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Der Israelit · 1928-01-05 · Heft 1 (5.1.1928) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 1 (5.1.1928)
Date
1928-01-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 1 Der 3 srael.it „ 5. Januar 1928 Kenntnis der „Quellen" gehört*). Noch gestatten wir uns hierorts auszusprechen, wie das „Hinauswachsen über Hirsch" oft nicht bloß „auf einer Ueberschätzung der eigenen geistigen Formkraft gegenüber dem religiösen Lehrstoff" beruht, sondern auf einer optischen Täuschung! Seit fast einem Jahrhunderte schon dringen Lichtstrahlen in größerem und kleinerem Maße aus der sogen. Hirschideologie auf verschiedensten Wegen und Umwegen, in weiteste jüdische Kreise hinein, so daß nach „geistiger" Erfassung des Judentums Strebende bewußt und Unbewußt, im geringeren oder größeren Umfange von Hirsch'schen Ideen beeinflußt" werden, und dann glauben solche' suchenden Seelen den in ihnen aufblitzenden Gedanken dem eigenen Genius verdanken zu können, während derselbe in Wirklichkeit einer bereits vergessenen Hirsch-Lektüre entstammt oder aber auf irgend einem anderen Umwege **) aus Hirfchs Schrifttum in den eigenen Gedankenkreis gelangte. Aber auch noch aus einem mehr subjektiv i st i s ch eingestellten Grunde reden wir das . Wort für eine intensive Hirschlektüre auch seitens der „an den Quellen Gesättigten". Glaubt man denn tatsächlich, daß nur „die jungen Leute auf den. höheren Schulen usw." einer'„Vorbeugung", evtl, einer „Entgiftung", oder sagen wir einfach gut altjüdisch desviip'OXv ntznnip n» sm bedürfen, während die „an den Quellen gesättigte Jugend m den Jeschiboth usw." . vor all den giftigen Miasmen der „modernen Wissenschaft und Kathederweisheit" wohlgefeit sind?! O, da lehrt eine hundertfältige Erfahrung das Gegenteil hiervon! Sie lehrt uns,, wie Jünglinge, die von der frühesten Kindheit Tage her a u s s ch l i e ß l i ch „an den Quellen" saßen und daraus schöpften, bei ihrer ersten Berührung mit der außerjüdischen Kultur ihrer Umgebung, die nun einmal unter den in den kultivierten Ländern obwaltenden Umständen schwerlich ganz zu vermeiden ist, ihr geistiges Gleichgewicht verloren haben und in die Irre gegangen, noch gut, wenn sie nicht zu erklärten Feindey des traditionellen Judentums geworden sind! Sie haben eben das Wesen und den Geist des traditionellen Judentums nicht begriffen, nicht begreifen können, weil sie eben keinen Führer und Leiter hatten, der ihnen den großen „Sinn" des Judentums in einer befriedigenden Weise gedeutet hätte, daher vertauschten sie in arger Selbsttäuschung dienpV' nb'np nsniö *) Nebenbei sei wenigstens hierorts darauf aufmerksam gemacht, daß man in methodischer Beziehung auch rein halachisch-wissenschaftlich manche Bereicherung aus Hirfchs Schriften gewinnen kann, wie ich mich hierüber bereits in Nr. 23, S., Not« 11, Jahrg. 1925 dieses Blattes ausführlicher geäußert habe. **) S. auch eine ähnliche Aeußerung in M. Hirsch, S. R. Hirsch und die isr. Religionsgef., S. 11Ö u. ,f. seren Bildern in. unserer Illustrierten Meilage in Nr. 51 schreibt uns Herr S. Schenkp< lewski, Hamburg: Laut jnm Kap. 24, Vers Ä; und wie mir auch bei meinem Aufenthaltiiftr '»rr gezeigt wurde, liegt Joseph in begraben. Zur Eiche am Grabe jtk an der Höhle Machpela: Hier? zu möchte ich bemerken, daß die Eiche mindestens eine Stunde von der r&s3»n msro entfernt ist. Dieser Baum, bM genannt, soll der Baum sein unter dem die DONVö empfangen hat. mit den ihnen dargebotenen Kulturgütern der Gegenwart! Der Benjamin der 19 Briefe it. mit Nichten eine bereits verschwundene Gestalt, sie wiederholt sich hundertfach, ja tausendfach auch unter den „an den Quellen gesättigten Jüngern", die wohl über Kenntnisse im Halachischen verfügen, aber keine Ahnung von dem großen „ S i'itn e " , der in diesem Halachischen zur Aeußerung gelangt, besitzen, und führerlos, daher ratlos dastehen, wenn sie in die Nähe des Kulturstromes der modernen Zeit geraten. Sollen denn