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Der Israelit · 1928-01-05 · Heft 1 (5.1.1928) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 1 (5.1.1928)
Date
1928-01-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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De r I s r a e l i t Nr. 1 Sein 3 5 Januar 1W8 .."ji-v.' J... — . : ■' ... , ' — —— Man.wird ganz ebensolche Proportionen finden zwischen -dem Augapfel und dem Brustkorb, dem Hirn und den VeinLn. Und wir werden außerdem dabei an das Wort' des Talmuds erinnert, das die F a f s u n g s k r a f t, die. A u f n a hrnef ä h i g k e i t des heiligen Landes der elastischen Haut eines Hirsches vergleicht und die Bezeichnung .Palästinas als ■»•as nbm aus dieser wun- ^derbärer';.Eigenart herleitet. Das Wienersche Buch enthält überdies eine- Reihe von Einzelheiten, die jeder an dem Schick- Erez Jisroels Interessierte wissen und merken sollte: so ist z. B. die Schilderung des Lebens der Kwüzoth, obgleich dem Kenner nicht viel Neues bringendfür weitere Meise äußerst lehrreich. - Es heißt da u. a.:. „Eine Eheschließung im religiösen Sinne oder - nach staatsbürgerlicher Vorschrift, die in Palästina - übrigens nicht besteht, kennt man im allgemeMen (d. h. in den Arbeiter- Kwuzoth) nicht. Man findet sich zusammen. Werden Kinder geboren, so müssen diese von den «Eltern den Kinderpflegerinnen ausgehändigt werden . . ." Glaubt man nicht das Grollen des Donnerwortes 3. B. M. 18. 24, 25 zu hören? Der Rest ist 'Schweigen. Nützlich" sind auch die Anhänge des.Buches, die authentische Dokumente betreffend Keren Hajßffob, Keren Kajemeth, Agency, ValfourMrklärung und' wertvolles statistisches Material bei- Lringen. Nachwehen und Nachwirkungen. Die Vorgänge in N e u r u m ä n i e n haben die jüdische Welt erschüttert, haben auch ein Echo in der gesamten zivilisierten Welt gefunden, das europäische Gewissen ein wenig aufgerüttelt: völlig erwachen wird dieses wohl erst am Ende d e r T a g e, von. denen die Propheten m Visionen und im Glauben an die Menschheit und ihre letzten Ziele sprechen. Die Berichte aus Bukarest, Klaüsenburg und Großwardein über die Ahndungen der schweren Verbrechen widersprechen sich so sehr, daß es unmöglich ist, ein klares Bild über den guten oder bösen Willen der rumänischen Regierung zu . gewinnen. Auf der einen Seite wird mitgeteilt, Laß da und dort Studenten, bei denen Raubgut und heilige Requisiten aus Synagogen gefunden wurden, mit schweren Gefängnisstrafen belegt wurden und alle Studierenden, denen eine Beteiligung an den Pogromen nachgewiesen ist, entweder ganz oder für eine Reihe von Jahren vom weiteren Studium an rumänischen Universitäten ausgeschlossen sind. Andere Meldungen wiederum besagendaß vielfach Hetzer und Mittäter mit lächerlich geringen Strafen davonkamen, daß ganze Scharen, die bereits verurteilt waren, auf spezielle' Verordnung des Innenministers, wieder auf f r e i e n F u ß gesetzt wurden. Was ist wahr an all dem, und was ist Phantasiegebilde, geboren aus der Panik und dem Mißtrauen, aus der Angst und gereizten Stimmung auf'^ beiden Seiten? Es wird wohl noch eine geraume Zeit verstreiche^/, bis Klarheit darüber herrscht, ob die .Maßnahmen der Regierung, ausreichen, eine Wiederholung der Ereignisse zu verhindern und Ruhe für die Zukunft zu garantieren. Bis dahin möchten wir aber auch vor übereilten Maßnahmen des Auslandes, soweit sie von Juden angeregt oder beeinflußt sind, warnen. Mcm erweist damit den rumänischen Juden einen schlechten Dienst, und sie haben selber den Wunsch geäußert, daß, so lange ihnen selbst nicht alle gesetzlichen Möglichkeiten genommen sind, für ihre Rechte und ihre Sicherheit einzustehen, die Interventionen von außen mit mehr Vorsicht und Takt vor sich gehen mögen. In europäischen Universitätsstädten, in Jerusalem und Tel-Awiw und insbesondere auch in Amerika werden Demonstrationen und Protestversammlungen abgehalten. Im A m e r i k a n> is ch e n K o n g r e ß ist sogar