundlage für die allgemeine Aussprache. Ausgeschaltet aus dem Bericht bleibe die politische Arbeit in Palästina, die als gesonderter Punkt auf dex Tagesordnung steht. Der Bericht unterstreicht, daß der Mangel -an Geldmitteln und insbesondere das völlige Versagen eines sehr großen Teiles der Landesorganisationen in finanzieller Hinsicht die organisatorische Arbeit zu Zeiten völlig lahmlegte, und auch in politischer Hinsicht oft große Schwierigkeiten - bereitete. Bedauerlicherweise war es nicht möglich, Sitzungen der Exekutive des R a b b i n i s ch e n R a t e s zu veranstalten, weil die Geldmittel hierfür fehlten. Herr Oberrabbiner Fürst in Wien habe sich in außerordentlich dankenswerter Weife bemüht, dieses Manko dadurch auszugleichen, daß er als eine Art Verbindungsoffizier zwischen den Mitgliedern des Rabbinischen Rates und dem Geschäftsführenden Ausschuß fungierte. Allein dieser schriftliche Verkehr konnte natürlich keinen Ersatz bieten. für die notwendigen mündlichen Aussprachen, die allein eine gründliche Behandlung der zur Erwägung stehenden Fragen und einen wirklichen Ausgleich der Meinungen verbürge. Der Mangel an Mitteln sei es auch, der die wiederholt in Betracht gezogene Anstellung eines hauptamtlichen Vorstehers der Organisations¬ und Propaganda-Ähteilung zum Scheitern brachte, weil wirklich tüchtige und brauchbare .Kräfte sich natürlich nur dann gewinnen lasten, wenn man in der Lage ist, ausreichend zu honorieren und langfristige Verträge abzuschließen. Mit Genugtuung konstatierte der Redner, daß nichtsdestoweniger die Geltung der Aguda als Repräsentantin der gesamten Orthodoxie nach außen wie nach innen gewaltig gestiegen sei, so daß man in der Welt draußen jede orthodoxe Lebensregung, auch wenn sie gar nicht mit der Aguda in unmittelbarem Zusammenhang steht, dieser zum Guten wie zum Bösen aufs Konto schriebe. Namens der Keren Hat hör a - Z e n - t r a l e ergriff Herr Dr. Leo D e u t s ch l ä n d e r das Wort, indem er au^ den in den Händen der Delegierten bereits befindlichen gedruckten Bericht Bezug nahm, der an anderer Stelle dieses Blattes veröffentlicht ist. Der erfolgreichen systematischen Arbeit Dr. Deutschländers zollte der Zentralrat durch spontane Beifallskundgebungen am Schluffe des Berichtes lebhafte Anerkennung. Ueber die E r e z I i s r o e l - T ä t i g.k e i t der Aguda, der im einzelnen während der eineinta;btägigen Palästina-Konferenz bereits breiter Raum gewidmet war, erstatten im Zentralrat die Herren Julius Holländer" und Dr. S. E h r m a n n Bericht, ersterer über die Entwicklung, den Stand und die Zukunftsaussichten der wirtschaftlichen Arbeit, letzterer über das Schulwerk. Alsdann referierte Jacob R o s e n h e i 'm - Frankfurt über die „Politische Kommission". Die Kommission fei aus Antrag des Sejmabgeordneten Kirschbraun durch Beschluß des G. A. vor drei Monaten gegründet worden und erwarte die Genehmigung des Zentralrates. Die Anregung zur Gründung der Kommission sei an und für sich ein erfreuliches Zeichen der Erstarkung des agudistischen Einheitsgedankens. Ihre Aufgabe sei es, das schwierige Problem zu lösen, auf der einen Seite die Autonomie der einzelnen Landesorganisationen in der Gestaltung ihrer inneren Politik auch bei Wahlen zu politischen Körperschaften unangetastet zu lassen, auf der anderen Seite aber dennoch eine gewisse durch die religiöse Eigenart der Aguda bedingte einheitliche politische Linie zu gewährleisten. Die Lösung dieser Aufgabe setze Klarheit über die Grundprinzipien ebensowohl wie Verständnis für die oft harten Gegebenheiten des politischen Lebens und taktvolle Zurückhaltung bei allen Beteiligten voraus. Bei der in den östlichen Ländern mit agudistischer Parlamentsvertretung sehr häufig in Frage stehenden B l o ck b i l d u n g habe der Geschäftsausschuß beschlossen, die führenden agudistischen Politiker auf die Notwendigkeit aufmerksam zu machen, ihre Maßnahmen