Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1928)
- Date
- 1928-01-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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^WSWS1 -- S 5 Januar 1928 D er Israelit % Inventur- Ausverkauf hat begonnen Außerordentlich ermäßigte Preise auf,unser gesamtes Lager 20% auf nicht besonders reduzierte gedruckte Preise Wag e n er ÄSchBötel ganifationen begrüßt. Vor dem Bahnhof warteten viele Tausende Anhänger auf das Erscheinen des Rabbi. Mittels Separatzuges ist gestern der „Bobower Rebbe" in Begleitung von einigen Hundert -Chafsidim in Lemberg eingetroffen. Die Rabbis von Sadagura, Czortkow und Hufiainn haben mitgeteilt, daß sie sich an der Zusammenkunft wegen deren politischen Charakters nicht beteiligen wollen. Am 27. Dezember begann im Saale des Kinos „Palace" die große Rabbinerkonferenz in Anwesenheit von mehr als 4000 Rabbiner-Delegierten und Gästen. Der Wojwode von Lemberg, Barkowskt, der Wojwode von Stanislau, Barewski, und viele andere hohe Beamte und Gerichtspersonen wohnten der Eröffnungssitzung bei. Die Rabbis von Beiz und Bobow wurden bei ihrem Erscheinen stürmisch begrüßt. Der Rabbiner von Stanislau hielt die Eröffnungsansprache, worauf der Präsident -der jüdischen Gemeinde, Professor Allerhand, die Versammlung begrüßte und sagte, in Polen waren die Rabbiner stets die Führer des Judentums. Der Wojwode von Lemberg sagte: „Ich begrüße im Namen der Regierung die höchsten Persönlichkeiten der jüdischen Gesellschaft. Ich bin überzeugt, daß die Beschlüsse dieser Versammlung dem Staate und dem Judentum nützen werden." Der Regierungskommissar Sczelecki begrüßte die Vresammlung im Namen der Stadt Lemberg. An den Präsidenten der Republik, Prof. Moscicki, und an den Ministerpräsidenten, Marschall Pilsudski, wurden Begrüßungstelegramme gesandt. Rabbi Schiff- Lemberg verlas eine Protesterklärung gegen die Pogrome in Rumänien. Nach einer längeren Rede von Rabbi Kornitzer-Krakau wurden die folgenden politischen Beschlüsse gefaßt: D'e Rabbiner-Konferenz erklärt, daß die Regierung des Marschalls Pilsudski aufrichttg bemüht fei, den Juden in Polen die volle bürgerliche Gleichberechtigung zu sichern. Die Versammlung drückt der Regierung das Vertrauen aus und fordert die jüdische Gesellschaft auf, die Regierung zu unterstützen. Die Konferenz wünscht eine Annäherung zwischen der jüdischen und der christlichen Gesellschaft zwecks Zusammenarbeit an der Entwicklung und dem Aufblühen Polens. Zu Beginn des zweiten Sitzungstages wurde ein . Begrüßungsschreiben des Unterrichtsministers Dobrucki verlesen. Der Rabbiner von Tarnopol brachte die Einwendungen des orthodoxen Judentum gegen das Dekret bezüglich der jüdischen Gemeinden vor. In einer Resolution wird die Regierung ersucht, das Dekret im Sinne der rabbinischen Forderungen abzuändern. Auf der Konferenz find drei Ehässidim-Gruppen vertreten: 1. Beizer, 2. Bobower, 3. Skaliner Chassidim. Zwischen den einzelnen Lagern herrscht eine gewisse - Spannung, die zu kleineren Zusammenstößen zwischen der verschiedentlichen Anhängerschaft in den Straßen zum Ausdruck kam, 'Die Konferenz dauert fort. Tagung der Agndah-Jugend in Polen. Warschau , 27. Dez.; In Anwesenheit von 200 Delegierten aus , mehr «Is./150 Städten wurde in Warschau die erste Landeskonferenz der „Zeire Emüne Iisroel" (Iugendver- .banwf hfer Agudas Iisroel) eröffnet. Auf Antrag des!, VoDMden M. Schwarzmann-Siedlec wurde eine Prof teMsHution gegen die. Pogrome. tu. Rumänien beschlossen, würden zahlreichen Begrüßungsansprachen verläsen, darunter vom Rabbi von , Gura Kalvaria (Gerer Räbbe)^ vom, .Centralhüro der .Weltorganisation Agudas! Iisroel in Wien, von der - 5fe$ir ^HUM^CentrÄe/'vom- Rabbmerrat der Agudahj vMü'iIacob'!'Rosenheim>-Frankfürt a. M., vom Rabbinerverband in Polen usw. Der Vizepräsident der Agudas Iisroel in" Polen, Herr Isaak Meir Lewin, hielt das politische Referat über die Tätigkeit der Agudas Iisroel. >- Konferenz jüdischer Gemeinden Jugoslawiens. Belg r a d , 30. Dez. Im Hotel „Palace" wurde der Kongreß der jugoflavischen israeltischen Gemeinden in Anwcsenhnt von Vertretern von etwa 100 Gemeinden abgehalten. Es wurden wichtige Beschlüsse betreffend das projektierte Staatsgesetz über jüdische Konfession, die Begründung eines Rabbinerseminars, die Herausgabe jüdischer religiöser Bücher und die Besetzung vakanter Rabbinerstellen in vielen Gemeinden gefaßt. / „ Die Woche. Berlin. Anläßlich der 200. Wiederkehr des Geburtstages von Mofes Mendelssohn werden von der Akademie der Wissenschaft des Judentums, der sich noch andere Gesellschaften angeschlossen haben, die gesammelten Schri st en von Moses M e-n b c'I-s-* j o hn als Jubiläumsausgabe herausgegeben. Bremen. An Stelle des verstorbenen Leiters des Answändererdepariements des „Hilfsvereins der deutschen Juden" in Bremen. B. Galatscher, wurde Rechtsanwalt Dr. Rose n a ck , der Sohn des verstorbenen »Rabbiners Dr. Rofenack, der sich bekanntlich um die Auswanderersürsorqe ewige Verdienste erworben hat, mit. der Leitung des Komitees betraut. Ulm. Der Rabbiner der hiesigen jüdischen Gemeinde, Dr. Ferdinand Straßburger, erlitt unmittelbar nach Abhaltung eines In-' gendgottesdienstes einen Herzschlag, der seinem Leben ein Ende machte. Genf. In der Nacht zum Montag verstarb in Gens im Alter von 62 Jahren Dr. Israel Ielsk i. Er stammte aus Polen, absolvierte das Breslauer Rabbine'stminar, wr-kte später als P-ediger m der Chroschul zu Lodz und lebte seit Kriegsausbruch als P'-iaataelehrter in Deutschland und zuletzt in Genf. Er erwarb sich durch philosophische Arbeiten in vielen Kreisen einen Namen. Paris. Am 25. Dezember starb plötzlich Wladimir T i o m t i-n , - eine markante Persönlichkeit des Pariser Ostjudentums. Tiamlln nahm im politischen Zionismus der Herzlschen Zeit führende Swll'mq ein und mar bis vor einigen Jahren Mitglied des Großen Diktionskomitees. Vor kurzem noch stand er als Zeuge im Schwarzbart- Prozeß vor dem Pariser Gericht, wo seine ehrlichen, überzeugenden Worte über die Pogrome in der Ukraine größten Eindruck machten und nicht ohne Einfluß auf den Ausgang des Prozesses waren. Kswno. Es herrscht einige Aufregung über ein Gerichtsurteil, das jüdisches Leben sehr gering einschätzt. Ein Offizier namens Birkenas, der am Pesachfeste vorigen Jahres in Poniewefch mehrere jüdische Passanten schwer mißhandelte und eine Frau mit '.mein Revolverschuß für das ganze Leben zum Krüppel machte, wurde vom Gerichte glatt j r e i g e s v r o ch e n. S-ine Angaben, er sei von den Juden angegriffen worden, wurden geglaubt. Jerrfrlem. Von Januar bis Mitte Mai werden 26 Touristendampfer aus Amerika in Palästina eintreffen. — Im Dorfe Kulonieh , vier Me'lsn von Jerusalem ent-' sernt, kam es. .zu.. schweren Schlägereien zwischen, A r a b e r n und Pol i z l st em D'e arabischen Bauern lehnten sich gegen die offiziellen Land- Vermessungen auf. Erst einem großen Trupp berittener Polizei aus Jerusalem gelang es, die Ruhe wrederherzustellen. — In der Agudakolonie „Machäne Irsroel" wurde ein arabischer Wächter ermordet aufgefunden. Vom Mörder fehlt bis jetzt jede Spur. London. Sir Alfred Mond übernahm es, Lst. 20.000 für die jüdischen Arbeitslosem in P a l ä stina zu sammeln. . Freilassung^, aller Pogrom-StudestkenL . - B u f a rejt?)28. Hez. Beim Kultusminister Tatarescu erschien^ heut^^eine Abordnung der antisemitischen Studenten scha^ unter der Führung