ein Antrag auf Kündigung der Kredite an Rumänien und Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu diefem Lande eingebracht worden. Gehen diese Kundgebungen einer sich durch die Vorgänge geschändet fühlenden Menschheit von n i ch t j ü d i s ch e r Seite aus, so wollen wir sie als eine Regung und Reaktion des europäischen und amerikanischen Gewissens auf eine Kulturschande, die das ganze Jahrhundert trifft, von Herzen begrüßen. Wo aber j ü d i s ch e Instanzen gar zu deutlich und erkennbar im Vordergründe solcher Aktionen stehen, da leiten sie Wasser auf die Mühle , der E u z i si e n , liefern sie den Hetzern, die in ihrer Verlogenheit Ursache und Wirkung miteinander verquicken, die „Beweise" für eine international rumänenfeindliche jüdische Solidarität, somit das Material, das diese Herren zur Rechtfertigung ihrer blutigen Arbeit so dringend nötig haben. So bildet sich Stoff zur Neuen Legendenbildung, und nicht alle Lügen können klar und wirksam, dem letzten Mann in der letzten Hütte einleuchtend, widerlegt werden. . Warten wir daher noch ab, was die jüdischen und sonst rechtdenkenden Männer in der Bukarester Volksvertretung und bei der rumänischen- Regierung mit ihren Protesten, die gar n i ch t scharf und entschieden genug fein k ö n n e n, ausrichten.. Warten wir, bis alle Maßnahmen der Regierung getroffen und ob und wie sie durchgeführt ftn-d. Warten wir, bis alle Gerichte gesprochen haben. Dann erst wird es sich zeigen, ob Interventionen des Auslandes auch von jüdischer Seite, ohne Schaden für die, denen wir helfen wollen, angeregt werden dürfen. % Ueber den geistigen ' Nachlaß S. R. Hirschs rxr* Von Rabbiner Ph. Fischer in Sarospatat, Ungarn. (Schluß.) Auf Grund all unserer bisherigen Ausführungen können wir uns selbstverständlich auch mit de^ Meinung nicht einverstanden erklären, wonach die Notwendigkeit eines intensiven Studiums der Hirsch'fchen Schriften und Werke hauptsächlich nur für „junge Leute auf den höheren Schulen, auch in den Studentenverbindungen" als „Vorbeugung" oder „Entgiftungs"-Mitt?l gegenüber den« Anstürmen der „modernen Wissenschaft und Kathederweisheit", und dann noch für solche Kreise, denen „die letzten Quellen nicht erreichbar sind", zu gelten hat. Wir halten ein intensives Sichbefassen mit Hirsch auch seitens der „an den Quellen Gesättigten" für durchaus notwendig. llnser Wahlspruch lautet: mn m» dm qrnns„ Besser ists, daß du eines f e sitz ä l t st u n d vom anderen deine Hand nicht lassest. Wir vertreten diesen Standpunkt aus einem d o p p e l t e n Grunde. Und zwar ist der erste Grund ein rein objektiver. I m S i n n e d e s M e i st e r s n ä m l i ch m u ß d e r K e n n tnis des halachischen -Stoffes das Nachdenken über dessen „geistigen Inhalt" b e i g e s e l l t werden. Der Vermittler solcher „geistigen" Erkenntnis des Judentums im traditionellen Sinn? des Wortes ist aber in bisher unübertroffener Weise : das Hirfch'fche Schrifttum! (Denn von einem Beschreiten der kabbalistischen Richtung in der „geistigen Erfassung" des Judentums kann doch in den vom Vf. der „Hirsch-Lektüre" vertretenen Kreisen ganz gewiß nicht die Rede sein.) Auch sei hier bemerkt, daß wie nach unserer Anschauung die volle Erfassung des geistigen« Inhaltes der Halachäh, wie dieselbe in dem Hirsch'- schen Gedankenbau zum Ausdrucke gelangt, eben die Ergänzung und Krönung unserer Halachah- Kentttnisse bildet, so auch zur vollen, restlosen Erfassung und geistigen EiNlebung in den Hirsch'fchen Gedankenbau auch eine gründliche waltet ja fort auf Erden, er hat sich sein Leben gesichert, hier und dort, für alle Zeiten! — "’N"' Das hatten alle großen Männer unserer Vergangen-, Heit, das. hatten unsere c>'rr'2> das hatten unsere D-wn, im Auge — dafür lebten und — starben sie — das uneigennützigste, rastloseste, kosmopolitischste Streben für einen ebenso uneigennützigen und doch schönen, heiligen .'Lohn — den herrlichsten und erhabensten für — den :ho.chstrebenden Menschen! Ob es auch