all diese Benjamins nicht ihren Naftali finden dürfen?! Oder aber glaube man denn, daß solche „an den Quellen gesättigte" Jünger nicht zu den „denkenden" Jünglingen und Jungfrauen Jisroels" zu zählen sind, an die sich der Meister wandte? Dann täuscht man sich gar gewaltig! Denn eben solche „an den Quellen gesättigte" Jünger sind die „ D e n k e n - d e n " , im eminentesten Sinne des Wortes. Und eben in den besten unter ihnen erwacht früher oder später ganz gewiß die g r o ß e Frage: Was ist das Judentum? Was hat es mir zu bedeuten? Und was soll ich dem Judentums? Und Heil ihnen dann, wenn sie ihren Naftali finden! Wo aber nicht, so werden sie zu den Geigers und Holdheims, wenn nicht zu noch Schlimmerem gehen. Ja, auch für jene „an den Quellen gesättigte Jugend" kann ich nur die Beherzigung jener glühenden Worte empfehlen, wie sie nur aus einem tiefen inneren Erlebnisse hervorquillen konnten: „O daß in diesen Tagen, die dem Gedenken unseres Führers geweiht sind, der Funke zünde t e i n t au s e n d e n von Herzen, der Funke, der auch jetzt noch glüht in. seinen Worten, der Funke, der entstammtdemFeuerunseres Gesetzes! Daß der Entschluß in ihnen reifte: Wir wollen lernen, Gott zu fürchten, wir wollen Tag für Tag, und wäre es auch nur kurze Zeit, den Worten jenes Mann es lauschen, der uns mit Mut und Kraft erfüllt, das Höchste zu vollbringen im Dienste Gottes. Gewiß, wenn ihr nur zu ihm kommt, er läßt euch nicht, erhätt'euchdenngesegnet!"*) Korrespondenzen « ßacbricbten V«i»tfche» Reichskonferenz des jüdischen Lehrerverbandes. . iJ'.J t -n Mü liH e n, '^28. Dez. ' Im- Festsaale des ' „Bayerischen Aoses" wurde der näujite Herbandstag des Re ich s ae.r band es j ü - d if cher',Lehrerv er ein e feierlich' eröffnet. Oberlehrer D i n g f e l d e r - München begrüßte die Tagung namens der Bayerischen Israelitischen Lehreroereme sowie durch Eintreten für die Ideale der Heimat, des Glaubens und der Menschheit. Das Referat des Hauptlehrers Dr. I. Bamberger- Nürnberg gipfelte in den folgenden Leitsätzen: 1. Die jüdische Schule erzieht Mische Menschen aus Grund der jüdischen Seele. 2. Sie p'Iegt den sozialen Gedanken im Sinne des.jüdischen Schrifttums. .3. Sie vermittelt positive lebendige Kenntnisse jüdischen Inhalts und 'Erlebens. 4. Die . jüdische Schule pflegt eine harmonische Verbindung von Judentum und Deutschtum.; Der. zweite Derbandstag brachte die Referate Neuhaus-Fritzlar und R ü lf - Detmold über das Thema: „Die Jugeydbewegung und die jüdische Lehrerschaft". Es wurde beschlossen, eine Zentralhilfskasse zu gründen in Anlehnung an die bestehende Achawa, Frankfurt a. M. Es wurde ferner die Einsetzung einer Jugendschristen- und pädagogisch-wissenschaftlichen Kommission beschlossen. Weitere Angelegenheiten wurden dem Ausschuß zur Behandlung übergeben. Im Rahmen der Reichsverbandstagung hielten noch den „Verein israelitischer Lehrer Bayerns" sowie der „Verband der jüdischen Lehrervereine Preußens" ihre Tagungen ab. Eine Mainzer Tagung des Verrvattungsrakes der Hebräischen Universität. / . Mainz, 31. Pez. Die fünfte Sitzung desVerwaltungsrates des Judaistischen Instituts der Universität. Jerusalem fand am 27. und 28. Dezember in Mainz statt. Es waren u. a. zugegen die Herren Oberrabbiner Dr. Hertz, der Vorsitzende des Verwaltungsrates Prof. Dr. A. Büchler, London, Oberrabbiner Dr. I. L e v i, Paris, Prof. Dr. A. Fr ermann, Frankfurt und Dr. I. L. Magst es. Nach begrüßenden Ansprachen, trat der Verwaltungsrat in eine längere Debatte über die Frage des Verhältnisses von Lehre und Forschung am Institut ein. Es wurde beschlossen, unter Beibehaltung des spezifischen Forschungscharakters des Instituts, der durch interne Arbeitsteilungen gesichert werden soll, in den wichtigeren Fächern, .die bereits am Forschungsinstitut vertreten sind, die. Abhaltung von llniversitätskursen („undergraduate courses") in einer besonderen, vom Forschungsinstitut getrennten Abteilung zu organisieren. Zweck dieser Kurse ist, einem