Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1928)
- Date
- 1928-01-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 1 Der I s. r a e l i t ' verbunden fühlen, sollten einsehen,/dah der § 4 keine religiöse Disqualifizierung bedeutet, weil er ja in Landesorganisationen und Ortsgruppen die völlige. Gleichberechtigung aller individuell Gesetzestreuen anerkennt. Sie sollten ferner gerecht genug sein, um zuzugeben, daß die Gemeindeorthodoxie die Grenzen ihrer legitimen Selbstbehauptung überschreitet, wenn sie — in Form der Wählbarkeit in gemeinsame Organe— Anerkennung für ihre halachische Anschauung auch von solchen Ländern beansprucht, die nun einmal kraft des fast e i n st i m m i gen Votums ihrer min ■’Vru diese halachische Anschauung als objektiv unrichtig und praktisch gefährlich verwerfen. Diese Länder haben ihrerseits ein anerkennenswertes Maß von brüderlicher Duldsamkeit gezeigt, indem sie dem § 4 in seiner jetzigen Fassung zustimmten und damit die Autonomie anderer Landesorganisationen gebührend respektierten. Im stärksten stimmungsmäßigen Gegensatz zu diesen außen- und innenpolitischen Kampfstücken standen die E r z i e h u n g s f r a g e n, die der Zentralratstagung ihren Inhalt gaben. Sie erzeugten Freude, Hoffnung, Furcht» Resignation und neues frohes Hoffen, wenn der palästinensische Vertreter ein- Bild des Chinuch auf dem Boden Erez Jsroels entrollte, wenn Dr. Moses Auerbach sein starkes, reines pädagogisches Wollen, in unverblümter Ehrlichkeit auch im Gegensatz zu manchem Seienden/ zum Ausdruck brachte, wenn der Keren h a t h o r a -- Bericht die wie ein heiliges Epos klingende Kunde von dem Aufstieg der Bais Jaakauw-Bewegung in schlichter Einfachheit erzählte. Aber sie gewannen erst vertieften Sinn durch die von der Frankfurter'Jugendtagung kommenden Berichte. Es will uns scheinen, daß in Frankfurt — dem Prinzipe nach wenigstens — die dringend notwendige Synthese zwischen politisch-organisatorischer und individuell-ethischer Seelenhaltung gelungen ist. Leider fehlte die Zeit, um den Zentralrat, dessen Mitglieder diesen Dingen teilweise ohne ausreichende Kenntnis gegenüberstehen, mit der nötigen Gründlichkeit über die geistigen Kämpfe innerhalb der Jugend zu unterrichten. So kam es, daß Dr. Nathan Birnbaums prachtvoll-wahrhaftiges Aul i m - R e f e r a t nicht genügend verstanden und nicht als geradezu providentielles Fazit eines jahrelangen Ringens in der orthodoxen Jugend gewürdigt wurde. Man stieß sich von allen Seiten an der Aeußerlichkeit des außerjüdischen Wortes „Orden", witterte die Gefahr der „Sektenbildung" und sah nicht, daß es sich im Grunde nur um ein Sonderinstrument für S e l b st e r z i e h u n g s a r b e i t handelt, so wie es der K e r e n h a t h o r a für den E h i - n u ch und die P a l äst i n a - Zentrale für E r e z I s r o e l ist. Dem Osten gefiel das ä st h e tische Element im Exziehungsprogramm nicht, während er in manchem anderen Programmpunkt Selbstverständlichkeiten oder gar westliche Nachahmungen chassidifcher Ursitten erblickte. Das alles — es sind lauter unwesentliche Bedenken — darf unsres Erachtens, die Agudaleitung nicht hindern, im Sinne der angenommenen Resolution, mit Ernst und Energie an den Birnbaum'- schen Plan heranzugehn und seine Verwirklichung auf dem Boden der agudistischen Organisation zu fördern. Wir glauben, daß dabei die eine Hälfte des „Aulim"-Programms im wesentlichen der Ä u g e n d, der andere, Teil (Berländllchung und Kneßes Israel) der. G e s a m t o r g a n i s at i o n zufallen wird. Beide, werden aus diesem. Zuwachs an Aufgaben neue. Kräfte saugen und dadurch auch neue Mensche n heranziehen» die schließlich das wertvollste Gut einer das jüdische Volk umspannenden Organisation sind: * * * Die Kenessia g edaulo gilt es nunmehr vorzubereiten. Sie kann ein Markstein werden, auf dem. Wege zur Heiligung des Gottesnamens im jüdischen Volke und unter den Nationen der Erde —; sie kann, Gott behüte, auch schwere Per/ antwortung auf das Haupt derer häufen, die