uns vergönnt ist, ob wir Anderen alle, öb jeder Mensch dieses hohen Lohnes teilhaftig werden kann? — Ein Jeder, der zu Jenen zählen will — uw* mV 121 Disa 'P2? Ivij? Dipbn bip’■>ai 't Ina nVy’ - in»b»V *atw kVi i»sj kwV km kV Kleines Feuilleton. „Haneemon". Ein unscheinbares blaues Heft. Für den dem füdischen Geiste Entfremdeten — belanglos, sinnlos. Und für den. des Hebräischen Unkundigen ein paar nichtssagende Seiten , bedeckt , mit leeren , toten Worten. Nur derjenige, der diese neuerschienene Zeitschrift liest, w ie sie gelesen werden will, nstt. regem Verständnis für das Ringen einer thoratrduen Jugend um den tiefen Ernst des Judentums, nur' der wird bei der Lektüre dieses Journals eine aufrichtige Hochachtung empfinden vor der stillen^ Giötze einer litauischen Jugend, ihrem Optimismus, ihrer Begeisterungsfähigkeit und ihrem Mären Wissen um Geist und Sinn göttlicher Lehren mm die „Seele des Gesetzes". Der Leitartikel ist betitelt: //t»k Vsnty’ DP", ..Wo bist du. jüdisches Volk' , . . .?!", und dieser lange Ruf klingt aus all den 16 Seiten des |awn» der Sehnsuchtsschrei nach dem jüdischen Bruder, der mithilft, aufzubauen, wo frevelhafte Hände eingriffen, aufzuklären, wo kalte Verständnislosigkeit sich jedem positiven nnin-Streben hindernd in den Weg stellt. Es folgt eine trefflich gelungene Uebersetzung eines Kapitels aus Birnbaums . Im Dienste der Verheißung", sowie ein aus der Feder eines deutschen Esräers stammender Artikel über „Jugendbewegung in .Ost und West", der in warmer herzlicher Weife zum. Zusammenschluß der Jugend aufrust. Einem offenen Begrüßungssch reiben des Rabbiners I. Hirschowitz (Wtrballen) folgt eine tiefgründige Abhandlung über „Thauro und Leben" aus der Feder des Sidikaer Raw (Rabb. A S. Heller), der in einem klassischen hebräischen Gewände Gedanken entwickelt über die toramäßige Bewertung des Lebensgenusses und der Lebensfreuden, Gedanken, in einer Maffaratmospbäre geboren, die uns deutschen Juden noch bis auf den heutigen Tag größtenteils fremd und unvorstellbar geb!teben7ist. ' ' - «8 Ferner ist hervorzuheöen°e?n tangerer pädagogischer Aussatz von Ben-Leni über das Thema „D ä t er u üd Söhn e'. dessen wissenschaftlicher Styl doch nicht ein jugendfrisches Fühlen verbergen kann, außerdem zwei Plaudereien über das Telscher -„Iawne"-Seminarund Mädchengymnasium, kleinere Aufsätze über die Juaenharbeit in Litauen, Gedichte, NächrichtE Den Abschluß bildet ein Nachruf auf den Kölner Raw, Rabbiner Dr. E. Earlebach Der „Haneemon" wird sich ohne Zweifel bald ehrliche und verständnisvolle Freunde erwerben, und sich zu einem Aussprache-Organ entwickeln für all die „Getreuen", die von Verantwortungsgefühl beseelt sind gegenüber der jüdischen Jugend, gegenüber der. jüdischen Zukunft. Möge es dem vergönnt sein, das hohe Ziel zu erreichen, das er sich gesteckt hat: 'nh D’iösan Va ns "n^snsi N'N nnm mn nmaan^» o«nm nmna. , S. S—b. nmnon '"p vnj?» sin-i' qvsan (* .(n"s-m i^va) ."^snv 'W*" (Kyrende Aörderuug eines jüdischen Wissen sch aftlers.) Der preußische Minister für Wissenschast, Kunst und Volksbildung im Einvernehmen mit dem Reichs- Minister für die besetzten Gebiete hat dem Obecrabbiner von Trier, Dr. Adolf Alt mann, für seine „wissenschaftlich rn Bestrekungeu und Arbeiten zur Erforschung und Abfassung einer Geschichte der Juden in Stadt und Land Trier" als Beihilfe eine anerkennende Förderung angedeihen lasten. . Oberrabbiner Dr. Altmann hat sich m der wiffenschastlichen Wett durch seine historischen und kulturhistorischen Arbeiten, besonders durch feine zweibändige „Geschichte der Juden in Stadt und Land. Salzburg" - die zu einer anerkannten Quellenschrift bester Art geworden ist — einen Namen gemacht. Eine umfassende, auf gründlicher archioaltscher Forschung beruhende jüdische Geschichte des zu den ältesten. Siedlunqsstätten der Juden in Deutschland gehörenden Trierer Gebieter wird gewiß allseits sehr begrüßt werden.

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