des-Vorsitzenden der christlichen Studentenliga Popescu und des Vizevorsitzenden Werchner. Die Studentenabordnüng teilte dem Minister mit; daß sich der Studentenschaft infolge des Gerichtsurteils vom ver- Nr. 1 Seite 5 gangenerr Sonnabend, mit welchem neun Studenten zu Gefängnisstrafen oerurteilt worden waren, eine ungeheure Erregung bemächtigt habe. Sie fordert die sofortige Freilassung der 40 noch in Haft befindlichen Studenten und die Anmestierung der vom Gericht verruteilten Studenten, da sonst die Studentenschaft zu Gewalttaten schreiten würde. Minister Tatarescu verfügte die sofortige Freilassung aller noch in Haft befindlichen, sowie der verurteilten Studenten, warnte aber die Studentenschaft durch ihre Führer vor weiteren Unruhen, die von der Regierung mit äußerster Gewalt unterdrückt werden würden. Teilkrise in der rumänischen Regierung. B u k a r e st, 29. Dez. Die Mehrheit der Abgeordneten der Partei des Ministers Lupu ist aus der Regi.'rungskoalition ausgetreten, weil Lupu ungeachtet der Pogrome in Siebenbürgen und des Verbleibens des Untsrstaatsfekretärs Tatarescu im Amte fein Ministerportefeui lr behalten hat. Die Bukarester Presse gliss'.ert ironisch die Rede Professor Cuzas als Verteidiger der angellagten Studenten. Cuza hatte erklärt, daß der englische Politiker Rothermere und der amerikanifche Senator Bo.ah, recte Boruch, beide Juden seien und Rumänien vernichten wollen. -Die Studenten .hätten darum an den .Juden Rache genommen. Schweiz. Jsraelikifche Religionsgesellschaft in Basel. Basel, 3. Jan. Sonntag den 25. Dezember fand hier die diesjährige Generalversammlung des Vereins „Schomre Schabbos" statt. In der zahlreich besuchten Versammlung wurden die Statuten sestgelegt und genehmigt. Der. Verein führt in Zukunst den Namen „Israelitische Religionsgesellsch ast", und hat sich in der kurzen Zeit seines Bestehens dermaßen entwickelt, daß sich die bisherigen Räumlichkeiten schon als zu klein erwiesen haben, so daß man eifrig auf der Suche nach einem größeren Lokale ist. Die Mitgliederzahk ist ständig im Wachsen begriffen, da der traditionell geführte Gottesdienst anziehend auf weitere Kreise. wirkt. — Möge Gottes Segen auch fernerhin auf diesem zukunftoerhe'.ßenden Werke ruhen. Lr«iikreieh. Lin Protest der Alliance Israelite. Paris, 26. Dez. Die Leitung der „Älliance Jsraeli.'e Universelle" hat an den rumänischen Gesandten in Paris, Herrn Drama n dy, ein Schreiben gerichtet, in dem er gebeten wird, die Besorgnisse der Judenheit in allen Ländern aufs Neue seiner Regierung zu übermitteln. Die Rumänen jüdischer Konzession müssen die Sicherheit erlangen, daß ihr Leben und ihr Eigentum unter den Schutz und die Verantwortung der Negierung und der Behörden ihres Landes gestellt sind. Die rumänischen Vorgänge und der Kongreß der Vereinigten Staaten. - ’■ Washington, 18. Dez. Das jüdische Mitglied des Kongresses der Vereinigten Staaten, William I. Siroviich, hat im Repräsentantenhaus eine Resolution eingebracht, in der Präsident Coolidge aufgefordert wird,.für den Fall einer Fortdauer der Judenverfolgungen in Rumänien die Beziehungen zu der ru m 8 Nische n R e g i e r u n g. a b z u b r« ch e n. ValSftiiM. Das Inkrafttreten des Gemeindegesehen — Zehntausend orthodoxe Juden an der kauth^eh Ataarow». \ Jerusalem,"2, Jan. (Telegr.) Das Gemeindegeseh ist nunmehr' iusder am 1. Jfcmtat erschienenen Nummer der Osficial "EMtte ve-W^rtlicht worden Es enthält die von Agudäs. JisroelF^rchgefetzten Verbesserungen, insbesondere'die MöglichWlselbstständiger Kongregationenblldüng, versagt'aber, wie seit lastgem .bekannt diesen Kongregationen, also auch der Orthodoxie, die ihr zustehende öffentlich-rechtliche Anerkennung. f.Tv' :