weiteren Kreise von Studenten dick Möglichkeit zu geben, sich wissenschaftliche Kenntnisse in dem am Forschungsinstitut gelehrten-Fächern zu erwerben und Studierende zum Eintritt in das Forschungsinstitut vorzubereiten. Zwecks weiteren Ausbaus des Forschungsinstituts wurde beschlossen, Neüernennungen für die folgenden Fächer vorzunehmen: Geschichte der Juden Westeuropas im Mittelalter, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Juden in Europa, Halacha, Bibeleregese, Geschichte der^ Juden im griechisch-römischen Zeitalter. Jüdische Philosophie des Mittelalters. ' 1 . Hinsichtlich der angeregten Errichtung eines Lehrtuhls für die jiddische Sprache und L i t e r a - tur drückte,der Verwaltungsrat seine .Auffassung dahin aus, .daß die wissenschaftliche Erforschung aller, Sprachen und Dialekte, die von Juden gesprochen und. geschrieben werden, für ein umfassendes Studium des „ Judentums und des jüdischen Volkes wesentlich ist: Der Verwaltungsrat begrüßte daher den Vorschlag der .Schaffung, eines Katheders für Jiddisch,, sprach sich aber für ein vorsichtiges, die friedliche Entwicklung des Instituts nicht beeinträchtigendes Vorgehen bei der Verwirklichung dieses Planes aus. (Erforschung alter Synagogen in Galiläas Aus Jerusalem wird milgeteilt: Bei den Ausgrabungen, dfie jetzt im Aufträge der hebräischen Universität in Jerusalem zur Erforschung der alten Synagogen in Galiläa unternommen werben, wurde in einer der alten Synagogen bei Sased ein Tragebalkenstein entdeckt, in dem die Bilder der Planelenscheibe eingraviert sind. D.er Stein stammt aus dem zweiten Jahrhundert nach der Zerstörung des zweiten Tempels. ■ Die Abbildungen der Planeten, vre in alten Zeiten m den Synagogen in der Diaspora, wie .-auch in den Gebetbüchern anläßlich der Gebete v:,a" %au und Regen oft benützt wurden, sind :>en Ptanetenbild.-rn auf diesem Steine ähnlich. In den Ruinen einer anderen. Synagoge neben dem Beth-Netufa- Tal, unweit von Sedgerah, wurde auch eine hebräische Inschrift, die augenscheinlich' aus dem 5. Jahrhundert stanimt, aufgefunden. Die Inschrift enthält Schilderungen über Mäzene, die geholfen haben, die Synagoge , zu errichten. Nach den Ramen istanzunehmenjf daß sie Priesterfamilien gehörten, die sich nach der Zerstörung des Tempels, wie auch alte talmudische Tradition berichtet. in jener Gegend niedergelassen haben. der. Münchener Bezirkskonferenz. Ideelle Fragen werden den' Tagung das Gepräge geben, Wirtschaftsfragen bleiben den Landesverbänden Vorbehalten. Die ideellen Fragen seren: 1. Sein oder Nichtsein der jüdischen Schule; 2. des Lehrerstandes; 3. des gesamten Judentums. Es folgten weitere Begrüßungen von Seiten der Gemeinde, Müuchetz' und vieler Korporationen und Organisationen. . Dex; erste Verhandlungstag am Dienstag den 27. De^embex, wurde ausgefüllt mit Referaten von Oberstudiendirektor Dr. D r i e s e n - Frankfurt a. M. und Happtlehrer Dr. Bamberger - MMberg über „Die jüdische Schule, in ihrer' Bedeutung -für das gesamte jüdische Leben in Deutschland". Ersterer sieht die Aufgabe der jüdischen Schule darin, die Unwahrheit der Formel von der Minderwertigkeit der Juden zu beweisen *) I. Wohlgemuth, S. R. Hirsch als Erzieher, Schlußworte. Jtolctt. Große Konferenz von Lhafsidim-Räbbis unorthodoxen Rabbinern. L e m b e r g, 29, Dez. In Lemb-erg tagt gegenwärtig eine große Konferenz von orthodoxen Rabbinern Galiziens, der mehrere weltbekannte Chafsidimrabbis beiwohnen. Dem Beizer Rebbe wurde bei feiner Ankunft vom feinen Anhängern und von den staatlichen und städtischen Behörden ein über» aüs glänzender Empfang bereitet. Als der Zug eintraf, verließ der Rabbi als erster fein Kupee, während.'alle anderen Waggons abgeschlossen waren. Der Rabbi wurde von einer Abordnung angesehener Chaffidim Ustd hohen Beamten in den Empsangsfalon d'es Bahnhofs geleitet. Dort wurde er von Vertretern der Lemberger jüdischen Gemeinde und der verschiedenen jüdischen Or»

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