so kühn waren, ihre vielleicht allzuschwachen Kräfte in den Dienst dieses Werkes der Heiligung zu. stellen. Möchte in den weitesten Kreisen das bange Gewicht dieses „Entweder-Oder" gefühlt werden; mö^en sich Männer finden, die ihr g e ist i g e s, ihr moralisches, ihr f i n a nz i e l l e s Können'"ihren Brüdern helfend entgegenbringen und das Arewus betätigen, das alle jüdischen Einzeln en zum tpatf av -amp verpflichtet. Wochenrundschau. Palästina-Kritik. Der Generalsekretär des Centralvereins, Dr. Alfred Wiener, hat soeben unter dem Titel „Kritische Reise durch Palästina" einen Bericht über die im April 1926 von ihm unternommene Palästinareise veröffentlicht (Ber- Die Propheten. Von Joseph Wohlfarlh *) (Schluß.) Das erste Erfordernis zu einem Propheten nach jüdischem Begriffe ist Weisheit, Weltkenntnis, Menschenkenntnis, Emblrck in alle Schichten der Gesellschaft, Einblick in die Geschichte der Menschheit, Einblick in die Gesetze der Natur, gesundes Urteil, ausgebildeter Verstand! Und. das zweite ist Kraft, Stärke, und, wie unsere. Weisen 'hinzufügen, „hohe Gestalt". Nach außerjüdischem Begriffe ist es das Kränkliche, das gebrechliche Alter, das Schwache, welches bei Gott den Vorrang hat. „Je ferner dem Irdischen, desto näher dem Himmlischen". *) Im ersten Artikel ist durch Versehen des Setzers auf der dritten Spalte eine Zeile ausgelassen waren, was sinnenifteN ns wirkte. Es mutz von der zwölften Zeile der dritten Spalte an richtig heißen: „Es macht darum ein und dieselbe Erscheinung einen ganz anderen Eindruck .auf den einen als auf den anderen Menschen; einzelne Details, an der Erscheinung, die den einen Menschen fesseln, lassen den anderen, je nach . Charakter oder Gewohnhe-'t, gNichgültig, und ebenso umgekehrt." Der jüdische Gottesprophet muß ganz Mann fein, er, der Leiter und Führer des Geistes seines Volkes fein soll, muß auch als solcher imponieren, muß ein Ideal sein an Geist und Körper, — und muß reich sein, nicht nur in dem Sinne 3-«?», daß er pVns sondern gesegnet auch an äußeren Glücksgütern, unabhängig dastehend'inmitten seines Volkes, und mit dieser seiner hohen Stellung dem göttlichen Rufe folgend. Und endlich v»! — Nicht nur bescheiden, isy heißt viel mehr. „Ueber 3©np, über den Standpunkt des völlig kampflosen Bereitseins zur Erfüllung aller göttlichen Gesetze und Anordnungen, also über diesen Standpunkt höchster sittlicher Freiheit, über .mvo-, über die selbstlose Menschenliebe hinaus — kämmt der Mensch erst zur nw» lehrt das Wort der Weifen. Denn r-my ist das völlige Aufgehen in das Streben für seine Mitgeschöpfe in erster Linie, ist der 'i rsn '2?» v.vn P&3, und endlich — als Krone die Eigenschaft, keine Ahnung zu haben von dem hohen Standpunkt, den man inne hat! — Dies letztere Erfordernis zur 38->->3-Befähigung bringt einen ferneren Umstand ans Tageslicht: Man hat zu allen Zeiten von einer geläuterten Ansicht, von einem geistigen'Fortschritte gefaselt, den die späteren Propheten vor „dem ersten Gesetzgeber Moses" vorausgehabt. Für uns ist das Gegenteil schon erwiesen — aber wir hören es anderweitig noch ausdrücklich bekräftigt nnp» -,23 na VinV '8D3 8'333 -ps r' Von dem Augenblick der N3in pn hat kein am das Recht, etwas daran zu neuern, zu reformieren — ein k’33, der dies in Gottes Namen tun würde, erweist sich damit ohne weiteres als 3pv K'23 — denn D,»VyV irn *v>öi kVi '83 epVn* kV: Es war vielmehr eigentlichster Zweck der ganzen. 