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Der Israelit · 1928-01-05 · Heft 1 (5.1.1928) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 1 (5.1.1928)
Date
1928-01-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 1 Der Israelit 5. Januar 1928 Als Protest gegen die Rechtsverkürzung, die der Würde des überlieferten Judentums zu nahe tritt, und die geeignet ist, falsche Vorstellungen in dem Bewußtsein der Jugend zu wecken, hat Agudas Jisroel alle orthodoxen Juden Jerusalems zu einer großen Versammlung an der Westmauer berufen, in. der in Anwesenheit von flüsse zu erschütternde) Arbeitskraft nur durch eines habe erhalten können: die^Heiligung und. die Weihe des Sabbats und der Festtage. Daß er auch in den bewegtesten Zetten seines Arbeitslebens für m oirnr? und?" und für alles, was das Judentum angeht, die nötige Muße und Konzentration fand, hat er nicht besonders erwähnt, weil es ihm eine Selbstverständlichkeit war. Oberrabbiner Sonnenfeld Selichoth gesagt, Ansprachen Marx ^ei^ seiner ^so^Ms^en^haben, gehalten und isiv wpn vollzogen wurde. Die sammlung, die von nahezu zehntausend Personen be. sucht war, übte einen gewaltigen Eindruck auf die gesamt? jum zu wissen, wie er auch bei der kleinsten Brochoh die Welt um sich herum aüsschaltete. Diese Kraft der Hin- Oesfentlichkeit Erez Jisroels aus. Erne Resolution, die den Protest gegen die Zurück-, setzung der Orthodoxie enthält, wurde dem Oberkommissar Lord Plumer, dem Colonial Office in London und dem Büro des Völkerbundes in Genf übermittelt. gäbe an Ueberirdifches riß Laue und Zweifler hin. So war es ein Leichtes für diesen Mann, sich eine Umgebung zu schaffen, die bedingungslos an fein Judentum glaubte und daraus Kräfte für sich selber schöpfte. George Marx hat weniger durch Worte gewirkt alsdurch Beispiel. Er war kein Mann der Worte, sondern der Tat. Nur in wenigen Fällen, in denen chm die Tat allein nicht auszureichen schien — seine eignen Taben"'erschienen ihm nie ausreichend — ergriff er das Wort oder die Feder, Das gerichtliche Nachspiel zu den Vorgängen in Pelach Tikwah. Jerusalem, 30. Dez. Das Jaffaer Distriktsgericht, das über die während der Zusammenstöße zwischen Arbeitslosen und Polizei verhafteten Juden zu urteilen hatte, hat einen der Angeklagten zu einem Monat, die anderen Angeklagten zu je 16 Tagen Gefängnis verurteilt. Nur einer der Der-, hafteten wurde frsigefprochen. Wie mitgeteilt, hatten vor 2 Wochen jüdische Streikposten arabischen Arbeitern den Zugang zu den Orangenplantagen in Petach Tikwah versperrt, um dadurch für eine Beschäftigung jüdischer Arbeitsloser zu demonstrieren. De; Distriktskommissar erschien mit einer Abteilung Gendarmen in der Kolonie, zerstreute nach einer vorausgeschickten vergeblichen Aufforderung an die Streikposten, die widerrechtlich betretenen Plantagen zu verlassen, mir Gewaltanwendung die Demonstranten, wobei 14 Personen, darunter einige Mädchen, verletzt wurden. 17 Personen, wurden verhaftet und vor Gericht gestellt. Personalien. Kommerzienrat George Marx Königsberg, 28. Dez. Am 29. Krslew ist George Marx 'im 85. Lebensjahre abberufen worden. Sein Name ist in jüdischen und außerjüdischen Kreisen weit über die Grenzen seiner Wirkungsstätte hinausgedrungen. Vielen ist er ern Begriff geworden. Wer das Glück hatte, ihn kennen zu lernen, war von Ehrfurcht für ihn erfüllt. Wem es vergönnt war, ihm nahezustehen, dem fehlen die Worte für die Liede und Verehrung, mit der man zu dem Verewigten aufsah, und die seinen Verlust unüberwindlich erscheinen lassen. Die Bedeutung von George Marx in seiner Berufstätigkeit wurde in den Tageszeitungen eingehend gewürdigt. Sie bezeichnen ihn als den weitausschauenden Wirtschaftsführer im Interesse der gesamtdeutschen Entwicklung, der mit dem klugen Augenmaß des Kaufmanns und Bankiers jene bedeutsame Regsamkeit und Lebendigkeit nach der Ostmark brachte, deren der an sich schwerfälligere Osten so dringend bedurfte. Von den höchsten Stellen wurde offen bekannt, daß