nicht nur im Hinblick auf die augenblicklichen Erfolge zu treffen, sondern die Rückwirkungen nach innen, insbesondere auf das religiöse Bewußtsein der Jugend, niemals aus dem Äuge zu lasten. Es ist anzunehmen, daß dieser Gesichtspunkt gegenwärtig auch bei den Vorbereitungen der Wahlen in Polen nicht aus dem Auge gekästen werden wird. Andererseits müsse jedoch die Leitung der Aguda von allen agudistischen Körperschaften in e i n e m Lande absolute Disziplin verlangen. Der Geschäftsausschuß ersucht daher den Zentralrat, dem in Krakau bereits gefaßten Beschluß seine Genehmigung zu erteilen. Der Beschluß lautet: „Unter allen Umständen ist dafür Sorge zu tragen, daß bei politischen Wahlen nur . ein e einheitliche agudistische Liste für das Land aufgestellt wird." Das Referat wurde ohne Debatte zustimmend zur Kenntnis genommen. Mit Rücksicht auf die an die Mitglieder des Zentralrates vom Vorsitzenden der Repräsentantenversammlung der Synagogengemeinde „Adaß Jisroe!" ergangenen Einladung mußten die Verhandlungen um SlA Uhr abgebrochen und auf den nächsten Vormittag vertagt werden. Mittwoch vormittag. Der Vorsitzende, Oberrabbiner Lewin - Rzeszow machte darauf aufmerksam, daß einige Delegierte gezwungen sind, bereits am Donnerstag früh die Rückreise anzutreten, weshalb er vorschlägt, keine Mittagspause eintreten zu lasten, um die Verhandlungen womöglich Mittwoch nacht zu Ende zu führen. Der Vorschlag wird angenommen. In der allgemeinen Aussprache übt Stadtrat Heber- Kalisch scharfe Kritik an den Leistungen der Aguda-Leitung. Der Klage über das Versagen der Landesorganisationen müsse entgegengehalten werden, daß an dieser Jnaktivität der Geschäftsausschuß selber schuld sei, der es nicht verstehe, durch persönliche Propaganda in den einzelnen Ländern die Geister.m genügendem Maße zu wecken. Die Geschäftsleitung der Aguda dürfe es nicht dulden, daß beispielsweise in einem großen Lande wie Polen die Landesorganisation so schlecht funktioniere und es so wenig verstehe, die ungeheuren in der orthodoxen Maste schlummernden Kräfte zu verlebendigen, wie es tatsächlich der Fall sein sollte. Die Mitglieder des Geschäftsausschustes müßten sich intensiver ihren Aufgaben hingeben und die Länder bereisen. . Der Vorsitzende teilt mit, daß im Rahmen der allgemeinen Aussprache auch die Frage der Kenessio G e d a u l o erörtert werden könne. Wie aus dem Bericht des Vorsitzenden des Wiener Geschäftsausschusses hervorgehe, habe der G. A. mit großer Mehrheit beschlossen, dem Z e n t r aIra t d i e Einberufung der Kenessio Gedaulo vorzuschlagen. Als Ort kommen Warschau, Krakau oder eine andere polnische Stadt in Betracht. Er stelle anheim, über die Frage der Kenessio Gedaulo im Laufe der Diskussion sich gleich mitzuäußern. Dr. I. Breuer- Frankfurt a. M. erklärt, daß Agudas Jisroel sich in einer durchaus unbefriedigenden' Verfassung befinde, und daß es ein schwerer, sich an Staaten und Organisationen oft schwer rächender Fehler sei, sich über die eigenen Mängel hinwegzutäuschen. Die Leitung habe es an jeder systematischen Organisationsarbeit fehlen lasten, und es seien in dieser Hinsicht lediglich Rückschritte zu verzeichnen. Die Geschäfte einer Weltorganisation könnten nicht im Nebenamt durch beruflich anderweitig in Anspruch genommene Persönlichkeiten geführt werden, sondern verlangten unbedingt hauptamtliche Kräfte. Wenn nun die Verhältnisse dazu geführt hätten,. daß hervorragende Kräfte dieser Art, statt daß immer neue hinzukämen, noch entlasten werden mußten, so sei dies ein überaus betrübendes Symptom. Die mangelnde Leistungsfähigkeit der Leitung sei aber auch auf innere Gegensätze zurückzuführen, die Geschlossenheit und Einheit unmöglich machten. Das gelte besonders für Deutschland, das zwar numerisch vielleicht nicht stark ins Gewicht falle, nach Lage der Dinge aber denndch für den ganzen Geist

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