380131 PV32 81v 'V3 3'V8V81 3'313V3 V33 33133 ll"j?V : 38123 ,2Viy '8' V3 die Gesetze der n->i3 aufrecht zu erhalten und zur Herrü.Ianuär 1828 lin, Philo-Berlag), der von der zionistischen Presse mit maßlosem Ingrimm ausgenommen und zerfetzt wird. Wiener ist ein schärfer Gegner des politischen Zionismus, in dem er eine. Ge-/ fahr für die bürgerliche Rechtsstellung, ja für die bürgerliche und wirtschaftliche Existenz!, der jüdW scheu Diaspora erblickt, und dessen! Schwächenden darum schonungslos, manchmal — es läßt sich das nicht verkennen — Mit einer gewissen Schadenfreude aufdeckt. Und dennoch ist das BuM weil es auf dem Status vom April 1926 eigentlich bereits überholt. Alle wirtschaftlichen, und kulturellen/Positionen des neuen Palästina sichen heute noch well schlechter als es vor zwei Jahren der Fall war, und die Katastrophe deszionistischen Aufbauwerks ist heute eine so/ un-/ ,bestrittene Tatsache, daß man ..keine , kritischen Bücher mehr zwschreiben braucht,, um zu beweisen, daß, Tel Awiw keine gesicherte Wirtschaft/ liche Grundlage hat» öden gar daß; Gebilötz/ wie die "„TMilMdt Mcmor" oder die chassidischech Siedlungen niemals existenzfähig wären. Heute gilt es umgekehrt, der A b w en d un G von Erez Jisroel, der Me r z w e llstkung-7an dem Wiedererstehen:, gefunden jüdischem Lebenn auf' dem heiligen Boden entgegenzutreten uM die Zuversicht zu wecken, daß das GeschehendeV letzten zehn- Jahre kein sinnloser Seiteüsprung der Weltgeschichte gewesen ist: Der taggeborene zionistische NattoNqlisMus mit seiner AttgleiMng des jüdischen Volksgeistes an die Rationalismen der Völker, mit seinen chauvinistischen Uebertreibungen in der Diaspora und - seinem religionsfeindlichen Radikalismus im Lande der Väter, darf ebensowenig mit der unvergänglichen religiösen Würde des Gotteslandes und mit der unsterblichen'Liebe des jüdischen Volkes zum Boden der Schechina wie mit dem Pflichtgebot der brriv' pH Zurn NIL» identifiziert - oder verwechselt werden. Und grade in dieser Hinsicht ist das Wienersche Buch äußerst lehrreich. Seine klare und überzeugende Argumentation trifft nur den rationalistischen. Zionismus, der dex Welt einreden wollte, das Baseler Programm samt einiger kolonisatorischer und organisatorischer Technik bedeuteten die Lösung der Judenfrage; sie trifft n i ch t d i e h i st o r i s ch e Verbundenheit des Gottesvolkes mit seiner Heimat statte auf Erden. Uns deprimiert es nicht, sondern erhebt es, wenn wir lesen und graphisch versinnlicht vor uns sehen, daß das ganze Palästina im Vergleich mit europäischen Ländern aussieht wie ein kleines schmales Lederriemchen, öder daß der ganze in jüdischem Besitz befindliche Landkomplex nicht größer ist als die Fläche voon Groß-Berlim schüft zu bringen nach Vorschrift, ohne Abänderung, füralle Zeiten, — das jüdische Volk, wo es auf die Irrwegeder anderen Völker geraten war, zum wahren Fortschritte aus den Weg des göttlichen Gesetzes zurückzuführen. Und dieser Grundzug der jüdischen Prophetie macht uns dieselbe nach Jahrtausenden noch so unentbehrlich. Es ist derselbe Wähn, der vor Jahrtausenden das jüdische Volk gefangen hielt, derselbe, der noch heute dieses Volk zerklüftet — und diesen Nebel kann nur e i n; Sonnenstrahl durchdringen und zerstreuen — bas ist die Stimme der Wahrheit, die ewig gleich und unveränderlich heute dasselbe lehrt, wie vckr Jahrtausenden! '31 - "V'BVlp 1'V383 33138" 3'333 '88 33 388 3313' 33 388 ’ Vtf 13133 3"3j?3 ’33V 313 388 8Vs ’D'BVtt? '3V3 312V D38V 32?88' DHP8 PNI' '33 3883 3T3 qVW3 '88 3P18V 333 1388'V P23 '3' öVly 333 ClViys 1'88 3yi8V 333 388'v 1=333 3'üVfl Vd '31' p py8V '23 '88 83’T3 py827 88'3’81 83’yT ]3 PN2' 33 388 ,33,32 31333 1'313SST •'131! 8'3V' '38V 2313 8'3V'8V '313V °;Vl3 31V3 p'3 pNI 7383p Es spricht der königliche Sänger: „Ich möchte unter deinem Zeltendache weilen hier und dort, für ewige Zeiten!" — Aber, fragen unsere Weifen, kann denn der sterbliche Mensch, der doch einmal scheiden muß von dieser Welt, kann er denn in zwei Welten, im Diesseits und Jenseits zugleich wohnen? Aber, erklären sie weiter in der ihnen eigenen schwungvollen, poesiereichen Weist die nur an' unser Ohr zu tönen braucht, um an alle- Saiten unseres Wesens anzuklingen: „es flehte David zu Gott um die Fortpflanzung seiner Lehren auf spatere Generationen — denn, „wer das Glück ha.t,-Wahr^ heiten,-die er gelehrt, von späteren Generationen nachgesprochen und beherzigt zu erlangen, dessen Lippen, und wenn er Jahrhunderte schon im Grabe schliefe, sie' bekommen in dem Augenblicke Leben, und bewegen sich — der Mensch ist.nicht tot, sein unsterblicher Geist