George Marx dem Königsberger Gemeinwesen wie der Gesamtheit durch seine Finanzkraft, seinen Unternehmungsgeist, seine Erfahrung und seine besondere Beurteilung der Möglichkeiten für den Platz Königsberg die größten Dienste geleistet, hat. Das Einzigartige und Einmalige an der Erscheinung George Marxs ist die beispiellose Intensität und Hingabe, die er, der befruchtend inmitten eines aufregenden und ausfüllenden Wirtschaftslebens ständ, seinem religiösen Judentum widmete. Er selbst hat es gelegentlich ausge- Kommerzienrat George Mar« in Königsberg. und beides stand ihm dann zu Gebot. Unvergeßlich wird denen, die sie miterlebten, eine stürmische Rede bleiben, die . sich . gelegentlich einer Beratung über Hilfeleistung für die Opfer des Kifchinewer Pogrom, den Lippen des Verewigten entrang: Worte, mit denen die Anwesenden aufgerüttelt und zu einem Opferwillen hingerissen würden, den sie selber bei fhty nicht vermutet hätten. - , So hat sich George Marx eine Gemeinde geschaffen; eine Gemeinde, die, wenn nicht aus sich selber, so an ihm und durch sein edles Vorbild neue Kraft fand, jüdisch zu denken und zu leben. Die Schwankenden sahen, daß streng gesetzestreues Judentum, und Kontakt mit einer nichtjüdischen Umwelt vereinbar sind, und daß es eine Frage der Persönlichkeit, des unerschütterlichen Glaubens Zst, Judentum überallhin zu tragen und auch ha zu vertreten, wo es, wenn kein Verständnis, so doch Achtung erwecken kann. Wer sich an dem Vorbild George Marx aufrichten durfte, hat fürs Leben genug Judentum mitbekommen, um heiligste Verpflichtungen daraus abzuleiiten. Wer aber wird es ihm nachtun? Das ist die unbeantwortete Frage aller, die den Verlust dieses Mannes für sich und die Allgemeinheit noch nicht zu verwinden wissen. Die Bestattung, Schlicht und einfach, wie es stets die Art des Kommerzienrats Marx war, vollzog sich auch feine Bestattung. Gegen 11 Uhr füllt sich das Trauerhaus mit zahlreichen Leidtragenden aus dem großen Freundeskreis und den sprachen, daß er sich seine (durch keinerlei äußere Ein- Reihen derer, die ihn als den vorbildlichen Führer über 8 OE BEN ERSCHi EN nach me h r jäh ric|e r Vor bere i tungD ERERSTEB^ das Grab hinaus tief verehren. Die Straße war zu beiden Seiten angefüllt von einer großen Menge schwarzgekleideter Menschen, die der letzten Fahrt des hochgeschätzten Mannes harrten. . An der Bahre widmete Rabbiner Dr. Hildes - heimer-Berlin.im Aufträge des Rabbiner-Seminars Berlin und des Hilfsvereins der deutschen Juden dem Entschlafenen warmherzige Worte des Gedenkens. Er würdigte den Verstorbenen, der dem Kuratorium des Rabbiner-Seminars drei Jahrzehnte angehört hat, als . den Mann höchster Tatkraft, der den Kampf des Lebens siegreich bestehen konnte. „ Im Namen der Brüder der Kantloge gedachte Sanitätsrat Dr. V o l l n o w des Toten. Tiefste Bruderliebe^ vornehmste Gesinnung, eiserne Willenskraft, größte Arbeilsfteudigkeit feien die großen Eigenschaften des Entschlafenen gewesen. — Dann ehrte Generaldirektor Schröder von der Bank der Ostpreußischen Landschaft als früherer Mitarbeiter bei der Noorddeutfchen Creditanstalt den Verstorbenen. Dann kam die letzte Erdenreise. Eine kaum übersehbare Gefolgschaft bewegte sich durch die Straßen der Stadt dem Königstor zu. Auf dem Friedhof hatte sich schon lange vor Ankunft des Zuges ebenfalls eine große. TrNuergemeinde eingefunden. Die Leichenhalle konnte nur einen kleinen Teil des Gefolges aufnehmen. — Rabbiner Dr. Ja k obov-its widmete dem Verstorbenen weitere Worte des Gedenkens: Seine große Verwandtschaft konnte ihm nicht Raum genug gewähren zur Entfaltung seiner Herzensgüte; sie trieb ihn hinaus zu seinen Menschen, seinen Brüdern. Unsere Lippen vermögen aber durch Lobworte seine Werke nicht zu verherrlichen; -eine testamentarische Bestimmung des Entschlafenen besagt: „Ich wünsche nichts daß mir am Grabe Rühmendes nachgesagt wird, ~ derartiges habe ich stets gescheut!" — So muß die Würdigung seiner großen Taten verschlossen in unseren Herzen, bleiben. Nicht aber wollen wir verschweigen Worte des . Dankes gegen Gott. Wir wollen. Gott dafür danken, daß er einen Mann nach seinem Herzen sich erkoren har, der uns zum Führer geworden ist. Dank für die reichen Gaben feines Herzens und Geistes zum Segen der Menschen. Dank, daß Gott ihn seiner Familie und uns ungetrübten Auges und ungebrochener Frische erhalten hat bis in feine letzten Tage. Nun er von uns scheidet, hinterläßt er uns das Andenken an fein unerschöpfliches Wirken, an fein edles Vermächtnis. Laßt uns an diesem Ort geloben, gemeinsam sein Erbe.an Pflichten anzutreten, daß die Werke seines Herzens uns die Schöpfungen feines Geistes uns bleiben. In andächtiger Sülle trugen dann die Angehörigen des Entschlafenen den Sarg an das offene Grab. Rabbiner Dr. Jakobovits sprach hier das Gebet für die Leidtragenden. Dann sank der Tote hinab zur ewigen Ruhe. Schlüchtern, 27. Dez. Am 23. Kislew verschied im 84. Lebensjahre Markus G.oldfchmidt, Schlüchtern. Mit ihm ist ein -echter, braver Jehudi vom alten Schlage dahin gegangen. Durch nichts ließ sich der Verblichene von seinem.Wege abbringen, den die Tauroh chm vorschrieb. Schlicht und einfach war sein Lebenswandel, keine Ansprüche ans Leben stellend, während er an seine Person die größten Anforderungen stellte. Vor dem Sterbehause, bevor der nicht enden wollende Leichenzug sich -in Bewegung setzte, schilderte Herr Provinzial-Rabbiner Dr. Gradenwitz, Hanau, das vorbildliche Leben und den biederen Charakter des Dahingegangenen. In rührenden Worten, die kein Auge der Zuhörer trocken liehen, nahm der Redner Abschied von dem Verstorbenen und verlieh ihm noch den Chower-Ditel. Am Grabe sprachen noch die Herren Lehrer Berlinger, Schlüchtern, und Lehrer Julius Schuster, Größ-- Krotzenburg und widmeten dem Heimgegangenen warme - Abschiedsworte. Berlin, 15. Dez. Am letzten Sabbath feierte das Ehepaar Moritz Hirsch, Gontardstraße, das Fest der goldenen Hochzeit. Herr und Frau Hirsch die in den weitesten hiesigen und Fränkfürker Kreisen durch ihr echt jüdisches Leben bekannt sind, begingen dieses Fest in seltener Rüstigkeit; Im Peshamidrasch dem Herr Hirsch seit ca. 40 Jahren als Gabbe porsteht. Vas Judentum in Geschichte und Gegenwart in 15 Bänden zu je 650 Seilen in grossem Lexikonformai Preis pro Band in Halbleder Mk. 55.- in Ganzleinen Mk. 50.- ' Probeheft Mk. 3.- (wird bei Bestellung des Werkes zurückgenommen) Mit zahlreichen Illustrationen, darunter mehrfarbigen Drucken, Landkarten, Noten usw. Einbandentwurf von Prof. E. R. Weiss Die Bände gelangen in etwa halbjähriger Folge zur Ausgabe. Die Redaktion besteht aus 16 bedeutenden jüd Gelehrten u. Schriftstellern. Chefredakteur: Dr. JacobKlalzkin 6 Stellv. Chefred.: Prof.Dr.I.Elbogen Auö einem mehrspaltigen Artikel der „Frankfurter Zeitung“ Vom | 22. Mai 1927 (über das Probeheft): „ Ein gewaltiges Unternehmen, an dem || alle Länder, alle Erdteile mitarbeiten werden, das junge Palästina, Amerika, vor allem Deutschland; ein Werk, in dem jeder Artikel neu und nur für diesen Druck. geschrieben wird . . . Druck, ein- und mehrfarbige Illustrierung sind einwandfrei; dies ist uniso schöner, als jüdische Publikationen sich nicht immer durch Gediegenheit der Ausstattung auszeichnen. Die Artikel sind präzis, auf kritischer Grundlage aufgebaut, mit sorgfältigen und beweiskräftigen Literaturar gaben versehen . . . Wenn das Werk vielgestaltig wird, wenn es schillert, und nirgend uniform erscheint, ist es dann nicht ungewollt, ja wider Willen ein Spiegelbild des wirklich lebendigen, nie und nirgends geschlossen fassbaren Judentums. Macht nicht die Mannigfaltigkeit deV Aspekte schon diese hundert Seiten spannend wie ein Roman, wie den noch unabsehbaren Roman des Zahlungserleichferung durch Mohafsrafen Prospekt djuKch jsdc BulehhandIunffi u’ncrpS? durch den VERLAG ESCHKOL A.-G. VERTRIEBS-ABTEILUNG „ENCYÖLOPÄEDIAr^UDAICA'MlaMI Berlm-Ctaurlottenburg L. BIsmardfS(rasselÖ6/

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